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153. Reitermorgen

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Das Brummen der Weckkugel schreckte Garath aus seinen Träumen. Er setzte sich im Bett auf und blickte durch das Zimmer.
........Ich bin im Herrenhaus der Drachenreiter......sagte er sich als er die Räume erkannte.
Garath stellte fest, dass sein Herz raste und sein Atem stoßweise ging.
-"So nervös und ängstlich warst du schon eine ganze Weile nicht mehr."-
Aurelias Stimme stach wie ein warmer Sonnenstrahl durch die Gewitterwolken die Garaths Gedanken bildeten.
Der junge Reiter blickte zum Fenster. Dort, auf einem breiten, flauschigen Kissen lag die junge, rote Drachendame.
Noch konnte Aurelia problemlos im Zimmer ihres Reiters schlafen. Sie war nur etwas größer als ein Fuchs und so war es nicht schwierig für sie ein bequemes Plätzchen zu finden.
Garath kam nicht umhin Stolz auf "seine" Aurelia zu empfinden. Die glatten, tiefroten Schuppen und die sanft geschwungenen Hörner strahlten in der selben, tiefen Farbe und schienen wie aus einem Guss.
Allein die Tatsache, dass das Drachenmädchen ihn traurig anblickte versetzte Garath einen Stich.
-"Ist es dir immer noch unbequem so früh aufzustehen?"-
Garath wusste, dass seine Drachendame ein Langschläfer war aber er war sich sicher, dass das nicht der Grund für ihren Kummer war.
-"Du weißt genau, dass das nicht der Grund ist."- Aurelias Tonfall machte klar, dass sie diese Angelegenheit nicht auf sich beruhen lassen würde und keine Ausflüchte akzeptieren würde.
Garath schlug die Decke zurück und schwang die beine aus dem Bett. Aurelias anklagendem Blick wich er aus indem er auf seine Hände starrte die in seinem Schoß ruhten.
-"Am Anfang, da warst du auch so ängstlich."- fügte das junge Drachenmädchen nach einem Moment des Schweigens hinzu. Es lag keine Wut in Aurelias Stimme. Nur Trauer und ein Spur von Angst.
Beidesw war für Garath weit schwerer zu ertragen als wenn sein Drache böse auf ihn gewesen wäre. Er wusste auch sofort worauf Aurelia anspielte.
Während seiner ersten Tage im Haus von Meisterin Narie und Meister Marek war er oft so aufgewacht.
Aurelia hatte damals geglaubt, die Weckkugel wäre es, die ihren Reiter so erschreckte. Da sie selbst das frühe Aufstehen nicht sonderlich liebte war sie spontan dazu übergegangen das lästige ding zu verstecken. Sie hatte sie unter ihr Kissen geschoben, sie unter Garaths Bett gerollt und einmal hatte sie die kleine Kugel sogar im Badezimmer ihres Reiters in die Toilette geworfen.
Damals hatte das Drachenkind noch nicht sprechen können und Garath hatte geglaubt, dass sie sich nur einen Schabernack mit ihm erlaubte.
Erst in einem stillen Moment, einem Augenblick in dem sie den Gefühlen des jeweils anderen gelauscht hatten war dem jungen Reiter klar geworden was hinter dem "Spiel" seines Drachenmädchens steckte. Und Aurelia hatte ihrerseits erkannt, dass die Weckkugel nicht das eigentliche Problem war.
Garath hatte bei jedem Aufstehen befürchtet im Haus seiner Mutter zu erwachen. Der junge Reiter hatte jeden Deckenbalken, jeden Flecken auf der Wand in seinem alten Zimmer gehasst. Er hatte manchmal regelrecht das Gefühl gehabt, dass die Wände sich um ihn, einer Fangschlinge gleich, immer enger ziehen würden um ihn zu ersticken.
Seine Berufung zum Reiter war für ihn der Eintritt in eine völlig neue Welt gewesen. Eine Welt die erfüllt war mit Neuem und Aufregendem. Sicherlich gab es eine tägliche Routine. Anders ging es ja schließlich auch nicht im Leben. Aber, eingebettet in diese Routine, eröffnete sich dem jungen Novizen des Ordens an jedem Tag etwas Neues! Wissen über fremde Orte und Völker! Allein die Freude Aurelia an jedem neuen Tag beim Wachsen zuzusehen!
Garath hatte endlich ein Leben, das sich entwickelte! Es wuchs und veränderte sich. i Haus seiner Mutter war ein Tag wie der andere gewesen und oft hatte der junge Mann das Gefühl gehabt nicht einmal tief Luft holen zu können ohne Elena damit zu einer übertriebenen Angstreaktion zun provozieren!
Es war Garath peinlich gewesen, dass er Aurelia so erschreckt hatte.
-"Es tut mir leid."- sagte er entschuldigend und fuhr sich mit der Hand übers Gesicht und über die Haare. -"Der Auftritt meiner Mutter.....Gestern beim Unterricht......"-
-"Ich weiß." gab Aurelia zurück. -"Du hattest gerade damit aufgehört dich morgens so.....so zu fühlen."-
-"Und ich werde nicht wieder damit anfangen."- erwiderte Garath entschlossen und ließ eine Well von Unternehmungslust zu seinem Drachenmädchen schwappen als er sich von der Bettkante erhob. -"Heute unterrichtet uns doch Meisterin Marlena."-
-" Deine erste echte Ausbildungsstunde am Schwert."- ergänzte Aurelia, die offenbar sehr zufrieden mit der neuen Gefühlslage ihres Reiters war. -"Also verschwinde schon in deiner Waschkammer und lass mich noch etwas schlummern."-
Schmunzelnd beobachtete Garath von der Schwelle seines Badezimmers aus wie das rote Drachenmädchen sich auf seinem Kissen streckte und mit einem genießerischen Seufzen die Augen schloss.
-"Du hasst das frühe Aufstehen wirklich oder?"-
-"Ja"- knurrte Aurelia.
-"Wolltest du nicht Meisterin Kira bitten uns eine Stunde länger schlafen zu lassen?"-
Aurelia brummte nur unwirsch.
-"Was hat sie gesagt?"- bohrte Garath.
Aurelia hob den Kopf und fixierte ihren Reiter.
-"Sie hat gelacht und dann hat sie gesagt: Warte bis du Meisterin Saphira triffst du Küken."-
Garath prustete los. Von der Strenge der Drachendame des Arget Un hatte er schon durch dessen Tochter erfahren.
Aurelia klappte ärgerlich mit den Kiefern, dann erhob sie sich und stärkste auf ihren Reiter zu.
-"Jetzt kichre hier nicht herum."- forderte sie und drückte mit der Stirn gegen Garaths Gesäß. So schob sie ihn ins Bad. -"Sieh lieber zu das du fertig wirst.
-"Wie die gnädige Frau es wünschen."-
Als Garath sich das Nachthemd über den Kopf zog und den Hahn seines Waschbeckens aufdrehte. bemerkte er, dass Aurelia weiterhin auf der Türschwelle hockte und ihn neugierig musterte.
-"Willst du da sitzen bleiben?"-
-"Ja."- erklärte sie bestimmt und zog die Flügel etwas enger an ihren Körper.
-"Warum?"-
-"Nun, du hast mich viel zu wach gemacht um weiter zu schlummern. Und ich wollte schon immer wissen was du eigentlich jeden Morgen hier treibst."-
Das Rote Drachenmädchen blickte sich um.
-"Haben alle Zweibeiner solche Waschkammern? Sehen die alle so aus."-
-"Die Elfen auf jeden Fall."- erklärte Garath. -"Und wir Menschen auch. Nur haben wir in der Regel nicht diese Wasserhähne. Wir haben Schüsseln und Kannen voll mit Wasser."
Aurelia schnaubte verständnislos.
-"Da draußen ist ein ganzer See voll Wasser! Warum wäschst du dich nicht da?"-
-"Weil es hier warmes Wasser gibt."-
Mit diesen Worten öffnete Garath vorsichtig den Hahn für das warme Wasser und ließ es über seine Hand plätschern.
Wie er es erwartet hatte verließ sich das junge Drachenmädchen nicht einfach auf sein Wort.
Aurelia stemmte sich empor, krallte sich mit den Vorderpfoten an den Rand des Waschbeckens und reckte den Kopf bis der warme Wasserstrahl über ihre Schnauze perlte.
-"Gut, das ist angenehm."- räumte sie schließlich großmütig ein und beobachte wie Garath sich gründlich wusch. Erst als ihr Reiter eine kleine Metalldose gefüllt mit feinem Sand zur Hand nahm wuchs wieder ihre Neugier.
Mit schief gelegtem Kopf beobachtete das Drachenmädchen wie ihr Reiter einen finger befeuchtete und in den Sand griff, so dass sich ein feiner Film um den finger bildete.
-"Was soll denn das jetzt?"- fragte sie fassungslos als Garath begann sich mit dem sandigen Finger die Zähne zu putzen. -"Warum reibst du Sand auf deine Zähne?"-
-"Mache ich gar nicht."- lachte Garath und nahm einen Schluck Wasser aus einem bereitgestellten Becher. Damit spülte er sich den Mund aus und spuckte alles ins Waschbecken.
-"Was soll das mit dem Sand?"- verlangte Aurelia zu erfahren.
-"Damit die Zähne richtig sauber werden."- erklärte Garath.
Aurelia schüttelte verständnislos den Kopf.
Ihr Reiter begann zu erklären.
-"Wenn wir Zweibeiner uns nicht regelmäßig die Zähne putzen, dann kriegen sie Löcher und fangen an weh zu tun. Sehr weh! Dann kann man sie nur noch ausreißen."-
-"Das ist bei uns Drachen auch so."- kommentierte Aurelia. -"Wenn ein Zahn anfängt weh zu tun, dann nehmen wir einen Stein und beißen darauf bis der Schmerzzahn abbricht und in einem Monat wächst ein Neuer."-
-Das ist bei uns Menschen anders."- erklärte Garath. -"Bei uns wächst kein neuer Zahn nach. Wir müssen auf die aufpassen die wir haben."-
-"Kein neuer Zahn? Wie kaut ihr denn dann?"-
Aurelia schien entsetzt.
-"Das geht dann nicht mehr. Deswegen können auch viele alte Menschen nicht mehr richtig essen. Ich weiß noch, dass mein Großvater vor seinem Tod nur in warmer Milch aufgeweichtes Brot essen konnte."-
Aurelia schüttelte sich heftig. Diese Art Nahrung behagte ihr offenbar überhaupt nicht.
-"Und da kann man gar nichts machen?"-
-"Naja, ein Magier kann die Zähne nachwachsen lassen aber das Kostet viel Geld weißt du. Zähne sind außen ganz besonders hart. Deswegen braucht es sehr viel Kraft sie magisch nachwachsen zu lassen."-
-Und die Magier nehmen dafür Geld das sie kranke Leute behandeln?"-
-"Nun, nicht bei allen Krankheiten."- erklärte Garath. -"Das hat die alte Königin noch so bestimmt. Eines ihrer letzten Gesetze bevor sie die Regentschaft an ihren Sohn übergeben hat. Wenn das Leben von jemandem in Gefahr ist, muss jeder Magier helfen aber einen Zahn nachwachsen lassen ist nicht lebenswichtig und die Magier lassen es sich entlohnen. Ein Goldstück pro Zahn."-
-"Ist das viel?" fragte Aurelia als sie ihrem Reiter aus dem Waschraum in das gemeinsame Zimmer folgte.
Dort Begann Garath sich anzukleiden.
-"Ein kleines Vermögen."- antwortete er als er sich sein Wams überstreifte.
-"Und der Sand hilft damit sie sauber werden?"-"
-"Ja."- erklärte Garath als er in seine Hose schlüpfte. -"Die Gelehrten sagen, dass ganz kleine Lebewesen unsere Zähne kaputt machen. Sie lassen so einen schmierigen Film darauf zurück der sie irgendwie auffrisst. Und der Sand scheuert ihn ab. Die Adligen haben dafür eine besondere Seife. Aber auch die ist teuer und der Sand tut es auch."-
-"All das Gerede über Zähne hat mich hungrig gemacht."- verkündete Aurelia und trabte zur Tür die in den Korridor führte. -"Holen wir uns ein Frühstück!"-
Garath lachte und schlüpfte in seine Stiefel.
-"Wie die gnädige Frau wünscht!"-







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