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70. Der Richterrat

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Schmunzelnd blickte Eragon vom Balkon seines Quartiers in den Garten hinab. Die Aufregung in der Festgesellschaft über die frisch geschlüpften Drachen hatte sich inzwischen etwas gelegt so dass Marlena gerade bemüht war den beiden Küken, selbstverständlich unter den wachsamen Blicken der neu erwählten Reiter, eine erste Lektion zu geben. Sie bemühte sich den beiden Drachenkindern des Lieblingsspiel aller Schlüpfling beizubringen: Belauern!
Wie Eragon es nach dem schlüpfen von Sinas Drachenmädchen, welches inzwischen den Namen Luna trug, vermutet hatte war auch das zweite Küken geschlüpft. Trenyan war äußerst stolz auf seinen kleinen Drachenjungen. Mindestens ebenso stolz wie seine Eltern auf ihn. Bloedgram und Tialva die sich ebenfalls bei der kleinen Gruppe in den Gärten auf und erhielten sich angeregt mit ihrem Sohn und Sina.
Eragon hatte den Eindruck dass die beiden Elfen die neu erwählte Reiterin durchaus sympathisch fanden. Ein Umstand den man nur begrüßen konnte denn die Namenswahl von Trenyan für seinen Schützling war für den Anführer der Reiter ein weiterer Hinweis gewesen, dass die beiden Novizen des Ordens mehr für einander empfanden als reine Freundschaft.
Trenyan hatte seinen Drachen, natürlich mit dessen Einverständnis, den Namen Sairis gegeben. Er hatte das Küken damit nachdem missverstandenen Reiterdrachen benannt, der das Unrecht der verstoßenen Kinder zuerst aufgedeckt hatte. Nicht nur machte Bloedgrams Sohn damit Sina eine besondere Freude sondern Eragon begrüßte noch aus einem zweiten Grund dass dieser Name wieder unter den Kindern des Himmels und des Feuers ausgesprochen wurde. Lange Zeit hatte Sairis und sein Seelenpartner unter dem Verdacht gestanden Anhänger von Galbatorix zu sein. Inzwischen waren ihren Namen von dieser Anschuldigung rein gewaschen und es schien ein viel versprechender Neuanfang zu sein diesen Namen wieder an einen jungen Scublaca zu vergeben.
"Im Moment ist unsere Tochter ihren Schülern im Belauern noch überlegen." meldete sich Arya mit sanfter Stimme zu Wort und trat neben Eragon auf den Balkon. Bei sich trug sie zwei Gläser mit frischem, klarem Wasser. Eines reichte sie ihren Gefährten.
"Sairis und Luna!" murmelte sie gedankenverloren.
"Gute Namen finde ich." lächelte Eragon und trank einen Schluck.
"Ich stimme dir zu."sagte die Elfe." Die kleine Luna sieht ihr wirklich so aus als wäre sie aus dem Mondlicht selbst gegossen. Ich denke die beiden Drachen und auch ihre Reiter werden eine wertvolle Ergänzung unseres Ordens sein."
Eragon nickte nur stumm und ließ seinen Blick ins Leere wandern. Es vergingen einige Augenblicke der Stille in dem Eragon sich in den Untiefen seiner Gedanken verloren. Nun da die Reiterprüfung abgeschlossen war trat sein Gespräch mit König Maranus wieder in den Vordergrund. Eine schwierige Aufgabe kam auf ihn zu.
Er spürte, dass Aryas Blick auf ihm ruhte und die Elfe abwartete. Nach einem Augenblick indem Saphiras Reiter seine Gedanken sammelte wandte er sich ihr zu.
"Es geht um das Gespräch dass du mit Maranus geführt hat oder?"
Eragon nickte.
"Er hat mir mitgeteilt, dass die Untersuchungen gegen den Zirkel der Heiler abgeschlossen sind und nun der Prozess gegen seine Mitglieder beginnen soll. Er hat mich, das heißt den Orden darum gebeten als Richter zu fungieren. Soweit ich das Rechtssystem deines Volkes verstehe, Arya wird ein Rat aus vier Richtern gebildet der die Verhandlungen leitet, die Beweise begutachtet und dann ein Urteil fällt. Das ist die Aufgabe die an uns herangetragen wurde."
Arya schwieg einen Moment und schien zu überlegen. Ihr Wasserglas hielt die Elfe mit beiden Händen und mit dem Zeigefinger der rechten Hand tippte sie rhythmische gegen den Rand des Bechers.
"In der alten Zeit ist der Orden öfter um Schiedssprüche gebeten worden." erwiderte sie schließlich. "Zwar nicht so oft von meinem Volk aber es ist vorgekommen."
Eine unausgesprochene Frage schien Aryas Worte zu begleiten. Eragon begriff und begann zu erklären:
"Es ist das erste Mal das unser neuer Orden um einen solchen Rechtsspruch gebeten wird. Maranus hatte darum gebeten dass ich dem Richterrat angehöre. Meine Taten in der Vergangenheit verleihen meinem Wort Gewicht. Es beunruhigt mich etwas ein Urteil über jemanden fällen zu müssen. Sicher, ich habe schon Herrschern in kritischen Momenten Ratschläge erteilt aber das ist nicht dasselbe."
"Es ist gut dass du die schwere deiner Verantwortung begreifst Eragon aber ich habe Vertrauen dass du auf diese Aufgabe gewachsen sein wirst. Außerdem vergiss bitte nicht: es wird nicht von dir verlangt eine willkürliche Entscheidung zu treffen. Dir werden Beweise vorgelegt werden und es gibt Gesetze die die Möglichkeiten deines Handelns bestimmen. Du sollst die Stimme des Gesetzes sein aber dein Wort wird nicht das Gesetz sein."
Eragon atmete einmal tief durch und stellte fest, dass Aryas Worte im tatsächlich etwas beruhigt hatten. Sie hatte völlig recht. Im Rechtssystem der Elfen gab es klar geregelte Strukturen. Es wurde auch nicht von ihm erwartet es besser zu machen als es die Richtlinien vorsahen. Er sollte nur Neutralität sicherstellen.
Arya ergriff indes wieder das Wort:
"Ich würde vorschlagen dass wir den Rat hauptsächlich aus Reitern aus meinem Volk zusammensetzen. Man bringt uns Vertrauen entgegen, dass wir ein gerechtes Urteil fällen. Wir sollten dieses Vertrauen erwidern indem wir meinem Volk die nötige Privatsphäre geben. Es ist eine Angelegenheit der Elfen und auch wenn unsere Ordensmitglieder zu Reiterin berufen worden bleiben sie Kinder des schützenden Waldes."
"Dem stimme ich zu." Erklärte Eragon. "Einem elfischen Reiter ist es auch am ehesten möglich die Denkweisen und das daraus reselutierende Verhalten zu verstehen."
"Wen willst Du zum Schiedsmann berufen?"
"Als erstes dich." erklärte Eragon und hob abwehrend die Hände als er bei Arya den Ansatz von Protest bemerkte. "König Maranus selbst hat darum gebeten dass du in den Rat berufen wirst."
Ein Schatten von Überraschung glitt über Aryas Züge.
"Warum?" Fragte sie schließlich schlicht.
"Zum einen, weil Du eine lange Geschichte des hingebungsvollen Dienstes für dein Volk hast. Man weiß wie viel du durchlitten hast und was so bereit warst zu opfern. Außerdem bist du für dein Volk etwas ganz besonderes. Man bringt dir liebevolle Verehrung entgegen. Du bist die erste Reiterin der neuen Generation die aus dem Volk der Elfen stammt. Nach dem Tod von Oromis bedeutete das viel für die Äfkyn. Es war der greifbare Beweise, dass trotz des tragischen Verlustes der Bund zwischen den Elfen und den Drachen weiter bestand. Auch weiß man dass du an meiner Seite warst als ich Galbatorix besiegt habe. Wie ich schon sagte, dein Volk verehrt dich und dein Wort hat damit großes Gewicht."
Aryas Blick war zum Horizont gewandert während Eragon gesprochen hatte.
"Das zu wissen bedeutet mir viel." sagte sie schließlich. "Als ich die Krone niedergelegt habe und auch später als wir mit Marlena Du Weldenvarden besucht haben...... ich hatte es vergessen Eragon. Ich hatte vergessen dass mein Volk nicht nur aus einigen wenigen missgünstigen Adligen besteht die voller Vorurteile sind oder ihre eigenen Interessen verfolgen. Dass man mir Ansehen entgegenbringt und Respekt bedeutet mir sehr viel. Ich möchte nicht dass man vor mir kriecht aber manchmal habe ich geglaubt regelrecht zu einer Aussätzigen geworden zu sein."
"Das kann ich verstehen." Eragon trat einen Schritt auf seine Gefährtin zu und Strich ihr sanft über den Arm. "Du bist keine Aussätzigen Arya. Ganz im Gegenteil. Und Du warst auch eine gute Königin für dein Volk. Du hast nämlich die wichtigste Aufgabe die ein Herrscher hat sehr gut erfüllt."
Aryas schlug die Augen nieder und ihr Lächeln verriet, dass sie wusste worauf Eragon an spielte.
"Die erste Pflicht eines Herrschers ist dafür zu sorgen, dass ein geeigneter Nachfolger zur Verfügung steht. Nur dann ist die Zukunft des Volkes wirklich gesichert. Maranus war der richtige um ihn zu meinem Nachfolger zu ernennen. Er ist ein guter König und wenn er glaubt, dass ich ihn unterstützt indem ich den Rat der Richter beitrete, dann werde ich das tun. Du kannst dich also auf mich verlassen Schattentöter. Wen willst Du noch berufen?"
"Ich habe über Narie nachgedacht." erklärte Eragon." Immerhin ist sie Mitglied des Ältestenrates aber ich habe mich schließlich dagegen entschieden. Sie ist deine Cousine und jeder weiß, dass du sie aufgenommen hast als ihre Familie auseinander brach. Es würde mit Sicherheit Elfen geben, die ihr Befangenheit unterstellen. Sie wird nicht von der selben Verehrung wie du geschützt. Ich denke die geeignetsten Kandidaten für diese Aufgabe wären Kalain und Sylara. Nach Narie sind sie die ältesten elfischen Reiter."
Arya nickte nachdem sie einen Augenblick die Möglichkeiten abgewogen hatte.
"Ich denke du hast recht. Kalain stammt aus einer alten, angesehenen Familie. Als Reiter hatte er zwar einen holprigen Start aber er hat sich bemerkenswert entwickelt. Ich denke das man ihm diese Aufgabe anvertrauen kann."
"Und Sylara scheint mir ebensogut geeignet." führte Eragon weiter aus. "Sie hat, bevor sie erwählt worden ist in Ceris das Rechtssystem der Elfen studiert. Sie bringt also große Sachkenntnis mit. Außerdem stammen sie aus dem einfachen Volk. Sie ist nicht von Adel und durch sie im Rat würde sichergestellt, dass sich auch das einfache Volk ernst genommen fühlt."
"Eine gute Wahl." bestätigte Arya.
"Dann bleibt uns nur zu hoffen, dass es uns gelingt ein gerechtes Urteil zu fällen. Ich werde Maranus Bescheid geben dass wir seiner Bitte entsprechen und Nachrichten an Kalain und Sylara senden."
Noch immer spürte der Anführer der Reiter den Blick seiner Gefährtin auf sich ruhen und erwiderte diesen schließlich.
"Du bist bisher an jeder deiner Aufgaben gewachsen und bist ihnen schließlich gerecht geworden Schattentöter." sagte Arya und Eragon entging nicht, dass sie seinen Ehrentitel besonders betonte. Der Sieg über Durza war sein erster großer Erfolg gewesen.
" Hab Vertrauen dass die dass auch diesmal gelingt." Vollendete Arya ihren Gedankengang.
"Da ich mich einmal mehr auf deine Unterstützung verlassen kann werde ich meinen Weg wohl finden mein Stern"




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