Lola
Die Fahrt zum Flughafen ist schrecklich. Unruhig rutsche ich auf dem Sitz hin und her. "Ich werde dich nicht bitten zu bleiben oder ihm zuzuhören." Sagt Leonardo irgendwann. Verwundet schaue ich ihn an. "Luca hat wirklich Mist gebaut. Oft. Du hast ihm so oft verziehen. Ich kann verstehen, dass es jetzt genug ist." Fährt er ruhig fort und schaut stur auf die Straße. Ich lasse es einfach so stehen.
Bevor ich in die Maschine steige, zieht Leonardo mich in eine feste Umarmung. "Vielleicht bekommt ihr irgendwann eine zweite Chance. Wenn du je irgendwas brauchst, ruf mich an. Ich bin für dich da." Sagt er und mir kommen die Tränen. Daher nicke ich und steige ins Flugzeug. Als die Türen sich schließen, atme ich tief durch. Mein verräterisches Herz hat tatsächlich noch gehofft, Luca würde kommen und mich um Verzeihung bitten. Aber, er ist nicht gekommen. Für ihn hat es sich wohl erledigt.
Der Flug zieht sich. Ich wechsel zwischen schlafen und Heulkrämpfen. Die Stewardess sieht mich mitfühlend an und stellt mir ein paar Pralinen hin. Als ob das funktionieren würde. Nach elendig langer Zeit landen wir. Von Weitem sehe ich schon Mario, Claire und Enzo am Rollfeld stehen. Kaum ausgestiegen, werde ich bereits in Claire's Arme gezogen. Sie sagt kein Wort, sie hält mich einfach nur fest und ich brauche auch nichts sagen. Ich sehe an ihren Blicken, dass sie wissen, was passiert ist. Auch Mario nimmt mich kurz in den Arm. Enzo sogar ein wenig länger.
Während der Fahrt nach Hause hält Claire meine Hand. Sie lächelt mich aufmunternd an. Aber ich bin dankbar, dass sie mir die Zeit und die Ruhe gibt. Denn kaum im Haus angekommen, stürmt die Rasselbande auf mich zu. Aufgeregt plappern sie durcheinander und ich bin froh über jede Ablenkung.
Die nächsten Tage erlebe ich wie in Watte. Zwar bin ich tagsüber durch die Kids abgelenkt, aber abends kommen die Gedanken zurück.
Nach dem Abendessen setze ich mich unter den Baum und denke zurück an die Zeit hier mit Luca. "Hey Süße." Höre ich Vito, der sich neben mich setzt. Keiner von ihnen hat mich bisher auf Luca angesprochen und darüber bin ich wirklich froh.
"Wie geht's dir?" Will er wissen und ich schnaube frustriert auf. "Wie soll es schon gehen." Gestehe ich. Er nickt wissend und drückt meinen Arm mitfühlend. "Wenn du reden willst, wir sind alle für dich da." Sagt er und steht auf. "Ich vermisse ihn." Platzt es dann doch aus mir raus. Vito nickt mitfühlend. "Wer weiß. Eine Fernbeziehung über diese Entfernung wäre ziemlich schwierig geworden." Sagt er und lächelt gezwungen. "Fernbeziehung. Ich versteh nicht." Erwidere ich stirnrunzelnd. "Naja. Luca. Er wäre doch eh in New York geblieben." Sagt er so beiläufig, als ob ich es wissen müsste. Doch als er meinen Gesichtsausdruck sieht, fällt ihm alles aus dem Gesicht. "Fuck. Du wusstest es nicht?" Fragt er kleinlaut. "Nein." Wispere ich und die Tränen rollen. Vito zieht mich in den Arm und hält mich, während ich wieder weine.
Später im Bett, nehme ich mein Handy zur Hand. Bis jetzt habe ich es noch nicht wieder angeschaltet. Sam schreibt.
*Hey wie geht's dir. Bist du gut gelandet. Kuss Sam.*
*Hey, wenn du reden willst. Melde dich.*
*Hey. Mach mir Sorgen.*
*Hey. Muss ich in ein Flugzeug steigen und mich davon überzeugen, dass es dir gut geht. MELDE DICH. Kuss Sam.*
Ich muss schmunzeln und antworte ihr kurz.
*Sorry. Handy war aus. Mir geht es soweit gut. Die Kids lenken mich ab. Wie geht's dir?*
Dann sehe ich die vielen verpassten Abrufe. 135 an der Zahl. Dutzende Sprachnachrichten. Verdammt. Luca. Lass es gut sein. Wütend tippe ich eine Nachricht.
*Es ist aus. Endgültig. Bitte lass mich in Ruhe! Lola*
Sofort kommt eine Antwort.
*Bitte. Hör mir einmal zu.*
Innerlich schreie ich gerade. Dieser Mistkerl. Betrügt und lügt. Wie oft haben wir über New York gesprochen, er hat mit keiner Silbe erwähnt, dass er nicht mit zurück nach Italien kommt. Daher tippe ich:
*Ich weiß, dass du nicht mit mir zurück nach Italien gegangen wärst. Es gibt nichts mehr zu reden. Lösch meine Nummer.*
Bei jedem Wort zerreißt es mir das Herz mehr. Aber es muss sein. Er hat mich zu oft verletzt. Es ist vorbei. Ich muss ihn vergessen. Ein für alle Mal. Ich werde ihn ewig in meinem Herzen tragen. Er war meine große Liebe und wird es immer bleiben.
Die nächsten Tage vergehen langsam. Der Alltag hat mich wieder, aber ich fühle mich leer und kalt. "Hey Lola." Höre ich Rosa hinter mir, als ich Luna in der Schaukel anstupse. "Hey." Erwidere ich und ringe mir ein Lächeln ab. "Wie geht es dir?" Flüstert sie und legt behutsam eine Hand auf meine Schulter. Ich zucke leicht zusammen, bei der unerwarteten Berührung. "Wie wäre es, wenn du mich später besuchen kommst. Wir könnten reden. Mario ist mit Valeria im Kino." Erklärt sie lächelnd. Ich nicke ihr dankbar zu. Vielleicht ist es wirklich an der Zeit, mir mal alles von der Seele zu reden.
Nachdem ich mit Claire die Kids ins Bett gebracht habe, mach ich mich auf den Weg zu Rosa. "Lola, warte..." Ruft Claire und kommt aus dem Wohnzimmer zu mir. "Hier. Das ist Rosa's Lieblingswein." Zwinkert sie mir zu. Natürlich weiß sie Bescheid, dass Rosa mich eingeladen hat. In dieser Familie gibt es wirklich keine Geheimnisse.
Rosa ist gerade noch bei ihren Eseln und füttert sie. Zusammen gehen wir ins Haus und ich überreiche ihr die Flasche. "Von Claire." Erkläre ich schüchtern und Rosa lacht laut auf. "War klar. Ich weiß nicht, wie viele Flaschen wir davon schon getrunken und wie viele Nächte wir durchgequatscht haben." Bei dem Gedanken daran muss ich an Sam denken. Ich hatte noch nie eine Freundin, aber so muss es sich anfühlen. Sie war für mich da, als es mir richtig dreckig bin. Als Rosa mir ein Glas reicht, mache ich etwas, das ich noch nie gemacht habe. Ich mache ein Selfie von mir und dem Glas Wein und schicke es Sam.
*Wünschte du wärst hier und wir könnten den gemeinsam trinken. Liebe Grüße Lola.*
Ob sie es wohl blöd findet? Rosa beobachtet mich dabei und muss lachen.
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Der Mafiaprinz
RawakDie 2. Generation Luca ist der Sohn des Mafiaboss Leonardo Mancini. Er ist wild, aufmüpfig und verdammt selbstbewusst. Von Verantwortung hält er nichts und will nur seinen Spaß. Doch als er zu seinem Onkel dem Padre nach Italien geschickt wird, änd...
