„Verpiss dich." sagte ich gleich als er vor mir stand, da ich gerade echt andere Sorgen hatte als diesen Idioten. Schnell wischst ih mir meine Tränen weg, wobei ich es eh nicht verstecken konnte, bei meinen roten, verheulten Augen. „Nein, warte doch mal." Er hielt mich noch an meiner Schulter fest, bevor ich weggehen konnte. „Was willst du? Wer gibt dir das Recht hier einfach so aufzutauchen?" fragte ich wütend und befreite mich aus seinem Griff. „Ich habe von dem Unfall von Finja gehört...Ich weiß ich war das letzte Arschloch, aber ich würde sie einfach gerne besuchen. Ich bin extra hier hergeflogen und keiner lässt noch zu ihr rein, weil ich nicht zur Familie gehöre." Der hatte Nerven...kam hier einfach so her und wollte zu ihr? Ich war echt fassungslos. „Du warst? Du bist immer doch das größte Arschloch. Geh jetzt einfach, bevor ich mich vergesse."
„Mich nimmt das echt mit, das musst du doch nachvollziehen können. Ich will doch nur kurz zu ihr. Ich bin doch nicht her geflogen um dielt wieder abzuhauen."
Pah, was dachte er wer er war? „Das ist deine größte Sorge? Ich raste gleich aus. Ja, ich weiß wie sich das anfühlt ok? Meine Frau liegt verdammt nochmal in Koma und keiner weiß wann und ob sie überhaupt wieder aufwacht! Und du machst dir darüber Sorgen ob du umsonst hier her geflogen bist? Weißt du eigentlich wie ich leide? Weißt du wie es ist wenn man morgens noch als glückliches Paar das erste Wort von seinem Sohn zu hören bekommt und man dann für ein paar Stunden weg ist und die Frau auf einmal im Koma liegt? Sie wollte mich abholen und dann bekomme ich plötzlich anstatt von ihr einen Anruf vom Krankenhaus. Also tue jetzt bitte nicht so als würdest du derjenige sein, der leidet! Sie würde dich nicht sehen wollen also verschwinde einfach wieder nach Berlin und lass uns in Ruhe!" Ich wurde lauter und lauter und schrie am Ende schon richtig, was natürlich mal wieder total unangebracht in einem Krankenhaus war, aber ich ich konnte einfach nicht anders.
„Ich versteh ja, dass du gerade aufgebracht bist, aber ich mir tut das auch weh." Ach Gott, der arme, arme Daniel. Was war denn falsch mit dem? „Und mal ganz ehrlich. Hättest sie dich nicht abholen müssen, wäre das alles gar nicht passiert, also denk mal drüber nach, wessen Schuld es ist, warum sie hier liegt." Ok, das war genug. Ich holte mit voller Wucht aus und schlug ihm direkt ins Gesicht, sodass er sofort nach hinten fiel und auf dem Boden landete. Um uns herum wurde es hektisch, ein paar Leute knieten sich neben Daniel und sorgten sich, während ich sofort vom Arzt weggezogen wurde. „Sie schon wieder Herr Haber, muss ich Ihnen ein Hausverbot erteilen, wenn das so weiter geht? Ich verstehe ja, dass Sie momentan verwirrt sind und schlecht mit der Situation klar kommen, aber sowas geht einfach nicht. Das kann ich nicht akzeptieren." Ernsthaft jetzt? Ich meine dass ich besoffen hier war, war meine Schuld, aber das jetzt? Nein, ganz sicher würde ich mir dafür nicht die Schuld geben und schon gar würde ich mir einen Hausverbot erteilen lassen, wenn Finja hier lag.
„Das können Sie nicht machen. Das war nicht meine Schuld." Ich erzählte ihm von Daniel's wirklich unangebrachten Worten und auch wer er überhaupt war. Glücklicherweise verstand er das auch und ich wird nicht einfach rausgeschmissen. Gerade wollt ich aber einfach nur noch gehen. Hoffentlich würde der Typ wirklich wieder abhauen und mich in Ruhe lassen. Mit dem hier hatte ich wirklich nicht gerechnet. Ich hatte ihn ehrlich gesagt schon wieder vergessen oder einfach ausgeblendet. Er war unwichtig, Vergangenheit. Hier in Helsinki sollte für Finja und mich alles besser werden...Für eine kurze Zeit war es das ja auch, aber dieser Unfall zerstörte unser Glück. Trotzdem würde ich nicht aufgeben. Sie würde schon wieder aufwachen, das redete ich mir immer und immer wieder ein. Ganz egal wann, ich würde warten bis sie endlich wieder ihre wunderschönen blauen Augen öffnen. Alles würde wieder gut werde, es musste wieder gut werden...
Als ich wieder draußen war rief ich als erstes Nea's beste Freundin Anna an. Ich wollte sie unbedingt fragen, ob sie wusste, dass Daniel hergeflogen war. Eigentlich waren sie zwar auch nicht mehr in Kontakt, aber man wusste ja nie. Sie erzählte mir jedoch, dass sie absolut keine Ahnung davon hatte und auch total verwundert darüber war. Wehe, der würde nochmal da auftauchen. Ich verstand echt gar nichts mehr...
Mit vollem Kopf fuhr ich dann wieder zu Sanna um mich mit Leevi zu beschäftigen. Als ich ins Wohnzimmer kam, lag sie gerade schlafend auf dem Sofa, während Leevi auf dem Teppich mit seinem Teddy spielte und irgendwas unverständliches vor sich her brabbelte. Ich konnte es kaum abwarten, bis er endlich richtig reden und selber laufen konnte. Bis jetzt krabbelte er immer im ganzen Haus herum und konnte ein paar wackelige Schritte gehen, wenn ihn einer an der Hand nahm.
Darauf war ich aber natürlich auch schon richtig stolz.
„Hallo mein Spatz, Papa ist wieder da." sagte ich euphorisch auf Finnisch und hockte mich sofort zu ihm auf den Boden. Er fing an fröhlich zu kichern und krabbelte gleich auf meinen Schoß. „Hast du die Tante kaputt bekommen?" fragte ich lachend und sah nochmal zu meiner Schwester. Eigentlich war sie nicht der Typ von Mensch, der nachmittags nochmal einschlief, aber anscheinend war Leevi ganz schön anstrengend gewesen. Ich bekam ein schlechtes Gewissen, dass ich ihr die meiste Arbeit mit ihm überladen hatte die letzten Tage, aber ich konnte es einfach nicht. Ich musste mir nochmal etwas schönes überlegen, um ihr und Miikka richtig zu danken.
Ich spielte drinnen eine Weile mit dem Kleinen, doch im Moment hielt mich drinnen nicht viel. Ich musste raus. Leevi setzte ich in seinen Kinderwagen und machte mich dann auf den Weg. Einfach mal ein bisschen spazieren und die frische Luft genießen. Ich hielt kurz an einem Spielplatz und setzte mich dort mit Leevi in den Sand. Er freute sich total und versuchte mich übermütig mit Sand zu bewerfen. „Ey du kleiner Frechdachs, das ist aber nicht nett." sagte ich zwar mahnend, musste aber lächeln.
Er guckte mich ganz verdutzt an. Manchmal fragte ich mich ob oder wie viel er schon verstehen konnte.
Ich ließ mich theatralisch nach hinten fallen, woraufhin Leevi wieder anfing zu lachen, was mir ,wie immer, das Herz erwärmte. Er krabbelte auf mich rauf und blieb direkt auf meinem Gesicht sitzen, was dann mich zum Lachen brachte. „Ganz schlechte Idee,Süßer."
Schnell hob ich ihn hoch und setzte ihn auf meiner Brust ab. Doch still bleiben konnte er natürlich auch dort nicht lange. Seine Hände betatschten mein Gesicht unaufhörlich, besonders faszinierend fand er meinen 3-Tage-Bart. Ich genoss diese kleinen Momente mit ihm einfach so sehr. Doch Finja fehlte mir gerade schon wieder total...Sie sollte auch hier sein und mit uns lachen...Ich verdrängte diesen Gedanken aber schnell wieder und konzertierte mich auf das kleine Wesen über mir. „Oh Leevi, ich habe dich so, so lieb."
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Forever yours
Fiksi PenggemarNach der Geburt von Leevi und der Hochzeit von Finja und Samu scheint alles perfekt, doch ihre Zukunft hält noch viele Überraschungen bereit. Fortsetzung von „Liebe auf den ersten Blick?"
