Ehrlichstett, Juli 2016

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Es ist ein unglaublicher Gestank. Widerlich, ekelerregend, todbringend.


Corinne hält trotz der anhaltenden Sommerhitze alle Fenster im Schlossgeschlossen und zum ersten Mal freuen sie sich über die Grundkühle,die die feuchten Mauern des Schlosses abstrahlen, aber sie entkommen dem Gestank nicht. Der üble Fäulnisgeruch liegt, wie eine Glocke über inzwischen ganz Ehrlichstett und die Leute kommen in Scharen, um nachzusehen, was geschehen ist.


Der Schlossteich ist umgekippt und nahezu über Nacht sind sämtliche Fische gestorben.

Die in der Sommerhitze im Wasser vor sich hin faulenden Kadaver verursachen den brechreizerregenden Gestank.


Noch vor einer Woche haben sie sich über den Klapsmann lustig gemacht, der zu Fuß über den Teich, wie über das verbleibende Bisschen Wasser gehen konnte, denn durch die wochenlange Hitze war die Feuchtigkeit im ohnehin nicht gerade tiefen Schlossteich weitestgehend verdunstet und der durch von Hülstorff reingeschüttete Bauschutt kam zu Tage. Der Bauschutt hatte zuvor schon die Wasserpflanzen zum Eingehen gebracht, so dass die Wasseroberfläche nun ungeschützt der Sonne, der Aufheizung und der Verdunstung preisgegeben war.

Corinne hat von den freigelegten Bauschuttgebilden eine gruselig schöne Fotostrecke gemacht und es sich nicht nehmen lassen, diese zu Frau Kohl ins Amt zu schicken, aber es kam nur die lakonische-ironische Antwort: „Frau Haalswor, ich sehe gar keinen Bauschutt".


Hülstorff selbst hatte die Angelegenheit wohl ernster genommen, denn er hatte seinen Sommerurlaub abgebrochen und war angereist. Sie hatten belustigt beobachtet, wie er zunächst versucht hatte, mit einem Ruderboot den Teich zu befahren und den Bauschutt abzusammeln. Den Versuch musste er bald aufgeben. Der Wasserstand war zu niedrig, um den Teich zu befahren und es war zu viel Bauschutt. Also lief er nun zu Fuß durch das niedrige Wasser, zog das Boot hinter sich her und sammelte es voller überständigen Bauschutts, den er am Ufer auslud und der dann, sehr zum Ärger von Corinne und Gerhard auf den Pachtflächen des Vereins vergraben wurde.

Trotz aller Tragik sah es lustig aus, so als wandle der Schlossherr über Wasser, wie der Herrgott selbst und sie fanden den Galgenhumor für ein herzliches Lachen.

Schließlich rückte die Feurerwehr an und füllte Tage lang den malträtierten Teich mit Wasser aus dem Flüsschen auf, das durch die Pachtgründe des Vereins floss.

„Na ob das hilft," grübelten Mirko und Dieter, beide passionierte Angler, die mit Bedenken die ersten toten Fische zur Kenntnis nahmen.

Der Klapsmann nahm diesen Moment zum Anlass, schnellst wieder abzureisen.

Denn die Katastrophe nahm ihren Lauf, das Fischsterben beschleunigte sich rapide und bald war die gesamte Fläche des Teichs mit Fischkadavern dicht an dicht übersät.

Und dann kam der Gestank. Nichts ließ sich nun mehr verbergen, denn der Gestank der verrottenden Kadaver durchzog ganz Ehrlichstett und blieb in der Sommerhitze stehen, wie ein übles Vorzeichen.

„Wartet es ab," orakelte Gerhard düster „sie werden wieder einen Weg finden uns das Schlamassel anzudichten."


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