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161. Das Heiligtum Teil 2

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Das Abbild von Narie auf der glänzenden Oberfläche des Spiegels sammelte sich kurz. Eragon hatte inzwischen genug mit Elfen zu tun gehabt um zu erkennen, dass es eine Eigenschaft des schönen Volkes war Ernst und innere Ruhe zu suchen wenn sie dinge besprachen die über das Persönliche hinausgingen.
Für den Anführer der Reiter ergab das durchaus Sinn. Die Elfen unterwarfen sich strengen Höflichkeitsregeln um Konflikte unter sich zu vermeiden. Eine Pflicht die sich aus der geringen Fruchtbarkeit ihres Volkes ergab. Folglich war es nur logisch, dass sie auch bei jeder wichtigen Entscheidung danach strebten sich nicht von Gefühlen, von der Hitze des Augenblicks mitreißen zu lassen.
Als Narie zu sprechen begann war sie ganz eine der ältesten Reiterinnen des Ordens.
"Es gibt ein Problem mit einem der Novizen hier in Cosaria." hob die silberhaarige Elfe schließlich an.
"Doch hoffentlich nicht mit Kenai?" erkundigte sich Arya.
Obwohl die Stimme seiner Gefährtin ruhig und Neutral war kannte Eragon die Elfe an seiner Seite gut genug um zu wissen, dass sie sich Sorgen um Marlena machte. Eragon wusste, ebenso wie Arya, dass ihr gemeinsames Kind mehr mit dem jungen Schüler verband als nur Freundschaft und in den letzten Gesprächen die Eragon mit seinem "kleinen Stern" geführt hatte war deutlich geworden, dass sich die beiden jungen Leute wieder näher gekommen waren.
Kenais "ungeordnetes" Privatleben hatte vor einiger Zeit zu einem Bruch geführt und Eragon hatte mit sich ringen müssen um Kenai weiterhin gelassen gegenüber zu treten. Das war seine Pflicht als Arget Un doch Marlena war auch sein einziges Kind!
Seit sie auf der Welt war hatte Eragon ein völlig neues Verständnis für seine Drachendame Saphira entwickelt. Seine langjährige Begleiterin hatte mit ihrem Nistpartner schon so manches Gelege gehabt. All ihre Nachkommen waren Wilde Drachen und jeder potentielle Nistpartner hatte sich zunächst vor den Strengen Augen der Brutmutter bewähren müssen.
Es hatte Zeiten gegeben in denen Eragon die beschützende Art seiner Seelenschwester belächelt hatte. Doch damit war es vorbei gewesen als sein eigenes Kind in ein gewisses Alter kam. Ein Umstand den Saphira ihn niemals würde vergessen lassen!
Narie jedoch wehrte mit einem wissenden Lächeln ab.
"Keine Sorge. Um ihn geht es nicht. Es geht um den jüngsten Zugang zum Orden."
"Ah du meinst den jungen Mann der bei der letzten Prüfung in Cosaria erwählt wurde. Das Ei des rollenden Donners der bei euch zu Gast ist wurde vorgestellt und der junge Drache fand seinen Reiter. Garath oder?"
Eragon erinnerte sich an ein kurzes Gespräch mit dem jungen Novizen. Nur Augen für sein rotes Drachenmädchen hatte er gehabt und vor Ehrfurcht kaum ein Wort heraus bekommen.
Ein Umstand der für den Arget Un, nach all den Sommern seines Wirkens, nicht ungewöhnlich war. Viele neu erwählte Reiter waren mit der Situation überfordert.
Bereits damals hatte Narie aber angedeutet, dass es einige Schwierigkeiten mit der Familie des Novizen gab.
Konnte das der Grund für dieses Gespräch sein?
Naries Worte bestätigten seine Befürchtung.
"Genau um den geht es Arget Un. Wir haben euch und der Ordensführung ja bereits mitgeteilt, dass es mit der Familie des Jungen Probleme gibt. Seine Mutter..... sie hat bei einem Unwetter ihren Gemahl, einen Fischer, verloren und in ihrer Seele ist durch diesen Verlust wohl einfach etwas zerbrochen."
Sachlich fasste Narie für Arya und Eragon die Situation mit Garaths Mutter zusammen und schilderte auch die Vorfälle die es mit ihr bisher gegeben hatte.
"Bisher ist jeder Versuch mit ihr vernünftig zu reden gescheitert." schloss die jüngere elfe schließlich.
"Das wundert mich nicht." murmelte Arya. Ihr Blick schien in die Ferne zu wandern.
Stille breitete sich aus die schließlich von Narie durchbrochen wurde:
"Du denkst an deine Mutter oder Rabenmähne?"
Eragon wusste sofort worauf Narie anspielte. Die Tatsache, dass sie wusste was seiner Gefährtin durch den Kopf ging erinnerte ihn daran, dass die beiden Elfenfrauen sich schon einige Jahre länger kannten.
"Du kennst mich gut Silberschopf." gab Arya zurück und lächelte traurig. "Auch zwischen mir und meiner Mutter kam es zum Bruch weil sich ihr Blick nach innen richtete. Auf ihren Wunsch mich in Sicherheit zu wissen während ich kämpfen wollte."
"Ich weiß das das nicht leicht für dich war Rabenmähne." versicherte Narie. "Aber, auch wenn Islanzadi damals einen Fehler gemacht hat, die Situation mit Garath ist doch noch eine etwas andere. Das Handeln deiner Mutter bestand aus gleichen Teilen aus Sorge um dich und ihren eigenen Wünschen. Es mag nicht richtig sein die eigenen Wünsche über die des eigenen Kindes zu stellen aber es gibt eine einfache Erklärung dafür: Sie hat dich geliebt."
Arya blickte das Abbild ihrer Cousine an und lächelte.
Eragon schwieg einfach nur. Er wollte den Moment nicht zerstören und überließ es seiner Gefährtin das Gespräch wieder aufzunehmen.
"Und du glaubst, dass es bei dieser Elena anders ist?" fragte Arya schließlich schlicht.
Der Dank den sie Narie mitgeteilt hatte brauchte keine Worte. Ein Blick war genug zwischen den Beiden.
"Nein, bei ihr ist es anders." versicherte die jüngere Elfe nun wieder sachlich. "Ihr Wunsch ihren Sohn an sich zu binden geht über jedes gesunde Maß hinaus und sie ist keinem Argument zugänglich! Erschwerend kommt hinzu, dass ihre "Auftritte" nicht nur den Unterricht stören sondern schlichtweg schlecht sind für Garath und auch seinen jungen Drachen."
"Was genau meinst du?"
Eragon schaltete sich nun wieder in die Unterhaltung ein. Das ein junger Reiter in seiner Ausbildung gestört wurde war schlimm genug aber hier ging es auch um den jungen Drachen. Ein Drache in diesem Alter war ein Kind! Er durchlebte eine kosbare Zeit die nie wieder kommen würde. Darüber hinaus war es eine entscheidende Phase für Drache und Reiter. Hier wurde der Grundstein für eine Bindung gelegt die Jahrhunderte überdauern würde. Ein solches Fundament musste solide sein.
Narie hob die Hände in einer erschöpft wirkenden Geste.
"Jeder ihrer Auftritte stört den Unterricht. Ich sage ganz bewusst "Auftritte" den sie spricht ihren Sohn eben nicht einfach nur an! Sie klagt, weint und wütet! Und es ist völlig sinnlos mit ihr zu reden. Das Gespräch dreht sich immer im Kreis. Es beginnt mit: Mein Sohn gehört zu mir! "
"Aber der Junge ist doch soweit ich weiß im Mannesalter?" erkundigte sich Eragon.
Hilflos warf Narie die Hände hoch.
"Es ist völlig sinnlos ihr das zu sagen. Arget Un: Es ist sinnlos mit ihr zu streiten. Sie ist keinem vernünftigen Argument zugänglich. Es geht ihr auch nicht wirklich um das Wohl ihres Sohnes! Es geht nur um das was sie will!
Und sie übt druck aus auf Garath! Er ist ihr Sohn und er liebt seine Mutter! Es fällt ihm schwer sich ihr zu widersetzen und sein Drachenmädchen, Aurelia, spürt die Not ihres Reiters! Sie war kaum aus ihrem Ei, da hat Elena schon die Bindung zwischen ihr und Garath in Frage gestellt! Und jedes mal wenn die beiden diesen Schatten etwas hinter sich lassen und beginnen ihr gemeinsames Leben zu genießen taucht Elena auf und alles beginnt von vorn!"
"Das könnte sich auf die Dauer fatal auswirken!" murmelte Arya düster. Ein eindringlicher Blick der Elfe richtete sich auf Eragon. "Es ist nicht gut wenn die Bindung zwischen Drache und Reiter keine rechte Gelegenheit bekommt zu wachsen. Vertrauen ist wichtig Eragon! Nicht nur für die Bindung zwischen Garath und Aurelia sondern auch für ihr weiteres Leben im Orden! Sie ist der Grundstein der Gemeinschaft von uns Reitern. Ganz gleich aus welchen Völkern wir kommen, mit welchen Werten wir aufwuchsen oder welchem Stand wir angehört haben, wir alle teilen diese einzigartige Bindung mit unseren geflügelten Gefährten! Das gibt uns allen die wir unter dem Banner des Ordens versammelt sind eine gemeinsame Basis."
"Und wenn Garath und Aurelia ihre Bindung nicht richtig entwickeln können, ihr Vertrauen Risse bekommt schwächt das auch ihre Verbindung mit unserer Gemeinschaft. Das dürfen wir nicht zulassen."
Eragon wandte sich erneut an Narie:
"Ich gehe davon aus, dass noch keine Wunde geschlagen wurde die die Zeit nicht zu heilen vermag?"
"Das hätten weder Marek noch ich zugelassen." versicherte Narie. "Die Beiden sind ein unzertrennliches Gespann geworden. Ihr Band ist stark aber noch jung. Man sollte es nicht übermäßig beanspruchen. Garath selbst zeigt großes Potential. Auch wenn ich mich weigere es Elena als Verdienst anzurechnen hat seine lange Isolation bei ihrem Sohn zu einem großen Wissensdurst geführt und er hat ein natürliches Verständnis für andere Lebewesen. Das hat mir Kira bestätigt als sie von einem Treffen mit dem rollenden Donner zurück kamen aus dem auch Aurelia stammt. Er ist ein vielversprechender Schüler! Ich möchte nicht, dass das zerstört wird!"
"Ich nehme an du hast einen Vorschlag Narie?" erkundigte sich Eragon.
"Ich habe mit Garath darüber gesprochen. Auch er sieht hier keine Zukunft für sich und zum Glück hat er die Kraft um zu erkennen, dass er einen klaren Schnitt braucht. Er hat darum gebeten seine Studien in der Ostmark fortsetzen zu dürfen. Aurelia ist zwar noch zu jung um ihn zu tragen aber die beiden könnten die Reise auf einem Handelsschiff antreten. Wir würden ihnen natürlich eine Eskorte aus den Reihen der hier stationierten Krieger der Drachen mitgeben."
"Das scheint mir eine gute Lösung." befand Arya. "Die Ostmark kann nur von Wesen betreten werden die den Segen des Ältestenrates haben."
Eragon nickte. Er selbst hatte die entsprechenden Schutzwälle gewirkt als er dieses Tal seinerzeit entdeckte.
"Selbst wenn diese Elena ihrem Sohn nachreisen würde, sie könnte das Tal selbst nicht betreten und selbst wenn sie an einer der Wachstationen im Handelshafen einen ihrer "Auftritte hinlegen würde könnten wir die Auswirkungen von Garath fern halten."
"Dann hat dieser Plan eure Zustimmung Arget Un?" fragte Narie hoffnungsvoll.
Eragon tauschte noch einen Blick mit Arya aus, dann nickte er.
"Es scheint die beste Möglichkeit zu sein."






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