182. Völkerspiele Teil 6

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Nachdem Großnar Garzhenog die ausziehenden Teilnehmer an der Berg Jagd verabschiedet hatte war der offizielle Teil der Feierlichkeiten beendet und es be4gan der gesellige Teil. In den Speisehallen begann der Met in Strömen zu fließen und an den Spießen drehten sich die köstlichsten Braten.
Auch in der Roten Halle wurde es nun gemütlich. An langen Tafeln saßen Krieger der Gehörnten und Gäste der Urgalgra und ließen es sich gut gehen.
Bewundernd sah sich Eragon in der Roten Halle um. Er besuchte Mhada nicht zum ersten Mal aber jedes mal geriet er wieder ins Staunen.
Die Rote Halle war der "lebende" Beweis dafür, dass man den Gehörnten wirklich unrecht tat wenn man sie als stumpfsinnige Monster abtat.
Die Säulen auf denen das Dach der Halle ruhte waren mit kunstvollen Schnitzereien verzieht. Es überraschte den Arget Un immer wieder mit wie viel Geschick die Urgalgra sie bearbeitet hatten.
Es hatte eine Zeit gegeben, da war er überzeugt gewesen, dass die mächtigen Pranken der Urgals nur zum Töten taugten.
Im Stillen dankte er einmal mehr seinem alten Lehrmeister Oromis dafür, dass dieser alles getan hatte um seinem Schüler dieses Vorurteil auszutreiben.
Saphiras Reiter hatte sich mit Aryas Bruder Aylon ein wenig von der fröhlich feiernden Festgesellschaft abgesondert. Sie saßen in einer der Nischen zwischen den Säulen der roten Halle und unterhielten sich.
Auch mit seinem Neffen Garrow und dessen Gattin wollte sich der Arget Un später noch zusammensetzen. Fürs erste hatten die Beiden sich jedoch entschuldigt.
Garrow wollte noch nach dem Pferd sehen mit dem Ashruh an den Spielen teilnehmen würde.
Eragon hatte Rorans Sohn versprochen später dazu zu stoßen.
"Wohin ist den dein junger Schüler verschwunden Eragon?" erkundigte sich der Elf gerade.
Eragon erkannte einmal mehr, dass Aylon sich nicht nur von seiner Schwester sondern auch von anderen Elfen hohen Ranges unterschied.
Er wirkte entspannter und gelöster als die meisten hochgestellten Persönlichkeiten des schönen Volkes. Vielleicht machte gerade dieser Umstand ihn zu einem so hervorragenden Botschafter.
Eragon kannte jedenfalls keinen anderen Elfen der so bereitwillig auf die strengen Umgangsformen seines Volkes verzichtet hätte.
Saphiras Reiter war dieser Umstand jedoch höchst willkommen.
"Garath und Aurelia sind bei Saphira." erklärte der Anführer der Reiter. Sie begleiten die ausziehenden Teilnehmer der Berg Jagd ein Stück. Ein kleines Zugeständnis meiner Drachendame an Aurelia. Dieser junge rote Wildfang wäre am liebsten mit auf die Berg Jagd gegangen. So wie der wilde Nyx.
Das musste Saphira ihr leider verbieten. Aurelia gilt nach der Lebensart des Drachenvolkes noch nicht als ausgewachsen. Daher......"
"Scheint ja wirklich eine sehr unternehmungslustiges Drachenfräulein zu sein!" lachte Aylon.
"Wie die meisten jungen Sculblaca in ihrem Alter." schmunzelte Eragon. "Sie glauben, dass sie die Welt im Sturm erobern können. Ich frage mich ob das wohl an ihrer rasanten Entwicklung in dieser Lebensphase liegt. Eine Drache gilt bereits nach einem halben Jahr als ausgewachsen und schon zwei Monate nachdem er geschlüpft ist ist er ein Wesen von solcher Kraft, dass die meisten anderen Lebewesen ihm unterlegen sind. Die Kraft eines Schlüpfling wächst praktisch mit jedem Tag!
Ist es da ein Wunder, dass Drachen ein ausgeprägtes Selbstvertrauen haben?"
Aylon lachte erneut.
"Nein, dass ist wirklich kein Wunder. Aber eine sehr warmherzige Geste von deiner Drachendame alter Freund! Wann immer ich mit jungen Reitern spreche höre ich immer von der gestrengen Meisterin Schimmerschuppe. Hat sie die junge Aurelia besonders ins Herz geschlossen?"
"Nicht mehr als jeden ihrer Schüler." erwiderte Eragon. "Sie ist eben die Mutter der Wiedergeburt mit Leib und Seele.
Sie wuchs auf als die letzte ihres Volkes und sah praktisch jeden heute lebenden Drachen heranwachsen. Auch die die sie nicht aufgezogen hat haben mit Mitgliedern ihres Clans die Ostmark besucht und du weißt Aylon: Wenn Drachen miteinander reden, dann tauschen sie nicht nur Worte aus. Sie betrachten die Seelen des jeweils anderen.
Saphira kennt praktisch jedes Mitglied ihres Volkes auf eine Weise die so intim ist, dass wir sie uns kaum vorstellen können.
Sie fühlt sich verantwortlich für das Schicksal der Drachen und ganz besonders für ihre Schüler!
Deswegen verlangt sie viel aber sie ist nur deshalb eine so strenge Lehrerin weil sie das Beste für ihre Schützlinge will. Und sie weiß sehr wohl, dass nicht nur Pflichten zu einem erfüllten Leben gehören sondern auch Spaß und Freude."
"Eine Lektion die du, lieber Eragon, meiner Schwester beigebracht hast. Wie geht es Arya eigentlich."
"Gut!" versicherte Eragon.
Der Gedanke an Arya brachte ihn zum Lächeln.
"Wie schon gesagt besucht sie gerade eure Cousine Narie. Hätte sie gewusst, dass du hier bist....."
Aylon winkte ab.
"Kein Grund für eine Entschuldigung Eragon. Ich freue mich doch selbst, dass unsere Familie wieder wächst. Meine Auftritt hier bei den Völkerspielen ist für einige Monate mein letzter. Ich denke, ich werde die freie Zeit für eine kleine Reise nutzen und Cosaria besuchen. Narie und ich haben uns viel zu lange nicht mehr gesehen und mit etwas Glück treffe ich dort auch auf meine Schwester."
"Arya will wenigstens ein paar Monate in Cosaria verweilen." erklärte Eragon. "Wenn du willst könntest du mit uns bis zur Ostmark reisen Aylon. Ich muss das zwar noch mit Saphira klären aber auf den Schwingen eines Drachens reist es sich bedeutend schneller als mit einem der Handelsschiffe. So würdest du etwas Zeit sparen."
"Wenn Saphira Schimmerschuppe einverstanden ist nehme ich das Angebot gerne an Eragon. Danke!"
Der Elf lächelte.
"Und du? Reist nicht nach Cosaria?"
Eragons Gesichtsausdruck wurde wehmütig.
"Das geht leider nicht alter Freund. Obwohl es viele gute Gründe für mich gebe Cosaria zu besuchen. Narie und ihr ungeborenes Kind natürlich, Arya und nicht zuletzt unsere Tochter Marlena. Aber ich kann den Orden nicht völlig führungslos lassen."
"Das verstehe ich natürlich." versicherte Aylon und fragte dann verschmitzt: "Vermisst du Arya."
"Eragon lachte:
"Natürlich. Aber nach all den Jahren die wir nun gemeinsam durchs Leben gehen habe ich Vertrauen. Auch wenn sich unsere Wege manchmal trennen wenn es die Pflichten erfordern, am Ende finden wir uns wieder!"
"Ihr seid miteinander verbunden." erklärte Aylon ernst. "Sie ist ein Teil von dir wie du von ihr. So eine Bindung ist selten und wundervoll!
Weißt du Eragon, wir Elfen sehen die Liebe als etwas vielschichtigeres an als die anderen Völker.
Es gibt die feurige Verliebtheit. Sie entflammt schnell und vergeht auch schnell wieder. Und es gibt die Gefühle die Jahre überdauern!
Der unterschied ist nicht immer leicht zu erkennen. Deswegen knüpfen wir auch keine gesellschaftlichen Bande wie die Ehe der Menschen.
Es gelingt nicht oft eine Partnerschaft zu schmieden die so dauerhaft ist wie die eure Eragon!
Es freut mich, dass es dir und meiner Schwester gelungen ist.
Einer unserer Dichter sagte einmal, dass nichts das Leben so bereichert wie eben eine solche Bindung!"
"Wohl wahr!" pflichtete Eragon Aryas Bruder bei.
Schließlich jedoch fiel ihm noch ein weiterer Punkt ein, der ihn beschäftigt hatte seit er von Naries Schwangerschaft erfahren hatte.
"Aylon, was ich dich noch fragen wollte: Wie geht eigentlich Fürst Efron damit um, dass seine Tochter Mutterfreuden entgegensieht. Er war ja nicht immer ein Befürworter der Beziehung seiner Tochter zu Marek. Weißt du etwas darüber?"
"Allerdings!" versicherte der Elf. "Wir haben erst kürzlich darüber gesprochen. Fürst Efron ist zur Zeit zu Gast in der Akademie der Magier der Menschen. Er interessiert sich für ihren Unterricht!"
"Warum?" wunderte sich Eragon.
"Weil ich in meinen Botschaftsdepeschen oft darauf hingewiesen habe, dass die menschlichen Magier vielleicht nicht an unsere schiere Kraft herankommen aber oft eine wesentlich bessere Kontrolle haben als unsere Magiekundigen."
"So wie Elain heute bei ihrer Vorführung?" erkundigte sich Eragon.
"Ganz genau." bestätigte Aylon. "Wie ich bei der Zeremonie schon gesagt habe: Nicht viele Magier aus unserem Volk hätten ein solches Kunststück mit einem einfachen "Brisingr" vollbringen können. Und sie ist kein Einzelfall. Oft können Magier des Menschenvollkes mehr erreichen mit wenigen Worten der alten Sprache."
"Vielleicht eine Stärke geboren aus unserer Unwissenheit." vermutete Eragon. "Eine Akademie wie die meines Bruders hat es nie zuvor in der Geschichte gegeben. Menschlichen Magiern standen selbst in der goldenen Zeit des alten Ordens nur eine begrenzte Anzahl von Wörtern in der alten Sprache zur Verfügung. Unsere Vorfahren mussten sich auf andere Weise behelfen."
"Und so wie ein Muskel den man besonders schult stärker wird...." führte Aylon Eragons Gedankengang weiter. ".....seit ihr mit größerer Kontrolle belohnt worden. Gut möglich alter Freund.
Aber zurück zu deiner Frage:
Fürst Efron ist noch etwas zurückhaltend aber nicht ablehnend."
"Was meinst du mit zurückhaltend?" wollte Eragon wissen.
"Efron war nie ein überzeugter Gegner der Bindungen an Menschen. Er hat sich vor Jahren einer politischen Bewegung angeschlossen die Reinhaltung unseres Volkes predigte. Doch das hat er nur getan weil ihn diese Gruppe in eine gut sichtbare Position brachte."
"Ja, seine Politische Laufbahn war praktisch beendet nach dem Vorfall mit Arya."
Aylon nickte.
"Zum Glück ist meiner Schwester die Liebe zu ihrer Cousine wichtiger als alter Streit mit Naries Vater."
Eragon nickte stumm. In der Tat hatten seine Gefährtin und Naries Vater ihre Fede vor einigen Jahren schon begraben. Heute dachten beide an diese Episode als ein Ergebnis der Verwirrung nach dem Krieg. Galbatorix Schreckensherrschaft hatte die Welt in zwei Lager gespalten. Man war entweder für ihn oder gegen ihn. Das waren die einzigen Möglichkeiten aus denen man wählen konnte. Nach seinem Sturz standen plötzlich so viele Wege offen, dass ein Fehlgehen beinahe unmöglich war.
Unter diesem Gesichtspunkt sahen Efron und Arya ihr Handeln heute und beide wollten Narie nicht die Notwendigkeit einer Entscheidung aufzwingen.
Aylon indes fuhr fort:
"Inzwischen ist diese politische Bewegung der Efron einst angehörte so gut wie im Sande verlaufen. Zum einen siegte die Vernunft!
Wie können einzelne gemischte paare ein ganzes Volk in Gefahr bringen?! Es ist lächerlich. Nicht jede Beziehung zwischen Menschen und Elfen sind so glücklich und erfüllt wie deine zu Arya. Es gibt einfach Unterschiede zwischen uns die es schwierig machen."
Dem konnte sich Eragon nur anschließen. Gewisse Dinge waren mit einer Elfe an der Seite einfach unmöglich. Auch er hatte bemerkt, dass man mit einer elfischen Gefährtin nie so unbefangen sein konnte wie mit einer Menschenfrau. Die Selbstkontrolle des schönen Volkes ging zu tief.
Eragon war dies jedoch egal. Arya war ihm wichtiger.
"Und selbst wenn!" fuhr Aylon fort. "Es ist einfach lächerlich zu glauben, dass die wenigen gemischten Paare unser ganzes Volk zersetzen könnten.
Außerdem hat der Vorfall mit den Verstoßenen gezeigt an welchen dunklen Ort solche Gedanken unser Volk führen.
Efron selbst akzeptiert Marek inzwischen und ich zweifle auch nicht daran, dass er sein Enkelkind anerkennen wird.
Was ihn unsicher macht ist, dass er auf seine Leistungen als Vater zurück blickt. Er erkennt, dass er zwar immer das Beste für Narie wollte aber es nicht immer erreicht hat."
Einmal mehr konnte Eragon nur zustimmen. Noch gut erinnerte er sich wie verstört und unsicher Narie als junges Mädchen gewesen war weil sie das Gefühl hatte den Anforderungen ihrer Eltern nicht gerecht werden zu können.
"Also fragt er sich ob ein Mann, der nicht der beste Vater war ein guter Großvater sein kann?"
"So ist es." lächelte Aylon. "Ich habe ihm empfohlen einfach offen mit seiner Tochter über diese Sorge zu sprechen."
"Das ist sicher das Beste." stimmte Eragon zu. "Missverständnisse sollten vermieden werden und der Rest ist dann eine Sache zwischen Vater und......."
Der Anführer der Reiter unterbrach sich als Saphiras Bewusstsein in das seine hineindrängte.
Deutlich konnte er die Aufregung seiner Drachendame spüren und am Rande von Saphiras bewusstsein auch das von Aurelia. Auch das rote Drachenfräulein wirkte sehr angespannt.
-"Saphira was ist los?"-
-"Wir haben ein Problem Kleiner."-
Sinneseindrücke seiner Drachendame fluteten durch die geistige Verbindung zu Eragon. Er nahm einen sauren, beißenden Gestank war.
Er konnte ihn nicht einordnen. Zu sehr unterschied sich die Wahrnehmung eines Drachen von dem eines Zweibeiners.
Eragon erkannte jedoch sofort das, was Saphira gerade, mit Garath und Aurelia an ihrer Seite, betrachtete.
Zwei Spuren im Boden die Eragon daran erinnerten wie er mit seinem Vater gereist war! Kurz bevor er die Flasche fand, die ihm zum ersten mal das tödliche Seither-Öl offenbarte hatte er solche Spuren entdeckt!
-"Das sind...."-
-"Ja!"- vollendete Saphira. -"Hier treiben sich Lethrblaka herum!"-

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