Mit Aroc als Rückendeckung sah Tar keinen Grund Geoff nicht zu gestatten ihn und Naja zu begleiten. Während sein Schützling Tanis sattelte sprach der junge Gehörnte kurz mit dem Stallmeister der Kaserne und holte dessen Zustimmung ein. Er wollte auf keinen Fall, das Geoff in den Verdacht geriet sich unerlaubt von seiner Arbeit entfernt zu haben.
Es stellte kein Problem dar die Erlaubnis für den kleinen Ausflug zu bekommen. Praktisch jedes Mitglied der Krieger der Drachen hatte den Waisenjungen ins Herz geschlossen und man gönnte ihm das kleine Vergnügen.
Es war nur ein kurzer Flug zu der kleinen Bucht am See die liebevoll als die Krippe bezeichnet wurde. Tanis trug seine Reiterin und Aroc Tar sowie Geoff. Allein der Flug war für den jungen Stallburschen ein Erlebnis.
Bereits aus der Luft glitzerte die freie Grünfläche vor der flachen Bucht in allen Farben des Regenbogens. Ein gutes Dutzend Schlüpf Linge vergnügte sich unter Vervardas wachen Augen. Aroc kannte die meeresblaue Darachendame schon seit seiner Jugend und es bestand eine tiefe Freundschaft zwischen den beiden. Daher erhielt der ankommende Donner, trotz der Anwesenheit von Geoff schnell die Erlaubnis zu landen. Aroc erklärte seinem jungen Schützling und seine Reiterin, das ist im besten Fall unhöflich gewesen wäre ohne die Erlaubnis der Hüterin dieses Ortes zu landen.
Als der Donner aufsetzte kam Vervarda würdevoll zu den Neuankömmlingen herüber und blickte jedem direkt in die Augen. Besonders Naja, Tanis und auch Geoff musterte sie mit besonderem Interesse.
- "Es wird Zweibeinern die nicht mit einem von uns verbunden sind nicht oft gestattet diesen Ort zu besuchen." - erklärte sie mit ernster Stimme als sie vor dem jungen Stallburschen stand. - "Ich hoffe du weiß das zu schätzen." -
Im Angesicht der großen Darachendame brachte Geoff nicht mehr als ein atemloses Nicken zu Stande. Vervarda schien darüber aber nicht böse zu sein. Es amüsierte die offenbar eher.
- "So, ihr Küken wollt also etwas darüber erfahren wie man mit wilden Drachen umgeht." - Sagte Vervarda schließlich nachdem sie Geoff noch einen Moment gemustert hatte.
Der junge Stallbursche nickte während Tanis ein zustimmendes Brummen aus stieß. Naja war die einzige die keine Antwort von sich gab. Irgend etwas schien die Aufmerksamkeit des jungen Mädchens ganz auf sich zu ziehen.
"Naja?" rief Tar. "Würdest du bitte aufpassen?"
Überrascht blickte das Menschenmädchen sich um.
"Was? Oh! Ja, natürlich! Aber darf ich erst was Fragen?"
- "Jetzt schon eine Frage du Küken?" -neckte Aroc bestärkte seine zweibeinigen Schülerin aber gleichzeitig darin weiter zusprechen.
"Geht es dem jungen Drachen da drüben nicht gut?" erkundigte sich die junge Reiterin schließlich und deutete auf einen Schlüpfling der sich von den anderen jungen Drachen abgesondert hatte. Das kleine Kerlchen hockte am Ufer des Sees auf einem flachen Felsen und starrte über das scheinbar endlose Wasser. Die Schuppen des jungen Drachen waren braun und wiesen stellen auf an denen die Farbe etwas dunkler war. Insgesamt wirkten sie wie auf Hochglanz poliertes Holz. Das Hornwerk des Schlüpflings war von einem kräftigen Grün dass an junge Blätter erinnerte die sich gerade aus ihren Knospen befreit hatten. Insgesamt sah der kleine Drache aus wie ein zum Leben erwachter junger Baum.
Vervarda seufzte als sie sah welcher ihre Schützlinge die Aufmerksamkeit der jungen Reiterin erregt hatte.
- "Varus. Mein Sorgenkind." - räumte sie betrübt ein.
- "Ein Sorgenkind?" - wunderte sich Aroc und platzierten sich neben der befreundeten Darachendame. - "Was ist denn los mit dem Küken?" -
Vervarda stieß den anderen Drachen freundschaftlich mit der Schnauze an.
- "Wenn ich das nur wüsste alter Freund. Varus ist nicht aus einem Ei geschlüpft, dass aus diesem Tal stammt. Dein alter Freund Marek und seine Drachendame Laorie haben sein Ei bei einem ihrer Ausflüge in unbekannte Gebiet gefunden. Wir wissen nicht genau woher es kommt. Wir vermuten das es von seiner Mutter dort zurückgelassen wurde."
"Welche Mutter würde den einfach ihr Baby zurücklassen?" fragte Naja geradezu entsetzt.
Vervarda lachte milde.
- "Wir Drachen sind anders als ihr Zweibeiner." - erklärte sie geduldig. - "Wir denken dass seine Mutter eine Windschwinge war." -
Aroc nickte verstehend aber Tar erkannte, dass Naja weitere Erklärungen brauchte.
Auch Vervarda schien dies bemerkt zu haben und fuhr deshalb fort.
-" Jeder Drache ist einzigartig Kind und hat seine eigenen Lebensweisen. Windschwingen nennt man Drachen die sich keinen Reiter gesucht haben aber auch nicht in einer Brutgruppe leben. Manche Söhne und Töchter des Himmels und des Feuers bevorzugen es sich alleine den Herausforderungen des Lebens zu stellen. Sie haben kein festes Jagdrevier und Leben nicht beständig mit einer Gruppe von Artgenossen zusammen. Sie fliegen wohin der Wind sie trägt. Manchmal verbringen sie einige Zeit unter Artgenossen um sich zu paaren. Das ist auch ganz gut so den so werden die einzelnen Brutgruppen durch frisches Blut bereichert. In der Regel lassen Windschwingen ihren Nachwuchs bei der Brutgruppe zurück aus der der andere Elternteil stammt. Manchmal geschieht es aber auch, dass eine wilde Windschwinge ein Ei legt und es dann an einem Ort zurücklässt der ihr geeignet scheint. Dabei spielt das Nahrungsangebot eine wichtige Rolle. Drachenküken sind sehr selbstständig und kommen daher auch allein zurecht. Wenn das Küken dann flügge ist folgt es entweder den Pfad des Windes oder schließlich einer Brutgruppe an. Marek und Laorie haben das Ei mitgebracht weil sie nicht sicher waren ob es wirklich schon genug wilder Drachen gibt um ein Küken einem solchen Risiko auszusetzen. Außerdem wusste der junge Reiter nichts von den Traditionen der Windschwingen. Er ist gut ausgebildet worden aber wir Wilden legen schließlich nicht bei den Reitern Rechenschaft über unsere Lebensweise ab.
Der Rat hat das Ei gründlich untersucht und festgestellt das dem Küken nichts fehlt. Man wollte das Ei aber auch nicht einfach in die Wildnis zurückbringen. Meister Eragon hat schließlich einen goldenen Mittelweg gewählt. Dem Wunsch der Mutter entsprechend sollte ihr Küken als wilder Drachen aufgewachsen aber es im Schutz der Ostmark tun. Varus hat sich auch bald seinen Weg ins Leben gesucht und ist ein gesundes und aufgewecktes Kerlchen. Seit einiger Zeit hat er aber das Gefühl, als ob ihm irgend etwas fehlen würde."
"Bestimmt vermisst er seine Mutter." vermutete Naja sofort aber Vervarda schüttelte den Kopf.
- "Das war auch mein erster Gedanke junge Reiterin aber das ist nicht der Grund. Mein Schützling hat mich in seine Seele und seine Gedanken blicken lassen. Er versteht die Handlungsweise seiner Mutter und sie ist nicht was er sucht. Es ist auch nicht so, dass die anderen Küken ihn ausschließen würden. Gelegentlich beteiligt er sich mit viel Freude an ihren Spielen und er wird akzeptiert. Manchmal allerdings versinkt er in diesem Gefühl auf irgend etwas zu warten und dann sitzt er so da. Manchmal für Stunden. Es ist wohl ein Rätsel dass nur die Zeit enthüllen wird." -
"Er weiß dass er etwas sucht aber er weiß nicht was." flüsterte Geoff plötzlich und aller Augen richteten sich auf ihn. Wie gebannt blickte die junge Stallbursche zudem wilden Drachen herüber. Er schien mehr mit sich selbst gesprochen zu haben als so jemand anderem doch seine Worte waren gehört worden und offenbar nicht nur von den Umstehenden.
Als hätte Varus den jungen Menschen gehört fuhr sein Kopf plötzlich herum. Er begann ihn mit derselben Neugier zu mustern wie der Stallbursche es umgekehrt mit ihm tat.
Tar und Aroc blickten sich an.
- "Ich bin nicht sicher was hier vorgeht alter Freund aber irgendetwas liegt in der Luft."- sagte der Reiter schließlich zu seinem Seelenbruder. Bevor diese jedoch Antworten konnte gerieten die Dinge in Bewegung.
Varus entfaltete seine Flügel und erhob sich von seinem Stein. Er flatterte zu Vervada und ihren Gästen herüber und landete etwas tollpatschig direkt vor Geoff.
Aus der Nähe betrachtet schätzte Tar den jungen Drachen nun etwa auf ein Alter von zwei bis drei Wochen. Varus war etwa so groß wie ein kräftig gebauter Hund.
In Ermangelung einer besseren Idee verhielt sich der junge Gehörnte ruhig und bedeutete auch seinen Schützlingen Tanis und Naja dasselbe zu tun. Ein Blick zu Vervarda zeigte ihm, dass die meerblaue Drachendame offenbar auch nicht vorhatte irgend etwas zu unternehmen.
Noch immer starten der junge Mensch und der wilde Drache sich wie hypnotisiert an. Varus wiegte neugierig den Kopf von der einen auf die andere Seite und stieß einen leisen Summenton aus. Als hätte er durch diesen Ton die Erlaubnis erhalten streckte Geoff die Hand aus und Strich dem jungen Drachen über den Kopf. Dann ging alles ganz schnell.
Tar spürte im Strom der Magie eine Erschütterung und ein schmerzerfüllter Schrei hallte durch die Luft. Die plötzlich auf ihn einstürzenden Eindrücke überschwemmt den jungen Urgal und er brauchte einige Sekunden um sich zu orientieren. Geoff lag neben ihm auf dem Boden und Varus war gerade im Begriff sich an die Flanke des bewusstlosen Menschenjungens zu schmiegen. Ungläubig starrte der inzwischen erfahrene Drachenreiter auf die offene rechte Handfläche des jungen Stallburschen. Unverkennbar bildete sich dort das silberne Drachenmal.
Abstimmen nicht vergessen;)
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Eragon-OS-Sammlung
FantasíaDiese One-shot Sammlung von Eragon gehört nicht mir. Ich habe sie nur auf ff.de gefunden der eigentliche Autor heißt auf ff.de Traeumer. Die One-shots beziehen sich auf seine Eragon Fortsetzungen. (Man kann die Geschichte auch auf Fanfaction.de lese...
