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98. Brücken

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Varus wirkte auf Naja völlig überwältigt von dem was er da gerade erfahren hatte. Sie konnte das gut verstehen. Was der junge Drache gerade erfahren hatte stellte seine ganze Weltordnung auf den Kopf. Bisher hatte er geglaubt, dass er, wie jeder andere Drache, sein Leben dem Verließ der Seelen verdankte. Damit waren die Grenzen klar abgesteckt. Seine Eltern mussten aus den Eiern stammen die die dunkle Zeit auf Vroengard überdauert hatten. Zwangsläufig musste das heißen, dass sein Ei nur kurz in der Wildnis gelegen hatte. Nun jedoch musste man selbst diese Schlussfolgerung in Zweifel ziehen. War es nicht möglich, dass das Ei von Drachen zurückgelassen worden war die sich auf der Flucht vor den Ra Zac oder den Abtrünnigen waren? Es war möglich, dass Varus über 100 Jahre in der Wildnis geschlummert hatte! Lebten seine Eltern überhaupt noch? Oder waren sie Galbatorix Häschern zum Opfer gefallen? Und wenn sie sich hatten retten können, wo waren sie dann? Geflohen über das große Meer?
Naja war froh, dass Varus sich diesem Wirbelsturm von Fragen nicht allein stellen musste. Er hatte Geoff, so wie sie Tanis.
Der ehemalige Stalljunge hatte sich dicht neben seinen Seelenbruder gesetzt und die beiden schienen in ein lautloses Gespräch vertieft.
Während Naja sie beobachtete sprang ihr eine Frage ins Bewusstsein und sie trat vorsichtig auf Ranar zu der noch immer bei ihnen am Rande des Plateaus lag.
"Entschuldigt bitte ehrenwerter Drache aber ich hätte noch eine Frage zu der Situation der wir uns hier gegenüber sehen."
Ranar drehte sich zu ihr herum und betrachtete das junge Mädchen einen Augenblick.
-"Du siehst Varus als einen Teil deiner Familie nicht wahr Kind?"-
-"Ja."- gab Naja schlicht zurück und untermauerte ihre Worte mit ihren tiefsten Gefühlen. -"Die Reiter und alle die ihnen nahe stehen sind meine Familie. Meine Blutsverwandten habe ich früh verloren. Ich war verloren. Tanis hat mich zur Schwester seiner Seele gemacht. Geoff und Varus sind meine Brüder und der einzige Vater den ich noch habe ist ein Urgal. Jetzt sehe ich einen meiner Verwandten in großer Not! Was kümmert es mich ob er Hörner hat oder Flügel! Ich möchte ihm helfen."-
Naja hatte sich in Rage geredet und sie spürte, dass ihr Tränen in die Augen geschossen waren.
Ranar senkte seinen Kopf noch ein wenig mehr und fast eine Minute lang schwebte das unergründliche Auge des alten Drachens vor ihrem Gesicht. Schließlich drang ein langer, tiefer und wohlwollender Ton aus seiner Kehle. Tiefe Zufriedenheit und Anerkennung flutete aus dem Geist des wilden Drachens.
-"Du hast gut gewählt Tanis. Stell also deine Frage junge Reiterin."-
Naja brachte ihre Gefühle wieder unter Kontrolle und sammelte ihre Gedanken.
-"Ich frage mich einfach: Warum hat früher niemand bemerkt, dass Varus einen so fremden Geruch hat? Ich meine, Vervarda kümmert sich hingebungsvoll um die Jungen in der Ostmark. Warum ist es ihr nicht aufgefallen?"-
-"Ich wollte der Tochter von Saphira Schimmerschuppe keine Nachlässigkeit unterstelle junge Reiterin."- stellte Ranar klar. -"Viele Drachen die uns besucht haben wussten von ihrer liebevollen Führsorge zu berichten. Sie hat unseren Respekt.
Nein, sie konnte das nicht erkennen weil sie dich Varus nur als Schlüpfling gekannt hat. Du musst wissen Zwei-Beine-Ohren-Rund-Mensch-Naja, dass Schlüpflinge einen besonderen Schutz an sich tragen bis sie ausgewachsen sind. Vor der großen Dunkelheit, als unsere Anzahl den Himmel zu verdunkeln vermochte gab es unter den Wilden Himmelskindern oft lange Veden. Unser Temperament ist feurig wie unser Atem und das, was ihr Diplomatie nennt liegt uns nicht im Blut. Es ist nicht unser Weg. Doch niemals dürfen unsere Kinder darunter leiden. Der Schutz der sie umgibt stammt noch aus der Zeit, als wir zwar klug waren wie die Zweibeiner aber nicht in Worten gedacht oder gesprochen haben. Wenn ein Schlüpfling sein Ein verlässt hatte er einen Geruch an sich, der jedem erwachsen Drachen signalisiert, dass er ein Kind vor sich hat. Kein Sohn des Himmels und keine Tochter des Feuers würde je einen Schlüpfling zum Kampf fordern, um Revier oder Futter streiten. Auch haben wir mehr Geduld mit unseren Kindern als mit Erwachsenen. Sie dürfen sich Freiheiten nehmen die wir keinem anderen so leichtfertig gewähren würden."-
Sofort schossen Naja Erinnerungen durch den Kopf. Kleine Drachen die auf Vervarda und anderen Drachenmüttern herumkletterten und sich sogar gegenseitig jagten während sie über ihre älteren Artgenossen hüpften.
Auch glaubte sie sich zu erinnern, dass sie von diesem "Duft der Kindheit" schon einmal gelesen hatte. Nicht im Zusammenhang mit Drachen sondern mit Rehkitzen. Junge Rehe hatten keinen eigenen Geruch! Dadurch konnten hungrige Jäger sie nicht ausmachen!
-"Erst wenn ein junger Drache sein Feuer entdeckt verliert er den Geruch der Kindheit und entwickelt einen Eigenen."- erklärte Ranar weiter. -"Erst ab diesem 'Moment hätte man bemerken können, dass dich ein Geheimnis umgibt junger Varus aber dazu hätte man deinen Geruch erst so intensiv studieren müssen wie ich. Du hast mich um eine Auskunft gebeten junger Bruder und daher war ich sehr gründlich. Bei einer normalen, alltäglichen Kontaktaufnahme wäre eine solche Gründlichkeit unhöflich. Es wäre so als würde ich euch Zweibeiner bitten mir ohne das zu begegnen was ihr Kleidung nennt.
-"Dann war es wohl klug vom ersten Eragon, dass er erst zu den Drachen gereist ist als Bib Dauen ausgewachsen war."- vermutete Tanis.
-"Wieso?"- erkundigte sich Naja.
-"Nun weil er damit bewiesen hat, dass er wahrlich Frieden mit den Drachen möchte. Führsorge für einen Schlüpfling hätten die damaligen Wilden als Normal empfunden aber eine Freundschaft zwischen den Beiden im erwachsenen Alter während des Krieges......"-
Ein tiefes Drachenlachen, gleich rollendem Donner war zu hören.
-"Gut junger Bruder. Du hast es verstanden!"- lobte Ranar Tanis. -"Oft wurden Eier zurückgelassen wenn Drachenclans sich bekämpften. Akzeptiere der eine Clan den Nachkommen eines verfeindeten Clans so wurde das Himmelskind zu einer Brücke eines neuen Friedens. Verstießen sie den jungen Drachen den sie selbst aufgezogen hatten gab es keine Basis für Frieden und griffen sie den ehemaligen Schlüpfling gar an verdiente es dieser Clan nicht sich Sculblaca zu nennen. Der erste Eragon hat die Prüfung damals bestanden. Er bewiess, dass sein Volk Ehre hatte und die Fähigkeit uns zu begreifen. Besonders an letzterem zweifelten wir nämlich nachdem ein Elf einen der unseren tötete wie ein dummes Tier! Bid Dauen wurde die Brücke eines bedeutsamen Friedens. Aus ihm wurden die Reiter geboren."-
Ranar blickte nun wieder zu Varus.
-"Ein Grund mehr deine Suche nicht aufzugeben junger Bruder. Wer weiß, wer durch dich eine Brücke schlagen will."-





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