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100. Silberglanz

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Es war ein idyllisches Fleckchen Erde. Naja begriff warum dieser Ort seinerzeit die Aufmerksamkeit von Marek und der gelben Drachendame Laorie auf sich gezogen hatte.
Die kleine Berggruppe über der sie und Geoff mit ihren Drachen kreisten lag wie eine Insel in der Steppenlandschaft des Ostens.
Hier gab es nicht nur Büsche und Hasen, wie Tanis bemerkte, sondern auch junge Bäume hatten sich an die Ausläufer der Schroffen Felsen geschmiegt die Ais der Ebene aufragten.
-"Das muss es sein!"-
Geoff meldete sich über die geistige Verbindung.
Naja blickte in die Richtung in die ihr Begleiter deutete und erkannte was er meinte.
Nach Ranars Enthüllungen war Varus fester denke entschlossen gewesen seine Mutter aufzuspüren. Geoff unterstützte ihn und auch Naja und Tanis wollten dieses Geheimnis lüften. Sie hatten sich mit Meister Marek in Verbindung gesetzt und ihn und seine Drachendame gebeten ihnen genau den Ort zu beschreiben wo sie Varus Ei gefunden hatten.
Die beiden Ratsmitglieder hatten sich nicht lange bitten lassen und den jungen Reitern eine genaue Beschreibung geliefert.
Nun näherte der Donner sich eindeutig dem Ort an dem Varus Ei gefunden worden war. Ein Felsplateau über dessen Klippen ein Wasserfall in die Tiefe stürzte. Das Plateau selbst war zweigeteilt. Die rechte Hälfte war völlig von dem Wasserlauf überspült der aus der Felswand über ihnen entsprang und in einer Kaskade auf den Boden passelte, sich wie in einem Becken sammelte um am anderen Ende des Plateaus in einem noch größeren Wasserfall in die Tiefe zu stürze.
Die andere Hälfte des Plateaus war massiver Fels auf dem sich aber, durch den Wind, eine dünne Schicht Sand gebildet hatte.
Es gab genug festen Boden, dass Tanis und Varus bequem landen und sich bewegen konnten ohne einander zu behindern.
"Ein atemberaubender Blick!" rief Naja über das Geräusch des fließenden Wassers hinweg als sie von Tanis Rücken glitt.
Tanis ließ sie einen Augenblick lang den märchenhaften Blick über die Landschaft unter ihnen genießen, bevor er vorsichtig ihren Geist anstieß.
-"Ich glaube Varus hat etwas entdeckt.."- flüsterte er und gemeinsam traten Drache und Reiterin zu ihren Mitreisenden.
Varus beschnüffelte einen Teil der Felswand. Naja konnte sehen wie aufgeregt der junge Braune war. Seine Atmung ging stoßweise und seine Flanken bebten vor Anspannung.
"Varus sagt, dass alles hier nach seiner Mutter riecht." erklärte Geoff.
"Wie kann er da sicher sein?" wollte Naja wissen. "Er hat ihren Geruch doch noch nie wahrgenommen."
"Stimmt.!" pflichtete Geoff bei der mindestens so aufgeregt wirkte wie sein Drache. "Aber Varus wittert einen Drachen der von seinem Blut ist. Wer sollte es sonst sein? Und hier! Seht!"
Geoff deutete auf die Felswand die Varus gerade Stück für Stück untersuchte.
Naja brauchte einen Augenblick, dann erkannte sie was ihr Freund meinte. Kratzspuren in der Wand! Ein Drache, weit größer als Tanis oder Varus hatte hier seine Krallen geschärft.
Der Anblick zog die ganze Reisegruppe in seinen Bann. Plötzlich jedoch bemerkte Naja, dass sich etwas verändert hatte. Die Geräusche um sie herum! Das Tosen des Wassers klang plötzlich anders als noch wenige Augenblicke zuvor. Sie wirbelte herum und erstarrte. Sie brauchte einige Augenblicke um wirklich zu verstehen was sie sah.
Eine gewaltige silberne Drachendame durchschritt den Wasserfall hinter ihnen. Das Wasser perlte über ihre Schuppen und ließ sie wirken als bestünde sie aus lebendem, flüssigem Silber. Der silbrig weiße Schaum des aufgepeitschten Wassers harmonierte mit dem Glanz der Drachenschuppen. Es war als wäre das wild schäumende Wasser lebendig geworden und formte nun den mächtigen Körper der sich hindurch bewegte.
Erst langsam begriff Naja, dass sich hinter dem ersten Wasserfall offenbar eine Höhle befinden musste in der sich die Drachendame verborgen hatte.
Inzwischen hatte auch der Rest der Gruppe bemerkt, dass sie auf dem Plateau nicht mehr alleine wahren. Keiner wagte es sich zu bewegen. Die Erhabenheit der Drachendame schien den Lauf der Welt selbst zu verlangsamen.
Nur Varus wagte einige Schritte auf den unbekannten Drachen zu. Die Silberne beugte sich zu ihm herunter und sog vorsichtig die Luft durch ihre Nüstern.
Eine Stimme erklang in Najas Gedanken die der jungen Reiterin einen Schauer über den Rücken jagte. Sie erinnerte an einen Windstoß der durch ein Blätterdach strich.
-"Mein Sohn!"-
Liebevoll begann die silberne Drachendame Varus mit ihrer Schnauze zu liebkosen. Sowohl sie als auch der junge Braune begannen behaglich zu summen.
-"Ich habe so lange auf deine Rückkehr gewartet. Es war nicht mein Wunsch dich fort zu schicken und nun....."-
Die Silberne trat einen Schritt zurück. Ihr Blick wanderte zu Geoff, Naja und Tanis.
-"Also hat der Verräter dich zu einem seiner Sklaven gemacht."-
Alle Wärme war aus dem Blick der Drachendame gewichen. Ein tiefes Knurren brach aus ihrem Schlund hervor und tödliche Zahnreihen schienen direkt auf die Reisegruppe zu zielen.
-"Also hat der Verräter nicht mal genug Ehre in sich um einen Anderen zu schicken um mich zur Strecke zu bringen als mein eigenes Fleisch und Blut?! Wenn dies meine letzte Stunde ist werde ich Galbatorix zeigen , dass dieser Drache aufrecht sterben wird!"-
-"Edler Drache!"- Naja trat hastig vor um zu verhindern das alles außer Kontrolle geriet. Sie wechselte in die alte Sprache damit die unbekannte Drachendame sich sicher sein konnte, dass sie die Wahrheit sagte. -"Wir suchen keinen Kampf mit euch. Wir sind Reiter des neuen Ordens der von dem Shurtugal gegründet wurde der den Verräter Galbatorix vor Jahren getötet hat!"-
Die Silberne erstarrte einen Augenblick, dann schüttelte sie den Kopf als wolle sie ein lästiges Insekt verscheuchen.
-"Hat der Mörder die Welt soweit vergiftet, dass selbst in dieser heiligen Sprache nun die Lüge wohnt?!"-
-"Mutter!"-
Das eine Wort von Varus war genug um die gesamte Aufmerksamkeit der Unbekannten auf sich zu ziehen.
Naja spürte wie ihr brauner Reisegefährte ihren Geist anstieß. Sie glaubte zu wissen was er vorhatte und sie öffnete sich. Sie Spürte wie Varus zur Brücke wurde für die Erinnerungen aller Mitglieder ihrer Reisegruppe. Er übersetzte alles was seit Galbatorix Tod geschehen war in die Sprache seines Volkes und leitete es an seine Mutter weiter. Er zeigte ihr seine Gefühle für Geoff, die Zuneigung die der ehemalige Stallbursche für seinen Drachen empfand. Er berichtete von den Werken des neuen Ordens, den Kriegern der Drachen und er berichtete auch von Naja und Tar. Einem Menschenkind das in einem Urgal ihren Vater sah! Den neuen Kolonien der Wilden und seiner Suche!
Als der Strom seiner Gefühle und Erinnerungen verebbte war der Blick der Silbernen unergründlich geworden.
-"Worte können lügen."- flüsterte sie schließlich. -"Aber eine Seele ist gebunden an die Wahrheit."-
Die Drachendame riss ihren Kopf herum. Eine gewaltige Falmmenzunge, begleitet von einem donnernden Brüllen ergoss sich in den Himmel.
Naja hatte das Gefühl als ob der unterdrückte Schmerz von Jahren mit dem Feuer aus dem Körper der Silbernen flutete.
Vögel brachen mit erschreckten Gezwitscher aus dem Blätterdach der Bäume unter ihnen.
-"Tragt es in die Welt hinaus ihr kleinen Brüder des Himmels!"- flüsterte die Drachendame erneut. -"Tragt es in die Welt! Die Drachen leben!"-





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