Tar wusste, dass er eigentlich etwas sagen sollte.
Als Meister des Reiterordens wäre es seine Aufgabe gewesen die Kontrolle über die Situation zu übernehmen. Antworten zu geben und zu entscheiden was als nächstes getan werden musste. Im Augenblick jedoch fühlte sich der Reiter der Urgals völlig außer Stande dazu.
Geoff war inzwischen wieder zu sich gekommen. Zunächst hatte der junge völlig ungläubig aus seiner Hand gestarrt, dann hatte der junge braune Drache seine Aufmerksamkeit beansprucht. Für den Schoß des jungen Menschen war der Schlüpfling schon etwas groß, aber er rieb, liebevoll summend seinen Kopf an Geoffs Oberkörper und verlangte Beachtung und Streicheleinheiten.
Tar beobachtete wie der junge Mensch und das wilder Drachenküken liebevoll und vertraut miteinander zu spielen begannen. Geoff schien völlig vergessen zu haben, dass er nicht alleine war. Die Gegenwart des Drachen beanspruchte seine ganze Aufmerksamkeit. Inzwischen hatte der Schlüpfling sich auf den Rücken gedreht und ließ sich ausgiebig den Bauch kraulen.
"Ist Geoff jetzt auch ein Drachenreiter?"
Najas neugierige Frage wirkte auf Tar wie ein Eimer kaltes Wasser der ihm über den Kopf geschüttet wurde. Langsam begann sein Gehirn wieder zu arbeiten.
Bevor der Urgal jedoch etwas sagen konnte erhob sich Vervarda in die Lüfte und flog über den See davon.
- "Wo fliegt sie hin?"- wollte jetzt Tanis wissen.
-" Zur Ratsinsel kleiner Flügel." - erklärte Aroc. - "Unsere wilde Schwester ist die Hüterin dieses Ortes. Es ist etwas geschehen war sie sich nicht erklären kann. Deshalb will sie Voratan her holen. Er steht allen wilden Drachen in diesem Tal vor und ist der Bewahrer des Wissens unseres Volkes. Wenn jemand erklären kann was sie gerade passiert ist dann er." -
"Wir werden uns nicht trennen lassen."
Auch Geoff hatte offenbar in die Wirklichkeit zurück gefunden und blickte etwas ängstlich um sich. Schützen hatte er den Arm um den braunen Schlüpfling gelegt wird die Geste erwiderte und seinen Schwanz um den Oberkörper des jungen Menschen wickelte.
Nun endlich fühlte Tar sich in der Lage auch etwas zu sagen. Beschwichtigend hob er die Hände und trat zu dem ungewöhnlichen Paar das beieinander auf der Wiese saß.
"Niemand hat vor euch zu trennen." erklärte er beruhigend. "Darum geht es auch gar nicht. Es ist wie Aroc gesagt hat. Es ist etwas hier geschehen, dass keiner von uns bisher richtig versteht. Wir müssen aber verstehen. Auch zu eurer Sicherheit."
Noch immer verunsichert blickten Geoff und der junge Drache sich an. Bevor jedoch weitere Gespräche geführt werden konnten erklangen mächtige Flügelschläge. Alle Schlüpfling der Keippe stellten umgehend ihre Spiele ein und blickten zum Himmel.
Vervarda war eine mächtige und anmutige Drachendame die jedem Bewunderung und Respekt entlockte. Die Gefühle die der Drache der sie begleitete jedoch auslöste gingen weit über Respekt hinaus. Aufgrund seiner Besonderheit war Voratan sogar größer als die ältesten Drachen des Ordens. Er landete nicht. Als seine Krallen den Boden berührten hatte man das Gefühl dass der steinfarbene Drache die Welt um sich herum in Besitz nahm. Die Gehörnten waren kein Volk dass sich leicht einschüchtern ließ aber der Anblick der sich ihm nun bot sorgte bei Tar dafür, dass sich seine Nackenhaare aufstellten und sein Herz schneller schlug. Es schien, als ob eine unsichtbare Kraft von Voratan ausging die alles um ihn herum ganz und gar in seinen Bann zog. Der Reiter der Urgals erinnerte sich daran was sein Meister Eragon ihm einmal über das Volk der Drachen gesagt hatte. Es waren Worte die er von seinem Vater gehört hatte:
" Drachen sind geheimnisvolle und magische Wesen. Wundersame, unerklärliche Dinge geschehen um sie herum. Sie verzaubern die Welt durch ihre Anwesenheit."
