Vorfreude

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Beim Nachfragen merkte ich gleich, dass mich die Kellnerin erkannte und sie auch ganz schüchtern war. „Äh ja, hole ich Ihnen sofort." „Das ist nett, danke." Finja grinste mich auch nur wissend an, während sie versuchte Leevi ein bisschen still auf ihrem Schoß zu halten. Als wir den Stuhl dann bekommen hatten, zögerte die Kellnerin kurz, fragte dann aber doch noch nach einem Foto. „Klar, hast du dein Handy dabei?" fragte ich sie und lächelte. Auch wenn ich eigentlich lieber in Ruhe gelassen würde, wenn ich mit meiner Familie unterwegs war, wollte ich freundlich bleiben. Ich musste mich ja eh dran gewöhnen für die nächsten Monate und die junge Frau war ja auch wirklich nett und absolut nicht aufdringlich. Anschließend bestellten wir uns dann noch einen Kaffe und ein Stück Kuchen. Leevi durfte meinen aussuchen, damit er auch ein bisschen davon abhaben konnte. So wurde es dann ganz klassisch ein Apfelkuchen.

„Schmeckt der genauso gut wie von Oma?" fragte ich ihn nachdem ich ihm die Gabel in den Mund geschoben hatte. Er schüttelte nur den Kopf, was uns zum Schmunzeln brachte. Meine Mutter war einfach nicht zu übertreffen wenn es um's Backen ging. „Trotzdem gut?" „Ja. Will selber." „Was? Das heißt nicht ich will, sondern ich möchte." Er guckte mich mit großen Augen an und kicherte dann. „Tja, das mit dem strengen Vater musst du wohl nochmal üben." kam es dann belustigt von Finja, wofür sie einen gespielt bösen Blick von mir bekam. „Was hat Papa gerade gesagt, was du sagen sollst, wenn du noch ein Stück Kuchen selber essen möchtest?" Dabei betonte sie ganz besonders das „möchtest". „Möchte selber." „Genau, ich möchte selber essen." sagte sie klar und deutlich und lächelte den Kleinen an. „Bilde dir da ja nichts drauf ein." sagte ich, weshalb sie lachen musste. „Papa." kam es ungeduldig von unserem Sohn, woraufhin ich ihm meinen Teller dann auch vor die Nase stellte und ihn die Gabel in seine kleine Hand legte. „Und was sagt man jetzt?" „Danke." „Gut mein Spatz." sagte ich und gab ihm einen Kuss.

„Ich habe morgen schon meinen vorletzten Termin beim Frauenarzt. Wie schnell die Zeit jetzt doch wieder ging oder?" kam es dann irgendwann von Finja, die nachdenklich auf ihren Babybauch guckte. „Unfassbar ist das, ehrlich. Zuerst dachte ich, die Zeit vergeht ja gar nicht, aber im Rückblick ist die Zeit echt gerast." antwortete ich ihr und griff über den Tisch nach ihrer Hand. „Jaa, aber ich bin froh darüber. Ich habe keine Lust mehr auf diesen schweren Bauch. Diese Rückenschmerzen werden langsam unerträglich." beschwerte sich Finja und guckte mich gequält an. „Das glaube ich mein Engel. Wir können ja heute Abend in die Wanne und dann bekommst du noch eine schöne Massage von mir. Hast du Lust?" „Oh ja gerne." sagte sie lächelnd und gab mir einen Kuss auf die Hand. „Durst." kam es dann von Leevi, der schon wieder ganz quengelig wurde. „Sollen wir ein Wasser bestellen?" „Ja." Doch ihm dauerte das alles viel zu lange, sodass er anfing laut zu weinen.

Natürlich guckten mal wieder alle, doch Finja war die Ruhe selbst. Sie nahm ihn gleich zu sich auf den Schoß und beruhigte ihn auch relativ zügig. Gerade als er wieder ruhig war kam dann auch das Wasser von der schmunzelnden Kellnerin. „Einmal für dich Mister. Entschuldigung, dass das so lange gedauert hat kleiner Mann. Nächstens Mal beeilen wir uns." Als sie das sagte, mussten wir alle lachen.
Ein bisschen später ging es dann auch schon wieder zurück nachhause.
Am Abend, nachdem wir Leevi ins Bett gebracht hatte, gingen wir dann, wie abgemacht, zusammen in die warme Badewanne. Schon da massierte ich Finja an den Schultern und hauchte ihr immer wieder sanfte Küsse in den Nacken. Sie seufzte immer wieder und ich musste mich echt zusammenreißen. Anschließend massierte ich sie dann natürlich nochmal richtig auf dem Bett, bis sie ganz erschöpft einschlief.

Am nächsten  Tag ging es dann für Finja zum Frauenarzt, während ich mit Leevi zuhause blieb. Ich wäre ja auch gerne mitgekommen, aber dann hätten wir den Kleinen auch wieder mitnehmen müssen und das musste ja nicht sein, dass er da so lange mit im Wartezimmer sitzen musste. Ich holten meinen Laptop ins Wohnzimmer und machte uns eine finnische Kindersendung an, wobei immer wieder stoppte und mit Leevi darüber redete und mit ihm lernte. Er hatte richtig Spaß dabei und das machte mich natürlich auch total glücklich. Danach spielten wir noch ein bisschen und dann kam Finja auch schon wieder zurück. Breit grinsend kam sie in den Raum und setzte sich zu uns auf den Boden, wo Leevi sie gleich in Beschlag nahm. „Was grinst du denn so?" fragte ich meine Frau, die immer noch von einem bis zum anderen Ohr strahlte. „Der Geburtstermin von Mia hat sich um ein paar Tage verschoben. Es ist nicht mehr der 5. April, sondern der 2." Jetzt strahlte auch ich. Das war ja unglaublich. „Wenn das wirklich passiert, dann ist das das beste Geburtstagsgeschenk überhaupt." sagte ich und zog sie auf meinen Schoß."

„Das glaub ich sofort. Vor allem habt ihr dann immer an einem Tag Geburtstag. Das ist schon witzig. Als hätte sie es gewusst, dass ihr Papa an dem Tag Geburtstag hat." Ich schmunzelte und küsste Finja liebevoll. „Das ist so schön Engel. Ich freue mich total." „Ich mich auch. Und weißt du worauf ich mich auch noch freue?" „Worauf?" „Auf unseren Urlaub nächste Woche." antwortete sie mir zufrieden und küsste mich immer und immer wieder. „Schön, dass ich dir damit eine Freude bereiten konnte. Das wird toll." „Oh ja. Unser zweiter Familienurlaub, aber gleichzeitig auch unser letzter zu dritt." Ich nickte lächelnd und küsste sie erneut. Dann kam Leevi uns aber auch schon dazwischen. Er wurde wirklich schnell eifersüchtig und ich war echt gespannt wie es werden würde, wenn Mia auf der Welt war. „Na komm her mein Schatz." meinte Finja und nahm ihn zu sich und somit auch zwischen uns. Ich schloss meine beiden so nahe wie es Finja's Bauch zuließ, in die Arme und genoss dieses Gefühl einfach nur. Es gab nichts besseres auf der Welt.

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