Veröffentlicht am 08.07.2019
CHARLOTTE
Es ist Ende April.
Ich bin in der 22SSW.
Bei meiner Gynäkologin bin ich immer noch nicht gewesen. Auch wenn ich weiß, dass es dem Baby beim letzten Ultraschall in der Klinik gut ging, ich möchte da nicht hin. Irgendwas hält mich davon ab.
Zudem habe ich auf der Arbeit gut zu tun und dann ist da noch Emma, mit der ich auch Zeit verbringen möchte.
Seit ca. einer Woche habe ich immer Durst und fühle mich täglich müder als sonst. Und dabei schlafe ich mind. 10 Stunden in der Nacht und das sehr gut.
Frederik sagt zu mir, dass er zurzeit neben mir bohren kann und ich weiter schlafe.
Einzig Emma höre ich nachts und werde davon wach. Allerdings fühle ich mich so müde, so dass Frederik zu ihr geht, wenn er da ist.
Morgens quäle ich mich hoch.
Bei Emma und Oskars Schwangerschaft war ich nie so müde.
Ich trinke oft und viel. Ich habe teilweise das Gefühl zu verdursten, obwohl ich genau weiß, dass das nicht so ist. Entsprechend oft muss ich zur Toilette. Vermutlich drückt die Kleine genau auf Magen und Blase. Hoffentlich ändert sie nochmal ihre Lage, denn noch 18 Wochen in dem Zustand, das brauche ich nicht.
Besonders wenn ich was gegessen habe bin ich müde. Daher esse ich bei der Arbeit weniger, um das zu vermeiden. Ich weiß, dass das nicht gut ist, aber noch müder zu sein als eh schon, das brauche ich nicht.
Ich mache Visite auf der Station.
Um 10 Uhr treffen wir uns im Ärztezimmer, weil Dr. Oliver Dreyer Geburtstag hat. Sehr viele Ärzte sind dort.
Oliver holt einen Kuchen aus dem Kühlschrank.
Oliver:"Ich habe Kuchen mitgebracht."
Dr. Debbie Fischer:"Gebacken von deiner Frau?"
Oliver:"Nein von mir."
Debbie grinst:"Hast du den schon probiert?"
Oliver:"Nein. Dann wäre er nicht mehr ganz."
Debbie schaut skeptisch.
Oliver:"Ich kann gut Kuchen backen."
Debbie nickt. "Ich erinner mich an den Muskatkuchen."
Oliver:"Ja der. Da habe ich die Zutaten vertauscht. Diesmal nicht."
Er tut allen ein Stück Kuchen auf einen Teller und verteilt es.
Einerseits mag ich gerne Kuchen, andererseits habe ich keine Lust auf Müdigkeit. Allerdings habe ich heute noch nichts gegessen und habe Hunger. Daher freue ich mich darauf.
Gemeinsam essen wir den Kuchen, welcher sehr gut schmeckt.
Debbie:"Der schmeckt wirklich sehr gut. Kompliment an den Bäcker."
Oliver grinst:"Danke."
Nach einer Zeit löst sich die Gruppe auf. Ich gehe wieder auf Station und führe verschiedene Untersuchungen an Patienten durch.
Wie vermutet kommt eine Müdigkeit hoch, welche ich aber wegen der ganzen Arbeit gut wegstecke.
Um 12 Uhr mache ich eine Pause, weil die Patienten Mittagessen. Ich fange an im Arztbüro auf der Station Berichte zu schreiben. Mir fällt es schwer mich darauf zu konzentrieren.
Obwohl ich zwischen den Untersuchungen Wasser getrunken habe, habe ich immer noch Durst. Also trinke ich erstmal was. Meine Wasserflasche ist dann auch leer.
Ich versuche weiter Berichte zu schreiben, doch der Durst ist noch da und weil mir ein wenig übel wird mache ich mich auf den Weg ins Schwesternzimmer, um meine Flasche mit Wasser zu füllen.
Ich gehe dort hin. Die Übelkeit bleibt, es kommt Schwindel hinzu. Ich bleibe stehen und halte mich an der Wand fest. Was ist nur los mit mir? So schlimm war es noch nie. Zudem fühle ich mich so müde. Das kann doch gar nicht sein.
DR. MIRIAM DIETZ
Ich bin heute mit Charlotte auf einer Station tätig.
Gerade komme ich aus dem OP und möchte zum Schwesternzimmer gehen, als ich sehe, wie Charlotte auf dem Flur steht und sich an der Wand festhält. Sie schaut auf den Boden.
Mit schnellen Schritten gehe ich zu ihr.
Ich:"Hallo Charlotte. Ist alles ok bei dir?"
Charlotte schaut mich an. Ich sehe, wie blass sie ist. Ich lege eine Hand auf ihre Stirn. Sie ist kaltschweißig. Ich fasse sie an den Armen an.
Ich:"Was ist los?"
Charlotte:"Mir ist gerade nicht gut."
Ich:"Das sehe ich" und rufe laut :"Ich brauche Hilfe. Eine Schwester."
Aus dem Schwesternzimmer kommen Schwester Selvia und Schwester Stefanie raus.
Ich rufe zu ihnen:"Rollstuhl."
Stefanie holt einen.
Selvia kommt zu mir. "Was ist los?"
Ich:"Charlotte geht es nicht gut."
Da kommt auch schon Stefanie. Ich stütze Charlotte in den Rollstuhl und Stefanie fährt sie zum Behandlungsraum.
Ich sage zu Selvia:"Ruf du in der Gynäkologie an. Ich brauche davon jemanden hier."
Selvia:"Das mach ich."
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
