Betretenes Schweigen hatte sich in dem geräumigen Zelt ausgebreitet kaum das die aufgebrachte Frau es verlassen hatte.
Keiner der anwesenden schien recht zu wissen wie sie nun mit der Situation umgehen sollten.
Marlenas Blick fiel auf den neuen Reiter und seinen Drachen. Das rote Küken gab immer noch klägliche, verängstigte Laute von sich und drückte sich eng an seinen Reiter. Die Vorderpfoten des Schlüpflings umklammerten ängstlich den Unterarm des jungen Garath.
Der neu erwählte Reiter selbst vermied es die umstehenden anzusehen. Er konzentrierte sich ganz auf seinen kleinen Drachen und versuchte den Schlüpfling zu beruhigen.
Der Anblick der Beiden versetzte Marlena einen Stich direkt ins Herz. Wieder musste sie an ihren Onkel Murtagh und seinen Gefährten Dorn denken. Hatte Dorn seine ersten Momente im Leben auch so wahrgenommen? Voller Angst?
Der Gedanke war für Marlena unerträglich. Es interessierte sie mit einem mal nicht mehr was die namenlose Mutter dazu bewogen haben mochte sich so aufzuführen, sie hatte diesem Küken die Freude darüber getrübt seinen Reiter gefunden zu haben und den jungen Drachen völlig verängstigt. Das war unverzeihlich für die junge Halbling und sie beschloss etwas dagegen zu tun.
Sie setzte sich neben das neue Gespann auf die Pritsche die im Zelt stand.
Unsicher blickte Garath sie an und das angstvolle Zittern seines Küken verstärkte sich noch.
"Ganz ruhig." beschwichtigte Marlena und ihre Worte richteten sich ebenso an den jungen Drachen wie an seinen Reiter.
Die Junge Halbling streckte vorsichtig die Hand aus und präsentierte dem Küken ihr schimmerndes Drachenmal.
Neugierig schnupperte der Junge Drache daran und fiepte dann etwas zutraulicher. Vorsichtig begann Marlena den Schlüpfling am Kinn zu kraulen.
Obwohl der kleine Drache immer noch eingeschüchtert wirkte freute ihn die Zuwendung offensichtlich. behaglich summte der Schlüpfling.
Die Tatsache, dass sich sein junger Drache entspannte beruhigte offensichtlich auch den neu erwählten Reiter. Nervös lächelte er Marlena an.
"Du hast gesagt, dein Drache ist eine Sie?" erkundigte sich Marlena.
Der junge Garath nickte.
"Ja Herrin. Ich bin mir sicher und der Reiter Marek ist auch dieser Ansicht."
"Ich bin nicht deine Herrin." korrigierte Marlena freundlich. "Ich bin Marlena Aryatochter und ich bin eine Reiterin wie meine Tante Narie hier und ihr Gefährte Marek. Und Kenai hier ist ein Schüler des Ordens wie du jetzt wohl auch."
Garaths Blick glitt kurz über die anderen anwesenden, kehrte dann aber schnell wieder zu Marlena zurück.
Offenbar vertraute er der jungen Halbling zur Zeit am meisten. Marlena vermutete, dass es mit der Tatsache zusammenhing, dass sie offenbar das Vertrauen der kleinen Drachendame gewonnen hatte.
Inzwischen war Alonvys Reiterin dazu über gegangen das Küken am Hals zu kitzeln. Damit weckte sie den Spieltrieb der kleinen roten Drachendame. Begeistert fischte das Küken mit den Vorderpfoten nach den sanften Gingern der Halbling.
"Sie darf doch bei mir bleiben, oder?" erkundigte sich Garath vorsichtig, nachdem er seinem Drachenmädchen einige Sekunden lang den Spaß gelassen hatte.
Es war Marek der antwortete. Der erfahrene Reiter zog sich einen Stuhl heran und setzte sich vor die Pritsche.
"Natürlich bleibt ihr Zwei zusammen. Das geht gar nicht anders und unser Schreiber hier hat uns ja bestätigt, dass du das Mannesalter erreicht hast. Also selbst wenn deine Mutter den Präfekten anspricht und ihre Beschwerde vorbringt ist das Gesetz auf unserer Seite. Aber ich wüsste gern warum deine Mutter uns Reitern so ablehnend gegenüber steht. Was ist der Hintergrund?"
Garath schüttelte nur den Kopf und wirkte wieder totunglücklich. Sein Drachenmädchen stellte ihr spiel ein und blickte sorgenvoll zu ihm auf.
"Bitte versuch die Frage zu beantworten junger Garath." bat nun Narie freundlich. "Vielleicht können wir ja vermitteln. Hat deine Familie vielleicht unter Galbatorix gelitten? Lehnt deine Mutter deshalb die Reiter ab?"
Marlena hielt diese Vermutung für unwahrscheinlich. Es waren über 40 Sommer vergangen seit der dunkle König gestürzt worden war. Selbst Garaths Mutter dürfte sich nicht an die Herrschaft des Tyrannen erinnern. Im besten Fall wäre sie ein Baby gewesen. Außerdem lebte die Familie in Cosaria. Einer jungen Stadt die von den Reitern gegründet worden war.
-"Da hast du recht kleine Halbling."- Alonvy hatte die Gedanken ihrer Reiterin verfolgt. -"Jeder Zweibeiner der sich hier niedergelassen hat, hat diese Jagdgründe für sich gewählt."-
-"Und warum sollte man in eine Stadt ziehen die von Reitern gegründet wurde und von ihnen verwaltet wird wenn man die Drachenreiter hasst."- vollendete Marlena
"Das wird euch nicht gelingen Frau Elfe. Das mit dem Vermitteln." murmelte Garath düster. "Meine Mutter, ihr Name ist Elena, ist niemand der mit sich reden lässt. Dabei hat es weder mit den Reitern noch mit den Drachen zu tun!"
"Um was geht es ihr dann?" fragte Marek.
Garath warf verzweifelt den Kopf in den Nacken. Seine Augen glänzten feucht.
"Darum die Kontrolle zu behalten." sagte der junge Mann mit erstickter Stimme. "Es hat angefangen als ich gerade Vierzehn Sommer alt war. Damals lebten wir noch im alten Reich. An der Küste. Mein Vater war Fischer und meine Mutter töpferte und verkaufte ihre Wahren. Es war ein einfaches aber gutes Leben.
Dann ist mein Vater einmal einfach nicht zurückgekehrt von einer Fangfahrt. Wir haben nie erfahren was genau mit ihm geschehen ist. Es geschieht manchmal einfach, dass Fangboote nicht zurückkehren. Ein plötzlicher Sturm, ein fehlgeschlagenes Manöver. Es ist tragisch aber es geschieht. Damit hat alles angefangen."
"Was genau?" fragte Marlena behutsam.
"Das Mutter uns, mich und meine Schwester, so....." Garath suchte nach den richtigen Worten. Deutlich sah man ihm an das er mit sich kämpfte. Er liebte und achtete seine Mutter. Garath wollte sie nicht beleidige aber auch, dass die umstehenden Reiter ihn verstanden.
"Sie erdrückt uns einfach!" brach es schließlich aus ihm heraus. "Sie läßt uns kaum die Luft zum atmen! Nachdem mein Vater verschwunden war ging es los. Erst wollte sie nicht mehr, dass wir uns zum spielen vom Haus entfernen. Immer mussten wir in Sichtweite bleiben. Wir haben ihr gehorcht. Reanna, meine Schwester, und ich. Wir wollten nicht, dass unsere Mutter unglücklich ist und das war sie. Jedes mal wenn wir ihr nicht gehorchten. Sie klagte sie weinte und wir fühlten uns schuldig. Also haben wir gehorcht. All unsere Freunde haben wir verloren weil wir nicht mehr vom Haus weg durften. Und irgendwann, da hat ihr das auch nicht mehr gereicht. Wir sollten gar nicht mehr rausgehen. Nur im Haus bleiben. Sie hat uns sogar eingeschlossen wenn sie zum Markt ging um einzukaufen. Sie benahm sich als wäre die ganze Welt, das Leben selbst ein Raubtier vor dem sie uns schützen muss. Manchmal hab ich mich nachts rausgeschlichen wenn sie schlief, einfach weil ich den Himmel sehen wollte oder das rauschen der Bäume hören wollte.
Bei allen Götter, wie habe ich den Tag herbeigesehnt an dem ich in Mannesalter eintreten würde. Ich wollte nur weg, eine Lehre beginnen oder zur Armee gehen! Es war mir egal! Nur weg!
Sie hat das bemerkt. Hat angefangen auf mich einzureden. Ich müsse doch nicht weg. Ich könnte von ihr das Töpfern lernen und alles könnte so schön bleiben wie es jetzt ist. Da haben wir uns das erste mal gestritten. Ich habe ihr gesagt, dass nichts Schönes an unserem derzeitigen Leben ist! Das sie mir die Luft zum atmen abschneidet und meine Liebe als Sohn benutzt um mich an sie zu binden. Tagelang haben wir nicht miteinander gesprochen."
Garath machte eine Pause um wieder zu Atem zu kommen. Er hatte sich immer mehr in Rage geredet. Seine kleine Drachendame hockte neben ihm und sah den unglücklichen Jungen aus großen Augen an.
"Dann kam sie plötzlich mit der Idee zu mir nach Cosaria umzusiedeln. Am Anfang war ich begeistert von der Idee und habe mich mit ihr versöhnt. Ich dachte es wäre ein neuer Anfang für uns alle. Ich dachte sie hätte endlich begriffen, dass das Leben nicht nur dunkel und voller Trauer ist. Die Reise hier her war ein Abenteuer. Aber dann, als ich mir hier einen Lehrmeister suchen wollte wurde mir klar, dass es nur ein Trick von ihr war. Hier hat sie mich und meine Schwester noch mehr unter Kontrolle."
Marek nickte verstehend.
"'Im alten Reich gibt es viele Städte. Wenn ein junger Bursche in der einen keine Lehrstelle findet geht er eben auf Wanderschaft. Hier gibt es nur Cosaria und seine Betriebe."
"Genau!" ereiferte sich Garath. "Und wisst ihr was sie getan hat? Sie hat mich schleicht gemacht. Fragt irgend einen Handwerksmeister in der Stadt. Der eine hat erfahren, dass ich stehle, der andere glaubt ich trinke. Und bei einem hat sie sogar behauptet ich sei geistig zurückgeblieben und würde einfach nicht begreifen, dass ich ohne Hilfe nicht auskäme. Man solle einfach freundlich zu mir sein wenn ich nach einer Lehrstelle frage und mich nach hause schicken. Was für eine Mutter macht so etwas?"
Diese Frage stellte sich auch Marlena. Unwillkürlich musste sie an den Giftanschlag denken den der ehemalige Drachenreiter Darus einst auf sie verübt hatte. Auch ihre Eltern waren getroffen gewesen und hatten darüber nachgedacht wie sie ihr Kind besser schützen könnten. Nie jedoch hatten die beiden aus den Augen verloren, dass jeder Vogel einmal das Nest verlassen muss und es die Aufgabe der Eltern ist ihn darauf vorzubereiten. Man kann ein Kind nicht vor dem Leben beschützen.
Noch während die junge Halbling über all dies nachdachte erklangen vor dem Zelt laute Stimmen.
"Ihr müsst mir helfen Herr! Diese Kinderräuber wollen mir meinen Sohn nehmen. Ich habe schon meinen Mann verloren..."
"Ich rede mit den Drachenreitern. Ihr habt mein Wort." antwortete eine sanfte Stimme auf Elenas Anschuldigungen.
Augenblicke später erschien Garaths Mutter mit siegessicherer Mine im Eingang des Zeltes. Ein älterer Mann in prächtiger Robe folgte ihr.
Marlena erkannte den Präfekten der Menschen.
"Verzeiht bitte mein Eindringen ehrenwerte Reiter" hob der Adlige, Marlena erinnerte sich an seinen Namen: Thomas. "Aber diese Frau behauptet ihr hättet ihr das Kind gestohlen."
"Ich bin kein Kind mehr!" rief Garath bevor sonst jemand etwas sagen konnte. Wütend sprang er von der Pritsche auf. "Und niemand hat mich gestohlen oder entführt. Ich bin hier weil ein Drache für mich geschlüpft ist und ich zum Reiter berufen wurde."
Der Präfekt blickte Garath an und blinzelte ungläubig an, dann blickte wieder zu Elena.
"Das ist euer Sohn?"
"Ja und diese Kinderräuber wollen ihn mir wegnehmen. Mein Kind!"
"Das ist kein Kind!" bellte der Präfekt zurück. "Das ist ein junger Mann! Und ihm ist eine große Ehre zuteil geworden. Er ist zum Reiter berufen worden! Was wollt ihr eigentlich von mir?"
Elena sah den Präfekten entsetzt an. Sie schien nicht glauben zu können was sie da gerade gehört hatte.
"Aber mein Kind gehört zu mir. Nur zu mir!"
"Ihr habt mich dazu gebracht zwei ehrenwerte Reiter eines abscheulichen Verbrechens zu beschuldigen." empörte sich Präfekt Thomas und blickte Unsicher zu Narie und Marek. Ich entschuldige mich werte Reiter, ich....."
"Ich habt nur eure Pflicht erfüllt Präfekt." beschwichtigte Marek verständnisvoll. "Ihr müsst auf so einen Vorwurf reagieren. Aber seit versichert, hier liegt kein Gesetzesbruch vor. Fragt euren Schreiber."
Dienstbeflissen glitt der Schreiber der der Prüfung zugeteilt worden war an die Seite seines Herren.
"Was der Reiter sagt ist wahr Präfekt. Ich habe die Listen genau geprüft. Der junge Garath hier ist bereits siebzehn Sommer Alt."
"Also im Mannesalter." stellte der Präfekt mit sichtlicher Erleichterung fest. "Damit ist die Sache für mich erledigt.
Der Stadtherr wandte sich zum Gehen aber Elena griff nach seinem Ärmel.
"Aber ihr müsst mir doch helfen. Mein Kind...."
"Hier gibt es kein geraubtes Kind!" blaffte der Stadtherr und befreite seinen Arm mit einem Ruck. "Nur einen jungen Mann dem eine große ehre widerfahren ist."
Mit diesen worten verließ der Präfekt das Zelt.
Fassungslos blickte Elena ihm nach, dann drehte sie sich um und sah ihren Sohn an. Ihr blick war fiebrig.
"Garath, bitte!"
Marlena lief es kalt über den Rücken. Die Frau sprach mit ihrem erwachsenen Sohn als wäre er ein fünf Jahre alter Junge.
"Garath sei vernünftig. Ich weiß was das Beste für uns alle ist. Komm, wir gehen nach Hause."
"Nein Mutter." antwortete der junge Mann schlicht und wich vor der Hand zurück die seine Mutter ihm entgegenstreckte.
Das Weiche, das Sanfte wich völlig von Elena.
"Du kommst jetzt mit!" fauchte sie und versuchte nach ihrem Sohn zu greifen.
"Aua!"
Erschrocken zog Elena die Hand zurück.
Auch Marlena war überrascht.
Das namenlose rote Drachenmädchen hatte von der Pritsche aus nach der Hand geschnappt die ihren Reiter greifen wollte. Jetzt fixierte die junge Rote Elena und fauchte sie garstig an. Dabei präsentierte das Drachenmädchen eine beachtliche Sammlung spitzer Zähne.
"Garath bitte." flüsterte Elena, wagte sich offenbar aber nicht näher an ihren Sohn heran. "Lass uns nach Hause gehen."
Garath schüttelte den Kopf und setzte sich neben sein Drachenmädchen, dass immer noch die Zähne fletschte und garstig fauchte.
Marlena kam nicht umhin das kleine Drachenfräulein zu bewundern. Offenbar hatte sie die tiefe Verzweiflung ihres Reiters gespürt und entschieden, dass nicht sie Schutz brauchte sondern ihr Garath!
-"Unterschätz nie eine Himmelstochter."- kicherte Alonvy in Marlenas Gedanken.
-"Miemel wird sie lieben."- gab Marlena schmunzelnd zurück.
"Garath bitte." versuchte es Elena erneut.
"Nein Mutter." erwiderte der junge Mann. Seine Stimme klang traurig aber gefasst.
"Garath...!"
"Mutter, ich BIN zu Hause!"
Mit diesen Worten legte der junge Reiter den Arm um seine junge Drachendame.
Abstimmen nicht vergessen;)
DU LIEST GERADE
Eragon-OS-Sammlung
FantasyDiese One-shot Sammlung von Eragon gehört nicht mir. Ich habe sie nur auf ff.de gefunden der eigentliche Autor heißt auf ff.de Traeumer. Die One-shots beziehen sich auf seine Eragon Fortsetzungen. (Man kann die Geschichte auch auf Fanfaction.de lese...
