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135. Zu neuen Ufern

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Nachdenklich starrte Marlena gen Himmel. Dort wich allmählich die Dunkelheit der Nacht und der Morgen breitete sich aus.
Vor einer Woche war sie mit ihrer Drachendame Alonvy aufgebrochen. Sie hatten Svenjara und ihrer jungen Drachendame Kyra sicher den Weg zur Ostmark gewiesen und einige Tage damit verbracht ihre neuen Lehrer über den Stand der Ausbildung zu informieren.
Mit vielen guten Wünschen hatte Marlenas Eltern ihre Tochter dann verabschiedet. Die beiden Ordensführer verstanden, dass Marlena nach den Ereignissen um Marantera Abstand brauchte. Auf keinen Fall sollte ihr Sprössling in Intrigen von Opportunisten verwickelt werden die aus der Aufregung die im Volk der Zwerge entstanden war.
Genüsslich biss Marlena in den Rest des Absiedgeschenks, welches ihr Vater Eragon ihr mitgegeben hatte: Apfelkuchen nach Art des Königsmörders!
Normalerweise wäre das Kunstwerk des Bäckereihandwerks nach einer Woche ungenießbar aber dank einer Spur von Magie stellte das letzte Stück des Kuchens immer noch ein schmackhaftes Frühstück für Marlena dar.
Der Kuchen füllte nicht nur den Magen sondern auch das Herz der jungen Reiterin. Marlena seufzte lautlos.
Kurze Zeit konnte sie alles vergessen wenn ihr der Kuchen auf der Zunge zerging, doch wirklich Ruhe finden konnte sie nicht. So viel ging ihr durch den Kopf seit den Kämpfen gegen Marantera.
-"Wird Zeit, dass wir in Cosaria ankommen."-
Hinter Marlena begann sich Alonvy zu räkeln. Die weiße Drachendame streckte sich wie eine Katze und entblößte ihr eindrucksvolles Gebiss als sie gähnte.
-"Du hast zu viel Zeit zum Grübeln kleine Halbling."-
-"Aber so viele Fragen sind offen!"- verteidigte sich Marlena. Sie richtete sich auf und blickte ihre Drachendame an. -"Was wenn Marantera wirkliche eine Göttin war? Es ist doch.....Aber...."-
-"Aber, aber ,aber!"- unterbrach Alonvy unwirsch. -"Hier, sieh mal....."-
Marlena folgte dem Blick ihrer Drachendame. Sie brauchte einen Augenblick, dann erkannte sie, dass sich etwa ein halbes duzend Ameisen über einige Krümel von Marlenas Apfelkuchen hermachte.
-"Sieh jetzt gut hin kleine Halbling."-
Unter Marlenas fragendem Blick senkte Alonvy eine ihrer Vorderkrallen und wartete bis eine der Ameisen auf eine ihrer weißgoldenen Krallen krabbelte. Vorsichtig hob Alonvy die Kralle, ließ sie sanft durch die Luft kreisen und legte sie anschließend wieder ab, so dass die Ameise herunterkriechen konnte. sofort machte das kleine Insekt sich wieder über die süßen Krümel her als sei nichts geschehen.
-"Und?"- fragte Marlena verständnislos nachdem einige Sekunden still verstrichen waren.
-"Und? An dieser Ameise solltest du dir ein Beispiel nehmen kleine Halbling. Rennt sie jetzt zu ihren Kammeraden und fragt: Was war das? Was ist da passiert mit mir? Wie kann man das erklären? Nein! Das tut sie nicht! Weil sie akzeptiert, dass es Kräfte in der Welt gibt die über ihr Begriffsvermögen hinausgehen. Dinge die einfach größer sind als sie es ist. Sie konzentriert sich wieder auf das Wesentliche."-
-"Ja, aber ich bin keine Ameise!"- lachte Marlena.
-"Stimmt."- neckte Alonvy. -"Aber wenn du als Zweibeinerin so viel klüger bist als dieses kleine Insekt, dann solltest du auch in der Lage sein zu begreifen, dass es Fragen gibt, auf die du keine Antworten erhalten wirst. Vergeude also nicht dein und mein Leben mit der Suche damit. Was Marantera auch immer war, sie hat untiefen der Zeit überbrückt die selbst für das Volk deiner Mutter unbegreiflich sind. Sie vermochte es Entfernungen zu überwinden die unbegreiflich sind! Was auch immer sie ist, sie steht so weit über euch Zweibeinern wie ihr über dieser Ameise da."-
-"Ach und was ist mit dir?"- fragte Marlena herausfordernd.
Alonvy beugte ihren Hals bis ihr Haupt direkt vor Marlena schwebte. Mit gespielter Hochnäsigkeit erwiderte sie:
-"Kleine Halbling: Niemand steht über uns Drachen und das kann ich beweisen."-
-"Ach tatsächlich?"- Marlena verschränkte die Arme vor der Brust zum Zeichen, dass sie die Herausforderung annahm.
-"Ja, tatsächlich. Ich kann dich schließlich genau so leicht mit meiner Kralle herumwirbeln wie diese Ameise da. Was sagt dir das?"
Einen Augenblick blieb Marlena still, dann konnte sie das Lachen nicht mehr zurückhalten.
-"Na bitte!"- schmunzelte Alonvy. -"Schon viel besser! Jetzt grübelst du wenigstens nicht mehr."-
Einige Sekunden überließ die Weiße Marlena noch ihrer Heiterkeit, dann forderte sie:-"Nu hör endlich auf zu kichern und leg mir den Sattel auf. Wir wollen doch heute Abend bei deiner Tante in Cosaria ankommen."-
Atemlos übermittelte Marlena ihre Zustimmung.
während die junge Halbling ihr Lager abbrach und ihre Habseligkeiten in denn Satteltaschen verstaute kam sie zu der Überzeugung, das Alonvy recht hatte. Es brachte nichts in der Vergangenheit zu verharren.
-"Natürlich habe ich recht kleine Halbling."- neckte die weiße Drachendame die die Gedanken ihrer Reiterin verfolgt hatte.
-"Natürlich du hast ja immer recht."- gab Marlena zurück. -"Und außerdem gibt es um uns herum doch wirklich interessantere Dinge zu bestaunen. Das ist mir gar nicht aufgefallen als ich so gefangen war in meinen Gedanken aber wir sind hier in der Welt des fernen Ostens! Die Gelehrten erforschen dieses 'Gebiet noch. Jeder Baum, jedes Tier! Alles ist neu und ein kleines Wunder."
Die junge Halbling blickte sich um und deutete dann auf einen der umstehenden Bäume.
"Sieh dir den zum Beispiel an!"
Alonvy brummte etwas lustlos aber ihre Reiterin war nun nicht mehr zu bremsen.
"So einen kenn ich nur aus den Büchern! Ich glaube sie haben ihn eine Palme genannt , er...."
-"Mein kleiner Bücherwurm."- schmunzelte Alonvy und gähnte demonstrativ.
Als sie den etwas enttäuschten Gesichtsausdruck ihrer Reiterin bemerkte fügte sie aber schnell an:
-"Du hast natürlich recht kleine Halbling. Der Duft den der Wind mit sich trägt hat sich gewandelt. Er ist neu und aufregend! Außerdem ist mir aufgefallen, dass es etwas wärmer ist. Auch Nachts. Das gefällt mir."-
Marlena lächelte versöhnt und begann damit ihre Drachendame zu satteln. Als dies vollbracht war schwang sie sich auf ihren angestammten Platz.
-"Na dann lass uns herausfinden was uns hier noch erwartet meine Süße."- sagte die junge Reiterin herausfordernd.
Alonvys Antwort bestand in einem gewaltigen Brüllen. Zu dem trompetenhaften Klang entfaltete die weiße Drachendame ihre Schwingen, stieß sich vom Boden ab und schoss wie ein Pfeil in den Morgenhimmel.






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