Ich starrte Leviathan an, die nur selbstgefällig grinste. "Das wars wohl, Bastard. Du magst schnell heilen, aber das wirst du nicht überleben." Kraftlos sank ich auf die Knie und kippte zur Seite. Mein Kopf knallte auf den Boden und Sterne tanzten vor meinen Augen, als Leviathan auf mich zu kam, das Schwert zum finalen Hieb erhoben. "Gut gekämpft.", sagte die Dämonin. "Aber nun musst du sterben." Hatte die 'ne Ahnung. Mit letzter Kraft griff ich nach hinten und zog den Eistachel aus meinem Rücken. Sofort schoss ein Schwall Blut aus meiner Brust und ergoss sich auf Leviathan Stiefel. Ich spürte, wie ich immer schwächer wurde und es schien mir, als würde ich die ganze Szene von oben betrachten. Leviathan stach zu, durchbohrte mein Herz erneut und im selben Moment explodierte das Kopfsteinpflaster neben mir. Eine Wurzel, dick wie mein Arm, schoss aus dem Boden, schlang sich um den Oberkörper der Dämonin und schleuderte sie zur Seite, wobei ihr Schwert aus meiner Brust gerissen wurde. Dann stand Emilia über mir, das Bokken in der Hand, das nun eine Schneide zu haben schien. So hatte sie also den Skorpionkrieger töten können, sie musste das Holz manipuliert haben. Schützend stellte sie sich vor mich. Ein grüner Schimmer umgab die Cambion und ihre eigentlich flammend roten Haare waren nun aschblond. Selbst in meinem angeschlagenen Zustand spürte ich die ungeheure Macht die sie ausstrahlte und begriff. Was sie eben gesehen hatte, mein vermeintlicher Tod, hatte Kräfte geweckt, die sie tief in sich verborgen hatte. Sie kniete kurz nieder, legte mir die Hand an den Hals und tastete nach meinem Puls. Ich sah, wie Tränen über ihr Gesicht rannen, als sie spürte, dass mein Herz nicht mehr schlug. Mit einem Schrei, der voller Wut, Hass und Trauer war, stürzte sie auf Leviathan zu. Die Dämonin wich Emilias Angriff mit einer blitzschnellen Bewegung aus, die fast schon gelangweilt wirkte, trat ihr die Beine weg und richtete die Spitze ihres Schwertes auf die Kehle der Cambion. In diesem Moment schien die Zeit stehen zu bleiben, selbst die Regentropfen schwebten regungslos in der Luft und die Farben wirkten gedämpfter. Ich blickte mich um und entdeckte einen Mann, der eben garantiert noch nicht da gewesen war. Er hatte dunkle Haut, trug Jeans, Turnschuhe und ein "Slayer"-Shirt. Mit einem etwas gelangweilten Gesichtsausdruck kam er auf mich zu, wobei er hier und da einen der Regentropfen antippte, der bei seiner Berührung zerstob. Er betrachtete mich aus tiefgoldenen Augen und legte den Kopf schief."Nathaniel Black.", sagte er schließlich. "So trifft man sich wieder. Du solltest versuchen mit dem Sterben aufzuhören." Ich war kurz versucht aufzulachen, verkniff es mir aber. "Ich werde mir Mühe geben, Azrael.", erwiderte ich stattdessen so sarkastisch wie möglich. Ich spürte, wie das Ankh-Kreuz auf meiner Brust langsam warm wurde, also würde ich gleich in meinen Körper zurück gerissen werden. "Was machst du hier?", fragte ich den Erzengel. "Tod kann meine Seele nicht ernten." "Das ist ihm mehr als bewusst. Und er ist deswegen ziemlich sauer. Um genau zu sein hat er mich geschickt um dir zu sagen, du seist ein…" Der Engel des Todes sprach ein paar Worte in einer Sprache die ich nicht einmal erkannte. "Ein… was?", hakte ich nach. "Genau lässt es sich nicht übersetzen, das ist Alt-Phönizisch. Tod hat diese Sprache gewählt, da sie mehr Beleidigungen enthält als jede andere. Im Grunde verflucht er dich und all deine Vorfahren und vermutet bei ihnen die Vorliebe für Sex mit Tieren und niederen Dämon." Ich grinste. Coole Sprache, die musste ich unbedingt lernen. War zwar ausgestorben, aber bei Gelegenheit würde ich Jack um Rat fragen. "Mehr nicht?", fragte ich Azrael. Dieser schüttelte den Kopf. "Nein.", antwortete er, wobei sein Blick auf Leviathan fiel und eine Spur von Hass zuckte über sein Gesicht. "Aber ich muss dir noch etwas sagen. Es geht um den Drachen des Westens. Ich habe euren Kampf beobachtet, gesehen, dass du Durendal gegen sie benutzen wolltest. Aber was du nicht wissen konntest ist, dass Durendal nicht mächtig genug ist, um die Schlange zu verletzten." "Was soll ich dann tun?", fragte ich. Ich spürte ein Ziehen, meine Seele, die zurück in meinen Körper gerissen wurde und wehrte mich. Ich brauchte Antworten. "Wie kann ich Leviathan aufhalten?" Azrael blickte hinaus aufs Meer. "Durendal ist nur ein Teil des Ganzen, ein Puzzleteil. Du musste alle Teile finden um Leviathan zu vernichten. Der erste Schmied wird dir helfen." "Kannst du dich nicht deutlicher ausdrücken?", fragte ich. Beziehungsweise wollte ich das fragen, aber ich kam nur bis "kannst du dich…", bevor ich zurück in meinen Körper gerissen wurde. Scheiße, hätte ich etwas länger an der Schwelle zum Tod gestanden, hätte ich bestimmt etwas klarere Informationen aus Azrael herausbekommen können. Aber für den Moment hatte ich größere Sorgen. Kalter Regen prasselte auf mein Gesicht, was bedeutete, dass die Zeit weiter lief. Leviathan richtete immer noch ihr Schwert auf Emilia. Meine Hand schoss zur Seite, ich bekam den Speer zu fassen und sprang auf. Die Dämonin starrte mich fassungslos an, oder vielmehr das Ankh-Kreuz, dessen Glühen gerade noch so durch mein Shirt zu sehen war, bevor ich den Speer schwang und ein gezielter Windstoß Leviathan weit hinaus aufs Meer katapultierte. Ich rannte zu Emilia und zog sie auf die Beine. Ihre Augen wurden groß, als sie die Wunde über meinem Herzen betrachtete, die fast schon verheilt war. "Aber… Du warst tot.", stammelte sie. "Ich habe es gespürt. Wie… Wie ist das möglich?" "Später.", rief ich. "Schnapp dir Kiara und rennt zu Eric, ich hole Direndal. Wir haben nicht viel Zeit, Leviathan ist in ihrem Element, das macht sie nur gefährlicher." Innerhalb weniger Sekunden hatte ich die heilige Klinge aufgehoben, sie zurück in die Scheide gesteckt und war zu meinen Freunden gespurtet. Dank Emilias Kräften ging es Eric etwas besser, aber er humpelte und war ziemlich blass. Während ich sie in die Schatten zog, sah ich gerade noch wie Leviathan sich aus dem Meer erhob, auf einer Säule aus Wasser stehend. Sie riss den Arm hoch, doch bevor sie angreifen konnte, waren wir schon verschwunden. Kaum traten wir aus dem Schatten der Villa, sank ich auf ein Knie. Eine Welle der Müdigkeit übermannte mich fast, ich fühlte mich als könne ich zwei Monate durch schlafen. Ein paar Augenblicke später war das Gefühl wieder verschwunden. "Lasst uns Eric rein bringen.", sagte ich. "Jasmin sollte sich um ihn kümmern." Emilia nickte. "Was ist mit Marcus und Damon? Hat Jack die beiden zurückgebracht?" Ich zuckte zusammen und ballte die Fäuste so fest, dass meine Fingernägel sich in meine Handflächen bohrten. Die drei schauten mich überrascht an. Ein Kloß saß mir im Hals, als ich leise erwiderte: "Ich muss euch etwas sagen. Es geht um Damon. Anderson hat ihn bei unserem Kampf getötet."
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Rogue Hero
Fantasía"Jedes Land hat so seine Legenden. In jedem Landstrich hatten die einfachen Leute vor etwas anderem Angst. So entstanden Märchen und Legenden über die verschiedensten Wesen. Vampire, Werwölfe, Elfen, Riesen, Kobolde und so weiter. Du kennst diese Ge...
