108. 3 Verletzte auf einmal

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Veröffentlicht am 17.02.2020

FREDERIK
Es ist Donnerstag.

Da Emmas Hort wegen Krankheit der Erzieher heute und morgen geschlossen hat, holt heute Lucy sie um 13 Uhr von der Schule ab. Glücklicherweise passt das mit ihrem Uniplan gut, denn ich wüsste nicht, wie ich es mir einrichten soll, weil ich nachmittags noch eine OP habe.

Emma war in den letzten beiden Tagen stundenweise zu Besuch in der 3.Klasse. Ich merke, dass sie am nachdenken ist, denn einerseits gefällt es ihr dort gut, besonders wegen dem Lernen, andererseits möchte sie nicht ohne ihre Freunde sein. Es klingt komisch, aber ich freue mich darüber, dass Emma so denkt, denn wenn ich 1,5 Jahre zurück denke, da hatte sie keine Freunde. Und nun überlegt sie, ob sie deshalb nicht die Klasse wechseln soll. Ich weiß nicht, was ich in der Situation machen würde. Ich versuche abends mit ihr darüber zu sprechen, doch sie möchte das nicht. Mute ich ihr zu viel zu? Für mich steht fest, wenn sie mir nicht sagt, dass sie dort hin möchte, dann bleibt es so wie es ist. Vielleicht wäre das auch besser, denn wer weiß, ob sie gut in der 3.Klasse mitkommt?

LUCY
13 Uhr, die Schulglocke läutet. Emma kommt aus der Schule raus. Ich warte vor dem Tor auf sie. Sie kommt freudestrahlend zu mir gelaufen.
Emma:"Lucy." und umarmt mich um meinen Bauch. Ich umarme sie auch, so gut es geht.
Emma:"Ich freue mich, weil du mich abholst."
Ich:"Ich freue mich auch."
Emma:"Gehen wir Carlotta abholen?"
Ich:"Später. Erstmal gehen wir nach Hause, essen was, machen Hausaufgaben und dann holen wir sie ab."
Emma:"Das dauert noch."
Ich:"Gerade schläft sie noch."
Emma:"Ok." und geht los.
Zu Fuß gehen wir nach Hause. Unterwegs erzählt sie mir was sie heute alles in der Schule gemacht hat. Sie spricht die ganze Zeit.

Als wir zu Hause ankommen sehe ich das Licht im Haus an ist.
Ich:"Hab ich das Licht angelassen?"
Emma zuckt mit den Schultern.
Ich:"Und wenn. Nicht schlimm."

Wir gehen rein. Ich höre Geräusche.
Ich:"Zieh du Schuhe und Jacke aus. Ich schau mal wer noch zu Hause ist" und gehe den Geräuschen entgegen, bis ich in der Küche ankomme. "Lennox. Was machst du hier?"
Lennox (15):"Essen machen."
Ich:"Warum bist du nicht in der Betreuung?"
Lennox:"Kein Bock."
Ich:"Wissen Mama und Papa das?"
Lennox:"Nein. Und bevor du weiter fragst, warum geht der Herd nicht an?"
Ich:"Deshalb" und drücke zwei Knöpfe. "Die Kindersicherung war noch drin."
Lennox:"Seit wann hat der Herd sowas?"
Ich:"Seitdem Carlotta laufen kann. Was wird das eigentlich wenn es fertig ist?"
Lennox:"Essen."
Ich:"Da steht Eintopf."
Lennox:"Den esse ich nicht."
Ich:"Oh doch. Den habe ich extra für uns alle gekocht."
Lennox:"Du weißt, dass ich das nicht esse."
Ich:"Weil zu gesund, ich weiß."
Lennox:"Ich mach mir Nudeln."
Ich:"Und brennst dabei das Haus ab."
Er schaut mich fragend an.
Ich:"Wenn du dir schon unbedingt Nudeln kochen musst, dann tu vorher bitte Wasser in den Topf. Sonst werden die nie weich."
Lennox:"Das hätte ich noch gemacht."
Ich:"Wer's glaubt."

Emma steht inzwischen in der Küche.
Lennox:"Emma. Was machst du hier?"
Ich:"Sie ist heute nachmittag bei uns, weil der Hort zu hat."
Lennox:"Stimmt ja, die sind alle krank." und schaut Emma an. "Und du bist gesund?"
Emma:"Ja."
Lennox:"Sicher?"
Ich:"Ja Lennox. Sonst wäre sie nicht in der Schule gewesen."
Lennox:"Ich möchte nicht krank werden. Ich geh lieber in mein Zimmer." und geht zur Treppe.
Ich rufe zu ihm:"Was ist mit den Nudeln?"
Lennox:"Kein Hunger mehr." und geht hoch.
Ich:"Die wären eh nie fertig geworden ohne Wasser drin." und kippe sie zurück in eine Box.
Emma grinst. "Irgendwann lernt er kochen."
Ich:"Irgendwann ja. Und nimm es nicht so ernst mit dem krank werden von ihm. Der ist zurzeit in einer Phase."
Emma:"Welche Phase?"
Ich überlege kurz. "Autonomie. Angst vor allem und zeitgleich alles selber machen wollen."
Emma lacht.
Ich:"Wir zwei essen jetzt was, wobei erst ziehe ich Jacke und Schuhe aus."

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt