Wir haben unsere Inhaltsrichtlinien aktualisiert.
Sieh dir die neuesten Richtlinien an, um weiterhin sicher Geschichten zu teilen.

142. Mutterliebe Teil 1

96 9 0
                                        

Ein wenig enttäuscht blickte Marlena der jungen Elfe nach die gerade das Podium verließ. Auch an ihr hatte der junge Drache in dem roten Ei kein Interesse gezeigt und allmählich lichteten sich die Reihen der Interessenten.
Mit Begeisterungen waren Kenai und Marlena in Cosaria empfangen worden. Narie und Marek hatten, kurz nachdem ihre jungen Abgesandten sie darüber Informiert hatten, dass sie in der Tat ein Drachenei erhalten hatten.
Daraufhin war die Stadt sofort in fiebrige Geschäftigkeit ausgebrochen. Die Ankunft eines neuen Dracheneis galt als gutes Ohmen für fortdauernden Frieden zwischen den Völkern und wurde stets ausgelassen gefeiert.
Marlena und ihre Begleiter waren vor den Stadttoren von den Präfekten von Kosaria empfangen worden. Vier gewählte Vertreter der verschiedenen Völker die gemeinsam mit den Abgesandten des Drachenreiterordens die Verwaltungsaufgaben bewältigten. In einem Triumphzug waren Alonvy und Irucan mit ihren Reitern über die breite Hauptstraße geschritten und Marlena war überzeugt, dass ihre Drachendame jede Sekunde genossen hatte auch wenn Alonvy es hartnäckig bestritt.
Auf dem Sanften Hügel der vom Haus ihrer Tante Narie und ihres Gefährten Marek gekrönt wurde war der Hauptfestplatz. Dort hatte man die ankommenden Reiter bereits erwartet. eine Abordnung von Eiwächtern hatte Marlena ihre Kostbare Fracht abgenommen und nun thronte das rote Ei auf einem für eine Reiterprüfung typischen Tribüne. Ein Zelt schloss sich an das Holzgerüst an in das sich ein potentieller Reiter zurückziehen konnte und auf der freien Fläche hinter der Tribüne hatten die Drachen ein gemütliches Plätzchen gefunden.
Inzwischen war auch Marek eingetroffen. Herzlich hatte er Marlena begrüßt und auch Laorie hatte ihr Wohlwollen darüber ausgedrückt, dass das Küken des Arget Un und ihre Seelenschwester eine Weile in diesen Jagdgründen verweilen würde.
Die vier Drachen thronten nun mit Stiller würde über der bunten Festgesellschaft und kosteten die verschiedenen Gerüche.
Die Reiterprüfung stellte den Höhepunkt der Feierlichkeiten. Vor einigen stunden hatte sie begonnen. Der Ablauf solcher Prüfungen hatte sich seit der Neugründung des Ordens beständig weiterentwickelt.
In der alten Zeit war es nicht notwendig gewesen die Abläufe in besonderem Umfang zu regeln. Der Orden war so etabliert gewesen, dass es einfach nicht nötig war.
Marlenas Vater hatte aber schon bald die Erfahrung machen müssen, dass der neue Orden klare Regeln brauchte um das Vertrauen der Bevölkerung zu erlangen und um Problemen vorzubeugen.
Im vierten Jahrzehnt der Neugründung sah der Ablauf einer Prüfung so aus, dass der älteste Reiter vor Ort die Prüfung eröffnete indem er oder sie eine Rede hielt. Darin wurde ganz klar aufgeführt welche Rechte aber auch welche Pflichten einem Auserwählten zuteil werden würden.
Jeder der vortrat um das Ei zu berühren musste akzeptieren, dass er sich von nun an den Regeln des Reiterordens zu unterwerfen. Das bedeutete vor allem selbstloser Dienst an der Gemeinschaft, das Ablegen aller Titel und Privilegien mit Ausnahme des Titels "Drachenreiter" und Gehorsam gegenüber der Ordensführung also des Ältestenrats.
Jeder Kandidat der vorgelassen wurde musste seine Bereitschaft erklären sich diesen Regeln unterzuordnen bevor er die Gelegenheit erhielt das Ei zu berühren.
Es waren auch Schreiber anwesend die überprüften wer vorgelassen wurde. Kinder, egal ob Junge oder Mädchen, die das Erwachsenenalter noch nicht erreicht hatten mussten in Begleitung ihrer Eltern vortreten. Erst mit erreichen des sechzehnten Lebensjahres durfte ein Kandidat allein vortreten.
Diese Regel war eingeführt worden, weil nicht jede Familie bereit war ihre Kinder in die Obhut der Drachenreiter zu übergeben. Auch waren Eltern nicht immer bereit ihr gewohntes Leben aufzugeben und in die Ostmark überzusiedeln.
Alle Reiter mussten jedoch zur Ausbildung den Hauptsitz des Ordens aufsuchen.
Um Konflikte in diesem Punkt zu vermeiden verlangte man daher, dass bei Halbwüchsigen und Kindern die Eltern mit vortraten und ihre Zustimmung zur Prüfung und den möglichen Konsequenzen erklärten.
Da man jedoch nicht jedem Jugendlichen sein genaues Alter ansehen konnte waren die Schreiber mit vor Ort. In einwohnerlisten überprüften sie die angaben der Kandidaten und stellten das genau Alter der Kandidaten fest.
Bisher jedoch hatte das Küken alle Kandidaten abgewiesen und die letzten entfernten sich gerade.
Marlena seufzte. Sie hätte gerade diesen jungen Drachen gerne selbst im Leben begrüßt. Unter 'Umständen konnten nun Jahre vergehen bis dieses Spezielle Ei wieder zu einer Prüfung ausgesucht wurde.
-"Abwarten kleine Halbling."- tröstete Alonvy. -"Sieh mal da, ein Nachzügler."-
Marlena blickte zum fuß der Treppe die auf das Podium hinauf führte. Ein junger Mensch stand da. Der unbekannte Junge trug einen schmutzigen, abgetragenen Umhang mit Kapuze. Sein Gesicht war von Staub bedeckt als hätte er ein längere Reise hinter sich. Ehrfürchtig blickte der junge Mann auf das blutrote ei, dass in der Abendsonne glänzte.
Tiefe Sehnsucht lag in diesem Blick.
Fast wie ein Schlafwandler erklomm der junge Mann die Stufen.
Vorsichtig reckte Marlena ihre geistigen Fühler. Jähe Hoffnung durchzuckte sie. Ganz eindeutig regte sich der Geist des kleinen Drachens in seinem Ei.
"Komm nur näher junger Hornloser"
Einer der Eiwächter, ein ausgewachsener Kull, hatte den unbekannten jungen Mann angesprochen.
Der Namenlose zuckte leicht zusammen und blickte zu dem Gehörnten auf. Marlena schien es als habe er erst in diesem Augenblick den Urgal mit seinen weiß bemalten Hörnern bemerkt.
Der Kull nickte freundlich und fragte mit stolzer, tiefer Stimme:
"Willst du das Ei berühren."
"Ja." hauchte der Junge.
"Bist du dir im Klaren darüber welche Pflichten sich daraus ergeben. Silberhand Flammenspeer hat sie zu Beginn der Prüfung verkündet."
Der Junge nickte. Er schien Probleme damit zu haben sich auf den Kull zu konzentrieren. Immer wieder glitt sein Blick zu dem roten Ei.
"Dann nenne uns bitte deinen Namen und dein Alter." forderte der Gehörnte.
"Was....., oh Ich bin Garath Torinssohn. Meine Familie lebt außerhalb von Cosaria. Wir leben in der kleinen Pflücker Siedlung nördlich von hier und ich bin in einem Monat 17 Sommer alt."
Der Kull blickte kurz zu dem Schreiber der am Rande des Podiums saß. Dieser Konsultierte seine Listen und nickte dann zustimmend. Das war das Zeichen dafür, dass er den Jungen in seinem Register gefunden hatte.
Der Kull gab nun den Weg zu dem Ei frei. Der Junge hatte ein ausreichendes alter und hatte seine Bereitschaft betont.
Andächtig trat der Junge vor und strich zärtlich über die glatte Schale des Eis.
Die umstehende Menge hatte eigentlich schon begonnen sich zu zerstreuen, nun blickten jedoch wieder alle Bewohner Cosarias auf das Podium.
Gerade wollte der junge Mensch enttäuscht seine Hand enttäuscht zurückziehen als ein gedämpftes Quicken zu hören war. Das Rote ei machte auf seinem Kissen einen Satz nach vorn. Hastig legte der Junge wieder die Hand auf die Schale um zu verhindern, dass die Kostbarkeit von dem Podium rollte auf dem es ruhte.
Lächelnd traten Narie und Marek zu dem jungen Garath und bedeuteten ihm das Ei aufzuheben und ihnen in das Zelt zu folgen.
-"Ich schätze der Orden ist wieder gewachsen kleine Halbling."- freute sich Alonvy und Marlena konnte ihrer Drachendame nur zustimmen. Eine so lebhafte Reaktion war ein klares Zeichen. Das Küken schlüpfte. Es hatte seinen Reiter gefunden.
Am liebsten wäre Marlena ihrer Tante direkt in das Zelt gefolgt doch das wäre unangemessen.
Mit Narie und Marek waren bereits zwei Reiter anwesend und das genügte. Man wollte den jungen Drachen nicht überfordern indem man ihn oder sie zu vielen fremden Geistern aussetzte.
Wohl oder übel musste die junge Halbling also warten. Sie lehnte sich an das Geländer, welches die Tribüne umspannte und behielt den Eingang des Zeltes genau im Auge.
Angespannte Stille erfüllte den Festplatz als die Minuten verstrichen.
Marlena fragte sich wie das Küken wohl aussehen mochte. Das Ei war nicht von Adern durchzogen gewesen die Hinweise auf das Hornwerk des Drachen gegeben hätten. Es war also wahrscheinlich, dass der junge Rote aussehen würde als bestünde er aus einem einzigen Rubin.
Während die junge Halbling diesen Gedanken nachhing drangen plötzlich Geräusche an ihr Ohr.
Marlena reagierte zunächst als währen die aufgeregten Stimmen eine lästige Fliege die neben ihrem Ohr zu summen begonnen hatte. Nur widerwillig drehte sie sich zu der immer noch wartenden Menschenmenge um.
Nach einigen Augenblicken des Suchens erspähte Marlena eine Frau mittleren alters die völlig aufgelöst durch die Menge stolperte. Immer wieder sprach sie die Wartenden an. Was sie fragte konnte auch Marlena nicht verstehen aber ein ungutes Gefühl beschlich die junge Halbling.
Das Gefühl verstärkte sich noch als die Unbekannte in der Menge offenbar einen Bekannten entdeckte und kurz mit ihm Sprach. Der Unbekannte antwortete und deutete auf den Eingang des Zeltes.
Selbst auf die Entfernung hin konnte Marlena erkennen, das die Unbekannte erbleichte. Wie eine Furie begann sie sich einen Weg durch die Menge zu bahnen und warf dabei einige Schaulustige fast zu Boden.
Als die Frau den Aufgang zum Podium erreichte traten ihr zwei Eiwächter entgegen. Der Kull der bereits mit dem jungen Garath gesprochen hatte sowie ein Elf. Auch Marlena trat vor.
"Ihr könnt dort jetzt nicht hinein gute Frau." versuchte der Kull die Unbekannte zu besänftigen die versuchte sich mit wilder Entschlossenheit an ihm vorbei Zudrängen.
"Geh aus dem Weg du verdammtes Monster." geiferte die Frau. "Ihr haltet meinen Sohn da drin fest. Garath!"
Die Stimme der Unbekannten überschlug sich fast als sie immer wieder den Namen ihres Sohnes rief.
"Garath komm sofort da raus! Garath! Garath komm wir gehen nach Hause!"
Marlena war von der ans Manische grenzenden Wildheit der Frau einfach überwältigt.
"Was ist den hier draußen los!" Mareks Stimme donnerte über den Tumult hinweg.
Marlena war überrascht mit welcher Präsenz der Gefährte ihrer Tante auftrat. Sie hatte den ehemaligen Bergnomaden als einen sehr kameradschaftlichen Mann kennen gelernt der nicht viel Wert auf Autorität legte. Zweifellos besaß er sie jedoch. Jahrzehntelange Erfahrung sprach aus ihm und vollbrachte das was nicht mal die drohende Gestallt des Kull vollbracht hatte: Kurzzeitig nahm sie der Frau den Wind aus den Segeln.
"Herr," hob die Unbekannte an. "Mein Sohn ist da drin. Er wird mit mir nach Hause kommen. Er ist ohne meine Erlaubnis hier. Ich habe ihm nicht erlaubt an dieser Prüfung teilzunehmen."
"Euer Sohn ist Garath Torinssohn?" fragte Marek ruhig.
"Ja!"
"Dann benötigt er eure Erlaubnis nicht gute Frau." widersprach Marek. "Euer Sohn hat das Mannesalter erreicht und hatte damit das Recht an dieser Prüfung teil zu nehmen."
Die Frau versuchte zu widersprechen aber Marek fuhr unbeirrt fort.
"Außerdem wäre es für ihn nun sowieso zu spät zurückzutreten. Er ist von einem jungen Drachen erwählt worden und....."
"Nein!" das erste Wort der Frau war nicht mehr als ein erregtes Flüstern doch ihre Stimme steigerte sich zu einem fiebrigen Schrei: "NEIN!"
Die Unbekannte stürmte an Marek vorbei noch bevor jemand reagieren konnte. Marlena und der Reiter von Laorie folgten der Frau ins Zelt.
Der jungen Halbling blieb keine Zeit den Anblick des kleinen, roten Schlüpflings zu erfreuen der sich an die Brust seines neu gefundenen Reiters schmiegte.
Auch wurde dieser friedliche Augen völlig zerstört als die unbekannte Frau auf ihren Sohn zustürmte und versuchte ihm seinen Drachen aus dem Arm zu reißen.
Entschlossen schritt Narie ein und drängte die Frau zurück.
"Garath du lässt sofort dieses Tier los und kommst mit mir nach Hause!"
Die Stimme der Frau konnte man inzwischen nur noch hysterisch nennen.
"Das werde ich nicht!" brüllte der junge Mann zurück. "Du wirst mir die Kleine nicht wegnehmen. Sie gehört zu mir."
Besonders die letzten Worte hatte der junge Garath mit der Kraft der Überzeugung gesprochen. Behutsam drückte er seinen Drachen an sich. Das rote Küken indes fiepte kläglich und krallte sich fest in das Wams seines Reiters während es am ganzen Leib zitterte.
Es tat Marlena in der Seele weh diesen jungen Drachen so verängstigt zu sehen und die worte die die Frau nun zu Narie sprach fachten ihren Zorn noch mehr an:
"Herrin, mein Sohn weiß nicht was er da redet. Er kommt jetzt mit mir nach Hause und dieses Ding da könnt ihr jemand anderem geben."
Erneut machte die Frau Anstalten auf ihren Sohn zuzugehen doch Narie trat ihr in den Weg. Als sie zu sprechen begann war ihre Stimme kalt und klar we Eis:
"Dieser junge Drache ist weder ein Ding noch ein Tier gute Frau. Er ist das intelligente, fühlende Geschöpf, dass seine Seele mit der eures Sohnes verbunden hat. die beiden gehören nun zusammen. Sie zu trennen wäre als würde ihr mich bitten eurem Sohn einen Fuß abzuschneiden."
"Aber er hatte dazu nicht meine Erlaubnis!" widersprach die Unbekannte standhaft. "Er gehört zu mir, seiner Mutter, seiner Familie!"
"Du erdrückst mich!" widersprach der junge Garath.
"Ich weiß was gut für dich ist, für dich und deine Schwester!" hielt seine Mutter dagegen. "Wir werden zu Hause darüber reden! Komm jetzt"
"Nein! Ich bin siebzehn Sommer alt! Du kannst mich nicht zwingen."
"Da hat der junge Recht."
Der Schreiber hatte ebenfalls das Zelt betreten.
"Ich habe meine Unterlagen geprüft und einige der Bürger da draußen befragt. Der junge Garath hier ist im Mannesalter."
"Dann ist die Sache eindeutig." legte Narie fest. "Euer Sohn ist freiwillig zur Prüfung angetreten und hat die Verpflichtungen akzeptiert die sich ergeben sollte er erwählt werden. Stehst du zu deinem Wort junger Garath."
"Ja!" erwiderte der Junge entschlossen.
"NEIN!" der Widerspruch seiner Mutter war schrill und hysterisch. Verzweifelt fuhr die Frau sich durch die Haare. Als sie den Blick auf Narie richtete war er fiebrig.
"Kinderräuber! Ihr wollt mir meinen Sohn wegnehmen aber das lasse ich nicht zu. Ich gehe zum Präfekten!"
Mit diesen worten stürmte sie aus dem Zelt. Völlig entgeistert blickte Marlena ihr nach. Ein klägliches Fiepen brachte die junge Halbling dazu wieder zu dem jungen Reiter und seinem roten Schlüpfling zu blicken. Beide, der neu erwählte Reiter und sein Schlüpfling, sahen tot unglücklich aus.





Abstimmen nicht vergessen;)

Eragon-OS-SammlungGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt