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110. Wolken am Horizont Teil 4

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Naja empfand ein tiefes Gefühl der Befriedigung als der Rat abstimmte und sich geschlossen hinter Eragon stellte. Auch der Wolfkatzenelf Bloedgram sagte einige Worte:
Er verkündete, dass die "Krieger der Drachen" voll und ganz hinter dem derzeitigen Arget Un stünden und den von Darus und Harkor vorgeschlagenen Kurs nicht unterstützen würden. Auch ihr Mandat sei es den Völkern beizustehen und nicht sie zu erobern und zu unterwerfen!
Gespannt wartete Naja nun welche Reaktion von Darus und seinem Drachen erfolgen würde.
Der alte Reiter sah zunächst so aus als ob er vor Wut kochen würde. Seine ganze Körperhaltung verriet, dass es in ihm brodelte und Naja rechnete im Grunde damit, dass er jeden Augenblick einen Sturm aus wütenden Anschuldigungen entfesseln würde aber erneut leuchtete der Seelenhort in Harkors Lichtgestallt auf und eine lautlose Unterhaltung begann.
Es dauerte nur einige Sekunden doch dann schien Draus innerlich in sich zusammenzufallen. Seine Schultern erschlafften und er senkte den Blick.
Es war Harkor der für die beiden antwortete:
"Wir akzeptieren natürlich diese Entscheidung. Vielleicht war unser ganzer Anspruch einfach voreilig und nicht gut durchdacht. Die Zeiten haben sich offensichtlich gewandelt und wir sind uns bei weitem noch nicht im klaren über alle Veränderungen die es gegeben hat. Es hat uns einfach überfordert zu erleben was die neue Welt alles bereit hält."
Naja lief eine Gänsehaut über den Rücken. Harkor war ein wahrer Redner. Nicht nur was er sagte war exakt was die Situation erforderte, nein, auch die Betonung des Drachen, die Pausen die er einlegte! Fast hätte er sie überzeugt! Zweifel an diesem alten Drachen schienen Naja auf einmal so flüchtig wie eine Kerzenflamme im Sturm. Die junge Reiterin aber weigerte sich die Zweifel sterben zu lassen. Sie hielt an ihnen fest auch als Harkor weiter sprach:
"In jedem Fall gibt es aber wohl keinen besseren Platz um zu lernen als dieses Tal. Ich hoffe ihr gestattet mir und meinem Reiter zu bleiben auch wenn wir uns hier im Ton vergriffen haben. Es ist einfach so überwältigend soviel neues zu sehen und soviel, dass verloren schien."
"Natürlich seid ihr willkommene Gäste des Ordens." entgegnete Umaroth nach kurzem Überlegen. "Dieses Tal steht euch offen. Auf eine Einschränkung müssen wir allerdings bestehen. Es ist uns Eldunarí verboten uns in der Reiterstadt in unserer Lichtgestalt zu zeigen. Ihre Bewohner sind in das Geheimnis der Seelenhorte nicht eingeweiht und so soll es auch bleiben. Die Bewohner der verschiedenen Völker halten sich vornehmlich im vorderen Teil des Tals auf. Sie alle haben zugestimmt die Grenze die der See bildet nicht zu überschreiten um den wilden Drachen ihre Freiheit zu belassen. Auch besuchen sie nur selten die Festung der Reiter. Dort kannst du Harkor dich stets offen zeigen als wäre dein Leib aus Fleisch und Blut aber nicht in den Regionen der Zweibeiner! Sehen sie uns aus der Ferne, so glauben sie einfach einen Drachen zu sehen der ein ungewöhnliches Schuppenkleid hat. Sie dürfen uns nicht aus der Nähe sehen. Es könnte sie auf die Spur des großen Geheimnisses bringen!"
"Natürlich nicht alter Meister." versicherte Harkor sofort und, zu Najas Überraschung versicherten sowohl er als auch sein Reiter in der alten Sprache, dass sie diese Vorgabe einhalten würden.
Anschließend zogen sie sich zurück.
Kaum hatten die beiden die Ratshöhle verlassen, da spuckte Togra hinter ihnen auf den Boden und stieß einen Fluch in der Sprache ihres Volkes aus.
"Heißblütig wie immer." schmunzelte Miemel und sorgte damit für einen kurzen Moment der Heiterkeit.
Naja genoss ihn erleichtert. Es hatte etwas beruhigendes, dass sie nicht die einzige war die sich von Harkors Silberzunge nicht hatte täuschen lassen.
Ihre Erleichterung wuchs als sie der nun folgenden Unterhaltung lauschte.
"Sei bitte nicht beleidigt Togra." hob Umaroth an. "Wir alle hier wissen, dass dieses Gespräch eine Prüfung für dich war. Ebenso wie es schwierig ist, für dich als Gehörnte, uns, von der Zeit des alten Ordens als eine gute Zeit sprechen zu hören. Dein Volk hatte damals unter uns zu leiden. Es waren keine goldenen Jahre für euch."
"Nein das waren sie nicht." bestätigte die Urgalgra aber fügte dann versöhnlich hinzu. "Aber ihr habt schon während meiner Ausbildung und der von Aragna stets offen eingeräumt, dass ihr auch die Fehler der alten Zeit anerkennt. Ein neuer Morgen ist für uns alle angebrochen und ich bin Stolz ein Teil davon zu sein."
-"Von der Vergangenheit lernen wir. Auf die eine oder andere Weise."- fügte Aragna hinzu. -"Mehr Einfluss sollte sie nicht auf das Hier und Jetzt haben."-
"Zwei Küken die ihren Lehrern Ehre machen." schnarrte Miemel zufrieden.
"Da sind sie nicht allein." hob Glaedr an und richtete dann einen Blick auf Eragon der von fast väterlichem Stolz erfüllt war. "Ich bin sicher, dass Oromis wäre heute stolz auf dich Eragon. Ich bin es jedenfalls."
Naja entging nicht, das der Arget Un gerührt war als er sich dankbar vor dem alten Drachen verneigte.
"Aber was machen wir jetzt mit unseren geehrten Gästen?" erkundigte sich Meister Marek in die Stille hinein. "Ihnen einen Sitz in diesem Rat anzubieten ist hoffentlich keine Option mehr!"
"Das fehlte noch!" knurrte Miemel. "Da können wir ja gleich einen der 13 berufen oder Galbatorix selbst!"
"Im Augenblick würde ich es sogar für verfrüht halten die beiden offiziell in den Orden aufzunehmen." steuerte die Reiterin Narie bei. "Ein unbedachtes Wort von den beiden könnte unseren Ruf schwer beschädigen!"
"Ganz deiner Meinung Silberschopf." pflichtete Meisterin Arya ihrer Cousine bei. "Aber wir können sie auch nicht einfach fortschicken!"
"Warum nicht?" wollte Togra wissen. Naja bewunderte die Reiterin der Urgals für ihren Mut. Eragons Gefährtin war neben ihm die älteste Reiterin und besaß eine große natürliche Autorität. Wenn sie entschieden hatte wagten nur wenige Leute einen Einspruch.
Es war Arget Un Eragon der der Gehörnten jedoch die Antwort gab:
"Aus drei Gründen Togra, Erstens: Darus ist ein Drachenreiter und damit ist er was die Magie angeht selbst an seinem schwächsten Tag mächtiger als die meisten anderen Magiebegabten an ihrem Stärksten. Das traf schon auf meinen Vater Brom zu. Obwohl er alt war und seine Drachendame getötet worden war, war er der mächtigste Magier der Varden. Selbst die damals berüchtigten Zwillinge fürchteten ihn. Das war zum einen Talent durch seine Vergangenheit als Reiter, zum anderen, und damit wären wir bei Grund Nr. 2, liegt es an seiner Ausbildung. Die meisten Magier besitzen kein umfassendes Wissen in der alten Sprache. Das setzt ihren Fähigkeiten Grenzen! Darus und Harkor haben einen umfassenden Wortschatz! Das gibt ihnen unvergleichliche Macht! Drittens wissen sie von den Eldunarí! Dem größten Geheimnis Alagaesias! Uns allen hier ist bekannt was Galbatorix angerichtet hat mit diesem Wissen! Nein, wir müssen die beiden im Auge behalten. Vielleicht passen sie sich wirklich an und erkennen ihre Fehler."
"Und wenn nicht?" Naja staunte über ihren eigenen Mut als sie diese Frage in den Raum stellte.
"Das wäre ein Problem." räumte Arget Un Eragon ein als sich die Aufmerksamkeit auf die junge Reiterin richtete. "Aber Probleme löst man nicht indem man sie ignoriert."





