50. Vor Gericht

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Veröffentlicht am 15.06.2019

CHARLOTTE
Es ist Mitte Juni.

Vor 8 Wochen wurde ich in der Klinik von Mats Hersch und Jonathan Julz festgehalten.
Die Bilder davon sind immer noch präsent.

Frederik merkt das auch, denn ich mit ihm nicht intim werden kann. Wenn er mich bsp. an die Brüste fasst, dann kommen die Bilder hoch. Ich atme dann schneller und werde innerlich unruhig. Frederik merkt das sofort und hört dann auf.
Er ist fürsorglich zu mir und wartet. Auch wenn ich merke, dass er gerne mit mir intim werden möchte; für mich verzichtet er darauf.

Wegen der Situation bin ich bereits bei der Psychologin in der Klinik gewesen. Sie sagt, dass das normal ist und vermutlich erst das Verfahren beendet sein muss, bis es mir besser geht.

Vor das Verfahren habe ich Angst. Ich habe Angst davor, die beiden Männer wiederzusehen.

Heute ist das Verfahren.

Um 10 Uhr fängt es an. Ich sitze vor der Tür des Saales und warte. Dr. Miriam Dietz, Dr. Oliver Dreyer und meine Cousine Dr. Catharina Engel sind als Zeugen geladen und warten auch dort.
Frederik ist auch mitgekommen und sitzt neben mir.

Ich bin aufgeregt und kann nichts sagen. In meinem Kopf kreisen die Bilder der Tat herum.
Frederik hat einen Arm um mich gelegt und ich habe meinen Kopf auf seine Schulter gelegt.

Nach 20 Minuten ertönt eine Lautsprecherdurchsage. "Frau Dr.Charlotte Engel bitte."

Ich stehe auf und gehe in den Sitzungssaal.

Alexander Hold ist der Richter.
Der Staatsanwalt ist Stephan Lucas.
Der Anwalt von Mats Hersch ist Christian Vorländer.
Die Anwältin von Jonathan Julz ist Benita Brückner.

Ich gehe zum Stuhl mit Tisch in der Mitte des Saales.
Hold:"Gutentag Frau Dr. Engel. Nehmen Sie bitte Platz."
Ich setze mich hin.
Hold:"Zuerst komme ich zu ihren Personalien. Dr. Charlotte Engel. Wohnsitz in Erfstadt. Beruf Ärztin. Nicht verwandt oder verschwägert mit den Angeklagten."
Ich:"Das stimmt."
Hold:"Wir sind hier vor Gericht. Alles was Sie aussagen muss der Wahrheit entsprechen. Wir halten uns es vor, Sie bei Bedarf zu vereidigen. Haben Sie das verstanden?"
Ich:"Ja."

Hold:"Wir sind heute hier um über das zu sprechen, was am 17.4. in der Klinik am Südring passiert ist. Schildern Sie uns das bitte aus ihrer Sicht."
Ich schaue kurz zu Mats und Jonathan. Mats schaut mich böse an. Seine Faust ist geballt. Jonathan schaut auf seinen Tisch. Dann schaue ich wieder zum Richter.
Ich:"Ich wurde in den Behandlungsraum geschickt, weil dort nach mir gefragt wurde. Ich bin dann dort hin. Herr Hersch und Herr Julz waren dort. Herr Hersch gab Bauchschmerzen an. Ich habe ihn dann untersucht, indem ich ihn abgetastet und abgehört habe. Leider war er nicht kooperativ, so dass er mir nicht sagen wollte, was er gegessen hat oder wo genau der Schmerz ist und ob er stechend oder druckhaft ist. Er sagte die ganze Zeit, dass ich mich um ihn kümmern soll. Ich habe dann versucht über Herr Julz an Informationen zu kommen, aber Herr Hersch hat dazwischen gesprochen. Ich habe dann ein Ultraschall gemacht um die Ursache für die Schmerzen zu finden." Ich stocke.
Vorländer:"Darf ich da kurz schon zwischen gehen?"
Hold:"Ja, Sie dürfen."
Vorländer:"Haben Sie die beiden Männer erkannt?"
Ich:"Ja."
Vorländer:"Ist es dann nicht so, dass Sie hätten die Behandlung ablehnen können?"
Ich:"Ja."
Vorländer:"Warum haben Sie das nicht gemacht?"
Ich:"Weil ich nicht davon ausgegangen bin, dass Herr Hersch simuliert und die beiden was anderes geplant haben."

Ich schaue zu Richter Hold.
Hold:"Erzählen Sie bitte weiter. Was ist beim Ultraschall gewesen?"
Ich:"Ich habe nichts feststellen können. Zuletzt habe ich die Blase geschallt. Dafür musste ich ein paar Zentimeter in seine Hose gehen. Das habe ich ihm auch gesagt und er war einverstanden. Ich habe es dann geschallt und dabei hat Herr Hersch plötzlich meine Hand festgehalten. Ich habe ihm gesagt, dass er mich loslassen soll und wollte mich mit der anderen Hand befreien. Da hat mich Herr Julz festgehalten. Ich habe geschrien und Herr Julz hat mir den Mund zugehalten. Ich habe versucht mich zu wehren, aber das ging nicht." Ich höre auf zu sprechen.
Hold:"Was ist dann passiert?"
Ich:"Herr Hersch hat mir den Handschuh ausgezogen und meine Hand über sein Genital gestreicht. Er ist dabei errregt worden und hatte einen Orgasmus und hat das Sperma in meine Hand gespritzt. Es war einfach nur eklig." und stocke kurz. "Er hat danach mir an die Brüste gefasst und ist unter mein Tshirt gegangen. Ich wollte das nicht."
Ich schaue kurz zu Jonathan und sehe, wie er immer noch auf seinen Tisch schaut.
Hold:"Sie haben sich befreien können. Wie gelang Ihnen das?"
Ich:"Es wurde auf dem Flur laut und Herr Hersch hat dann von mir abgelassen. Er hat sich die Hose hochgezogen und ist aufgestanden. Er hat dann zu mir gesagt, dass er wieder kommt und dass er es geil findet und dass ich nichts sagen darf, denn dann würden sie zu meiner süßen Tochter gehen und ihr was antun und ob sie auch so geil wäre wie ich."
Brückner:"Wer hat das gesagt? Herr Hersch oder Herr Julz?"
Ich schaue die Anwältin Brückner an. "Herr Hersch."
Brückner:"Hat Herr Julz auch was gesagt?"
Ich denke nach. "Da nicht. Er hat nur, als er mich festgehalten hat, einmal gesagt, wenn ich ruhig bleibe passiert nichts oder so in der Art."
Brückner:"Das heißt, er hat Ihnen nicht gedroht?"
Ich:"Nein."
Lucas:"Wann hat Herr Julz Sie losgelassen?"
Ich:"Nachdem Herr Hersch mir gedroht hat. Er ist dann zur Tür gegangen und dann hat Herr Julz mich losgelassen und ist auch gegangen."
Vorländer:"Und was haben Sie dann gemacht?"
Ich:"Ich war völlig perplex und erstarrt und dann hatte ich das Bedürfnis mir die Hände waschen zu müssen. Es fühlte sich alles so schmutzig an."

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt