61. Der verlorene Sohn Teil 3

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Trotz der Entschlossenheit in Trenyans Stimme bemerkte Eragon, dass der junge Elf sichtlich nervös war. Absolut verständlich wie Saphiras Reiter meinte. Würde jemand zu ihm kommen und ihm sagen, dass er mit einem seiner verstorbenen Elternteile innerhalb der nächsten Stunden würde sprechen können wäre dies für ihn wohl auch ein Grund zur Anspannung gewesen.
Noch bevor sich der Anführer der Reiter jedoch überlegen konnte wie er am besten zur Entspannung der Situation beitragen konnte ergriff Legartis das Wort.
"Jeder einzelne von uns wird sich bald dem Richterspruch des Schicksals stellen müssen."
Trenyan reagierte auf den Ausspruch des blinden Elfen mit einem fragenden Blick in Sinas Richtung.
"Wenn wir die Menschenstadt Gil'ead erreichen erwartet uns eine besondere Ehre." Erklärte Legartis Schwester. "Nicht nur werden dort viele von uns die Gelegenheit bekommen Familienangehörige zu treffen sondern es wird auch in Gegenwart des Königs von Ellesméra einer Reiterprüfung stattfinden. Eine bei der wir nicht nur offiziell zugelassen sind sondern als erste die Gelegenheit bekommen werden vor die ungeborenen Drachen zu treten."
Während sie das Ausführungen waren Trenyans Augen immer größer geworden. Zweifellos hatte ihn das angesprochene Thema von der anstehenden Begegnung mit seinen Eltern abgelenkt aber Eragon war sich nicht sicher ob diese neue Nervosität eine Verbesserung gegenüber dem vorherigen Zustand darstellte.
"Wir alle dürfen an der Prüfung teilnehmen?"
Die sanfte Melodie die alle Worte wie Trenyans Anhänger erzeugte untermalte drückte nun eine Mischung aus Unglaube und gespannter Erwartung aus.
"Wir alle." bestätigte Sina. Sie trat einen Schritt auf Trenyan zu und legte ihm die Hand auf die Schulter. "Du wirst in Anbetracht seiner Fähigkeiten sicherlich einer der vielversprechenstem Kandidaten sein." Ein Lächeln legte sich auf Trenyans Lippen und für einen Augenblick sahen er und Legartis Schwester sich in die Augen. Eragon hatte den Eindruck dass etwas Farbe in das Gesicht des jüngeren Elfen getreten war. Ebenso glaubte er bei ihm eine ganz besondere Mischung aus Stolz auf der einen und Verlegenheit auf der anderen zu erkennen. Saphiras Reiter kam nicht umhin sich zu fragen ob zwischen Sina und ihrem jüngeren Leidensgenossen nicht vielleicht etwas im Entstehen war das über Freundschaft hinausging. Er verscheucht in den Gedanken als der junge Elf sich ihm zu wandte. Was auch immer zwischen Trenyan und Sina vorgehen mochte war in erster Linie eine private Angelegenheit zwischen den beiden. Im Stillen nam Eragon sich jedoch vor die Aspekte der "privaten Angelegenheit" die ans Licht der Öffentlichkeit getragen wurden genau zu verfolgen.
"Wieso sollte ich ein geeigneter Kandidat sein." erkundigte sich Trenyan nun. "Zwar bin ich körperlich gesund aber trotzdem bringe ich im Vergleich zu anderen einen Makel mit."
"Trenyan-Finiarel," sagte Arya. "Als eine der erfahrensten Reiterinnen des neuen Ordens habe ich intensiv an der Ausbildung junger Drachenreiter mitgearbeitet. Ich habe noch keinen Schüler erlebt, der in allen Dingen perfekt gewesen wäre. Jeder einzelne von uns trägt einen Makel mit sich herum. Ich kann verstehen, dass ihr die Jahre in denen man euch eingeredet hat, dass ihr weniger wert seit als körperlich gesunde Vertreter unseres Volkes, nicht einfach hinter euch lassen könnt aber versucht es zumindest. Ein Drache wählt den Gefährten seiner Seele nicht nach Kriterien aus die sich in Kraft, Schnelligkeit oder Geschick mit dem Schwert messen lassen. Solche Dinge spielen für ein Kind des Himmels und des Feuers kaum eine Rolle. Ebenso wenig das Volk aus dem man stammt. Überlast es den ungeborenen Drachen zu entscheiden wer geeignet ist und wer nicht. Und selbst wenn bei euch kein Drache schlüpfen sollte versteht das bitte nicht als abwertendes Urteil über euch. Das einzige was sich daraus erkennen lässt ist die Tatsache, dass der junge Drache der Meinung ist das eure Seele nicht zu seiner passt."
"Dem kann ich mich nur anschließen." betonte Eragon.
"Ich danke euch für eure Worte." schmunzelte Trenyan. "Wie läuft so eine Prüfung eigentlich ab? Wie beurteilt ein Drache ob eine Seele geeignet ist oder nicht? Müssen wir uns auf Fragen vorbereiten? Wenn ja wer stellt sie? Ein ungeborener Drache spricht doch nicht aus seinem Ei raus oder? Sind es die Eltern des Drachen die einen bewerten?"
Zunächst war Eragon etwas überrascht ob der neugierigen Fragen die nun aus dem jungen Elfen heraussprudelten. Sina und Legartis hatten in ihm den Eindruck erweckt, dass auch die Verstoßenen wussten wie eine Reiterprüfung ablief. Schließlich jedoch erinnerte er sich, dass Trenyan erst zu einer Zeit geboren war als die Drachen praktisch ausgestorben waren und Galbatorix über Alagaesia herrschte. Die beiden Geschwister und vermutlich auch andere Mitglieder ihrer Gruppe hatten Prüfungen erlebt durch ihren Kontakt zu Maris und seinem Drachen.
"Diese Fragen dürften sich wohl einige der jüngeren Mitglieder unserer Gruppe stellen." schmunzelte Legartis.
"Auch wir waren in tiefer Trauer als wir von Galbatorix Sieg erfahren haben." erläuterte Sina. "Wir erhielten damals nur eine kurze Botschaft von eurer Mutter Arya. Islanzadi teilte uns mit, dass der Orden der Reiter gefallen sei, wie auch ihr Gefährte und dass sich der Verräter Galbatorix zum König erklärt hatte. Die Einzelheiten blieben uns verborgen und offenbar wollte niemand aus Du Weldenvarden mehr mit uns Kontakt aufnehmen. Es gab viele Vermutungen warum niemand mehr das Gespräch mit und suchte. Einige glaubten, dass vielleicht auch unsere Heimat unter dem Ansturm des Verräters gefallen war. Sie hielten es sogar für möglich, dass wir die letzten unseres Volkes wären. Ich persönlich halte es für die wahrscheinlichste Erklärung, dass die Königin nicht riskieren wollte dass einer der Verräter Ihre Nachricht an uns abfangen würde."
"Das wäre in der Tat eine Vermutung, die der Denkensweise meiner Mutter entsprach." murmelte Arya sachlich. Eragon war sich sicher, dass es ihr nicht leicht fiel über ihre Mutter zu reden. In den langen Jahren ihrer Gefährtenschaft hatten die beiden Reiter nur vereinzelt über den Tod von Aryas Eltern gesprochen. Eragon war sich jedoch sicher, dass es einen Winkel im Herzen seiner Liebsten gab wo sie immer noch trauerte.
Inzwischen fuhr Aryas fort:"Sie wusste von Maris und lange Jahre gallt er als einer deer 13. Vielleicht hat sie vermutet, dass die Verräter eure Wohnstätte im Norden überwachen würden in der Hoffnung so einen Hinweis auf die Heimstätten unseres Volkes zu bekommen. Die genauen Hintergründe über das Versprechen welches Maris Galbatorix abgerungen hat wurde ja erst durch euch enthüllt."
"Wir machen eurer Mutter keinen Vorwurf." erklärte Sina." Das besagte Versprechen hätte Galbatorix ja nicht davon abgehalten uns zu überwachen. Als Königin hatte völlig richtig gehandelt und bitte, seit versichert dass wir Islanzadi immer in Ehren gedenken werden. Seit die ersten an diesen Ort im Norden verbannt worden sind waren eure Eltern die ersten aus der alten Heimat die uns besucht haben und wir haben es ganz klar als verachtenswert empfunden was uns angetan wurde. Sie waren die ersten, die uns die Hoffnung gegeben haben, dass es für uns einmal ein anderes Leben geben könnte als das was uns bis zu jenem Tag aufgezwungen war. Sie haben uns ihr Wort gegeben dass sie versuchen würden uns unsere Freiheit wiederzugeben. "
Sina trat nun auf Arya zu und ergriff behutsam die Hände der anderen Elfe und lächelte vorsichtig.
"Sie wäre sicher sehr stolz, dass ihre Tochter das Versprechen nun wahr gemacht hat."
Es freute Eragon zu sehen dass seine Gefährtin dieses Lächeln nun erwiderte. Er ließ den beiden Elfen einen Moment, dann machte er sich daran die Fragen zu beantworten die Trenyan gestellt hatte.
Interessiert hörte der junge Elf zu als der Anführer der Reiter ihn über die Abläufe einer Reiterprüfung informierte.
Eragon war gerade dabei zu erläutern wie Eiwächter für die Reise ausgewählt wurden als Saphira von der Anhöhe aus seinen Geist anstieß.
-"Kleiner wir haben weitere Gäste."-
Durch die Augen seiner Drachendame erkannte Eragon zwei vertraute Gestalten die unweit der Ruhestätte der Drachen aus dem Wald getreten waren. Der Wolfkatzenelf und seine ehemalige Gefährtin hielten sich bei den Händen. Beide schienen sie den gegenseitigen Halt zu brauchen den Anspannung war beiden Elfen ins Gesicht geschrieben.



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