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52. Ein guter Rat

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Eragon ärgerte sich nicht über die neckische Bemerkung seiner Drachendame sondern lachte innerlich über sich selbst. Nachdem er sich seine Hose angezogen und ein Hemd übergeworfen hatte verließ er das Gästezimmer das Roran und Katrina für die Verwandtschaft aus dem Osten bereitgestellt hatte und eilte ins Erdgeschosses des Herrenhauses. Er durchquerte das Wohnzimmer und betrat einen kleinen Raum dessen Einrichtung hauptsächlich aus einem mannshohen Spiegel bestand.
Roran hatte diese Kammer eingerichtet um Gespräche über das magische Instrument zu führen. So war es für Eragon nicht überraschend, dass ihn aus der schillernden Oberfläche nicht sein eigenes Gesicht anblickte sondern die Gestalt von Tar.
"Meister Feuerschwert." grüßte der Gehörnte und präsentierte respektvolle seine Kehle. "Es tut mir leid dass ich euch so früh störe aber ich wollte mit euch sprechen bevor ihr zum Empfang der Elfen aus dem Norden aufbrächt."
"Schon gut Tar." lächelte Eragon und nutzte die Gelegenheit um sich den Gürtel an dem auch Brisingr hing um die Hüften zu schnallen. Anschließend zog sich der Anführer der Drachenreiter einen Stuhl heran und nahm vor dem Spiegel platz. Es stand nicht viele Möbelstücke in dem kleinen Raum. Alles diente im Grunde nur dazu Gespräche über den Spiegel zu führen. Eragon erkannte ein kleines Tischchen das leicht genug wirkte, dass man es vor den Spiegel rücken konnte. Auf der Tischplatte stand ein ledernder Würfelbecher. Er musste schmunzeln als er daran dachte, dass es zwischen ihm und Roran zu einer kleinen Tradition geworden war, sich abends kurz über den Spiegel zu verständigen und bei einem Würfelspiel die Ereignisse des Tages zu besprechen.
Nun jedoch hatte der Anführer der Reiter keine Zeit um in Erinnerungen zu schwelgen. Er konzentrierte sich stattdessen wieder auf den Spiegel.
"Worum geht es denn? Man hat mir angedeutet, dass es mit deinem Schützling und Mündel zusammenhängt? Es ist doch nichts bedrohliches oder?"
Tar winkte ab.
"Nicht so ernst wie die Angelegenheit in der ich euch das letzte Mal kontaktiert habe. Dabei ging es ja um Bloedgram. So schlimm ist es diesmal nicht aber es ist auch keine Sache die ich auf die leichte Schulter nehme. Naja hat gestern ihre Magie entdeckt und sich damit fast umgebracht. Ich muss nun entscheiden wie es mit ihrer Ausbildung weitergehen soll bin mir aber noch nicht ganz sicher."
Eragon spürte wie praktisch augenblicklich ein gewisser Ernst von ihm Besitz ergriff. Das war wirklich keine Kleinigkeit.
"Berichte mir bitte genau was vorgefallen ist." forderte er. "Ich möchte dir keinen Rat geben bevor ich nicht gehört habe was sich abgespielt hat."
Tar nickte. Offenbar hatte er damit gerechnet. In kurzen, klaren Sätzen schilderte er nun die Lage. Er gab Eragon einen Überblick darüber was sich zugetragen hatte und wie es dazu gekommen war. Als der Bericht des Urgalgras sich dem Ende zu neigte sagte Tar noch:
"Im Grunde sehe ich nur zwei Möglichkeiten Meister und wirklich anfreunden kann ich mich mit keiner von beiden. Entweder ich beginne damit Naja in der Magie auszubilden, das halte ich aber noch für verfrüht. Sie ist noch so jung. Die andere Möglichkeit wäre dass ich Sie bitte die Sache zunächst einmal auf sich beruhen zu lassen und dabei auf meine Autorität als ihr Lehrer verweise. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sie genug Respekt vor mir hat um zu gehorchen aber Tanis...? Dieser kleine Feueratmer ist die personifizierte Neugier. Ich mache mir Sorgen, dass er seine Reiterin zu weiteren Experimenten anstacheln könnte. Auch er steht noch ganz am Anfang und noch keine Kenntnisse über die Magie. Dazu kommt noch das es ja ein ungesagter Zauber war denn das Mädchen entfesselt hat."
Eragon erhob kurz die Hand und unterbrach seinen ehemaligen Schüler.
"Letzteres ist nicht so ungewöhnlich Tar. In der Zeit des alten Ordens entdeckten die meisten jungen Reiter ihr Talent auf diese Weise. Wenn ihre Lehrer beschlossen die Ausbildung auf die Magie auszudehnen gaben sie die Novizen oft Aufgaben die völlig sinnlos, und auf normalem Wege gar nicht durchführbar waren. Beispielsweise einen Bottich mit Wasser füllen wobei man das Wasser mit einem Eimer schöpfen musste in dem ein Loch war. Man provozierte die Novizen bis sie so wütend waren dass sie schließlich auf ihre Magie zurückgriffen. Naja fällt insoweit aus dem Rahmen, dass sie nicht einfach im Zorn einen Ausbruch von Magie entfesselt hat sondern ganz gezielt etwas erschaffen hat. Nämlich den Ring von dem du mir erzählt hast. Gut es waren von ihrer Seite sicherlich tiefe Gefühle im Spiel aber die komplexe Aufgabe die sie gelöst hat steht auf einem anderen Blatt. Diese Tatsache und der Umstand, dass sie die Schale eines Dracheneis magische beeinflusst hat lassen einige Rückschlüsse zu. Drachen sind magische Wesen und so sind auch ihre Eier. Die schützende Hülle eines Drachenkükens so zu verformen verbraucht imens viel Kraft. Ich kann aus dem was du mir gesagt hast nur schließen, dass Naja sich vermutlich als ganz außergewöhnliches Talent in der Magie erweisen wird."
Tar nickte nachdenklich.
"Wir wissen ja auch nicht ob sie nicht schon vorher die Veranlagung für Magie in sich getragen hat oder ob diese erst durch ihren Drachen geweckt wurde. Wie gesagt sie ist noch sehr jung und dazu ein recht schüchterner Charakter. Vielleicht hat sich ihr Talent in ihrem bisherigen Leben einfach nicht gezeigt."
"Das wäre eine Erklärung warum ihre Begabung überdurchschnittlich stark ist." murmelte Eragon und legte nachdenklich die Fingerspitzen aneinander.
Einige Augenblicke blieb es still zwischen den beiden Drachenreitern. Eragon musste das gehörte erst einmal verarbeiten bevor er seinem ehemaligen Schüler zu einer bestimmten Vorgehensweise raten konnte. Es war in der Tat ein Problem. Naja war eigentlich zu jung um ihr Verantwortung für magisches Können aufzuerlegen aber nun da ihr Talent erwacht war durfte man es auch nicht ignorieren. Beiden Möglichkeiten die Tar aufgezählt hatte empfand Saphiras Reiter schlicht als nicht angemessen.
Eragon ging in seiner Erinnerung in die Tage zurück in denen er selbst noch Schüler gewesen war und gelernt hatte die Magie zu kontrollieren. Unweigerlich musste er dabei auch an seinen Vater denken.
Auch für Brom war es eine Herausforderung gewesen einen so jungen Reiter in der Magie zu unterweisen. Dazu kam noch dass sie sich zu diesem Zeitpunkt auf Reisen befanden. Eine Bedrohung durch die Urgals hing in der Luft und sie befanden sich auf der Jagd nach den Ra zac. Viele Ablenkungen also und noch mehr Gefahren.
Schließlich war es aber doch das Verhalten von Brom, dass dem jungen Anführer der Reiter schließlich zu einem Vorschlag inspirierte.
"Du hast mich um meinen Rat gebeten Tar und hier ist er." sagte er schließlich." Ich stimme dir zu, dass es keine gute Idee wäre deine Schüler mit diesem erwachten Talent allein zu lassen und ihnen die Erforschung schlichtweg zu verbieten. Die beiden könnten sich in der Tat auf gefährliche Experimente einlassen. Das sollten wir vermeiden. Das wichtigste scheint mir zu sein, dass Naja Kontrolle über ihre Fähigkeiten bekommt. Und der beste Weg um das zu erreichen ist ihr ihre magische Begabung bewusst zu machen. Ihr jüngster Ausbruch war eine reine Instinkthandlung. Wenn sie weiß welche Fähigkeiten sie besitzt ist die Gefahr geringer, dass sie aus einer Laune heraus einfach darauf zugreift."
"Das ist auch Arocs Hauptargument." teilte Tar mit." Er ist der Meinung dass wir mit der magischen Ausbildung beginnen müssen. Er meint wenn Naja weiß was sie getan hat und wie sie auf ihre Magie zugreift kann sie Disziplin lernen. Ich stimme dem zwar zu aber....."
"Du machst dir Sorgen, dass sie zu unbedacht auf ihre Fähigkeiten zugreifen könnte. Vielleicht sogar, dass sie sie als so selbstverständlich zu sehen beginnt, dass sie die Angelegenheiten nicht angemessen wertschätzt und respektiert."
Tar schien etwas unbehaglich zu Mute zu sein.
"Ich möchte dem Mädchen nichts unterstellen. Sie hat einen guten Charakter aber sie muss nicht machtgierig sein um den angemessenen Respekt vor der Magie zu verlieren. Damit will ich nicht sagen, dass sich solche Anzeichen bei ihr sehen würde, aber......"
Eragon hob mit einem milden Lächeln die Hand und unterbrach seinen ehemaligen Schüler erneut.
"Das möchte ich deinem Schützling auch nicht unterstellen Tar aber Naja ist eben was sie ist. Ein Kind dass sich erst entwickelt und es ist unsere Verantwortung dafür zu sorgen dass sie auf dem Pfad zum Erwachsenendasein nicht ins straucheln gerät."
Tar nickte aus dem Spiegel heraus und Eragon kam nicht umhin eine gewisse Erleichterung bei ihm zu bemerken. Offenbar hatte er die Ansichten des Gehörnten auf den Punkt gebracht.
"Wie gesagt, ich denke das deine Schülerin vor allem Kontrolle lernen muss. Kontrolle über die Magie geht aber nicht nur vom Schüler aus. Eine weitere wesentliche Komponente ist die alte Sprache. Das graue Volk hat diese Sprache letztlich nur deshalb geschaffen um bessere Kontrolle über Magie zu gewährleisten. Najas Einsatz ihrer Kräfte war wie gesagt eine Instinkthandlung die mit tiefen Gefühlen verbunden war. Wenn sie sich ihres Talent des bewusst ist und auch die Gefahren kennt wird sie nicht mehr einfach leichtfertig darauf zugreifen. Der natürlichen Überlebensinstinkt den jedes Wesen besitzt ist dabei unser bester Verbündeter. Folgendes schlage ich dir also vor: Erstens, erklär deiner Schülerin was es mit der Magie auf sich hat. Welche Anwendungsformen gibt es und welche Regeln. Mach ihr auch klar, dass ein Bruch der Regeln so gut wie immer zum Tod führt. Anschließend stellst du dir eine einfache magische Aufgabe und nennst ihr die passenden Worte in der alten Sprache. Mein Vater hat mir als erste Aufgabe gestellt einen Kieselstein schweben zu lassen. Das ist denke ich auch in deinem Fall ein guter Ansatz den mit den Worten für "Kieselstein" und "schwebe" lässt sich nicht viel Unfug anstellen, ganz gleich wie naseweis ein gewisser Drache ist. Sag ihr das eine weitere Unterweisung in der alten Sprache erst in einem fortgeschrittenen Stadium ihrer Ausbildung beginnen wird."
"Ich verstehe was ihr meint Meister. "Tars Augen schienen regelrecht auszuleuchten. "Auf diese Weise verbinden wir im Grunde die beiden Möglichkeiten ich euch genannt habe zu einer dritten. Wir erklären meiner Schülerin zwar was geschehen ist und geben ihr Kontrolle aber solange sie keine weiteren alten Worte der Macht kennt bleiben ihren Möglichkeiten enge Grenzen gesetzt!"
"Genau darauf will ich hinaus Tar." bestätigte Eragon." Auf diese Weise kann sie ihre Macht zwar heraufbeschwören aber nicht nutzen. Bei der Prüfung ihrer Fähigkeiten hast du ja herausgefunden, dass sie kein Wissen um die alte Sprache beseitzt. Das kommt uns hier zugute. Ich würde dir nur dazu raten, ihre Kenntnisse in dieser Sache noch einmal zu überprüfen. Sie lebt nun schon einige Zeit in der Ostmark und könnte von einem der dort wohnhaften Elfen das eine oder andere Wort aufgeschnappt haben. Auch in dieser Richtung sollten wir Experimente vermeiden!"
Auch dieser Meinung konnte sich das Abbild des gehörnten Drachenreiters nur anschließen. Eragon diskutierte mit seinem ehemaligen Schüler noch einige Details und gab Ratschläge wie Tar Naja am besten an die Regeln der Magie heranfuhrte, dann verabschiedeten sich die beiden Reiter.
Eragon blieb noch einen Moment vor dem Spiegel sitzen und starrte einfach auf dessen Oberfläche. Er dachte an nichts bestimmtes nahm aber plötzlich die geistige Gegenwart von Saphira war. Er öffnete sein Denken und hörte ihre wohlbekannte Stimme.
-" Ich bin sehr stolz auf dich Kleiner und du solltest es auch sein auf dich selber.."- sagte sie schlicht.
Eragon hielt es zu erst für einen Spaß seiner Drachendame überlegte ob er lachen sollte. Aber Saphira hatte so ernst geklungen. Ihre Worte waren von soviel Anerkennung und Wohlwollen begleitet dass es ihm etwas verunsicherte.
Saphira bemerkte dies offensichtlich und fuhr mit weicher Stimme fort:
- "Das Schicksal hat die eine sehr schwere Aufgabe aus sehr jungen Schultern gelegt. Die Großmeister des alten Ordens blickten oft auf Jahrhunderte der Erfahrung zurück. Folglich war es bisher nur logisch, dass du dir in Angelegenheiten, wie dieser Sache mit mit Naja, Rat bei den Eldunarí geholt hast. Du warst das Sprachrohr dieser alten Weisheit. Noch vor einigen Jahren hättest du Tar nicht einfach selbst einen Ratschlag gegeben. So sicher wie auf den Blitz der Donner folgt hättest du dich mit Umaroth oder Glaedr abgestimmt. Und wenn du dazu nicht die Gelegenheit gehabt hättest, wärst du von tiefer Unsicherheit erfüllt gewesen und ich oder Arya hätten erst einmal deine Seele wärmen müssen bevor du deiner Entscheidung getraut hättest. Gerade hast du aber einen sehr weisen und wohl durchdachten Rat gegeben ohne auch nur eine Sekunde daran zu denken erst jemand anderen zu fragen oder an der Richtigkeit deiner Entscheidung zu zweifeln. Was ich sagen will ist: Du wirst wirklich erwachsen Kleiner und das was aus dir geworden ist gefällt mir."
Eragon ließ die Worte seiner Drachendame auf sich wirken und stellte anhand seines Spiegelbildes fest das seine Augen feucht glänzten. Saphiras Lob und ihr Vertrauen bedeuteten ihm unendlich viel. In Worte kleiden konnte er das nicht, deshalb ließ er seine Drachendame einfach an diesem Gefühl teilhaben.
Saphira antwortete mit tiefer Zufriedenheit. Gerade als Eragon die Verbindung abbrechen wollte um nachzusehen ob das Frühstückt inzwischen fertig war fügte sie allerdings noch hinzu:" Denkt aber nicht, dass ich dich jetzt aus den Augen lassen werde. Sonst geräts du schneller in Schwierigkeiten als ein flink-Ohren-lang-Hase braucht um in seinem Loch in der Erde zu verschwinden!"


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