Eragon lehnte sich in seinem Stuhl zurück und sammelte sich kurz. Er war mit dem Ergebnis seines Gesprächs zufrieden. Kalain hatte die Aufgabe die an ihn herangetragen worden war übernommen und er und sein Drache Drugatie würden in etwa einer Woche in Alagaesia eintreffen.
Nun war es an der Zeit Sylara zu kontaktieren um auch sie für den Rat zu gewinnen. Eragon überlegte kurz wo sich die junge Elfe zurzeit aufhielt musste sich aber eingestehen, dass er es nicht wusste. Der Gedanke war noch immer etwas befremdlich für ihn. Lange Zeit war der Orden so überschaubar gewesen, dass er als Anführer ständig wusste wo seine Reiter waren. Inzwischen war die Anzahl der Drachenreiter jedoch so angestiegen, dass das schlichtweg nicht mehr möglich war. Die meisten Mitglieder des Ordens die nicht dem Ältestenrat angehörten verbrachten ihre Zeit damit Alagaesia zu bereisen und mehr über Land und Leute zu lernen. Das hatte den nützlichen Nebeneffekt, dass die Bereiche welche mit der Traumsicht überwacht werden konnten sich stetig vergrößerten und immer flächendeckender wurden. Regelmäßig schicken die Reiter natürlich Berichte in die Ostmark und informierten die Führung des Ordens darüber wenn sie Aufträge übernahm die ihrer Rolle als Wächter über den Frieden gerecht wurden.
Nicht jede dieser Berichte fand jedoch seinen Weg bis direkt zu Eragon. Es war auch nicht nötig den Anführer des Ordens über jeden kleinen Auftrag und jeden Disput zu informieren bei dem seiner Reiter vermittelten. Dunkel glaubte Saphiras Reiter sich zu entsinnen, dass Sylara und ihre Drachendame Lilah gegenwärtig einen solchen Auftrag wahrnahmen. Er schickte einen fragenden Gedanken an seinen Drachendame. Tatsächlich konnte Saphira ihm näheres sagen.
- "Soweit ich mich erinnere erkunden die beiden Küken dem Silberwald auf bitten von König Maranus hin."-
-" Stimmt!" -
Nun erinnerte sich auch Eragon. - "Maranus hält die Zeit für gekommen dass das schöne Volk auch eine Siedlung außerhalb der Wäldern des Nordens errichtet. Der Silberwald war eine Option. Dort hatte es schließlich bereits eine Siedlung der Elfen gegeben. Sie war aufgegeben worden als sich der Sieg der Verräter um Galbatorix sich abzeichnete. Die Bewohner waren nach Norden geflohen. Zur ihren Hochzeiten war die Siedlung im Süden durchaus bedeutend gewesen. Ein Außenposten der Drachenreiter hatte sich dort befunden und nicht zuletzt war Eragons ehemaliger Lehrer Oromis eben in diesem Wald geboren worden.
Sylara hatte den Auftrag erhalten nach resten der alten Siedlung zu suchen, Artefakte zu bergen die möglicherweise für das Volk der Elfen von wert waren und zu erkunden ob eine neue Besiedlung möglich und empfehlenswert war.
Maranus hatte sich entschlossen in dieser Siedlungsfrage mit den Herrschern der Menschen zusammenzuarbeiten. Über 100 Jahre war eine lange Zeit und gewiss spielte der Silberwald inzwischen eine gewisse Rolle im Leben umliegender Menschensiedlungen. Elfen die dort siedelten würden mit Sicherheit nicht gut auf das plötzliche auftreten von Holzfällern reagieren. Daher sollte die junge Drachenreiterin einige Monate im Silberwald verweilen und die alltäglichen Abläufe dort dokumentieren.
Eragon bedankte sich bei seiner Drachendame dass sie seinem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen hatte und konzentrierte sich dann darauf den Spiegel zu erreichen den Sylara, wie jede Reiterin bei sich trug.
Schon Sekunden später verändert sich das Bild auf der schimmernden Oberfläche und einmal mehr erkannte Eragon nur Dunkelheit.
"Sylara? Bist du anwesend?" erkundigte der Anführer der Reiter sich mit leicht erhobener Stimme um auf sich aufmerksam zu machen.
Nach einigen Augenblicken schien die Dunkelheit auf der Oberfläche des Spiegels in Bewegung zu geraten. scharbende Geräusche waren zu hören, dazu einige brummende Laute die Eragon so gar nicht mit einer Elfe in Verbindung bringen konnte. Noch bevor Verwirrung sich zu breitmachen konnte schien der Spiegel auf Sylaras Seite herumgeworfen zu werden und ein Zeltdach wurde sichtbar. Jedoch nur für einige Sekunden. Dann schob sich ein Drachenkopf ins Bild. Ein dunkelgrünes Auge füllte das Bild praktisch völlig aus und erkannte nur dass es von schneeweißen Schuppen eingerahmt wurde.
Eragon grinste.
"Hallo Lilah." grüßte er und das Auge der Drachendame die ihr Leben mit Sylara teilte zwinkerte ihn zutraulich zu.
"Ich müsste deine Reiterin in einer wichtigen Angelegenheit sprechen die euch beide betrifft. Könntest du bitte bescheid sagen das sie sprechen möchte?"
Erneut zwinkerte das Abbild von Lilahs Auge und der Drachenkopf verschwand aus dem Bild. Einmal mehr zeigte der Spiegel nun lediglich das Abbild des Daches von Sylaras provisorische Unterkunft im Silberwald.
Eragon rechnete damit sicherlich einige Minuten warten zu müssen bis er mit der Reiterin der weißen Drachendame sprechen konnte. Sylara hielt sich sicherlich nicht in der Nähe ihres Lagers auf da Lilah sie sonst direkt vor den Spiegel gerufen hätte und nicht dazu übergegangen wäre die Besitztümer ihrer Reiterin zu durchwühlen und selbst zu antworten. Die Art über den Spiegel zu kommunizieren war nur etwas für Zweibeiner. Darin waren sich alle Drachen einig.
Eragon Vertrieb sich die Zeit damit um noch einmal durchzugehen was er über Sylara wusste. Sie war recht jung für ein Mitglied des schönen Volkes. Als sie erwählt wurde hatte sie nicht mehr als 20 Sommer gesehen. Ihre Eltern waren eigentlich dagegen gewesen sie schon in so jungen Jahren an einer Prüfung teilnehmen zu lassen aber ihre Tochter hatte ihren eigenen Kopf und selbigenn durchgesetzt. Sylara kam, wie auch ihre Eltern nicht aus dem Adel des Elfenvolkes. Ein Umstand der Eragon zunächst gar nicht aufgefallen war. Die sozialen Unterschiede waren bei den Elfen bei weitem nicht so groß wie im Volk der Menschen. Dort gab es immer noch bedeutende Unterschiede zwischen der einfachen Bevölkerung und dem Adel. Dies drückte sich besonders im Bildungsstand aus. Zwar hatte sich dieser auf seiten des einfachen Volkes durchaus gebessert aber gerade in den ländlicheren Gegenden kam es vor, dass junge Rekruten des Ordens weder lesen noch schreiben konnten oder nichts von den allgemeinen Umgangsformen in den höheren Kreisen wussten.
Bei den Elfen war das anders. Sylaras Vater befasste sich eingehend mit dem Handwerk der Töpferei während ihrer Mutter sich mehr den schönen Künsten verschrieben hatte. Genauer gesagt der Malerei. Ihre Arbeiten gehörten zu den angesehensten im Volk der Elfen und wurden besonders wegen ihrer hohen Qualität geschätzt. An Genauigkeit und Detailreichtum wurden die Bilder von Sylaras Mutter nur von magisch erschaffenen Wunschbildern übertroffen. Die Tochter der beiden Elfen war etwas weniger schöpferisch orientiert sondern hatte sich an einer angesehenen Akademie dem Studium der Rechtswissenschaft verschrieben. Sylara hatte sich dort den Ruf erworben eine Querdenkerin zu sein. In den Diskussionsrunden die unter Studenten der Akademie gang und gäbe waren, hatte sie oft die Notwendigkeit bezweifelt noch Unterschiede zwischen dem einfachen Volk und dem Adel zu machen. Es gefiel ihr nicht dass einige ihrer Mitstudenten sich ihren Platz an der Akademie nicht hatten verdienen müssen sondern ihn aufgrund eines Geburtsrechts erhalten hatten. Schüler aus dem einfachen Volk mussten erst durch Empfehlungsschreiben ihrer bisherigen Lehrer nachweisen, dass sie eine Bereicherung für die Akademie wären. Sylara argumentierte, dass dies nicht nur eine Ungerechtigkeiten darstellen würde sondern auch den Ursprung von Korruption im Regierungssystem der Elfen. Dinge die man als "Vetternwirtschaft" bezeichnen konnte hielten sich nur deshalb weil es grob gab, die sich ihre Position nicht verdienten sondern sie aufgrund ihrer Abstammung erhielten. Eine Praxis wie die junge Elfe schlichtweg für überholt hielt.
So sehr Eragon diesen Anspruch seiner Schülerin auch teilte so musste er bald feststellen, dass Sylara im Grunde das elfische Gegenstück zu seiner Nichte Ismira war. Auch diese junge Dame hatte einen starken Willen und wollte meistens mit dem Kopf durch die Wand. Glücklicherweise hatte auch ihre Drachendame Lilah sich als ein angenehmes Gegengewicht zur stürmischen Natur ihrer Reiterin erwiesen.
Doch während Eragon diese Erinnerungen an sich vorbeiziehen ließ geriet die Welt im Spiegel wiederum in Aufruhr und nach einigen Augenblicken zeigte sich Sylaras Gesicht.
Eragon musste erneut ein Lächeln nieder kämpfen als er seine ehemalige Schülerin im Spiegel sah. Ihre langen Haare klebten nass an ihrem Kopf und auch ihre Kleidung wirkte als wäre sie schnell übergeworfen worden.
"Arget Un" brachte das Abbild auf dem Spiegel etwas atemlos hervor und verneigte sich respektvoll. "Entschuldige bitte dass ihr warten musstet. Ich habe gerade ein Bad genommen und...."
"Schon gut." Eragon wehrte lachend ab." Man sieht ihr an, dass ich dich auf dem linken Fuß erwischt habe Argetlam Sylara. Dafür entschuldige ich mich. Es gibt leider eine ernste Angelegenheit die wir miteinander besprechen müssen. Es geht um einen Auftrag der von deinem Volk an uns herangetragen wurde und für den gesamten Orden eine Prüfung darstellen wird. Ich möchte dich in dieser Sache um Unterstützung bitten. Ich befehle dir nicht die Rolle die ich dir anbietet zu übernehmen. Letztlich muss jeder selbst entscheiden ob er diese Verantwortung übernehmen will. Aber deine Kenntnisse in der Rechtswissenschaft wären sicherlich sehr nützlich."
Sylara wirkte zunächst überrascht hörte aber weiterhin zu. Allein die Tatsache, dass sie die Versuche ihr tropfnasses Haar in einen etwas vorzeigbaren Zustand zu bringen einstellte verriet, dass sie sich nun ganz auf das Gespräch konzentrierte.
Eragon holte tief Luft und begann damit seine ehemalige Schülerin ins Bild zu setzen. Als er geendet hatte wirkte die Drachenreiterin auf der anderen Seite des Spiegels sehr betroffen.
"Die armen Kinder!" flüsterte sie schließlich mehr zu sich selbst. Ein freudloses Lächeln erschien auf ihrem Gesicht als sie hinzufügte: "und natürlich auch die armen Eltern."
Ihr Blick richtete sich wieder auf Eragon.
"Eine schwierige Aufgabe in der Tat Arget Un! Ich bin nicht sicher ob die Rechtsprechung hier überhaupt ein wirklich gerechtes Urteil fällen kann! Die verlorene Zeit blieb den Opfern niemand zurück!"
"Da stimme ich dir natürlich zu Sylara Älfa-cona. Vielleicht ist es nicht möglich hier Gerechtigkeit zu üben aber wir können zumindest verhindern, dass die Rechtsprechung zur Rache verkommt!"
Sylara nickte und Eragon erkannte bei ihr zunehmende Entschlossenheit.
"Ich übernehme die Aufgabe." sagte sie schließlich." Die Beobachtungen die wie hier im Silberwald anstellen sollten sind ohnehin abgeschlossen. Lilah und ich machen uns so bald wie möglich auf den Weg!"
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Eragon-OS-Sammlung
خيالDiese One-shot Sammlung von Eragon gehört nicht mir. Ich habe sie nur auf ff.de gefunden der eigentliche Autor heißt auf ff.de Traeumer. Die One-shots beziehen sich auf seine Eragon Fortsetzungen. (Man kann die Geschichte auch auf Fanfaction.de lese...