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Harkor hatte kaum den See überquert als er Einfluss auf den Zauber nahm der ihm seinen Lichtkörper verlieh. Es war wie das Spiel auf einem der Instrumente Ohren-rund-zwei-Beine-Menschen. Brachte man eine Seite zum klingen entstand ein bestimmter Ton. Er konnte entscheiden welchen Teilen des Zaubers er Kraft verlieh und welchen nicht.
Nun verweigerte er dem Teil die Energie die seinem Körper Masse verlieh, ihn berührbar machte.
Die erwünschte Wirkung zeigte sich sofort. Darus glitt durch die Lichtgestalt als wäre sie Luft und landete unsanft auf dem sandigen Boden des Seeufers.
Harkor spürte, dass sein Reiter wütend darüber war doch er verschloss seinen Geist und legte sich mit dem Rücken zu ihm ans Ufer des Sees.
Darus bemühte sich um Kontakt. Rannte gegen die Geistigen Schilde an, tobte! Es war vergebens.
Schließlich wurde er ruhiger, schrumpfte zusammen und sagte schließlich kleinlaut:
"Bitte Harkor, verschließ dich nicht. Du weißt, ich ertrage diese Leere nicht."
Auch der alte Drache liebte es nicht von seinem Reiter getrennt zu sein, doch, anders als Darus, hatte er die Lektion begriffen, dass es manchmal nötig war. Außerdem hatte er mehr Disziplin. Das war schon immer so gewesen!
Es war ein gutes Mittel Darus zur Räson zu bringen. Unangenehm für sie beide doch manchmal notwendig zu ihrer beider Besten.
"Du hast alles verdorben." knurrte Harkor. "Wenn du dich beherrscht hättest dann....."
"Mich beherrschen?" Darus Zorn flammte wieder auf. " Mich beherrschen während eine Urgal neben mir steht und sich Reiterin nennt? Hast du vergessen wie wir gegen diese Tiere in die Schlacht gezogen sind? Man nannte mich den...."
"Den Hornhammer!" vollendete Harkor und seine Stimme war voller Ironie und Sarkasmus.
"Du warst damals stolz auf mich als mir der König von Bordingen diesen Titel verlieh."
Darus klang kleinlaut.
"Damals war der Titel auch etwas wert." wetterte Harkor ungnädig. "Damals brachte er uns Ansehen unter den Reitern! Heute....., heute hätten wir Ansehen dadurch erlangt, dass wir Reiter und Drache aus der alten Zeit sind aber dieses Ansehen hast du durch deinen kindischen Ausbruch zerstört! In den Rat hätten sie uns aufgenommen! Ganz sicher! Wir hätten Macht und Einfluss gehabt! Wir hätten uns Verbündete suchen können und sorgfältig darauf hinarbeiten können den platz dieses naiven Kindes Eragon einzunehmen! Stattdessen bist du mit der Tür ins Haus gefallen und hast uns alles verdorben!"
"Wenn dieser Eragon so ein naives Kind ist, wie kommt es dann, dass du ihm in die Falle gegangen bist?"
Darus Einwand traf Harkor, doch er beherrschte sich.
"Da hast du recht." räumte er ein." Ich habe mich ködern lassen. Ich werde diesen Bengel nicht noch einmal unterschätzen!"
Am Himmel flogen in einiger Entfernung zwei Wilde Drachen vorbei. Ihre Schuppen strahlten in der Sonne als sie sich über den Himmel jagten. Harkor hielt den Blick auf sie gerichtet als er weiter sprach:
"Ich werde nicht zulassen, dass die Flamme meines Volkes fast erlischt. Sie verstehen es nicht! Nur was man kontrolliert kann einen nicht verletzen. Die Völker brauchen keinen Schutz und keine Hilfe sondern Führung! Sie verstehen das nicht. Sie sollten es aber sie tun es nicht!"
"Ich verstehe es." sagte Darus und trat vorsichtig an Harkors Seite. "Was tun wir jetzt?"
"Abwarten." knurrte Harkor. "Abwarten und beobachten. Wir werden geduldig sein. Das Spiel dieser Küken mitspielen bis wir eine Schwäche erkennen. Dann werden wir die Jäger sein und unsere Beute zur Strecke bringen."





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