148. Der Streit III

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Veröffentlicht am 31.12.2020

TABEA
Ich schreibe Berichte und lenke mich damit ab. Ich vergesse dabei die Zeit, so dass ich mich erschrecke, als um 22 Uhr plötzlich Dr. Oliver Dreyer im Raum steht.

Oliver:"Entschuldige, ich wollte dich nicht erschrecken. Ich dachte, du wärst schon längst zuhause."
Ich:"Ich hab die Zeit vergessen."
Oliver:"Dann mal los. Du wirst vermutlich schon erwartet."
Ich:"Vielleicht. Vermutlich schläft ein Teil auch schon."
Oliver schaut auf seine Armbanduhr:"Vernünftig wäre es um diese Uhrzeit."
Ich:"Was machst du denn noch hier?"
Oliver:"Ich hab mit Jannik getauscht und somit 24 Stunden Dienst."
Ich:"Ok."
Ich speicher den Bericht und stelle den Computer aus.

Oliver:"Ich hab übrigens mit Miriam geredet."
Ich schau ihn entsetzt an.
Oliver:"Ich weiß, ihr könnt das alleine klären, aber ich wollte von ihr hören, was sie dazu sagt."
Ich:"Und was sagt sie?"
Oliver:"Dass sie enttäuscht von dir ist. Wobei, ich glaube eher, dass es ihr schwer fällt sich für dich zu freuen. Sie wünscht sich sehr ein Kind und da scheint jede Schwangere ihr aktuell ein Dorn im Auge zu sein. Und bei dir ist es dann nochmal anders, weil ihr sehr gute Freunde seit."
Ich:"Jetzt wohl nicht mehr."
Oliver:"Gib ihr ein bisschen Zeit. Ich hatte das Gefühl, dass sie am Nachdenken war und ich glaube, das Umdenken kommt. Ich habe ihr gesagt, was ich davon halte, wie sie mit dir umgeht."
Ich:"Wie ich dich kenne frei raus."
Oliver:"So ungefähr. Zumindest wirkte sie traurig und nachdenklich." und schaut mich helfend an.
Ich:"Und was schlägst du vor, was ich machen soll?"
Oliver:"Schlaft beide eine Nacht drüber oder auch zwei oder drei und setzt euch dann zusammen und redet. Sag du ihr, wie sich das bei dir anfühlt, als Lügnerin bezeichnet zu werden. Und gib ihr die Chance dir erklären zu können, warum sie das denkt."
Ich:"Das klingt nach einen guten Plan, aber nicht mehr heute."
Oliver:"Heute bringt das auch nichts mehr. Fahr vorsichtig und wir sehen uns die Tage wieder."
Ich:"Das mach ich."

Ich stehe auf. Wie ich stehe merke ich ein Ziehen im Bauch und das mir schwindelig wird.

DR. OLIVER DREYER
Tabea steht auf. Sie fasst mit einer Hand an den Schreibtisch und mit der anderen an ihren Bauch. In ihrer Mimik sehe ich Schmerz. Sofort gehe ich zu ihr und setze sie auf den Stuhl.
Ich:"Was ist los?"
Tabea klimpert mit den Augen. Ihre Hand löst sich vom Bauch.
Ich:"Tabea, hörst du mich?"
Sie nickt.
Ich nehme mein tragbares Telefon und forder Hilfe an.
Ich:"Was ist los? Hast du Schmerzen?"
Tabea schaut zu mir. "Es geht schon. Ich bin zu schnell aufgestanden."
Ich:"Was ist mit dem Bauch?"
Tabea:"Nichts. Ich hab einfach zu lange gesessen."

Die Tür öffnet sich. Schwester Nancy und Dr. Miriam Dietz kommen rein.

DR. MIRIAM DIETZ
Oliver hat um Hilfe gebeten. Als ich in den Raum komme, wo mehrere Computer für uns Ärzte stehen, sehe ich, wie Tabea vorm Schreibtisch auf einem Stuhl sitzt. Sie ist blass. Oliver hockt vor ihr.
Ich:"Was ist passiert?"
Oliver:"Sie ist aufgestanden und hat sich an den Bauch gefasst. Ich hab sie wieder hingesetzt. Anfangs benommen, jetzt scheinbar klar."
Ich:"Ok. Hallo Tabea. Wie geht es dir?"
Tabea:"Gut."
Ich:"Schau bitte auf meine Nase."
Sie macht es.
Ich:"Pupillen sind isokor. Hast du Schmerzen?"
Tabea:"Nein."
Ich:"Hattest du Schmerzen?"
Tabea:"Das kam vom langen Sitzen. Es ist alles ok."
Ich:"Wo hattest du Schmerzen?"
Tabea:"Das ist doch egal."
Ich:"Du bist schwanger, da sind Schmerzen im Bauch nicht egal. Und auch ohne Schwangerschaft wäre es nicht egal. Also wo hattest du Schmerzen?" Ich merke, dass ich ernst mit ihr spreche.
Tabea:"Im Bauch. Es war nur ganz kurz."
Ich:"Wie fühlte es sich an? Stechen,dumpf, Ziehen?
Tabea:"Eher Ziehen. Aber es ist schon weg."
Ich:"Hattest du noch andere Symptome dazu? Übelkeit, Schwindel oder irgendwas?"
Tabea:"Ja, Schwindel."
Ich:"Ok. Sie geht zur Gynäkologie. Ich rufe Saskia an."

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt