Corinne sitzt bei offenem Fenster in ihrer Schlosswohnung und grübelt.
Es ist Nacht. Es ist spät und Nacht und sie findet keine Ruhe.
Die Welt wie sie sie kennt scheint sich aufzulösen und das macht ihr Angst, Das verunsichert sie zutiefst. Sie möchte glauben, was sie sieht und nichts darüber hinaus, aber das scheint nicht mehr zu funktionieren. Ihre Überzeugung von Folgerichtigkeit, von Berechenbarkeit, von Realität, von Gerechtigkeit, alles scheint hier in Frage gestellt.
Ihre Tochter scheint auf sonderbare Weise Metall zu verfärben.
Die eiegnartigen Kündigungen der Stadt über die Pachtflächen, nun eine Antwort des Landrats auf ihre Dienstaufsichtsbeschwerde, eine Pflichtverletzung könne nicht erkannt werden. In der Folge sofort eine Strafandrohung des Umweltamtes wegen nicht sachgerechter Mistlagerung.
Wie kann das sein, denkt sie.
Manches ist so offenkundig unerklärlich, manches nur ungerecht, ungerechtfertigt und ungesetzlich, aber sie kann nichts dagegen machen. Oder nicht schnell etwas dagegen machen. Sie müssen all diese Vorfälle dem Anwalt geben, der das aufbereitet und dann langsam die Gesetzesmaschinerie in Gang setzt. Auf lange Sicht, auf lange Sicht werde man Recht bekommen, sagt Zimmermann, aber das tröstet wenig, für den Moment.
Larissa hat ihr ein Schreiben des Bürgermeisters gezeigt. Sie hatte ihn adressiert und um Vermittlung gebeten, dieser hatte sich aber eindeutig auf die Seite des Grafen gestellt und Larissa unmissverständlich klargemacht, dass er an der Position des Vereins nicht interessiert sein, dass sie ihr Kind lieber bei einem anderen Verein anmelden sollte. Bei welchem? Fragt Larissa, es gibt doch niemanden, der hier etwas für die Kinder anbietet. Die Frage verhallt unbeantwortet, wird vielmehr damit beantwortet, man solle sich als Verein doch nicht dauernd hinter den Kindern verstecken.Warum, denkt Corinne. Wo bleibt hier die Logik, die Gesprächsbereitschaft, das Interesse ein Problem unter Erwachsenen erwachsen zu lösen?
Dazu all die ganze Hetze im Internet. Sie hat sich nun mal die Mühe gemacht, diese Gruppe zu studieren, nicht zuletzt, weil auch Gerhard sie mit Nachdruck darauf hingewiesen hat. Ja, es ist übel, was die schreiben. Übles verleumderisches, erlogenes Zeug. Irgendetwas in ihr sträubt sich, das Ganze ernst zu nehmen. Aber Gerhard zeigt ihr Mails von Eltern, die an den Verein gingen, die angeschrieben wurden von einem Herrn Bonsayh und einer Frau Schmilewski, Mails in denen ihr Straftaten unterstellt werden und den Eltern geraten wird, ihre Kinder zügig aus dem Programm des Vereins abzumelden. Und es geschieht. Die Kurse sind nur noch dünn besucht, die Kinder bleiben weg.
Ein Sponsor hat geschrieben, auch er wurde angeschrieben wegen angeblicher Straftaten der Corinne Haalswor, er erwartet Rechtfertigung, zieht aber danach trotzdem seine Förderangebote zurück. Und das ist nur die Spitze des Eisberges, denkt sie, das sind nur die Leute, die sich bei uns melden. Gerhard hat sich die Mühe gemacht, bei den anderen Sponsoren nachzufragen. Man hält sich bedeckt, lässt aber durchblicken, dass auch hier Mails und Briefe angekommen sind.
Das kann doch alles gar nicht wirklich passieren?
Sie fühlt sich, wie ein einem Buch, einer Geschichte. Einem Buch aus der Schullektüre, bei dem symptomatisch und zu Erziehungszwecken aufgezeigt werden soll, wie man jemand vernichtet, indem man seine Realität verfremdet, verdreht, verbiegt, verformt, bis nichts mehr davon zu erkennen ist.
Ruhelos steht sie auf.
Die Luft in den Räumen ist zum Schneiden und riecht muffig.
Sie wird heruntergehen im Stall nach dem Rechten sehen.
Desi und Dieter haben ihr neue Insassen beschert. Ein Nachbar von Desi, im Nebendorf war krank geworden und konnte schon seit geraumer Zeitnicht mehr für seine Miniponys sorgen.
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Libertas Haus, das Schloss
ParanormalWas bisher geschah: Corinne Haalswor und ihre 16 jährige Tochter Tamara ziehen aus München in den wilden Osten Deutschlands ins Hinterland von Halle/Saale in das kleine Dorf Grömlitz. Hier scheint die Zeit stillzustehen und es finden sich bald all...
