Veröffentlicht am 17.09.2019
CHARLOTTE
Es ist Mitte Oktober. Drei Wochen sind seit dem Unfall vergangen. Fünf Tage nach dem Unfall durften Klara und ich nach Hause.
Klara ist jetzt 6 Wochen.
Seit 2,5 Wochen stille ich sie wieder. Vorher durfte ich es wegen den Medikamenten, die ich bekommen habe, nicht. Die 4 Tage hat sie die Flasche bekommen.
Sie ist viel an meiner Brust, braucht lange zum Trinken und schläft oft nach einer halben Stunde ein. Wenn ich sie dann ablege wacht sie auf und schreit. Schreien, das kann sie sowieso gut. Ob am Tag oder in der Nacht. Schlafen mag sie überhaupt nicht. Da ist sie ganz anders wie Emma, welche bis heute meist gut schläft. Und besonders als Baby das gut machte. Ich denke mir, mit der Zeit wird das auch bei Klara besser werden.
Frederik unterstützt mich so gut er kann. Er hatte nur zwei Wochen Urlaub nach der Geburt.
Mir geht es soweit gut. Es ist alles anders als bei Emma. Ich laufe hin und her, mache den Haushalt und kümmer mich um die Kinder. Ich möchte Frederik entlasten. Ich merke, dass er Stress auf der Arbeit hat. Auch wenn Lisa es mir anbietet, ich möchte nicht, dass sie täglich nachmittags Emma abholt, mit ihr zum Spielplatz geht oder mit Klara spazieren schiebt. Ich möchte das selber machen und es fühlt sich gut an, dass zu können.
Einmal in der Woche kommt Hebamme Hilde vorbei. Ich kenne sie gut, weil sie Catharinas Nachbarin ist.
Bei Emma hat sie mich auch schon begleitet. Nur war da alles anders. Umso glücklicher bin ich, es jetzt bewusst miterleben zu können.
Es ist Montag. Ich hole Emma um 15:30 Uhr von der Kita ab. Klara ist im Maxicosi mit dabei. Ich gehe in die Gruppe. Emma sitzt alleine in der Bauecke und baut mit Bauklötzen. Ihre Erzieherin Ramona kommt auf mich zu.
Ramona:"Hallo Frau Engel."
Ich:"Hallo" und schaue zu Emma. Ich finde es interessant, wie gut sie aus Bauklötzen was bauen kann.
Ramona:"Frau Engel, ich möchte mit ihnen gerne einen Termin zum Elterngespräche vereinbaren. Wann passt es ihnen denn?"
Ich schaue zu ihr. "Ich bin flexibel."
Ramona:"Wie wäre es mit Mittwoch um 15 Uhr?"
Ich:"Ja das geht. Frederik wechselt da auf Frühschicht. Dann kann er auch mit dabei sein."
Ramona:"Das hört sich gut an. Dann notiere ich mir das."
Ramona trägt es sich in ihren Kalender ein.
Ich gehe in der Zeit zu Emma.
Ich:"Hallo Emma."
Emma schaut kurz zu mir und baut dann weiter.
Ich:"Was baust du denn Schönes?"
Emma:"Oss."
Ich:"Ein Schloss. Und wer wohnt da?"
Emma zuckt mit ihren Schultern.
Ich:"Vielleicht du?"
Emma schüttelt den Kopf.
Ich beobachte es noch kurz und sage dann:"Kommst du bitte zum Ende. Wir gehen zum Turnen."
Emma:"Nein."
Ich:"Das Turnen fängt gleich an und da sind auch andere Kinder."
Emma:"Ill nich."
Ich hocke mich zu ihr. "Du turnst doch gerne."
Emma nickt.
Ich:"Und da gehen wir jetzt hin."
Emma baut weiter.
Klara fängt an zu quengeln. Ich wippe ihren Maxicosi ein wenig um sie damit zu beruhigen.
Ich:"Emma bitte. Wir gehen jetzt."
Emma reagiert nicht.
Ich:"Dann geh ich mit Klara. Wir warten in der Garderobe auf dich."
Ich stehe auf.
Plötzlich wirft Emma ihr Schloss um. Wütend steht sie auf, nimmt einen Baustein in die Hand und wirft ihn auf Klara. Sie trifft Klara an der Stirn, welche sofort anfängt zu weinen.
Ich:"Emma!" und hocke mich zu Klara um zu sehen wie ihre Stirn aussieht. Es blutet nicht, aber es wird dick. Ramona kommt mit einem Kühlpäk angelaufen. Ich habe das Baby inzwischen aus dem Maxicosi raus und auf dem Arm genommen und halte jetzt das Kühlpäk an ihr.
Emma schaut mich mit großen Augen an und ich sehe, dass Tränen darin sind.
Ich schaue zu Emma:"Warum hast du das gemacht?"
Emma:"Öse." und rennt in die Garderobe, kniet sich vor die Sitzbank und schlägt mit ihren Händen darauf. Ich gehe zu ihr und höre, dass sie weint. Ramona folgt mir.
Ramona:"Soll ich mal Klara nehmen?", welche immer noch jammert, aber nicht mehr weint.
Ich nicke und gebe ihr sie. Ramona geht mit ihr in den Gruppenraum und kühlt weiter die Stirn.
Ich hocke mich zu Emma. "Emma."
Sie reagiert nicht.
Ich:"Emma."
Sie reagiert wieder nicht.
Ich packe sie an ihre Oberarme und verhinder damit, dass sie weiter auf die Bank schlagen kann. Emma dreht sich um und schlägt wütend auf mich ein. Ich halte ihre Oberarme fest und drücke sie ein wenig von mir weg. Ich möchte nicht von ihr gehauen werden.
Emma:"Nein. Nein. Nein." und schlägt dabei um sich. Nach einer Weile beruhigt sie sich und lässt sich in meine Arme fallen. Ich halte sie fest und drücke sie an mich. Ich merke, wie sie sich beruhigt. Ich knie inzwischen und setze sie darauf. Emma schaut zu mir.
Ich:"Was ist los Emma?"
Emma:"Nich une. Nich Aa. Emma öse."
Ich:"Du bist nicht böse. Du darfst aber Klara nicht abwerfen."
Emma schüttelt den Kopf. "Ill nich."
Ich:"Du hast es aber gemacht und das tut ihr weh."
Emma nickt. "Aua."
Ich:"Ja, da" und zeige auf meine Stirn.
Emma:"Nich u. Emma uie. Emma nich ache."
Ich:"Das darfst du nicht machen. Du kannst mit mir reden."
Emma nickt.
Ich:"Wenn du nicht zum Turnen möchtest kannst du das sagen."
Emma nickt wieder.
Ich:"Warum möchtest du denn nicht zum Turnen?"
Emma hält sich due Ohren zu. "Au "
Ich:"Es ist dir zu laut?"
Emma:"Ja."
Ich:"Aber du turnst doch so gerne."
Emma:"Ja. Ue au."
Ich:"Und die anderen Kinder sind auch da."
Emma:"Nich iele. Emma mag nich."
Ich streichel ihr über den Rücken. "Du musst das auch nicht. Wir fahren jetzt nach Hause."
Emma nickt und steht auf. "Aa?"
Ich:"Klara ist bei Ramona."
Emma nimmt meine Hand. Ich stehe auf und sie zieht mich in die Gruppe. Ramona sitzt dort mit Klara auf einem Stuhl, welche sich beruhigt hat.
Emma geht zu ihr hin und streichelt ihr über den Bauch. "Uie Aa."
Ich nehme Ramona Klara ab. "Danke."
Ich lege sie in den Maxicosi, ziehe dann Emma an und wir fahren nach Hause.
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
