128. Entscheidungen treffen

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Veröffentlicht am 14.05.2020

FREDERIK
Es ist Mitte Februar.

Tabea hat sich noch nicht entschieden ob sie bleibt oder nicht. Ich wäre traurig, wenn sie geht. Aufhalten kann ich sie nicht. Vielleicht braucht sie nochmal den Abstand um zu merken, dass sie zu uns gehört. Ich gebe ihr den.

Lennox hat sich bei Emma entschuldigt. Die beiden verstehen sich weiterhin gut. Robert und Cati haben ernste Worte mit Lennox gesprochen. Er hat ihnen versprochen sowas nicht nochmal zu machen.

Ich habe mit Emma gesprochen, dass sie mir immer alles erzählen kann. Ob sie es wirklich macht? Ich glaube, ich muss ihr mehr Freiraum geben. Sie ist erst 7, aber von der Kognition her bei 10. In der Schule beteiligt sie sich wieder am Unterricht.
Dass sie die Matheaufgaben von Lennox aus der 12.Klasse so gut lösen konnte brachte mich zum Nachdenken. Ist sie vielleicht in der Schule unterfordert? Ich habe mit ihrer Klassenlehrerin, Frau Fara, gesprochen, welche sagte, dass sie kognitiv sehr weit ist und in fast allen Fächern auf 1 steht. Das spiegelt auch ihr Halbjahreszeugnis wieder. Allerdings würde man im Praktischen sehen, dass sie jünger ist, wie im Sport oder beim Werken, wo ihr Kraft fehlt. Das sei kein Grund zur Sorge und die Gymnasialenpfehlung hat sie, aber man sollte es nicht außer Betracht lassen. Sie hat Freunde, ist aufgeblüht seitdem sie in der Klasse ist. Frau Fara sprach von sich aus an, dass sie in der Klassenkonferenz überlegt haben, ob ein vorzeitiger Wechsel auf das Gymnasium gut wäre. Sie waren sich unschlüssig, denn kognitiv ist sie soweit, aber sozial ist sie jetzt erst richtig angekommen. Soll man sie wirklich wieder da raus nehmen? Zudem sagt Emma nicht, dass ihr langweilig sei, sondern nur, dass alles einfach ist. Zusätzliche Aufgaben bekommt sie schon länger um Zeit zu überbrücken. Sie überließ mir die Entscheidung.
Ich bin unentschlossen. Ich möchte sie nicht überfordern, aber auch nicht, dass sie sich langweilt.

Es ist Montag und heute steht die Anmeldung am Gymnasium an. Deshalb hole ich Emma um 15 Uhr vom Hort ab. Vorab habe ich einen Termin am Gymnasium ausgemacht. Im 10-Minuten-Takt ist man beim Direktor.

Wir kommen dort an. Lachend nimmt Emma mich an die Hand und geht mit mir in die Schule. Im Foyer bleibt sie stehen und schaut sich um.
Emma:"Boah ist das groß."
Ich:"Oh ja. Es ist noch größer wie bei mir damals." und schau mich um.
Emma:"Komm, lass uns zum Direktor gehen."
Wir gehen dort hin. Auf einem Zettel steht, dass man bei den Stühlen warten soll.

Beine baumelnd sitzt Emma auf dem Stuhl.
Emma:"Wann sind wir dran?"
Ich schaue auf meine Armbanduhr. "In 3 Minuten."
Emma:"Ok."
Da öffnet sich schon die Tür und eine Elternpaar kommt mit ihrem Sohn raus.

Eine Dame kommt hinterher. "Emma Engel bitte."
Emma und ich stehen auf. Sie nimmt mich an die Hand und geht zu der Frau.
Dame:"Du bist Emma?"
Emma:"Ja."
Sie schaut zu mir. "Haben Sie sich vielleicht versehen? Wir sind ein Gymnasium. Ihre Tochter muss zur Grundschule."
Ich:"Nein. Sie ist jetzt in der 4. und kommt im Sommer in die 5.Klasse."
Dame:"Dafür sieht sie aber sehr jung aus."

Ein Mann kommt auf uns zu.
Mann:"Hallo. Sech mein Name. Kommen sie doch rein."
Wir folgen ihm. Die Dame auch.
Mann:"Nehmen sie bitte Platz."
Emma und ich setzen uns nebeneinander an den Tisch. Der Direktor und die Frau sitzen uns gegenüber.
Mann:"Das ist meine Sekretärin. Damit ich nicht zeitgleich schreiben muss macht sie das für mich. Und wer bist du?" und schaut zu Emma.
Emma:"Ich bin Emma."
Der Mann und schaut auf einen Zettel, welcher vor ihm liegt. Ich merke, dass es das Anmeldeformular ist, welches ich vor ein paar Tagen hier hin geschickt habe.
Mann:"Und du bist jetzt in der 4.Klasse."
Emma:"Ja."
Mann:"Welche Fächer magst du denn besonders gerne?"
Emma:"Mathe und Sachunterricht. Deutsch finde ich auch gut und ein bisschen Englisch kann ich auch schon."
Mann:"Was gefällt dir denn so gut an Mathe und Sachunterricht?"
Emma:"Die Zahlen. Damit kann ganz viel berechnet und ausgerechnet werden und in Sachunterricht machen wir manchmal Versuche. Das finde ich toll."
Mann:"Ich sehe auch an deinem Zeugnis, dass du eine sehr gute Schülerin bist. Gibt es denn ein Fach was du nicht so gerne magst?"
Emma überlegt kurz. "Werken."
Mann:"Und warum magst du Werken nicht?"
Emma:"Weil es so schwer ist zu sägen und zu hämmern."
Mann:"Da braucht man ganz viel Kraft für."
Emma nickt.
Mann:"Was machst du denn gerne zuhause?"
Emma:"Basteln und etwas bauen."
Mann:"Was hast du denn zuletzt gebastelt?"
Emma:"Das letzte Große was ich gebastelt habe war für mein Referat in Sachunterricht. Das waren die Planeten und die Sonne."
Mann:"Für das Universum interessierst du dich auch?"
Emma nickt.
Mann:"Hast du Geschwister?"
Emma:"Ja. Zwei Schwestern, aber die wohnen nicht zuhause."
Mann:"Sind die schon so groß, dass sie alleine wohnen?"
Emma:"Lisa ist schon 20 und studiert in Düsseldorf Medizin. Und Klara ist 3 und ich weiß nicht wo sie wohnt, weil sie entführt worden ist als sie noch ein Baby war."
Der Direktor weicht ihrem Blick aus. Er schaut auf den Anmeldebogen und dann zu mir. "Ich überlege die ganze Zeit woher ich sie kenne. Engel. Wir hatten Lucy Engel auf der Schule."
Emma:"Das ist meine Cousine."
Mann:"Dann ist Lisa Täsch deine Schwester."
Emma:"Ja."
Er schaut zu mir. "Es tut mir so Leid was damals passiert ist. Ich habe es aus der Presse mitbekommen. Erst die Entführung und kurz darauf der Tot ihrer Frau. Das muss schrecklich gewesen sein."
Ich:"War es auch, aber das Leben geht weiter."
Mann:"Ja das tut es.", stockt, " nun müssen sie mir noch erklären, warum ist sie mit 7 Jahren schon in der 4.Klasse?"
Ich:"Sie wurde mit gerade 5 eingeschult und hat ein Jahr übersprungen. Und so kommt es, dass sie mit 7 in der 4.Klasse ist."
Mann:"Und scheinbar gut zurecht kommt."
Ich nicke.
Mann:"Ich denke einer Aufnahme an dieser Schule steht nichts im Wege. Ich muss das mit der Schulbehörde klären, weil sie noch so jung ist, aber vom Kognitiven her hört sie hier hin."
Ich:"Kann die Schulbehörde Einwände haben?"
Mann:"Das kann ich ihnen nicht sagen. Da müssen wir abwarten."
Ich:"Dann machen wir das."
Wir verabschieden uns, gehen zum Auto und fahren nach Hause. Die ganze Fahrt über erzählt Emma von der Schule.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt