Noch immer dachte Garath über die Lektion nach, die er soeben erhalten hatte. so tief war er in Gedanken versunken gewesen, dass es ihm fast entging, dass Kira zur Landung ansetzte.
Die majestätische rote Drachendame glitt über die spiegelglatte Oberfläche des Sees an dessen Ufern Cosaria lag. Der Jörmundur zeigte sich an diesem Tag von seiner freundlichsten Seite. Ruhig und friedlich erstreckte er sich unter den gewaltigen flammend roten Schwingen von Garaths Meisterin.
Der junge Reiter konnte sein eigenes Spiegelbild von Kiras Rücken aus erkennen. Ein Schauer lief ihm über den Rücken als er sich selbst auf dem Rücken eines so mächtigen Wesens erblickte.
Eines Tages würde Aurelia auch so groß sein wie ihrer Lehrerin heute.
-"Dann wird niemand es mehr wagen sich uns in den Weg zu stellen."- feixte das Drachenmädchen das die Gedanken ihres Seelenbruders verfolgt hatte.
-"Zumindest niemand der bei klarem Verstand ist." gab Garath zurück.
Inzwischen glitt Kira so dicht über die Wasseroberfläche, dass sie nur die Krallen hätte ausstrecken müssen um sie ins Wasser zu tauchen.
Im Gleitflug näherten sie sich dem Strand einer kleinen Bucht. Dort wurden sie bereits erwartet. Drei ausgewachsene Drachen und ein goldgelber Schlüpfling hatten es sich dort bequem gemacht.
Während die erwachsenen Drachen würdevoll am Ufer liegen blieben hielt es das Küken, welches in Aurelias Alter sein musste, kaum auf dem Boden hielt. Aufgeregt eilte der junge Drache am Ufer auf und ab, und begrüßte den ankommenden Donner mit aufgeregten Lauten.
Am Horizont entdeckte Garath zwei weitere ausgewachsene Drachen die offenbar dort kreisten und zu warten schienen.
-"Das sind die übrigen Mitglieder des rollenden Donners aus dem Aurelias Ei stammt."- erklärte Kira auf Garaths nachfrage hin. -"Sie gehören zwar zur selben Brutgruppe aber sind nicht vom gleichen Blut wie deine Seelenschwester junger Mensch. Dieser Augenblick gehört der Familie. Daher halten sie sich zurück. Die Drachendame mit den grünen Schuppen ist Ester."-
-"Aurelias Mutter."-
-"Richtig Garath! Der Stahlgraue dort ist ihr Vater. Sein Name lässt sich in der Sprache der Zweibeiner nicht ausdrücken. Die Blauweiße ist Wilana. Sie ist zum einen hier weil Ester ihre jüngere Schwester ist und zum anderen ist sie die Anführerin des rollenden Donners. Daher ist sie hier."-
Garath wollte etwas erwidern doch wurde von etwas rotem abgelenkt, dass wie ein Pfeil an ihm und Kira vorbeischoss und dem Ufer zustrebte.
-"Die Jugend!"- lachte Kira.
Garath brauchte einige Augenblicke um zu erkennen, dass es Aurelia war die an ihnen vorbeistürmte. Sie schoss direkt auf den jungen goldgelben Drachen zu der, so glaubte Garath zu erkennen, ebenfalls ein Weibchen wahr.
Nur Augenblicke nach der Landung der jungen Roten war bereits ein ausgelassenes Spiel zwischen den beiden Drachenkindern im Gang.
So ausgelassen tollten die beiden Küken über den Strand der kleinen Bucht, das Kira gütig schnaubte, mit einigen kräftigen Flügelschlägen wieder etwas an Höhe gewann. Elegant legte die ältere Drachendame sich in eine Kurve und startete einen neuen Anflug.
-"Sonst zerdrücke ich diese Kindsköpfe noch bei der Landung."- erklärte Kira Garath.
-"Dieser gelbe Drache.....das ist Aurelias Schwester oder?"-
-"Richtig."- summte Kira. -"Sie nennt sich......."-
Den Worten der Drachendame folgte ein Bild. Garath erkannte die Spiegelglatte Oberfläche des Jörmundur aus dem sich gerade die aufgehende Sonne erhob. Das Wasser des Sees strahlte im ersten Licht des neuen Tages wie flüssiges Gold und an sanfter Wind trug fremde, aufregende Düfte heran.
Der glanz des Wassers erinnerte Garath an das Schuppenkleid von Aurelias Schwester. Zweifellos der Grund warum das Drachenmädchen diesen Moment als ihren Namen gewählt hatte.
Während Kira erneut auf das Land zuhielt beobachtete Garath das Spiel der beiden Schwestern.
Es war so ausgelassen, so natürlich.
Natürlich.....!
Das Wort überraschte Garath selbst. Er brauchte einen Augenblick bis er einordnen konnte woher es kam.
Reanna..... Garath musste an seine Schwester denken. Mit ihr war es nie so leicht gewesen. Nie so natürlich!
Auch Reanna hatte unter der über beschützenden Art ihrer gemeinsamen Mutter gelitten aber.....
Garath schämte sich fast dafür, dass Wut in ihm aufstieg. Oft war es zwischen Mutter und Sohn zum Streit gekommen. Mehr als einmal hatte Garath bei seiner Schwester Hilfe gesucht und immer wieder war Reanna eingeknickt und hatte der gemeinsamen Mutter nach dem Mund geredet.
Sicher, wenn sie unter sich waren, dann beklagte sich Reanna genau so wie Garath selbst aber wenn es darum ging Stellung zu beziehen.
Mehr als einmal hatte Garath sich von seiner Schwester verraten gefühlt.
-"Was bedrückt dich junger Reiter?"-
Kiras Worte schreckte Garath geradezu auf. Wieder war er so tief in seinen Gedanken versunken gewesen, dass er seine Umgebung völlig vergessen hatte.
Schlagartig wurde dem jungen Schüler des Reiterordens bewusst, dass seine geflügelte Lehrmeisterin wohl schon eine Weile kreiste und seine Gedanken verfolgt hatte.
-"Mach dir keine Sorgen junger Garath."- Kiras Blick glitt zum Strand. -"Die Beiden haben alles um sich herum vergessen. Gönnen wir ihnen das Vergnügen!"-
Garath konnte seiner Lehrerin nur zustimmen. Aurelia und ihre Schwester tollten immer noch ausgelassen über den Strand und schienen nicht die Absicht zu haben ihr Fangspiel so bald einzustellen.
-"Was bekümmert dich?"- fragte Kira erneut.
Der fast mütterliche Ton in der Stimme der roten Drachendame fachte den Sturm in Garaths Seele noch weiter an. Auch seine Mutter hatte oft mit dieser Stimme gesprochen. Doch bei ihr kam diese Führsorge grausamen Spott gleich. Im Grunde war es ihr nie um ihn gegangen und auch nicht um Reanna. Es war ihr nur darum gegangen ihren willen durchzusetzen. Führsorge, Liebe......das war für sie nur eine Maske gewesen.
Garath konnte all diese Gefühle nicht mehr zurück halten. Sie brachen in einer großen Welle aus ihm heraus. Er wusste, dass Kira alles mitbekam was nun an die Oberfläche drängte aber das war dem jungen Reiter egal. Selbst wenn er es gewollt hätte. Er hätte all das nicht aufhalten können.
Es war genau so sinnlos wie der Versuch eine abgehende Lawine mit bloßen Händen aufzuhalten.
Garath schämte sich all dies vor seiner Lehrerin auszubreiten doch die rote Drachendame schien nicht wütend zu sein.
Garath spürte wie der Geist der Drachendame näher an seinen heranrückte. Kira wurde zu einem unverrückbaren Fels. Der Sturm von Garaths Gefühlen brandete gegen die Hänge dieses Berges, tobte und rüttelte, doch mit jedem Auf und Ab der mächtigen Drachenschwingen verbrauchte der Sturm mehr von seiner Kraft, ebbte ab und ließ nichts weiter zurück als die Wahrheit:
-"Ich weiß gar nicht wie eine wirkliche Familie funktioniert. Ich weiß nicht wie ein Mutter sein sollte, ich erinnere mich kaum wie ein Vater sein sollte und meine Schwester...."-
Garath verstummte. Er schämte sich. Nicht für das was er gesagt hatte sondern dafür, dass diese Wahrheit ein Teil von ihm war.
-"Mein Silberschopf hatte es mit ihrer Familie auch nicht leicht weißt du."-
Kiras Antwort hätte kaum schlichter sein können. Sie hatte nichts offenbart was in die Privatsphäre ihrer Reiterin gehörte. Sie hatte kein Vertrauen gebrochen und auch keine lange Rede gehalten und dennoch genau das richtige gesagt.
Der bloße Umstand, dass er nicht allein war mit diesen Problemen war Garath ein großer Trost.
-"Gut!"- kommentierte Kira als sie spürte wie ihr Schüler an Kraft gewann. -"Ich habe deinen Schmerz vor Aurelia verborgen. Dieser Moment gehört ihr und ihrer Familie. Doch du wirst heute Abend mit ihr über das alles sprechen. Das befehle ich dir als deine Lehrerin."-
-"Wieso?"- Garath war überrascht. -"Sie ist so glücklich. Ich meine....."-
-"Glaubst du, dass du es vor ihr verbergen kannst?"-
Kiras Frage war sanft aber nachdrücklich.
-"Nur wenn ich mich vor ihr verschließen würde und das......."-
-"Sollte kein Reiter seinem Drachen antun. Denk daran was ich dir gesagt habe: Ihr seit die zwei Hälften eines Ganzen. Leidet einer leiden beide."-
-"Und das gleiche gilt wenn ich versuchen würde mich von ihr abzugrenzen. Dann würde sie zwar nicht meinen Schmerz teilen müssen aber es würde ihr nicht gut gehen weil sie ohne mich allein wäre."-
-"Das mag ich an euch Zweibeinern."- schmunzelte Kira. -"Ihr seit nicht so weise wie wir Drachen aber ihr seit lernfähig."-
Mit diesen Worten drehte Kira bei und strebte nun energisch dem Land zu. Garath konnte spüren wie sie die beiden spielenden Drachenkinder nun mit Nachdruck aufforderte platz zu machen.
-"Nun wird es Zeit, dass du etwas über Familien lernst."-
Abstimmen nicht vergessen;)
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Eragon-OS-Sammlung
FantasyDiese One-shot Sammlung von Eragon gehört nicht mir. Ich habe sie nur auf ff.de gefunden der eigentliche Autor heißt auf ff.de Traeumer. Die One-shots beziehen sich auf seine Eragon Fortsetzungen. (Man kann die Geschichte auch auf Fanfaction.de lese...
