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185. Völkerspiele Teil 9

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"Wunderbar!"
Mit diesen Worten bewertete Graf Garrow den Sprung den sein Gattin gerade auf dem Rücken ihrer Stute Winterglut absolviert hatte.
Garath verfolgte den Wettkampf im Hindernisreiten nicht mit der gleichen Aufmerksamkeit wie der Graf des Palancer-Tals. Seine Gedanken waren bereits bei der Patrouille die er mit Aurelia im Anschluss an die Wettkämpfe fliegen würde.
Fast eine Woche war vergangen seit man außerhalb von Mhada Spuren der Letgherblaka gefunden hatte.
Mit Feuereifer hatten sich Garath und Aurelia damals in die Aufgaben gestürzt die ihnen von Arget Un Eragon und Meisterin Saphira zugewiesen worden waren.
Im Wesentlichen hatten sie darin bestanden die die äußere Grenze von Mhada abzufliegen und die magischen Schutzwälle zu überwachen die Eragon um den Austragungsort der Spiele gezogen hatte.
Garath musste zwar einräumen, dass die Magie die diesen Wällen zugrunde lag um einiges zu komplex war als das er sie selbst hätte wirken können. Dazu verstand er einfach noch zu wenig von der geheimnisvollen alten Sprache. Doch Meister Eragon hatte die wälle mit seinem Schüler verbunden so dass Garath sie überwachen konnte. Auch wusste der junge Reiter wie er sich von der Magie lösen konnte sollte sie zu viel seiner Kraft fordern.
Auf den ersten Flügen waren Garath und Aurelia sehr aufgeregt gewesen. Sie hatten praktisch hinter jeder Wolke mit einem Letherblaka gerechnet doch es war nichts geschehen. Die Völkerspiele liefen indes weiter und allmählich fiel die Anspannung von allen Verantwortlichen ab. Der Großnar hatte sogar bereits die Vermutung geäußert, dass die "stinkende Madenbrut" die Flucht ergriffen hatte.
Garath hielt das durchaus für möglich. Zwar hatten sie noch vereinzelt Spuren gefunden aber stets in respektvoller Entfernung zum Festplatz.
Seit die ersten Spuren gefunden worden waren hatten sich Eragon und Saphira betont offen gezeigt und auch wenn Garath und Aurelia noch Novizen waren hatten auch sie offene Patrouillen geflogen.
Für einen entfernten Beobachter war schließlich nicht erkennbar wie unerfahren er und sein Drachenmädchen noch waren.
Für die Ra zac musste fest stehen, dass sich wenigstens zwei Drachenreiter in Mhada aufhielten.
Das war ein mehr als guter Grund das Weite zu suchen. Besonders da ersichtlich war, das eines der Gespanne zu den mächtigsten in ganz Alagaesia zählte.
Zwischen ihren Erkundungsflügen hatte Meister Eragon seinen Schülern befohlen sich zu entspannen. Sie sollten die Völkerspiele besuchen und die Gelegenheit nutzen etwas über die verschiedenen Kulturen zu lernen.
Erst hatten Garath und Aurelia sich gesträubt. Beide hatten argumentiert, dass ihre Pflichteten doch wichtiger seien.
Eragon hatte gelacht und gesagt, dass er wohl dafür sorgen müssen, dass Meisterin Arya weniger Unterrichtsstunden bei diesen beiden Schülern geben sollte.
Mit mehr ernst hatte er dann erklärt, dass Gleichgewicht zwischen Pflicht und Entspannung wichtig sei.
Widerwillig hatte Garath sich schließlich gefügt. Die Völkerspiele waren ein absolut faszinierender Ort und die Wettkämpfe sehr spannend.
Gerade verfolgte Garath die letzten Durchgänge im Hindernisreiten.
Darauf hatte er sich besonders gefreut da er Graf Garrow und Gräfin Ashru inzwischen recht gut kennen gelernt hatte und mitfieberte ob die junge Adlige siegen würde.
Gerade setzte Ashru auf Winterglut zum letzten Sprung an.
So sehr Garath in Gedanken auch schon bei seinem nächsten Flug mit Aurelia war, so hielt er nun doch die Luft an.
Durch die geistige Verbindung zu seinem Drachenmädchen spürte er, dass auch Aurelia nun interessiert zusah.
Die Rote hatte sich neben ihrem Reiter einen Platz unter den Zuschauern gesucht und hob nun den Kopf.
Ashru lenkte Winterglut auf das letzte Hindernis zu und das Pferd schien regelrecht über die Hürde zu fliegen. Für einige Sekunden schien die Schwerkraft die Stute völlig freigegeben zu haben.
-"Also für ein Pferd ist dieses Tier wirklich sehr anmutig"- räumte Aurelia großzügig ein als die Zuschauer um sie herum in Jubel ausbrachen.
Allen voran applaudierte natürlich Graf Garrow. Seine Frau war als Siegerin aus diesem Wettstreit hervorgegangen.
"Ganz herzlichen Glückwunsch!" sagte Garath zu Meister Eragons Neffen und bot dem Grafen seine Hand an.
Dieser lachte und schüttelte sie herzhaft.
"Danke dir junger Reiter. Ich leite deine Glückwünsche an meine Gattin weiter." halb zu sich selbst fügte er noch hinzu: "Ihr Sieg dürfte uns einige interessante Angebote bringen. Winterglut hat sich von ihrer besten Seite gezeigt."
"Allerdings." versicherte Garath. "Sogar Aurelia hat sich wohlwollend über euer Pferd geäußert."
"Oh!" rief Graf Garrow aus und verneigte sich dankbar vor der jungen Drachendame.
"Das ist allerdings ein Kompliment von der Tochter eines Volkes das Sinnbild ist für Stärke und Eleganz!"
Deutlich spürte Garath wie Aurelia dieses Kompliment genoss. Zutraulich zwinkerte sie dem Grafen zu und ließ durch Garath übermitteln, dass sie in Winterglut Kraft und Schönheit sah.
Noch einmal verneigte sich der junge Graf.
"Gut meine jungen Freunde." sagte Garrow. "Ihr müsst mich jetzt entschuldigen. Ich möchte meiner Frau gratulieren und ich muss vorher noch ein Fläschchen Frühlingswein aus Surda besorgen. Mein Geschenk für sie um ihren Sieg zu feiern."
Mit diesen Worten verabschiedete sich der junge Graf und verschwand in der Menge.
-"Da wird er wohl leider kein Glück haben."- ließ sich Aurelia vernehmen. -"Frühlingswein aus Surda ist ausverkauft."-
-"Nun, das soll nicht unsere Sorge sein." erwiderte Garath. "Wir sollten jetzt auch aufbrechen."-
Aurelia schnaubte zustimmend und Drache und Reiter schritten von der Rennbahn fort um eine freie Stelle für ihren Abflug zu finden.
-"Wie kommst du eigentlich darauf, dass der Frühlingswein ausverkauft ist?" wunderte sich Garath während er neben Aurelia herging. -"Ich meine, du trinkst ihn nicht und auch den Essen jagst du dir lieber selbst...also?"-
-"Der Geruch hat sich verändert!"- erklärte Aurelia.
Inzwischen hatten die beiden ein freies Fleckchen erreicht und die junge Rote legte sich nieder um ihrem Reiter das Aufsitzen zu ermöglichen.
-"Wir Himmelskinder haben einen sehr guten Geruchsinn."- erklärte Aurelia. -"Wie glaubst du finden wir sonst unsere Beute selbst wenn sie Meilen entfernt ist oder sich im Unterholz versteckt? Die Speisen die hier zubereitet werden und auch die Getränke die ausgeschenkt werden....all das ergibt einen ganz bestimmten Geruch. In den letzten Tagen sind einige Düfte immer weniger geworden."-
-"Stimmt du hast recht!"- pflichtete Garath seinem Drachenfräulein bei. -"Ich wollte mir vorhin einen Zuckersaft......"-
Aurelia stieß einen Laut aus der an das Fauchen einer Katze erinnerte. Ihr Kopf schwang herum und sie fixierte Garath der gerade seine Beinriemen fest zog.
-"Erwähn dieses Zeug nie wieder. Jedenfalls nicht so lange du auf meinem Rücken sitzt!"-
Garath lachte leise und strich Aurelia beschwichtigend über den Hals.
Kurze Zeit später segelten Drache und Reiter gemeinsam durch den Himmel.
Einmal mehr jedoch war Garath tief in Gedanken versunken. Irgendetwas von dem was Aurelia gesagt hatte war bei ihm hängen geblieben.
-"Glaubst du eigentlich, dass wir noch irgendetwas von den Razac hören werden?"- wollte das rote Drachenfräulein plötzlich wissen.
-"Also ich denke nicht."- Aurelia sprach ohne die Antwort abzuwarten voller Zuversicht weiter. -"Im Grunde besteht diese Madenbrut doch nur aus Feiglingen die sich im Hinterhalt herumdrücken. Da sind sie mutig! In der Dunkelheit!
Aber im offenen Kampf? Nein!
Da wüssten sie ja genau was ihnen bevorsteht. Weißt du......."-
Die Erkenntnis durchzuckte Garath wie ein Blitz. Schlagartig richtete er sich in Aurelias Sattel auf!
-"Das ist es!"-
-"Was?! Hast du etwas gesehen?"-
Garaths Aufregung übertrug sich auf Aurelia.
Aufgeregt schwenkte das rote Drachenmädchen den Kopf hin und her auf der Suche nach einem möglichen Feind.
Das erwies sich allerdings als eine schlechte Idee. Die ruckartigen Bewegungen brachten das junge Drachenfräulein aus dem Gleichgewicht und Aurelia brauchte einige Sekunden um sich wieder zu fangen.
-"Was zappelst du so herum wie ein verschreckter Hase!"- fauchte die Rote.
Garath konnte deutlich spüren, dass sein Drachenfräulein ebenso wütend auf sich selbst war wie auf ihn. Kopf und Schwanz ruhig zu halten da sie wie ein Ruder wirkten war eine der ersten Lektionen von Meisterin Schimmerschuppe gewesen.
Ganz offensichtlich schämte sich Aurelia ein wenig, dass sie dies vergessen hatte.
-"Ich glaube ich weiß jetzt was die Razac vor haben! Kannst du Meisterin Saphira durch die Geistige Verbindung erreichen Aurelia?"-
-"Ja aber....."-
-"Tu es bitte. Vertrau mir! Ich werde gleich alles erklären!"-
Garath spürte wie Aurelia ihren Geist abschirmte. Augenblicke später konnte er fühlen wie sich der Geist eines weiteren Drachens mit dem seinen verband.
-"Was ist denn los junger Garath?"- erkundigte sich die Stimme der blauen Drachendame. -"Deine Seelenschwester hat mir gesagt du siehst völlig außer dir. sie meint es ginge um die Ra zac? Habt ihr etwas entdeckt?"-
-"Ich glaube ich weiß was die Letherblaka planen Meisterin!"- rief Garath aufgeregt. -"Es ist der Geruch!"-
-"Der Geruch? Drück dich deutlicher aus du Küken."- forderte Saphira.
-"Atme erst mal tief durch Garath!"- riet Aurelia. -"Du sprichst hier mit unserer Meisterin. Wenn sie dich ernst nehmen soll, dann benimm dich nicht wie ein kopfscheues Pferd!"-
Garath zwang sich zur Ruhe. Die beiden Drachendamen hatten recht. Er musste der Reihe nach berichten.
-"Meisterin"- hob er schließlich an. -"Ihr habt uns erzählt, dass der Orden die Letherblaka und ihre Brut schon lange bekämpft oder?"-
-"Das ist wahr."- bestätigte Saphira.
-"Dann ist es auch wahrscheinlich, dass unsere Feinde genau wissen, welche Maßnahmen wir ergreifen werden wenn wir ihre Nähe fürchten.
Besonders da sie wissen, dass ihr und Arget Un Eragon über die Spiele wacht.
Sie werden wissen, dass der direkte Angriff Selbstmord wäre. Auch ihre Priester zu schicken wäre ein Unterfangen, welches zum Scheitern verurteil wäre. Sie wissen, dass ein Drachenreiter mit Meister Eragons Erfahrung feindliche Gedanken spüren kann!
Und du Aurelia hast es selbst gesagt: Der offene Kampf ist nicht ihre Art. Das war es noch nie.
Aber sie sind listig und heimtückisch. Nicht wahr?"-
-"Das ist wohl wahr junger Reiter aber worauf willst du hinaus?"-
-"Ich habe von einem Händler erfahren, dass einige Speisen und Getränke knapp geworden sind.
Das ist nicht ungewöhnlich bei einem Fest dieser Größe."-
-"In der Tat." bestätigte Saphira. -"Aber das ist nur vorübergehend. fahrend Händler sind bereits auf dem Weg um die Vorräte zu ergänzen. Was hat das mit den Ra zac zu tun?"-
-"Meisterin, wäre es nicht viel leichter für unsere Feinde diese kleinen Gruppen von Händlern zu überfallen? Auf den Straßen sind sie ungeschützt! Sie wären doch ein Ziel, dass für unsere Feinde viel einladender ist als ein gesicherte Festplatz der von Drachenreitern geschützt wird, oder?"
Saphira überlegte einen Moment.
-"Du könntest recht haben junger Reiter."- räumte die Blaue schließlich ein. -"Aber wie sollten unsere Feinde wissen wann sie sich auf die Lauer legen müssen? Wie du bereits ausgeführt hast dürfte es schwierig für sie werden Agenten in die Festgemeinschaft einzuschleusen."-
-"Der Geruch!"- warf Aurelia aufgeregt ein.
-"Genau!"- stimmte Garath ihr zu und erklärte: -"Vorhin hat mich Aurelia überrascht indem sie genau sagen konnte das ein bestimmter Wein im Augenblick nicht mehr vorrätig ist. Sie konnte das aus den Gerüchen lesen die von Mhada aufsteigen.
Meisterin, ich weiß, dass ihr und das Volk der Drachen nicht gern mit den Letherblaka verglichen werdet. Ganz sicher nicht nachdem was die Flugrösser euren Jungen angetan haben aber:
Die Sinne der Razac und der Letherblaka sind doch sicher ähnlich scharf wie eure. Ich meine die Razac können auch in größter Dunkelheit perfekt sehen ihr Geruchsinn oder der ihrer Eltern muss doch ähnlich gut sein!
Wie sollten sie sonst ihre Beute aufspüren?
Deshalb haben sich die Flugrösser der Festwiese genähert!
Um den Geruch zu kosten! Und um zu ergründen wann welche Nahrungsmittel ausgehen! Sie sind doch sicherlich klug genug um zu wissen von wo welche Güter stammen und welche Wege die Händler nehmen werden."-
-"Barzul!"- flüsterte Saphira. -"Du könntest wirklich recht haben junger Garath! Aurelia? Wo genau seit ihr gerade?"-
Garath spürte wie sein Drachenmädchen ihren Standort übermittelte.
-"Gut!"- knurrte die blaue Drachendame. -"Ihr Küken werdet mir jetzt genau zuhören und meine Anweisungen ganz genau befolgen.
Ich möchte das ihr der Straße folgt die nach Süden führt. Auf ihr reist eine Handelskaravane nach Mhada.
Fliegt schnell und hoch. So hoch, dass ein unwissendes Auge euch für einen Vogel halten würde.
Findet die fahrenden Händler und kreist über ihnen. Beschützt sie!
Auf keinen Fall aber will ich, dass ihr anfangt die Letherblaka zu suchen! Hört ihr? Ihr wisst wie gefährlich sie sind.
Ich schicke euch Küken nur deshalb aus weil Leben auf dem Spiel stehen!
Ich hole Eragon und wir werden zu euch aufschließen und dann gemeinsam vorgehen! Ihr greift nur ein wenn ihr seht, dass Leben auf dem Spiel stehen!
Habt ihr verstanden?"-
-"Ja Meisterin!"- versicherte Garath während Aurelia schon nach Süden abdrehte und ihren Flug mit kräftigen Flügelschlägen beschleunigte.
Garath schluckte kräftig.
Auf die eine Weise war er stolz, dass er einen guten Einfall gehabt hatte. Doch er konnte das Gefühl nicht abstreifen, dass ihm und Aurelia eine erst, tödliche Prüfung bevorstand.





I'm back, abstimmen nicht vergessen;)

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