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150. Ein bedeutungsvoller Name

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Murtagh wusste es zu schätzen, dass Dorn auf einen besonders ruhigen Rückflug achtete. Ihm stand schließlich kein Sattel zur Verfügung als Dorn und er im Morgengrauen den Rückflug zum Anwesen von Narie und Marek antraten.
Sein Beine hatte der Dunkelhaarige mit einem leichten Schutzzauber vor Verletzungen gesichert und Dorn tat das übrige um einen sicheren Rückflug zu gewährleisten.
Ein überraschtes Schnauben von Dorn ließ auch Murtagh aufhorchen. ein kurzer Rundblick enthüllte dem Reiter sofort was seine Drachen so überrascht hatte. Beide hatten sie damit gerechnet, dass sie das Herrenhaus noch schlafend vorfinden würden. Stattdessen schien alles in großer Aufregung zu sein. Besonders galt dies für die Drachen.
Kira, Alonvy, Laorie und Irucan kreisten in unmittelbarer Nähe des Herrenhauses über der Spiegelglatten Oberfläche des Sees.
Murtagh spürte wie Dorn einen fragenden Gedanken an seine Schwester schickte.
Als Antwort spürte er nur die Belustigung der Drachendame.
-"Was ist denn los?"- erkundigte sich Dorn nun nachdrücklicher.
Kiras Lachen spülte auch durch Murtaghs Geist und der ältere von Selenas Söhnen war sich sicher, auch auf die Entfernung, ein amüsiertes Funkeln in den Augen von Dorns Schwester zu erkennen.
-"Na was wird wohl los sein Bruder?"-
Dorn brauchte einen Augenblick, dann explodierte seine Seele förmlich. Murtagh versank ein einem Wirbelw3ind aus widersprüchlichen Gefühlen: Freude, Aufregung, Angst und Unverständnis.
-"Beruhige dich Bruder!"- Kiras Stimme schnitt wie ein Sonnenstrahl durch die aufgepeitschten Wolken von Dorns Seele. -"Lenjara wollte für sich sein. Deshalb haben wir dir nicht bescheid gegeben. Sag mir: Wo hast du die Nacht angenehmer verbracht: In stiller Eintracht mit deinem Seelenbruder oder hier, kopflos wie ein durchgehendes Pferd?"-
Murtagh konnte spüren wie der Sturm in Dorns Geist sich etwas legte.
-"Darf ich denn jetzt......?"-
-"Wir alle dürfen."- antwortete Kira verschmitzt. -"Wir haben nur auf euch gewartet."-
Inzwischen hatte auch Murtagh begriffen was geschehen war und er wusste, dass ein völlig neuer Lebensabschnitt in dem Drachenhort wartete den Dorn nun zielstrebig ansteuerte.
Er verzieh seinem Drachen, dass die Landung etwas ruppiger ausfiel und folgte Dorn in den hinteren Teil der Höhle.
Er achtete darauf seinem Seelenbruder einen gewissen Vorsprung zu lassen. dieser Moment gehörte ihm und seiner Nistpartnerin.
Schritte erregten Murtaghs Aufmerksamkeit. Von der Treppe her betraten Narie, Marek, seine Nichte Marlena und Ajescha den Drachenhort. Alle strahlten sie Murtagh an und Dorns Reiter selbst stellte überrascht fest, dass es ihm nicht anders ging. Sehr selten hatte es in seinem Leben Situationen gegeben in denen er einfach nicht anders konnte als zu lächeln und sich zu freuen. Umso wertvoller empfand er diesen Moment.
Gemeinsam beobachteten sie nun wie Dorn sich fast schüchtern Lenjara näherte die müde in einer Ecke des Drachenhortes lag.
Deutlich spürte Eragons Bruder, dass Dorn zu einer Entschuldigung ansetzen wollte aber Lenjara kam ihm zuvor:
-"Es tut mir leid Dorn."-
Überrascht schnaufte Murtaghs Seelenbruder.
-"Ich wollte dich nicht dabei haben. Niemanden. Nicht mal Ajescha."- fuhr die kupferfarbene Drachendame fort. -"Weist du, das allein sein war für den Großteil meines Lebens mein ständiger Begleiter. Ich bin daran gewöhnt und woran man gewöhnt ist, dass gibt einem Sicherheit. Das verstehst du doch, oder?-"
Es war mehr eine Feststellung gewesen als eine Frage.
Lenjara hatte mit müdem Blick ihr Haupt erhoben und es Dorn entgegen gereckt. Dorn schmiegte nun sanft sein Haupt an das seiner Nistpartnerin.
-"Natürlich verstehe ich das."- erwiderte der Rote.
-"Und deshalb bist du mein Nistpartner."- erwiderte Lenjara und liebkoste die Schnauzte ihres Partners mit der ihren.
Ein gedämpftes Fiepen unterbrach die beiden Drachen.
Lenjara lachte leise.
-"Da will wohl jemand seinen Vater kennen lernen."- schmunzelte sie und hob ihren Flügel.
Auch Murtagh und die übrigen anwesenden verstanden dies als Einladung näher zu treten und den größten Schatz der Drachendame zu bewundern. ein einzelnes Drachenei strahlte die Umstehenden an. die Schale glänzte wie aus reinem Gold gegossen.
Murtagh erkannte jedoch schnell, dass er den Anblick dieses Eis nicht mehr lange würde genießen können. Ein breiter Riss zog sich bereits über die glatte Oberfläche.
-"Ich wusste einfach, dass es zu einem wilden geboren ist."- verkündete Lenjara stolz als ihr ei immer mehr zu schwanken begann.
Schließlich hielt die Spitze nicht mehr stand und platzte auf. Mit einem spitzen Quietschen kündigte sich ein neues Leben in der Welt an.
Murtagh erkannte sofort, dass der junge Drache der sich dort aus den Überresten seines Eis kämpfte ein Männchen war. Die kräftigen Vorderbeine bewiesen das eindeutig. Dazu kam ein stattlicher Hornansatz und breite Schuppen die Bauch und Rücken schützten.
.....Ein geborener Kämpfer!....... schoss es Murtagh durch den Sinn, dann erstarrte er innerlich. Ein anderer Gedanke nahm Form an und wurde zu einer wundervollen Gewissheit:
........Dorn hat einen Sohn!.......
-"Möchtest du ihm einen Namen geben?"- fragte Lenjara ihren roten Nistpartner als sie damit fertig war die glänzenden Schuppen ihres Nachwuchses von der Eihülle zu befreien.
Stumm signalisierte Dorn seine Zustimmung und senkte Behutsam den Kopf um mit seinem Sohn auf Augenhöhe zu sein.
Anders als Aurelia bestürmte dieser junge Drache Dorn nicht sondern tapste langsam aber zutraulich auf seinen Vater zu.
Einige Atemzüge lange blickten sich Vater und Sohn nur an, dann flüsterte Dorn:
-"Glaedr!"-
Murtagh verkrampfte sich leicht als er den Namen hörte. Seine Erinnerungen kehrten zu den Tagen des großen Krieges zurück. Jenem Kampf über Gil'ead. Dem fremden Bewusstsein, dass sich wie zähflüssiger Teer in seines gedrängt hatte und ihn und Dorn zu den Waffen eines Mordes gemacht hatte.
Auch Lenjara wusste von dieser Begebenheit und wirkte skeptisch.
-"Bist du sicher?"- fragte sie Dorn.
Zu Murtaghs Überraschung schwang ein Schmunzeln in der Stimme seines Seelenbruders mit.
-"Sicher, dass es nicht so ist wie ihr jetzt alle denkt. Es ist kein Schuldgefühl von meiner Seite. Damals, nach dem großen Krieg, da wäre es vielleicht so gewesen aber nicht heute. Wir hatten seit jenen Tagen viele Gespräche, Glaedr-Eldunarí und ich. Heute, gibt es keinen Zorn mehr zwischen uns. Kein durst nach Rache, keine Schuld. Es begann mit Verständnis für die Lage des jeweils anderen und daraus wurde Respekt.
Heute, ist Glaedr für mich ein Symbol! Mit ihm, und seinem Namen verbinde ich die Erkenntnis, dass alle Wunden heilen können. sicher, es bleiben Narben aber diese Narben, diese Erfahrungen machen uns erst zu den Wesen die wir heute sind. Schmerz kann vergehen, Gegensätze überbrückt werden! Diese Erkenntnis war für mich der Beginn meiner Freiheit! Das bedeutet dieser Name für mich!"-
Lenjara summte zufrieden und blickte ebenfalls ihren Sohn an.
-"Glaeder!"- bestätigte sie schlicht.
Mit großen Augen blickte der kleine Goldene zwischen seinen Eltern hin und her. Dorn nutzte die Gunst des augenblicks, als sein Sohn zu Lenjara blickte, senkte seinen Kopf und schnaubte seinem sohn spielerisch einen Schwall warmer Luft unter den Bauch.
Freudig quitschte der kleine Drache auf und ging vor seinem Vater in Lauerstellung.
Murtagh beobachtete die stolzen Eltern und ihren Nachwuchs. Er konnte kein Wort hervor bringen. Es gab auch nichts zu sagen. Darin waren sich wohl alle Anwesenden einig.
"Was ist denn hier los?" meldete sich eine verschlafene Stimme von der Treppe her.
Alle Augen flogen zum Absatz der Wendeltreppe die in das Herrenhaus hinauf führte.
Garath stand dort und gähnte verschlafen. Aurelia thronte auf der Schulter ihres Reiters und blickte neugierig durch den Drachenhort.
"Du lieber Himmel." lachte Marek. "Euch zwei haben wir ja ganz vergessen. Das heißt vergessen haben wir euch nicht, es ist nur so....."
Die Erklärungsversuche von Laories Reiter gingen in einem freudigen Fiepen unter.
Aurelia hatte Glaedr entdeckt!
Sofort spannte das rote Drachenmädchen seine Flügel auf und segelte von der Schulter ihres Reiters.
Mit geübtem Auge erkannte Murtagh, dass die Flugbahn des Drachenfräuleins etwas zu steil gewählt war. Wie zu erwarten war riss der eigene Schwung das Drachenmädchen bei der Landung um und Aurelia landete mit einem wilden Purzelbaum vor ihrem Altersgenossen.
Glaedr machte einen Satz rückwärts und beäugte das übermütige Drachenmädchen, dass jetzt auf ihn zu hoppelte mit einiger Skepsis.
Augenblicke später war diese Zurückhaltung jedoch verflogen und ein übermütiges Knäul aus Hälsen, Flügeln und sonstigen Gliedmaßen kugelte durch den Drachenhort.
"Tut uns leid, dass wir dich nicht auch geweckt haben Garath aber Lenjara wollte allein sein als sie ihr Küken zur Welt brachte." erklärte Narie dem jungen Garath als er etwas besorgt das wilde Spiel der Drachenkinder verfolgte.
"Du hättest das sicherlich verstanden junger Freund aber Aurelia ist noch zu jung um ihr das zu erklären." fügte Marek noch schmunzelnd an.
"Das verstehe ich natürlich Meister." versicherte der junge Reiter und wandte sich dann an Murtagh. "Euch und eurem Drachen meinen herzlichsten Glückwunsch."
Dankbar ergriff Murtagh die Hand die Garath ihm anbot und schüttelte sie. Dann wanderte sein Blick wieder zu den spielenden Drachenkindern und den stolzen Eltern.
Murtaghs Geist war völlig leer. Er dachte nicht. Ein umstand der bei ihm fast noch ungewöhnlicher war als ein spontanes Lächeln. Sein ganzes Leben lang hatte er stets die Konsequenzen einer Situation bedacht und seine nächsten Schritte geplant. Aber nicht heute. Nicht in diesem Moment. In diesem Augenblick erfreute er sich einfach nur an der Lebensfreude die, wie die Strahlen der aufgehenden Sonne, durch den Drachenhort flutete.






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