Zum ersten Mal begriff Tar wirklich was sein Lehrer damit gemeint hatte. Man hatte den Eindruck dass Voratan überall in der kleinen Bucht war. Er war die Erde unter ihren Füßen und die Luft die sie atmeten. Der unumstrittene Herrscher dieses Gebietes.
Vervarda hatte inzwischen auch aufgesetzt und nicht wenige der anwesenden Schlüpfling stoben sofort auf sie zu und versteckt sich im Schatten der Drachendame. Es war nicht unbedingt Angst die Tar bei den jungen Drachen sah. Nein, es war nur die Gewissheit dass etwas Großes und mächtiges anwesend war, dass man am besten beobachtete wenn man möglichst dicht bei einem Erwachsenen war. Neugierig äugten die Schlüpflinge zu ihrem gewaltigen Artgenossen herüber. Einige taten es aus der sicheren Deckung heraus diese sich hinter Vervardas Beinen gesucht hatten. Junge Drache waren in ihrer Neugier kaum zu bremsen doch Voratan respektierten sie instinktiv.
Inzwischen hatte der graue Drache sich würdevoll auf seine Hinterbeine gesetzt und thronte über der Krippe wie ein Berg der gerade aus der Erde gebrochen war. Der feurige Blicke seiner orangefarbenen Augen richtete sich jetzt auf den Schlüpfling der immer noch neben Geoff hockte. Der kleine Drache schien zu begreifen was nun von ihm erwartet wurde. Er rieb noch einmal kurz den Kopf an die Schulter des jungen Menschen, dann löste er sich von Geoff und tapste auf Voratan zu. Vor ihm hockte er sich hin. Etwas geschah zwischen den beiden. Tar konnte es nicht genau benennen. Es war wie eine lautlose Unterhaltung die die Luft und alles in der Nähe der kleinen Bucht in eine Art von Vibration versetzte. Es war nicht die Erde die bebte oder ein Geräusch dass die Luft erfüllte. Es war mehr als das.
Nach einigen Augenblicken gab Voratan ein Geräusch von sich das befriedigt klang. Er nickte kurz mit dem Kopf woraufhin der kleine braune Drache in seinem Schatten freudig piebte und offenbar hochzufrieden zu Geoff zurückkehrte.
Voratan blickte zu Vervarda und schien einiges an die Drachendame zu übermitteln. Dann breitete er seine gewaltigen Flügel aus und schoss mit einem donnernde Brüllen in den Himmel. Unter dem Donner seiner Flügelschläge geriet die Luft in Aufruhr und ein scharfer Wind fegte über die kleine Bucht. Kurz verdunkelte der riesige Drache die Sonne und als er sich in Richtung der Felseninsel im See entfernte schien die Welt um Tar aus einer Trance zu erwachen. Erst jetzt fiel dem Urgal wieder das Lied der Vögel auf die im nahen Wald sangen. Voratan hatte vorher mit seiner Anwesenheit alle Aufmerksamkeit auf sich konzentriert. Die wilden Schlüpflinge schien ihr Selbstvertrauen ebenfalls wieder gefunden zu haben. Völlig unbekümmert nahmen sie ihr Spiel wieder auf.
- "Du hast ein großes Geschenk erhalten junger Mensch."-
Vervardas Stimme zog alle Aufmerksamkeit auf sich als sie näher zu Tar, Naja, Geoff und den beiden jüngeren Drachen trat. Sie beugte sich herunter und sah Geoff direkt in die Augen. -"Mein Schützling hat sich entschieden sein Leben nicht als wilder Drachen zu führen. Er hat gespürt, das seine Seele ein Gefährten braucht und hatte sich in dir gefunden. Er teilt seine Kraft und sein langes Leben mit dir. Sie zu dass du dieses Geschenk immer in Ehren hällst."-
Während Geoff nur wie betäubt nickte sprudelte eine Frage aus Naja hervor.
"Dann ist Geoff jetzt auch ein Drachenreiter?"
Vervarda lachte leise und zwinkerte Naja gütig zu.
"Ja, ist er. Du bist doch gekommen um etwas zu lernen junge Zweibeinerin. Hier ist meine Lektion an dich. Ein Reiter zu sein bedeutet nicht nur, dass ein Drache dich auf seinem Rücken duldet. Es ist viel mehr als das! Aus zwei wird eins. Zwei Körper aber nur eine gemeinsame Seele. Eine Seele die an zwei Orten und in zwei Körpern existieren kann aber nur als Einheit vollständig ist. Drachenreiter ist ein Titel den euer Orden euch verleiht wenn ihr genug gelernt habt ihr kleinen Zweibeiner. Aber das was euch mit meinen Artgenossen verbindet geht über jeden Titel hinaus ebenso über die Verwandtschaft zwischen Blut oder Rasse!"-
-"Aber wie konnte Schuppen-Braun-Jung-Wild sich einen Reiter wählen Hüterin-der-Krippe-Vervarda?"- wollte Tanis jetzt wissen. In der Stimme des jungen schwarzen Drachen schwang mindestens so viel Neugier mit wie bei seiner Reiterin.
Tar musste sich eingestehen, dass er in diesem Fall mit seinen Schülern aus denselben Wissensstand war. Auch ihm war es ein Rätsel wie das möglich sein sollte.
Vervarda hingegen lachte nur erneut.
- "Wie ist der erste Eragon zu einem Reiter geworden? Als er seinen Seelenbruder fand existierte der Pakt zwischen den Völkern noch gar nicht. Und der erste Mensch der ein Reiter wurde erhielt dieses Geschenk auf dem selben Weg wie du junger Geoff. Ein wilder Drache hielt ihn für würdig. Sein Volk war noch nicht mit den Elfen und den Kindern des Himmels und des Feuers verbunden. Erst nachdem er von einem Drachen dieses große Geschenk erhalten hat wurde auch sein Volk aufgenommen. Meine zweite Lektion: ein Drache tut was er will! Kann er das nicht ist er kein Drache!" -
"Das stimmt."
Tar sprach mehr zu sich selbst als zu den anderen anwesenden.
"Während meiner Ausbildung habe ich viel über den alten Ordens gelernt. Es gab dort Geschichten über Dracheneier die man eigentlich auf die Suche nach einem Reiter geschickt hat aber ihre Küken sind einfach geschlüpft trotz der magischen Segnung."
- "Diese jungen Himmelskinder müssen wohl gespürt haben, dass ein Leben als wilder Drachen mehr ihrem Wesen entspricht." - vermutete Aroc. -" Es ist also vorgekommen, dass junge Drachen einen anderen Weg gewählt haben. Es ist allerdings das erste Mal das dies seit der Neugründung des Ordens passiert."-
Vervarda brummte zustimmend.
- "Der Segen welcher ein Drachen Ei auf die Suche nach einem Reiter schickt ist ein mächtiges Stück Magie aber dieser Zauber verändert nicht die Natur eines Drachen. Dracheneltern wählen nur zum Teil nach eigenem gut dünken aus welche Eier sie den Reitern übergeben. Glaubt ihr sie entscheiden das anhand der Farbe der Eierschale? Auch ich habe einige Küken doch als sich ihre Eier sah wusste ich, dass sie nicht dazu bestimmt sind an Zweibeiner gebunden zu sein. Ihr Geist war wild und frei. Das konnte ich selbst durch die schützende Hülle die sie umgab spüren. Mein Bruder und seiner Partnerin haben ihr erstes Gelege den Reitern übergeben. Warum? Glaubte dass ich selbstsüchtiger bin was meine Küken betrifft? Auch sie hätten den Segen der Reiter nicht angenommen. Sie wären trotzdem geschlüpft. Vielleicht hat die unbekannte Mutter dieses jungen Drachen sein Ei deshalb zurückgelassen. Vielleicht hat sie gespürt, dass ihren Nachwuchs ein anderer Weg bestimmt ist als ihr selbst. Ich denke ihr sollte den Reiter meiner Mutter kontaktieren Meister Tar."- schlug Saphiras Tochter nun vor.-" Er wird sicher wissen wollen, dass der Orden zwei neue Schüler hat."-
Abstimmen nicht vergessen;)
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Eragon-OS-Sammlung
FantasyDiese One-shot Sammlung von Eragon gehört nicht mir. Ich habe sie nur auf ff.de gefunden der eigentliche Autor heißt auf ff.de Traeumer. Die One-shots beziehen sich auf seine Eragon Fortsetzungen. (Man kann die Geschichte auch auf Fanfaction.de lese...
