Der sanfte Klang des Gongs wehte durch den Garten und nur wenige Augenblicke später begann sich der Platz im Zentrum der Parkanlage mit Elfen zu füllen.
Eragon beschloss die Bitte des Königspaares zunächst einmal in den hinteren Teil seines Bewusstseins zu verbannen. Heute, jetzt und hier, ging es um die Reiterprüfung und der Anführer der Reiter beschloss sie, wie jedes Mal wenn er einer solchen Zeremonie beiwohnte, zu genießen. Er liebte die Spannung die sich jedes Mal aufbaute wenn ein Kandidat die Eier berührte und schlüpfte tatsächlich ein Drache hatte Eragon jedes Mal das Gefühl dass seine eigene Familie um ein Mitglied reicher geworden war.
Saphira, die sich gemeinsam mit ihren Artgenossen hinter ihrem Reiter niedergelassen hatte beurteilte diesen Gedanken mit einem Schwall wohlwollender Wärme.
- "Ich bin froh dass du mein Volk so sehr liebst."-flüsterte sie ihn liebevoll zu. - "Denk jetzt wirklich erstmal nicht mehr an das was Maranus von dir wollte. Wir werden das später zusammen mit unseren Partnern besprechen. Wie immer bist dir nicht allein mit dieser neuen Verantwortung."-
Stumm dankte Eragon seiner treuen Begleiterin für ihre Worte musste dann über seine Tochter Marlena schmunzeln sie gerade ihrer Mutter sowie ihrer Cousine Ismira und auch Cale ausführlich erklärte warum die Dracheneier jetzt perfekt auf dem Tisch liegen würden, so und nicht anders und das es von Cale sehr dumm sei zu behaupten, dass sie jetzt wieder genauso da liegen würden wie vor fünf Minuten als Marlena damit begonnen hatte sie zurechtzurücken.
Während das kleine Mädchen munter weiter plapperte ließ Eragon seinen Blick über die sich versammelnde Menge schweifen. Erfreut stellte er fest, dass die Elfen sowie ihre verlorenen Verwandten aus dem Norden etwas abgelegt hatten das Saphiras Reiter zunächst als sehr störend empfunden hatte.
Als die beiden Gruppen im Hafen der Stadt angekommen waren schien es eine unsichtbare Trennwand zwischen ihnen zu geben. Keine der beiden Seiten wagte es wirklich auf die andere zuzugehen und die Gruppen hatten sich klar voneinander abgegrenzt. Eragon wusste nicht was er fühlen sollte als er jetzt sah, dass wenige Stunden genügt hatten um eine Mauer einzureisen wie unüberwindbar erschienen war. War es ein unsichtbares Band zwischen Angehörigen desselben Blutes? Oder war es schlicht die schlichte Erkenntnis, dass man gar nicht so verschieden war? Der Anführer der Reiter vermochte es nicht zu sagen.
Als der Platz schließlich mit Elfen gefüllt war und Eragon der Auffassung war, dass die Gruppe nun vollständig war nickte er König Maranus zu. Dieser hatte ihn gebeten einige Worte sagen zu dürfen und dies wollte im Saphiras Reiter nicht verweigern.
Der Monarch der Elfen trat neben den Tisch auf dem die Dracheneier ruhten und sammelte seine Gedanken. Eragon indessen gab dem Diener der bereits vorher den Gong geschlagen hatte ein Zeichen und dieser ließ noch einmal drei schnelle Schläge auf die glänzende Oberfläche seines Instrumentes nieder sausen. Die Töne die nun über den Platz wehten veranlasten alle Anwesenden dazu Gespräche untereinander zu beenden und Aufmerksamkeit auf den Elfenkönig zu richten.
Dieser begann schließlich mit klarer Stimme zu sprechen:
"ich begrüße euch alle die ihr hier versammelt seid. Einige werden sich vielleicht gefragt haben warum ich bis auf wenige Worte des Grußes bisher geschwiegen habe. Die Erklärung ist ganz einfach. Für alles gibt es einen richtigen Ort und eine richtige Zeit. Der Ort mag derselbe sein wie noch vor wenigen Stunden aber nun ist die Zeit gekommen. Als wir uns im Hafen begegneten war sie es nicht. Es war nicht der Augenblick für salbungsvolle Reden sondern ein Augenblick den Familien denen großes Unrecht widerfahren war. Man hatte auseinandergerissen was zusammen gehört und damit auf beiden Seiten großes Leid verursacht. Eine kleine Gruppe trägt dafür die Verantwortung und wird angemessen bestraft werden. Diese Gruppe glaubte in ihrer Arroganz dass es ihnen gegeben sei den Wert eines Lebens zu bemessen. Vor einigen Jahren behauptete ein mächtiges Wesen, das unser Volk Gefahr laufe sich selbst zu verlieren. Dass wir uns nicht mehr als Teil des Lebens sehen würden sondern als etwas, das über den Dingen steht."
Eragon wusste im Stillen worauf Maranus anspielte. Er erinnerte sich noch an die wundersame Vorgänge die die Segnung seiner Tochter begleitet hatten.
Der Elfenkönig indessen sprach weiter.
"Ich muss, vielleicht zu meiner Schande, gestehen dass ein Teil von mir diesen Worten keinen Glauben schenken wollte. Am heutigen Tag kann ich mir keine Illusionen mehr machen. Arroganz und Selbstüberschätzung haben sich tief in unserem Volk verwurzelt. Das Unrecht des euch, die ihr aus dem Norden zu uns gereist seid, widerfahren ist beweist auch, dass es nicht allein auf die dunklen Zeiten des Verräters Galbatorix schieben können. Nein, so einfach ist es nicht. Ich habe lange darüber nachgedacht und ich glaube, dass das Problem in der Liebe unseres Volkes zur Schönheit verwurzelt ist."
Maranus machte eine Pause und ließ seine Worte wirken. Einige der Zuhörerblick sich verständnislos an und an manchen Stellen erhob sich aufgeregtes Murmeln. Dieses verstummte jedoch als der König weiter sprach.
"Einige werden sich vielleicht fragen wie das möglich sein soll.
Wie kann das Bestreben die Schönheit in all ihren Formen zu fördern Quell einer Dunkelheit sein. Ganz einfach: wir haben die Fähigkeit verloren zwischen der Illusionen und der Wirklichkeit zu unterscheiden. Wir akzeptieren die Illusion von Schönheit und setzen sie mit wirklicher Schönheit gleich. Die Situation in der wir uns hier und heute befinden beweist dass dem nicht so ist. Kann sich ein Volk ernsthaft als rein und erhaben bezeichnen wenn es solches Unrecht in seiner Mitte duldet wie das, was euch aus dem Norden widerfahren ist? Ich denke nicht.
Auf der anderen Seite beweist ihr, die ihr ungerechterweise verstoßen wurdet, das wahre Schönheit einen unschätzbaren Wert hat. Ich weigere mich das, womit einige von euch geboren wurden als Fehler oder Makel zu bezeichnen. Ihr beweist, dass es nichts anderes ist als eine Herausforderung die ihr angenommen und jeder von euch in beeindruckender Weise gemeistert hat. Jeder von euch hat sich ein Leben aufgebaut, dass es wert ist gelebt zu werden und einige haben durch ihre Einzigartigkeit sogar mehr als beeindruckende Werke geschaffen und Einsichten erhalten. Was sehe ich also wenn ich euch nun betrachte: ich sehe Schönheit! Eine Schönheit mit mehr Reinheit und Tiefe als so manches Werk dass wir mit Magie geschaffen haben. Jeder Herrscher unseres Volkes stellt seiner Regentschaft in den Schatten eines Ziels. Bisher war es mein oberstes Anliegen die Wunden zu heilen sie uns die dunkle Zeit der Wyrfell beschert hat. Heute füge ich meiner Herrschaft ein neues Ziel hinzu. Ich werde alles in meinen Kräften stehende tun um unserem Volk den Unterschied zwischen Illusion und Wahrhaftigkeit wieder bewusst zu machen. Das tue ich in der Hoffnung, dass auch ihr aus dem Norden, die ihr euch nun ein Leben unter der Herrschaft des neuen Ordens der Reiter aufbauen werdet, eines Tages wieder unseren geliebten schützenden Wald als eurem Ursprung und euer zuhause sehen werdet."
Mit diesen Worten schloss Maranus seiner Rede und trat vor den Dracheneiern zurück. Einige Augenblicke herrschte Stille, dann spendete die versammelte Menge begeisterten Applaus.
Eragon hielt sich zurück und gestattete den Elfen ihrer Begeisterung Luft zu machen. Auch ihn hatte das Gehörte tief bewegt. Plötzlich spürte er sie etwas nach seinen Fingern tastete. Saphiras Reiter blickte zur Seite und erkannte, dass Arya seiner Hand ergriffen hatte. Lächelnd blickte die Elfe ihn an.
"Ich habe einen Fehler begangen als ich die Krone meines Volkes akzeptiert habe. Ich habe eine richtige Entscheidung getroffen als sie abgelegt habe und....."
Arya zögerte einen Augenblick und Eragon nutzte die Gelegenheit und ihren Gedankengang zu vollenden.
"Und du warst Weise in der Wahl seines Nachfolgers mein Stern."
Eine dankbare Note hutschte über Aryas Gesicht. Offenbar war es gerade diese Bestätigung diese gesucht hatte.
Einen Wimpernschlag lang genoss Eragon den Augenblick der Nähe, dann gab er mit wenigen Worten die Prüfung frei.
Einzelnen traten nun mögliche Kandidaten vor die beiden Eier und berührten die schillernden Oberflächen. Eragon und die übrigen Drachenreiter überwachten den Geist der ungeborenen jungen Drachen auf einer Reaktion. Die erste halbe Stunde der Prüfung vergingen ohne dass eines der Küken besonderes Interesse an einem Kandidaten gezeigt hätte. Schließlich trat ein bekanntes Gesicht aus der wartenden Menge. Trenyan der bisher neben seinen Eltern gestanden hatte löste sich von der Gruppe und trat an den Tisch heran.
Eragon Blick wanderte zu Bloedgram und Tialva. Die beiden ließen ihren Sohn nicht aus den Augen. Zweifellos musste es ein stolzer Moment für sie sein. Wie viele solcher Momente sie verpasst haben wegen des Verbrechens der Heiler?
Noch während der Anführer der Reiter über diese Frage nachdachte berührte Trenyan das rote Ei und Eragon musste sich beherrschen um nicht laut aufzulachen. Das Bewusstsein des "Rosendrachens" zeigte deutliches Interesse. Schnell gab der Ismira ein Zeichen. Die junge Reiterin wusste sofort was zu tun war. Sie trat zu dem jungen Elfen, bedeutete ihm das Ei aufzunehmen und ihr zu folgen. Zwar hatte man keine Zelte aufgestellt aber ein Kandidat und ein interessiertes Küken konnten sich in einem durch Hecken abgtrennten Bereich zurückziehen.
Während aufgeregtes Murmeln die Menge ergriff suchte Eragon einmal mehr den Blickkontakt zu Bloedgram und seiner ehemaligen Gefährtin. Es war nicht überraschend dass die beiden Elfen deutliche Zeichen von Aufregung zeigten. Mit einer schlichten Handbewegung gestattete Eragon den beiden ihrem Sohn zu folgen. Bloedgram wusste genug über den Ablauf einer Reiterprüfung um zu wissen, dass er und Tialva sich trotz allem im Hintergrund halten mussten um den jungen Drachen nicht zu stören. Trotzdem wollte er es ihnen ermöglichen in der Nähe ihres Sohnes zu bleiben.
Als das rote Ei und der mögliche zukünftige Reiter aus dem Blickfeld der Anwesenden verschwunden waren dauerte es noch einen Moment bis wieder Kandidaten vor traten um das noch verbliebene Ei zu berühren. Neuer Elan zeigte sich jedoch auf den Gesichtern der Kandidaten. Schließlich traten Legartis und Sina vor. Der blinde Anführer der Elfen aus dem Norden berührte das glänzende Drachenei doch es erfolgte keine Reaktion. Als Legartis zu der wartenden Menge zurückkehren wollte schien auch Sina sich wieder zurückziehen zu wollen. Offenbar hatte sie sich mehr als Begleitung ihres Bruders verstanden als als Kandidatin.
Bevor Eragon jedoch etwas sagen konnte hielt Legartis seine Schwester auf und deutete vielsagend auf das Ei.
Sina setzte zum Widerspruch an doch Eragon ließ sie nicht zu Wort kommen.
"Jeder hat das gleiche Recht wenn es um eine Reiterprüfung geht Sina Svit Cona." legte Saphiras Reiter vielsagend fest und deutete ebenfalls auf das Drachenei.
Die weibliche Elfe schlug kurz die Augen nieder, lächelte und trat dann vor das Drachenei. Ihre Fingerspitzen hatten die makellose Oberfläche kaum berührt als das Bewusstsein des ungeborenen Kückens vor freudiger Gewissheit geradezu explodierte. Sofort zeigten sich Risse in der Schale und unter Sina staunenden Augen brach schließlich die linke Seite des Eis auf. Ein glänzender Flügel lugte aus der Öffnung und unter seinen flatternden Schlägen geriet das Drachenei gefährlich ins schwanken. Instinktiv trat Sina einen Schritt vor um das Ei festzuhalten. Sie ergriff es an beiden Enden, sprang dann aber mit einem Schmerz erfüllten Schrei zurück. Der Flügel hatte ihre rechte Hand gestreift und sofort begann sich das silberne Mal der Drachenreiter auszuprägen.
Erneut überschlugen sich die Ereignisse als das Ei nun mit einem lauten krachen aufplatzte und der neugeborene junge Drache die Reste seiner schützenden Hülle über den ganzen Tisch verstreute.
Abstimmen nicht vergessen;)
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Eragon-OS-Sammlung
FantasyDiese One-shot Sammlung von Eragon gehört nicht mir. Ich habe sie nur auf ff.de gefunden der eigentliche Autor heißt auf ff.de Traeumer. Die One-shots beziehen sich auf seine Eragon Fortsetzungen. (Man kann die Geschichte auch auf Fanfaction.de lese...
