172. Umzug zu Freunden I

153 10 2
                                        

Veröffentlicht am 15.04.2024

TABEA
08.05..
Nach der morgendlichen Visite werde ich entlassen.

Ich packe meine Sachen in den Koffer. Diesen darf ich im Schwesternzimmer abstellen.

Ich gehe zu Leo. Er schläft. Seine Werte sind unverändert.

Dr. Constanze Herzinger kommt ins Zimmer.
Constanze: „Gutenmorgen."
Ich: „Gutenmorgen."
Sie kommt zum Inkubator. „Er schläft." und schaut auf die Monitore und dann zu mir. „Seine Werte sind unverändert. Positiv ist zu sehen, dass er deine Muttermilch über die Sonde gut annimmt. Das wird ihn stärken. Zudem hat er keine Hirnblutungen bekommen, was bei Frühchen öfters vorkommt. Er hält sein Gewicht. Heute haben wir ihn noch nicht gewogen. Vielleicht hat er bis heute auch zugenommen. Bei einem 5 Tage alten Säugling gut möglich. Er macht sich gut und wir sind guter Hoffnung, dass es so bleibt."
Ich: „Das hoffe ich auch. Nur weiß ich, dass es zu jeder Zeit anders kommen kann."
Constanze: „Du bist vom Fach. Das ist nicht immer zum Vorteil."
Ich: „Du meinst, weil ich zu viel weiß?"
Constanze nickt. „Es wird medizinisch alles getan um ihm das beste Outcome zu geben."
Ich streichelt über Leos Bauch.
Constanze: „Ich habe gehört, dass du heute entlassen wirst."
Ich: „Mmh."
Constanze: „Das klingt nicht erfreulich?"
Ich: „Ich wäre gerne mit Leo nach Hause gegangen. Wobei vielleicht ist es zurzeit auch besser, wenn erst ich gehe."
Constanze: „Du meinst wegen der Wohnsituation?"
Ich nicke.
Constanze: „Wo gehst du heute hin?"
Ich: „Cati nimmt mich erstmal auf. Ich hoffe schnell eine Wohnung zu finden."
Constanze: „Ich drücke dir die Daumen."

Die Tür öffnet sich. Dr. Miriam Dietz kommt rein.
Miriam: „Gutenmorgen." und schaut zu mir. „Ich habe erfahren, dass du entlassen wurdest und hier bist. Da wollte ich es mir nicht nehmen lassen dich persönlich zu verabschieden." und kommt zu mir.
Constanze: „Ich lasse euch mal alleine." und verlässt das Zimmer.
Miriam: „Ich wollte sie nicht wegscheuchen."
Ich: „Das hast du nicht. Andere Patienten brauchen sie."
Miriam schaut zu Leo. Sie sieht ihn zum ersten Mal.
Ich: „Das ist er, Leo."
Miriam: „Er schläft", stockt, „ich habe erfahren was passiert ist. Ich kann es nicht fassen, dass Frederik dich verlassen hat. Wenn du möchtest kannst du zu mir kommen?"
Ich: „Das Angebot ist sehr nett. Ich komme erstmal bei Cati unter."
Etwas verärgert sagt sie „ok".
Ich: „Das hat nichts mit dir zu tun. Ich wollte dich heute fragen und Cati kam gestern zu mir und bot an, dass ihr zu ihr kann. Erst habe ich gestockt, weil ich sie nicht in einen Zwiespalt bringen möchte. Aber sie bestand schon fast darauf, dass ich zu ihr ziehe. Ich versuche es jetzt und hoffe schnell eine eigene Wohnung zu finden."
Miriam: „Ok. Wieso hast du dich nicht gemeldet? Ich hätte dich sofort aufgenommen."
Ich: „Du warst weg und ich wollte dich nicht stören."
Miriam: „Das hättest du können. Wobei ich verstehen kann, dass es dir vielleicht schwer fällt. Nach all dem was ich getan habe."
Ich: „Das ist Vergangenheit."
Miriam schaut überrascht. „Ich bewundere, dass du mir das verzeihen kannst."
Ich: „Du hattest deine Gründe." und schaue zu ihr. „In dem Moment wo ich dich brauchte, da warst du da. Da bist du über deinen Schatten gesprungen. Das bedeutet mir sehr viel und zeigt mir, dass ich dir nicht egal bin."
Miriam lächelt. „Weißt du denn wie es weiter geht?"
Ich: „Erstmal ziehe ich ins Gästezimmer zu Cati. Zeitgleich suche ich eine neue Wohnung. Zudem werde ich oft bei Leo sein. Anträge stellen wartet auch noch auf mich. Und bevor ich es vergesse werde ich heute noch meine Sachen aus der Wohnung holen." und atme durch.
Miriam: „Das klingt nach viel. Wo bleibt Zeit zum Ausruhen?"
Ich zucke mit den Schultern.
Miriam: „Du solltest dich nicht überlasten. Es heißt nicht um sonst Wochenbett."
Ich ziehe kurz meine Augenbrauen hoch. „Nur im Bett liegen kann ich nun mal nicht. Das geht allein wegen Leo schon nicht."
Miriam: „Das verstehe ich. Du solltest aber nicht zu viel machen. Kisten packen ist kontraproduktiv. Das kann ich doch für dich machen. Anträge stellen auch."
Ich: „Das ist lieb von dir, dass du das willst. Die Anträge kann ich im Bett ausfüllen. Die Idee mit den Kisten packen klingt gut."
Miriam: „Wie spät soll ich heute da sein zum helfen?"
Ich schaue sie überrascht an.
Miriam: „Du hast vorhin gesagt, dass du heute umziehst."
Ich: „Ja. Irgendwann wenn Cati mich fährt. Sie wollte auch helfen."
Miriam: „Vier Hände sind schneller als zwei."
Ich: „Sechs meinst du."
Miriam: „Du sagst was wir tun sollen und schaust zu."
Ich: „Ich bin nicht krank."
Miriam: „Du hattest vor wenigen Tagen einen Kaiserschnitt. Das ist eine Bauch-OP, nach der man sich schonen muss. Bücken, tragen, heben ist nicht schonen. Ich frage gerne unter den Kollegen nach wer noch helfen kann. Da kommen bestimmt welche zusammen."
Ich: „Das möchte ich nicht. So viele Sachen habe ich auch gar nicht. Das meisten wurden damals beim Wasserschaden zerstört."
Miriam: „Hast du davon was ersetzt bekommen?"
Ich: „Den Zeitwert durch meine Hausratversicherung. Da vieles schon älter war nicht die Menge an Geld. Allerdings besser als nichts."
Miriam: „Das stimmt."

Die Tür öffnet sich. Dr. Catharina Engel und Constanze kommen rein.
Cati: „Gutenmorgen." und kommt zum Inkubator. „Ich habe von Schwester Nancy erfahren, dass du bereits entlassen wurdest und hier bist." und schaut zu Miriam. „Gutenmorgen." und dann zu Leo. „Du hast heute viel Besuch Leo."
Constanze : „Das stimmt. Und da das eigentlich nicht gewollt ist bitte ich darum euch aufzulösen."
Ich: „Das machen wir."
Miriam: „Ich muss sowieso wieder auf Station. Wie spät wollen wir uns zum Umzug treffen?" und schaut zu Cati. „Gemeinsam Kisten packen geht schneller."
Cati: „Ich nehme jede Hilfe dabei an. Robert kommt gegen 14 Uhr nach Hause. Danach wollten wir zur alten Wohnung fahren. Passt das bei dir?"
Miriam: „Das passt sehr gut. Bis später." und verlässt das Zimmer.
Constanze: „Wenn ihr noch Helfer braucht, ich hätte Zeit."
Ich schaue zu Cati mit dem Blick, dass ich das nicht möchte.
Cati: „Ich glaube 3, ich meine 4 Leute, reichen. So viele Sachen sind es auch nicht, glaube ich."
Constanze: „Falls doch, ihr habt meine Nummer und könnt anrufen. „
Cati: „Das machen wir." und schaut zu mir. „Und wir fahren jetzt zu deinem neuen zu Hause. Da kannst du dich erstmal ausruhen bevor es zum Umzug kommt."
Ich: „Ok.", streichel ein letztes Mal über Leo seinen Bauch. Ich nehme meine Hände aus den Öffnungen des Inkubators und schließe die Klappen. „Vielleicht komme ich später nochmal wieder. Mit eigenen Auto bin ich mobiler."
Cati: „Wir schauen mal, ob das alles klappt."
Gemeinsam verlassen wir das Zimmer.
Cati und ich verlassen die Station.

Wir holen meine Sachen aus dem Schwesternzimmer und fahren zu Cati.
Cati zeigt mir das Gästezimmer im 1. Obergeschoss.
Cati: „Das ist dein Zimmer. Wenn du möchtest kannst du das nebenan auch nutzen. Lucy wohnt jetzt im Dachgeschoss."
Ich: „Ein Zimmer reicht mir."
Cati: „Ok. Ein Bad ist auch hier, sowie Lennox Zimmer. Robert und ich schlafen unten. Nachdem wir letztes Jahr dem Wintergarten umgebaut haben sind wir dort. Unten ist auch ein Arbeitszimmer. Die Waschmaschine und der Trockner stehen im Keller und darfst du mit nutzen. Ansonsten freien Zugang zur Küche und Wohnzimmer und auch dem Badezimmer unten. Einen Garten haben wir übrigens auch. Da triffst du tagsüber oft Carlotta an und abends Erwachsene beim Glas Wein oder Wasser. Schau dich in Ruhe um und wenn du Fragen hast kannst du die jeden stellen."
Ich: „Ok. Das klingt nach einem großen Haus."
Cati: „Ja. Das war nicht immer so. Mit Ausbau des Dachgeschosses und Umbau des Wintergartens kamen Räume dazu."
Ich: „Somit hat Lennox auch eine Etage für sich."
Cati: „Wie man es nimmt. Er nutzt gerne noch Mamas Hilfe. Wobei sein Zimmer muss er inzwischen alleine sauber halten."
Ich: „Bei allem anderen helfe ich."
Cati: „Erstmal erholst du dich vom Kaiserschnitt und über einen Putzplan können wir in ein paar Wochen gerne sprechen."
Ich: „Ok."
Cati: „Ich gebe dir jetzt erstmal Zeit zum ankommen. Um 13:30 Uhr kommt Lucy nach Hause. Wir wollen zusammen Mittagessen. Du bist herzlich dazu eingeladen. Bis später." und verlässt das Zimmer.

Ich schaue mich um. Das ist jetzt mein Zimmer. Mein Zuhause auf Zeit.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt