Wir haben unsere Inhaltsrichtlinien aktualisiert.
Sieh dir die neuesten Richtlinien an, um weiterhin sicher Geschichten zu teilen.

181. Völkerspiele Teil 5

101 7 0
                                        

Garath horchte auf als er das Gespräch der kleine Gruppe belauschte. Er wusste das es eigentlich unhöflich war bei fremden Unterhaltungen die Ohren aufzusperren, doch hier siegte seine Neugierde.
Der junge Mann, sein Name, so glaubte Garath musste Garrow sein, hatte die Drachenreiterin Ismira als seine Schwester bezeichnet. Damit musste er auch mit Arget Un Eragon verwandt sein.
Garath beschloss nachzufragen. Mit etwas weichen Knien trat er auf die drei Unbekannten zu.
Dem jungen Reiter war nicht ganz wohl in seiner Haut. Der Elf hatte den jungen Mann immerhin mit "Graf" angesprochen. Zwar unterlag das Volk bei weitem nicht mehr der Willkür wie es zu Galbatorix Zeiten der Fall gewesen war aber dennoch begegnete das einfache Volk dem Adel mit Respekt!
Einen Grafen einfach so anzusprechen hätte sich Garath vor seiner Berufung zum Reiter nie getraut und auch jetzt war er aufgeregt als er fragte:
"Entschuldigt werter Herr, aber ihr habt die Drachenreiterin Ismira gerade als eure Schwester bezeichnet. Habe ich da richtig gehört?"
Der fremde Adlige blinzelte überrascht und musterte dann den ihm unbekannten, jungen Mann.
Der Blick des Grafen brachte weder Geringschätzung noch Arroganz zum Ausdruck aber man konnte erkennen, dass es ihn doch ein wenig störte einfach so auf eine private Unterhaltung angesprochen zu werden.
Während sich ein Kloß in Garaths Hals bildete mischte sich der Elf mit einem sanften Lächeln auf den Lippen ein:
"Ich denke diesem jungen Mann solltet ihr die Neugierde verzeihen werter Graf. Durch meine Schwester kenne ich die Gebräuche des Ordens der Reiter gut genug um einen Novizen zu erkennen wenn ich ihn sehe. Der helle Umhang und das Rot des Wams passt hervorragend zur Schuppenfarbe der anmutigen Drachenfräuleins, dass zusammen mit eurem Oheim und Saphira Schimmer schuppe hier angekommen ist.
Habe ich nicht recht junger Mann?"
Etwas schüchtern aber ermuntert durch die Freundlichkeit des Elfen hob Garath die Hand und präsentierte sein silbernes Drachenmal.
Sofort hellte sich die Mine des jungen Grafen merklich auf. Er ergiff Garaths Hand und schüttelte sie.
"Lieber Himmel!" lachte der junge Adlige. "Jetzt hätte ich fast einem Drachenreiter eine Standpauke gehalten!"
"Nicht ganz zu unrecht!" lächelte Garath noch immer etwas nervös und verneigte sich kurz vor der Gattin des Grafen. "Es ist nicht besonders höflich fremde Gespräche zu belauschen aber ich habe schon einiges von eurer Schwester gehört. Meister Eragon spricht oft von ihr."
"Meister Eragon?" lachte der junge Graf. "Für mich ist er einfach Onkel Eragon! Aber bevor wir weiterreden sollten wir uns erst mal vorstellen.
Ich bin Graf Garrow Roranssohn und dies ist meine Gattin Ashru."
"Mein Name ist Garath" erwiderte der junge Reiter und verneigte sich noch einmal respektvoll. "Mein Vater ist schon vor so langer Zeit gestorben, dass es mehr über mich aussagt wenn ich mich als Reiter von Aurelia vorstelle."
"Aurelia? Das ist ein sehr schöner Name für ein Drachenfräulein." ließ der freundliche elf sich nun wieder vernehmen.
" Ihr gefällt er auch!" lachte Garath und führte dann eilig zwei Finger an die Lippen und begann die elfische Grußformel.
Nachdem die Formalitäten ausgetauscht waren ergriff der Elf wieder das Wort:
"Nun junger Reiter, dann will ich euch auch meinen Namen nicht vorenthalten. Ich bin Aylon und wenn ihr der Schüler von Arget Un Eragon seit, dann müsstet ihr eigentlich meine Schwester Arya kennen."
"Allerdings kenn ich Meisterin Arya." versicherte Garath.
"Mich hat sie wohl nie erwähnt?"
Trotz des verschwörerischen Glitzern in den Augen des Elfen war Garath die Antwort etwas peinlich.
"Leider nicht....."
Der Elf beugte sich etwas zu Garath herüber:
"Redet sie denn überhaupt über etwas anderes als den Unterricht oder die Pflicht?"
"Nicht wirklich." räumte Garath ein.
Aylon lachte leise und warmherzig.
"So ist mein Schwesterchen eben. Privates bespricht sie mit ihrem Gefährten oder ihrem Drachen aber niemals mit ihren Schülern.
Ich hatte eigentlich gehofft sie hier, bei den Völkerspielen endlich einmal wieder in Fleisch und Blut zu treffen.
Wir unterhalten uns zwar regelmäßig über einen magischen Spiegel aber das ist einfach nicht das selbe. Wie geht es ihr denn?"
"Gut, sehr gut!" versicherte Garath. "Als Meister Eragon und ich zu den Spielen aufbrachen ist Meisterin Arya ebenfalls aufgebrochen. Sie wollte nach Cosaria und ihre Cousine Narie besuchen. Ich meine eure Cousine! Sie war auch meine erste Meisterin"
"Ach ja!" lächelte der Elf Aylon. "Narie ist ja in anderen Umständen. Ich muss sagen, es freut mich, dass meine Familie wieder wächst. Nach dem großen Krieg gab es ja im Grunde nur noch Arya und mich."
"Na, ihr vergesst aber, dass eure Schwester in unsere Familie aufgenommen wurde Botschafter Aylon. Sie und Mutter sprechen oft miteinander."
"In der Tat!" bestätigte der Elf. "Ich muss auch sagen, dass ich sehr glücklich über die Bindung zwischen eurer Mutter und meiner Schwester bin. Arya öffnet sich nicht leichtfertig aber jedes Wesen braucht Personen denen man vertraut.
Ich werde mich in den nächsten Tagen wohl bei Narie melden. Das habe ich schon viel zu lange nicht mehr gemacht."
"Wir sollten uns jetzt auf den Weg machen." warf Gräfin Ashru plötzlich ein und wies auf den sich langsam verdunkelnden Himmel.
"Du hast Recht, du hast recht!" pflichtete Graf Garrow sofort bei.
An Garath gewandt fragte er:
"Wollt ihr uns begleiten junger Reiter? Durch euch finden wir vielleicht meinen Onkel noch bevor die Feier beginnt."
"Gern!" versicherte Garath. "Aber welche Feier meint ihr?"
"Das entzünden der Feuersäulen." antwortete Graf Garrow sofort. Damit werden die Spiele offiziell eröffnet."
Garath erinnerte sich. Seine Lehrer hatten ihm davon erzählt. Nach Sonnenuntergang sollten die Säulen entzündet werden und ein kurzer Blick zum Himmel offenbarte, dass es bis dahin nicht mehr lange war.
Während die Gruppe durch Mhada schritt brannte Garath aber noch eine weitere Frage auf den Nägeln.
"Wenn ihr gestattet Herr, warum seid ihr eigentlich zu den Spielen gereist? Nehmt ihr selbst teil?"
"Erst mal:
Nenn mich bitte nicht Herr." erwiderte der Graf. "Meinem Vater gefiel diese Anrede schon nicht und mir auch nicht.
Zu deiner Frage:
Ich nehme nicht selbst teil aber Ashru. Sie ist eindeutig die bessere Reiterin von uns beiden!"
Der junge Graf lächelte seiner Gattin zu.
Diese schien etwas verlegen, erwiderte aber das Lächeln. Ihre makellosen weißen Zähne und ihre dunkle Haut verliehen der Geste etwas wahrhaft strahlendes.
"Das liegt uns Kindern der Wüste eben im Blut." versicherte die Gräfin. "Die Familie meines Gatten betreibt eine Pferdezucht die im Reich ihres Gleichen sucht.
Die Völkerspiele sind eine gute Möglichkeit die neusten Erfolge der Zucht vorzustellen. Winterglut ist eine fantastische Stute."
"Das ist das Pferd, dass meine Gattin beim Rennen reiten wird." erklärte Graf Garrow. "Sie ist wirklich großartig. Ein Fohlen von Ismiras Lieblingspferd Wintersonne. Diese beiden Tiere sind direkt mit dem Hengst verwandt den Eragon einmal unserem Vater geschenkt hat. Schneefeuer war der Grundstein unserer Zucht."
Garath nickte und richtete dann das Wort an den Elfen, den Bruder von Meisterin Arya. Schnell rief er sich die elfischen Anredeformen in Erinnerung.
"Und ihr Aylon-Elda? Graf Garrow hat euch mehrfach Botschafter genannt."
"Ja, das ist mein Titel." erklärte Aylon schmunzelnd. "Ich bin der Gesandte unseres Königs Maranus am Hof von Ilirea und in dieser Eigenschaft bin ich auch hier.
Die fünf Feuersäulen die nun bald entzündet werden stehen für die fünf Völker Alagaesias die durch den blutpackt miteinander verbunden sind.
Es ist Brauch, dass jede Säule von einem Vertreter des jeweiligen Volkes entzündet wird. Jedes Volk lässt sich dafür stehts etwas besonderes einfallen. Eine Art die Säulen zu entzünden, die dem Wesen des jeweiligen Volkes entspricht.
Ich werde die Säule entzünden die zu ehren der Elfen aufgestellt wurde."
Inzwischen hatte die Gruppe wieder den Vorplatz der roten Halle erreicht.
Vor dem Eingang des eindrucksvollen Gebäudes hatte sich einiges getan. Die offene Fläche wo am frühen Nachmittag die Drachen gelandet waren hatte man nun mit Seilen abgesperrt. Fackeln, die an die Holzpfosten gesteckt waren um die man die Seile geschlungen hatte erhellten den Vorplatz.
In der Mitte des Platzes waren zwei mächtige Kull gerade damit beschäftig die fünf Steinsäulen aufzustellen.
Wie Garaths Meister ihm erklärt hatten bestanden die fünf Säulen aus Sandstein. Man sah ihnen jedoch an, dass man das Gestein über Monate in Öl getaucht hatte. Der poröse Stein hatte es aufgesogen und auch ohne Magie würden die Säulen lange Zeit brennen.
Schaulustige umringten den Platz bereits, offenbar auf der Suche nach einem guten Platz um das Schauspiel zu verfolgen.
Eine Gruppe jedoch fiel ein wenig aus dem Ramen.
Die Ansammlung stand dem Tor der Roten Halle direkt gegenüber. Es war eine bunte Mischung aus Urgals, Zwergen, Menschen und auch einigen Elfen.
"Ah," ließ sich Graf Garrow vernehmen. "Das müssen die Teilnehmer sein, die nach der Entzündung der Säulen ins Beor-Gebirge aufbrechen wollen um die Berge zu bezwingen. Sie erhalten nach der Entzündung den Segen des Großnar!"
Garath hatte der Erklärung des jungen Grafen nur mit halbem Ohr zugehört. Zu seiner Überraschung hatte er nämlich Nyx unter den Teilnehmern entdeckt.
Hatte der junge Wilde beschlossen an den Spielen teilzunehmen?
Garath beschloss Aurelia zu fragen, doch als er seine geistigen Fühler ausstreckte entzog sich das rote Drachenmädchen und schirmte ihr Denken ab.
Garath reagierte verwirrt.
Er war so vertieft in die Unterhaltung mit Meister Eragons Verwandten gewesen, dass er nicht bemerkt hatte, dass sich Aurelia von ihm zurückgezogen hatte.
"Onkel Eragon!" der Ruf von Graf Garrow schreckte den jungen Drachenreiter aus seinen Sorgen.
Der Adlige hatte seinen Oheim auf der Treppe entdeckt die zum Eingang der roten Halle hinauf führte.
Er winkte ihm zu und der Arget Un erwiderte den Gruß und bedeutete seinen Verwandten näher zu kommen.
Nar Garzhenog stand in seinem Bärenfellumhang ebenfalls auf der Treppe.
Herzlich begrüßte der Arget Un seine Verwandten.
"Es freut mich wirklich euch zwei hier zu sehen." lachte Saphiras Reiter. "Ich will alles über die alte Heimat wissen. Und wir, Aylon, haben uns auch viel zu lange nicht gesehen. Aber vorher, Garath?
Du solltest mit Aurelia sprechen. Sie ist etwas verstimmt."
Das Lächeln des Arget Un verwirrte den jungen Reiter in diesem Zusammenhang etwas aber er fragte nicht nach sondern machte sich direkt auf die Suche nach seinem Drachenfräulein.
Er konnte spüren, dass sie irgendwo hinter der Roten Halle sein musste.
Garath umrundete das Gebäude und entdeckte zunächst Meisterin Saphira und dann Aurelia.
Die kleinere Rote lag etwas abseits von der blauen Drachendame und starrte in die Ferne. Garath hatte den Eindruck, dass sie es bewusst vermied ihre geflügelte Lehrerin anzublicken.
Der junge Reiter eilte sofort an die Seite seines Drachenmädchens.
"Aurelia was ist denn los?" fragte er und versuchte eine Stelle am Hals der Roten zu kraulen. Sie liebte das aber heute entzog sie sich ihm.
"Was ist denn los, bist du böse auf mich?"
-"Doch nicht auf dich!"- sichtlich besorgt hob Aurelia nun den Kopf und blickte ihren Reiter liebevoll an. -"Es ist nur...."-
Etwas unsicher blickte Aurelia in Saphiras Richtung.
Die Blaue reagierte nicht sondern zupfte ihre Flügel zurecht.
-"Nyx hat sich entschlossen bei den Spielen mitzumachen."- erklärte Aurelia schließlich. -"Ich wollte auch aber Meisterin Saphira hat es verboten. Sie hält mich für schwach."-
-"Unsinn!"- widersprach Garath. -"Hat sie das so gesagt?"-
-"Naja.....nicht direkt. Sie,.....also ich....."-
-"Du hast mich überhaupt nicht erklären lassen."- mischte sich nun die blaue Drachendame nun ein.
Saphira erhob sich, trat zu ihren Schülern und blickte milde auf Aurelia herab.
-"Du hast mich überhaupt nichts erklären lassen du Küken sondern dich einfach entschieden etwas zu schmollen."-
Die erfahrene Drachendame senkte den Kopf und blickte ihrer jungen Artgenossin direkt in die Augen.
-"Als Mutter der Wiedergeburt habe ich mehr Küken aufgezogen als jeder andere Drache. Einige davon stammen aus meinen eigenen Eiern. Ausgelegen die ich mit meinem Nistpartner selbst gezeugt habe.
Ich habe dabei einiges über junge Himmelskinder gelernt.
Wenn junge Drachen schmollen, dann schmollen sie!
Es ist dann Zeitverschwendung mit euch zu reden oder auch nur den Versuch zu machen etwas zu erklären.
Am Besten wartet man dann ab bis euer Zorn verraucht ist. Ihr seid dann viel zugänglicher."-
Aurelia summte versonnen und scharrte verlegen mit den Krallen im Sand.
-"Das ich dir die Teilnahme verboten habe hat nichts damit zu tun, dass ich dich für unwürdig oder schwach halte."- fuhr Saphira entschieden fort. -"Es wäre nur schlicht und ergreifend gegen die Regeln die den Spielen zugrunde liegen."-
Aurelia schüttelte verwirrt den Kopf.
Die blaue Drachendame erklärte weiter:
-"In den Regeln der Völkerspiele ist eindeutig verzeichnet, dass jeder teilnehmen kann der nach den Traditionen seines Volkes als erwachsen gilt.
Bei den Menschen ist das zum Beispiel wenn ein Kind ihres Volkes 16 Sommer gesehen hat.
Bei uns Drachen gilt ein Skulblaca als ausgewachsen wenn er oder sie das Feuer entdeckt, dass in uns allen brennt.
Ist das bei dir der Fall junge Aurelia?"-
-"Nein."- räumte das Drachenmädchen beschämt ein.
-"Na siehst du!"- brummte Saphira und fügte dann weicher hinzu: -" Deine Zeit wird kommen du Küken. Du wirst deine Chance bekommen dich zu beweisen aber fürs erste übe dich in Geduld!"-
-"Verzeiht mir bitte Meisterin."- druckste das rote Drachenmädchen. -"Ich habe euch da gründlich falsch verstanden."-
Saphira brummte versöhnlich.
Garath stellte erleichtert fest, dass sich die Laune seines Drachenmädchens deutlich besserte.
Bevor jedoch noch weitere Worte ausgetauscht werden konnten ertönte der donnernde Klang einer riesigen Trommel.
-"Kommt ihr Küken!" befahl Saphira. -"Es ist Zeit. Die Flammensäulen sind bereit und sollen entzündet werden und mir fällt die Aufgabe zu die Säule des Drachenvolkes zu entflammen."-
-"Eine Geste des Respekts für den neuen Großnar?"- vermutete Garath.
Saphira zwinkerte zustimmend und führte ihre Schüler zurück zum Vorplatz der Roten Halle.
In weiser Voraussicht hatte man einen ausreichend großen Platz für die beiden Drachendamen frei gehalten.
Arget un Eragon stand mit seinen Verwandten, dem Elfen Aylon und Nar Garzhenog auf den Stufen vor der Roten Halle. Als er Garath erblickte winkte er seinen Schüler zu sich heran.
Garath trat schnell an die Seite seines Lehrers und hielt sich respektvoll hinter ihm.
Interessiert verfolgte er das Geschehen.
Man schien nur auf Saphiras Ankunft gewartet zu haben denn fast Augenblicklich nach Ankunft der Drachendame hob der Großnar den Arm und es wurde deutlich stiller auf dem Platz.
"Willkommen Söhne und Töchter aller Völker!" rief der Kull mit mächtiger Stimme. "Heute beginnen die Tage des Kampfes an denen wir unsere Stärke beweisen. Im Wettstreit mit einander aber auch im Kampf gegen die eigene Schwäche und die Grenzen des eigenen Fleisches.
Die Spiele die heute beginnen sind ein Eckpfeiler der Ordnung, die sich nach dem großen Krieg erhoben hat.
Ein Zeitalter in dem wir uns dieses Land in Frieden Teilen und gemeinsam gegen seine Gefahren stehen.
Es ist mir eine Ehre heute, hier die Tradition vorzuführen, die mein Vater, unser Kreigshäuptling Nar Garzhvog, begründet hat.
Wie auch er vor mir stehe ich für die Zukunft der Urgalgra und bin bereit Blut und Leben für die Gehörnten zu geben.
Den Beweis dafür gebe ich euch jetzt!"
Mit diesen Worten warf der Großnar seinen Bärenfellumhang ab und schritt über den Platz. Der Nar trat auf einen der Holzpfosten zu die mit Fackeln bestückt waren. Er wählte den, der am weitesten von den Steinsäulen entfernt war und griff nach der Fackel.
Garath rechnete damit, dass er nach ihr greifen und sie verwenden würde um die Steinsäule der Urgals zu entzünden.
Zur Überraschung des jungen Reiters griff der junge Großnar jedoch nicht nach dem Holzgriff der Fackel sondern umfasste mit einer entschlossenen Geste das entflammte Ende!
Garath hielt den Atem an als die Flammen über die Finger des Kull strichen.
Langsam drehte Nar Garzhenog sich um. Die Fackel in der ausgestreckten Hand. Flammen züngelten über seine Faust.
Nar Garzhenog verzog keine Mine aber die Schweißperlen aus seiner Stirn kündeten von seiner Pein.
Langsam, Schritt für Schritt trat der Kull auf die erste Steinsäule zu, senkte den Arm und ließ das Feuer auf die Säule übergreifen.
Als die Flammen der ersten Säule aufloderten schleuderte Nar Garzhenog die Fackel mit einem markerschütternden Kampfschrei fort und riss unter dem Jubel der umstehenden Masse die Fäuste im Triumph empor!
Nach einigen Augenblicken trat der Großnar zur Seite. Urgalgra aus seinem Gefolge stürmten heran und verbanden seine verbrannte Hand.
"Sehr eindrucksvoll." hörte Garath seinen Meister Eragon sagen.
Dem Arget Un fiel offenbar auf wie geschockt sein Schüler war und erklärte beruhigend:
"Mach dir keine Sorgen. Urgals haben eine dickere Haut als Menschen. Was Nar Garzhenog gerade getan hat war zweifellos schmerzhaft für ihn aber seine Hand wird heilen."
Etwas erleichtert atmete Garath aus.
Inzwischen war der hochgewachsene Kull wieder an den Fuß der Treppe getreten und verkündete, dass nun das Volk der Zwerge seine Säule entzünden würde.
Neugierig richtete Garath seinen Blick wieder auf den Platz.
Dort bildeten die umstehenden Zuschauer eine Gasse und eine Gruppe von fünf Zwergen betrat den Platz.
Vier von ihnen trugen an langen Stammen eine Art Wanne in der brennende Kohlen ihr unheimliches Licht verströmten.
Vor der zweiten Steinsäule blieb die kleine Prozession stehen und der fünfte Zwerg griff mit einer langen Zange in die glühenden Kohlen.
Unter einem Funkenregen zog der Zwerg einen fast weiß glühenden Ring aus Eisen hervor. ebenfalls glühende Metalldornen gingen in gleichen Abständen von dem Ring aus. Es gab fünf dieser Dornen und an der Spitze jedes Dorns war ein rotglühendes Wappen besfestigt. Eines für jedes Volk.
Mit großer Sorgfalt drehte sich der Zwerg mit der Zange nun zu der Steinsäule um und zog den noch immer glühenden Reifen über die Spitze der Steinsäule.
Der Vorgang erinnerte Garath fast an eine Königskröhnung.
Das glühende Eisen zischte auf dem glatten stein und das umstehende Publikum brach in Jubel aus als die Hitze das Öl im Stein entzündete und auch die zweite Säule in Flammen aufging.
Nachdem die Zwerge den Platz wieder verlassen hatten verkündete der Großnar, dass nun das Volk der Menschen an der Reihe sei.
Zu Garaths Überraschung betrat ein ihm bekanntes Gesicht nun den Platz.
-"Das ist doch Elain oder?"- erkundigte sich Aurelia aufgeregt.
Garath konnte nur zustimmen. Es war wirklich die Magierin, die er vor einigen Monaten in der Ostmark getroffen hatte. Damals war Aurelia noch nicht in der Lage gewesen ihn zu tragen.
Er nahm sich vor später mit der Magierin zu sprechen. Nun jedoch war der junge Reiter gespannt was Elain präsentieren würde.
Unter den Augen aller Umstehenden rammte die junge Frau ihren Hölzernen Stab in den Boden und trat dann einen Sritt zurück.
Elain breitete die Arme aus und schloss die Augen. Einige Augenblicke schien sie sich zu konzentrieren, dann verließ ein geflüstertes "Brisingr" ihre Lippen.
Sofort züngelten Flammen am Fuße ihres Stabes auf doch sie versengten das Holz nicht. Wie eine Schlange arbeitete sich die kleine Flamme an dem Stab empor und umhüllte schließlich das geschnitzte Eichhörnchen an der Spitze.
Die Flamme dehnte sich aus und wurde zu einer perfekten Kopie des kleinen Nagetiers.
Mit einem gewaltigen Satz sprang das geisterhafte Abbild von der Spitze des Stabes und hüpfte, wie sein Gegenstück aus Fleisch und Blut, über den Platz und tollte die dritte Steinsäule empor wie ein lebendiges Eichhörnchen.
anders als bei Elains Stab der noch immer unversehrt war sprang das Feuer hier jedoch über wo immer das flammende Eichhörnchen den Stein berührte.
Schließlich erreichte das magische Gebilde die spitze der Säule und löste sich dort in den empor züngelnden Flammen auf.
Erschöpft aber zufrieden schlug Elain die Augen auf, ergriff ihren Stab, verneigte sich ein letztes mal vor der jubelnden Menge und schritt davon.
"Sehr beeindruckend." flüsterte Aylon Eragon zu. "Eine wirklich hervorragende Kontrolle. Ich kenne Elfen die das nicht mit einem einzigen Wort in der Alten Sprache vollbracht hätten."
"Elain ist eine herausragende Magierin, ganz zweifellos!" bestätigte der Arget Un.
"Und nun das Volk der Elfen!" verkündete Nar Garzhenog.
"Das ist wohl mein Stichwort." schmunzelte Aryas Bruder und trat in die Mitte des Platzes.
Aylon wartete bis es still wurde, dann schob er langsam seine Hände unter seinen Umhang. Schneller als das menschliche Auge sehen konnte zog Aylon die Hände wieder hervor und hielt nun in jeder Hand zwei Griffe aus Metall an denen lange Bänder befestigt waren.
Auch Aylon konzentrierte sich kurz und entzündete dann die Bänder mit einem schnellen Zauber.
Die Flammen züngelten über die Bänder und Garath erkannte, dass die Metallgriffe so geformt waren, dass sie Aylons Hände schützten.
Nun begann der Elf sich mit unglaublicher Präzision zu bewegen. Er begann damit die brennenden Riemen herumzuwirbeln. Zunächst nur seitlich, dann auch über seinem Kopf und schließlich zog er sie sogar unter seinen Füßen durch. Genau im richtigen Moment sprang er dabei immer über den brennenden Riemen.
Immer schneller und schneller wurde der Tanz der Flammen bis es schließlich so aussah als ob Aryas Bruder in einer Kugel aus Flammen schweben würde.
Langsam bewegte sich das geisterhafte Gebilde auf die vierte Säule zu und dann, auf dem Höhepunkt des Tanzes riss Aylon die Arme nach vorn und die Riemen schlangen sich um die steinerne Säule. Das Feuer sprang sofort über und auch die vierte Säule ging in Flammen auf.
Aylon kehrte unter dem begeisterten Beifall aller Umstehenden an Eragons Seite zurück.
"Bemerkenswert!" schmunzelte der Arget Un als der Elf wieder an seine Seite trat.
Die beiden kamen jedoch nicht dazu sich weiter auszutauschen, denn der Großnar forderte nun das Volk der Drachen auf seinen Beitrag zu leisten.
sofort trat Saphira ins Zentrum des allgemeinen Interesses.
Würdevoll erhob sich die blaue Drachendame.
Zur allgemeinen Überraschung entfaltete Saphira jedoch ihre Schwingen und schoss in den Himmel.
Mit donnerndem Brüllen schraubte sich die Drachendame in den Himmel und immer wieder leckte eine Flammenzunge aus ihrem Maul.
Schließlich verschwand Saphira in den Wolken und schon nach wenigen Augenblicken erkannte Garath, dass nun die wahre Darbietung seiner Lehrmeisterin begann:
Wie bei einem Gewitter begannen die Wolken aufzuleuchten.
Offenbar spuckte Saphira in der Wolkendecke immer wieder Feuer und ließ die Gebilde und Gold und blau erstrahlen.
Es war ein Schauspiel das über alles hinaus ging was bisher dargeboten worden war. Es war als ob die Kräfte der Natur selbst sich erhoben hätten.
Plötzlich brach die Blaue Drachendame brüllend aus der strahlenden Wolkenmasse hervor und schoss in einem überwältigenden Sturzflug auf den Platz vor der roten Halle zu.
Alle Zuschauer hielten den Atem an doch alles geschah viel zu schnell als das irgend jemand hätte in Panik geraten können.
Exakt im richtigen Moment spannte Saphira ihre Schwingen auf, fing ihren Sturzflug ab und riss das Maul auf. Ein dünner Flammenstrahl schoss hervor und traf präzise die eine Steinsäule die noch nicht entzündet worden war.
Garath war begeistert.
Saphiras Vorstellung war nicht nur eine Zurschaustellung von Kraft sondern vor allem von Präzision.
-"Sie hat genau gewusst wann sie ihren Fall abbremsen musste und konnte ihr Feuer so perfekt steuern das sie nur die eine Säule mit genau der richtigen Flammenmenge getroffen hat."- staunte Aurelia und Garath spürte, dass ehrliche Bewunderung die Worte seines Drachenfräuleins begleitete.
Er verstand sie nur zu gut!
Während Saphira noch unter dem Beifall der Zuschauer über den Platz glitt verkündete Nar Garzhenog mit lauter Stimme:
"Und somit sind die Völkerspiele eröffnet!"






Abstimmen ned vergessen;)

Eragon-OS-SammlungGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt