Bei Riku angekommen, öffnete er mir auch sofort die Tür. „Hi, hast du Zeit für mich?" fragte ich und setzte mein nettestes Lächeln auf. „Wenn's dich nicht stört, dass Laura hier ist, klar." „Mich nicht, aber ich will euch beide nicht stören." Wenn die beiden gerade ein Date oder so hatten, dann wollte ich wirklich nicht dazwischen funken, nur weil es mir nicht gut ging. „Du störst nicht, alles gut. Außerdem hab ich dich schon vermisst." sagte er und bückte sich zu Leevi runter. „Ach mich etwa nicht?" fragte ich lachend. Ich hatte schon viel bessere Laune. „Doch, dich natürlich immer. Kommt doch rein."
Drinnen stellte er mich dann gleich Laura vor.
„Samu, meine Freundin Laura. Laura, mein bester Freund Samu." Sie waren jetzt also wirklich ein Paar. Das freute mich so für ihn. Sie wirkte wirklich nett und optisch gesehen passten sie auch super zusammen.
„Und wer ist der kleine Mann?" frage sie und strich meinem Kleinen einmal sanft über den Kopf. „Leevi, unser Sohn." „Hallo Leevi. Wie alt ist er denn?"
„Fast 10 Monate." „Ach wie süß. Meine Kleine ist 8 Monate. Die beiden würden sich bestimmt gut verstehen." Sie hatte eine Tochter? Das hatte Riku ja noch gar nicht erzählt. „Ja bestimmt." antworte ich lächelnd, guckte danach aber etwas verwirrt zu Riku, der nur mit den Schulter zuckte. Entweder er wusste es auch noch nicht lange oder er hatte es mir, warum auch immer, verschwiegen. War jetzt aber auch egal, solange er damit klarkam, war ja alles gut.
„Na komm mal her Süßer." sagte Riku, woraufhin Leevi sofort reagierte und zu ihm krabbelte. Er war einfach der beste Patenonkel, den man sich wünschen konnte und der Kleine liebte ihn von Anfang an.
Kaum war er auf Riku's Schoß, krabbelte er aber auch schon weiter zu Laura um freudig an ihren Haaren herumzuspielen. Das war total sein Ding, er konnte einfach nicht die Finger von den Haaren anderer Leute lassen. Doch heute musste ich mich wirklich zusammen reißen nicht wieder emotional zu werden, da ich plötzlich nicht Laura, sonder Finja vor mir sah. Riku merkte es mir sofort an und guckte mich besorgt an, doch ich schüttelte nur schnell den Kopf und versuchte mich wieder zu fassen. Dank meinem besten Kumpel schaffte ich das auch relativ schnell und kam wirklich mal auf andere Gedanken, was mir richtig gut tat. Trotzdem wollte ich nicht allzu lange bleiben, schließlich hatte ich noch andere Dinge vor. „Laura und ich wollten noch Essen gehen, wollt ihr mit?" „Ne, wir haben euch sowieso schon lange genug gestört, außerdem wollte ich noch zu Finja ins Krankenhaus fahren."
„Wie gesagt du störst nie Samu, gerade nicht in dieser schweren Zeit. Sollen wir dann auf Leevi aufpassen?" Er war wirklich der beste. Wie er sich um mich sorgte und mich bei allem unterstützen wollte, bedeutete mir echt viel, aber ich wollte nicht die Hilfe von jedem ausnutzen. „Das ist echt nett von euch, aber ich bringe ihn wieder zu Sanna für die paar Stunden." Kurz darauf standen wir dann auch schon an der Tür und verabschiedeten uns. „Bleib stark und ruf mich jeder Zeit an, wenn irgendwas ist, egal wann. Ich komme auch mitten in der Nacht vorbei." sagte Riku noch leise während wir uns zum Abschied umarmten. Es kam nur ein einfaches „Danke." aus meinem Mund, bevor ich dann mit dem Kinderwagen zurück schlenderte.
Zum Krankenhaus fuhr ich dann mit Auto, damit es schneller ging.
Mir war es extrem peinlich, dorrt aufzukreuzen nach meiner dummen Aktion gestern. Ich entschuldige mich nochmal ganz freundlich bei dem Arzt und der Angestellten. Zwar waren Sie wirklich nett zu mir, aber natürlich konnte der Arzt nicht lassen, mich nochmal auf einen Psychologen anzusprechen. Ich war echt genervt, als würde ich das nicht auch alleine hinbekommen. „Anstatt über mich zu reden, würde ich lieber wissen, ob Sie schon mehr über den Zustand meiner Frau wissen. Diese Ungewissheit bringt mich um."
„Sie liegt im Koma, wir können nicht sagen, wann sie aufwachen wird. Das ist bei jedem unterschiedlich. Wie schon gesagt, reden Sie viel mit ihr, ganz normal wie immer. Sie bekommt vieles unterbewusst mit." Ich hatte mir echt eine andere Antwort erhofft.
Ich nickte nur kurz und ging dann schnellen Schrittes hoch auf die Intensivstation. Auch wenn Finja nicht ansprechbar war, tat es gut sie zu sehen. Zwar in einem unschönen Zustand mit alle den Geräten um sie herum, aber es war wenigstens etwas. Ich hatte mir vorgenommen morgen meine Gitarre mitzunehmen um ihr ihre Lieblingslieder vorzuspielen. Vielleicht half ihr das, wenn ich oft genug tat. Sie liebte es doch so, wenn ich für sie sang.
„Hey mein Engel." sagte ich leise und setzte mich neben ihr Bett. Sofort griff ich nach ihrer Hand und strich sanft drüber. „Weißt du, gestern habe ich echt Scheiße gebaut. Ich habe mich total betrunken und bin hier aufgetaucht um dich zu besuchen. Natürlich durfte ich nicht und habe dann einen Aufstand gemacht bis Sanna mich abgeholt hat. Ich wohne erstmal bei ihr mit Leevi, damit ich Ablenkung und ein bisschen Hilfe habe. Gerade eben war ich bei Riku und seiner neuen Freundin Laura. Du würdest sie mögen, ihr werdet bestimmt gute Freundinnen. Außerdem hat sie eine Tochter in Leevi's Alter. Nachher gehe ich dann noch mit Sanna, Miikka und den Mädchen in die Eisdiele. Umso mehr Ablenkung, desto besser. Ich vermisse dich so..."
Ich machte eine kurze Pause, da ich einen fetten Kloß im Hals hatte. „Ich verspreche dir, dass ich jeden Tag kommen werde und dir von meinem Tag erzählen werde. Du wirst nichts verpassen. Morgen bringe ich auch meine Gitarre mit. Leevi bringe ich lieber nicht mit, er soll dich nicht so sehen. Ich tue mein bestes damit es ihm gut geht und ich werde auch keinen Mist mehr bauen, das kannst du mir glauben. Ich werde stark sein, für dich und für unseren kleinen Schatz. Wir alle hoffen, dass du ganz bald wieder aufwachst. Dein Lachen und deine fröhliche Art fehlt mir so sehr. Warum musste gerade dir so etwas passieren, ich versteh's nicht. Ich würde lieber hier lagen, anstatt du..."
Meine freie Hand strich über ihre Wange und blieb an ihren Lippen hängen. Sie waren total ausgetrocknet und doch wollte ich sie unbedingt wieder spüren. Ich beugte mich leicht vor und lag meine Lippen auf ihre. „Ich liebe dich so sehr. Gerade sehe ich einfach kein Licht am Ende des Tunnels, aber wenn du wieder aufwachst, dann pass ich immer auf dich auf, jede Sekunde. Damit dir auch nie wieder etwas passiert, das lasse ich nicht zu. Wir werden wieder glücklich sein und alles wird wieder gut...Du musst nur wieder wach werden, aber das packst du, das weiß ich."
Ich saß noch eine gefühlte Ewigkeit bei ihr und redete über alles mögliche. Zum Schluss zog ich mir meinen Pulli aus, um ihn ihr vorsichtig unter den Kopf zu legen. Ich hatte mich im Internet informiert und so kleine Gesten konnten Komapatienten schon helfen, deswegen versuchte ich es einfach. Ich wollte mich gar nicht mehr von ihr entfernen, aber ich war schließlich noch mit Sanna verabredet, weshalb ich mich dann irgendwann mit noch einem Kuss verabschiedete.
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Forever yours
FanfictionNach der Geburt von Leevi und der Hochzeit von Finja und Samu scheint alles perfekt, doch ihre Zukunft hält noch viele Überraschungen bereit. Fortsetzung von „Liebe auf den ersten Blick?"
