126. Aussprache

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Veröffentlicht am 03.05.2020

TABEA
Es ist Anfang Dezember.

Seit 2 Wochen haben wir keine Küche mehr. Ich sehne den Tag herbei, wo sie wieder kommt, denn zwei Haushalte und eine Küche, das ist gar nicht so einfach. Besonders nicht, weil Frederik und ich im Schichtdienst tätig sind. Da sind wir auch mal um 5 Uhr in der Küche oder um Mitternacht. Frederiks Eltern schlafen da schon/noch. Doch seiner Mutter möchte alles für uns in der Küche machen und steht dann extra auf. Das ist mir unangenehm, weil sie für mich bzw. Frederik ihren Schlaf unterbricht. Auf Dauer ist das nicht gesund.

Emma findet es toll, dass wir uns die Küche teilen. Sie genießt es, dass die Familie dadurch mehr zusammen ist.
Seine Mutter kümmert sich sehr gut um uns. Ich habe das Gefühl, dass Frederik es gut findet bewirtet zu werden, wobei er auch schon sagte, dass er gerne mal alleine wieder essen möchte. Das würde ich auch gerne.

Ich komme um 18 Uhr nach Hause. Ich höre Stimmen aus der Küche von Frederiks Eltern. Ich gehe dort hin.
Seine Eltern, Frederik und Emma sitzen am Tisch und essen. Es gibt warmes Essen: Braten mit Kartoffeln, Soße und Salat.
Ich:"Hallo."
Alle: "Hallo."
Helga:"Hallo Tabea. Setz dich zu uns.", steht auf und stellt ein Teller, Besteck und Glas für mich auf den Tisch. Ich setze mich dahin und mir was vom Essen.
Frederik:"Das Küchenstudio hat angerufen. Die Küche kommt erst in zwei Wochen."
Ich:"Nee oder?"
Frederiks Blick sagt doch.
Helga: "Ihr könnt so lange unsere Küche mit nutzen."
Frederik:"Super. Was würden wir nur ohne euch machen."
Ich:"Allerdings unterstützen wir dich. Wir werden auch mal kochen."
Helga:"Das müsst ihr nicht. Ich mach das gerne."
Ich:"Ich weiß. Trotzdem helfen wir gerne. Du musst nicht alles für uns machen. Ich kann auch kochen."
Helga:"Ja, aber der Frederik isst so gerne den Braten von mir."
Ich:"Das kann er auch, aber nicht jeden Tag. Zu viel Fett ist nicht gesund. Besonders nicht bei seinem Herz."
Helga:"Das weiß ich, aber das bisschen Fett schadet nicht."
Ich:"Es wird empfohlen nur 2-3mal die Woche fettiges Fleisch zu essen. Frederik isst es täglich, zum Teil sogar zweimal täglich."
Helga:"Und mag es. Und deshalb werde ich es ihm auch weiterhin machen."
Ich:"Ich sage nicht, dass du ihm das nicht machen sollst, nur nicht täglich."
Helga schaut mich ernst an. "Ich weiß, was meinem Sohn gut tut. Und das Essen von mir tut ihm gut."
Ich:"Ich weiß, dass du nur das Beste für ihn möchtest. Das will ich auch."
Helga:"Mm."
Frederik:"Können wir bitte in Ruhe essen?"
Emma:"Kein Streit beim Essen. Oma weiß was Papa darf!"
Ich schlucke fest und sage nichts mehr. Ich möchte keinen Streit.

Ich bin dankbar, dass ich seit 2 Monaten kostenlos hier wohnen darf. Seitdem füge ich mich ein, was mit Frederik und Emma gut klappt und ich kann da auch sagen, was ich denke. Bei Helga habe ich mich bis jetzt zurück gehalten. Ich möchte ihr helfen, aber sie will das nicht. Andersherum sehe ich, dass sie täglich Braten kocht usw., was für Frederik auf Dauer nicht gut ist. Zudem ist das viel Aufwand, was gar nicht sein müsste.

Als wir mit dem Essem fertig sind helfe ich beim Tisch abräumen, während Frederik, Emma und Karl ins Wohnzimmer gehen.
Helga:"Du brauchst mir nicht helfen."
Ich:"Das mach ich doch gern."
Helga:"Du musst das nicht machen."
Ich:"Ich will es aber."
Helga:"Geh doch zu den andern. Ich schaff das schon."
Ich sage ernst:"Ich helfe dir."
Helga schaut mich an. "Wieso machst du das?"
Ich schaue zu ihr. "Weil ich nicht möchte, dass du alles alleine machen machst."
Helga:"Ich mach das gerne."
Ich:"Das kann sein, aber ich kann dir auch helfen, so hast du mehr freie Zeit."
Helga:"Die habe ich noch genug."
Ich:"Wieso lehnst du jede Art von Hilfe ab?"
Helga:"Weil ich das nicht brauche. Das hier ist meine Küche und da mache ich es wie ich es will."
Ich:"Es bleibt auch deine Küche. Ich möchte jedeglich den Tisch abräumen, das Geschirr in die Spülmaschine einräumen und auch mal kochen."
Helga:"Um mir zu sagen, dass ich zu fettig koche. Das brauch ich nicht."
Ich:"Vielleicht hab ich mich da falsch ausgedrückt, aber täglich Braten, das muss nicht sein."
Helga:"Sagt die Ärztin mit 3, 4 Jahren Berufserfahrung?"
Ich schaue sie irritiert an. Was will sie mir damit sagen? Dass ich keine Ahnung habe?

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt