129. Glück? I

670 23 3
                                        

Veröffentlicht am 30.07.2020

Es ist Ende April.

Vom Schulamt ist noch keine Entscheidung getroffen worden, ob Emma auf das Gymnasium gehen darf.

FREDERIK
Ich sitze mit Tabea auf dem Sofa und schaue Fernseh.

Ich:"Die haben sich immer noch nicht gemeldet. Ich verstehe nicht, was es da so lange zu prüfen gibt."
Tabea:"Vermutlich kommt es da nicht so oft vor, dass eine so junge Schülerin aufs Gymnasium möchte."
Ich:"Normalerweise ist das auch nicht so, aber Ausnahmen gibt es immer wieder. Und Emma ist die Ausnahme und dafür muss es doch auch Regeln geben.", stockt, " Wenn Emma dort nicht hin kann, dann muss ich sie auf einem anderen Gymnasium anmelden und die Anmeldezeit ist eigentlich schon um. Und nur, weil die sich Zeit lassen, möchte ich nicht, dass Emma zu irgendeiner Schule geht, die am Ende vielleicht mehrere Stunden von ihrem Zuhause entfernt ist."
Tabea:"Das möchte niemand und das wird auch nicht im Interesse vom Schulamt sein."
Ich:"Und was prüfen die dann so lange?"
Tabea zuckt mit den Schultern.
Genervt lasse ich mich gegen die Rückenlehne des Sofas fallen. "Emma freut sich so sehr darauf. Ich weiß nicht, wie ich ihr erklären soll, dass sie da nicht hin kann."
Tabea lehnt sich zu mir. "Die Entscheidung ist noch nicht gefallen. Wann hast du denn zuletzt von denen was gehört?"
Ich denke kurz nach. Tabea schaut mich fragend an. Ich schaue ihr in die Augen. Wie schön die doch sind. Das lenkt mich ab.
Sie tippt mir an die Schulter. "Hast du meine Frage verstanden?"
Ich antworte schnell:"Ja. Ende letzen Monats meine ich."
Tabea:"Dann ruf da morgen nochmal an und frage nach."
Ich:"Das mach ich und bis dahin", und setze mich auf, "möchte ich was Anderes machen."

TABEA
Er umarmt mich und küsst mich. Er lehnt sich zu mir und ich lasse mich ins Sofa fallen. Er legt sich auf mich. Ich schaue zur Tür. Er sieht es. "Sie schläft."
Ich:"Sicher?"
Frederik nickt und gibt mir einen Kuss. Danach schaut er mir in die Augen. Ich glaube, er sieht meine Unsicherheit darin.
Frederik:"Wollen wir ins Schlafzimmer gehen?"
Ich nicke.
Er steht auf und hilft mir hoch.
Gemeinsam gehen wir ins Schlafzimmer und schlafen miteinander.

Am nächsten Tag habe ich erst um 10 Uhr Dienstbeginn. Als ich auf den Weg in den Aufenthaltsraum bin, höre ich jemanden von hinten nach mir rufen.
Frau:"Tabea. Warte bitte mal."
Ich drehe mich um. Mit schnellen Schritten kommt Miriam auf mich zu.
Miriam:"Komm mal mit." und zieht mich in einen Behandlungsraum.
Sie wirkt aufgeregt. Bevor ich überhaupt was sagen kann redet sie.
Miriam:"Ich muss dir was sagen. Ich möchte nicht, dass du es in der Teamsitzung erfährst. Oh man, ich bin so glücklich." Sie strahlt. "Ich bin schwanger."
Ich:"Das ist ja toll. Herzlichen Glückwunsch." und umarme sie. Ich freue mich für sie.
Miriam:"Es ist noch so unreal. Im Dezember sind wir zu dritt. Ich bin so glücklich. Es hat sofort geklappt. Ich dachte, das wird Monate, wenn nicht sogar Jahre dauern, weil ich so lange die Pille genommen habe. Und dann werde ich sofort schwanger."
Ich:"Das freut mich, dass es so schnell geklappt hat. Was sagt denn der werdende Papa dazu?"
Miriam:"Der freut sich auch so sehr. Der ist schon am Kinderzimmer planen. Zum Glück hat die neue Wohnung ein Zimmer mehr."
Ich:"Da habt ihr vorrausschauend gedacht" und grinse.
Miriam nickt. "Es wäre sonst erstmal Gästezimmer geworden und jetzt direkt Kinderzimmer. Es müssen nur die ganzen Kartons raus, Möbel rein und das Kind kann kommen."

Miriam und ihr Partner sind Mitte April umgezogen.

Ich:"Bis das Baby kommt habt ihr noch ein bisschen Zeit."
Miriam:"Ja, aber ich möchte am liebsten jetzt schon alles fertig haben. Aber ich stoppe mich da auch schon. Bis Dezember ist noch Zeit."
Ich:"Was sagt denn Prof. Filou dazu?"
Miriam:"Der hat ganz toll reagiert und freut sich. Er musste mich nach Hause schicken bis das Ergebnis vom Blut da war, aber da ist alles ok und ich bin wieder da."
Ich:"Also von wegen spontan Überstunden frei, weil wir so gut besetzt sind."
Mirim grinst. "Irgendwas musste er sich einfallen lassen.". Ihr Pieper geht. "Ich muss zur Station. Bis später." und verlässt den Raum.

Ich freue mich für sie. Doch zeitgleich sind da Gedanken an das Baby von Frederik und mir. Unser Baby diesen Monat zur Welt gekommen und ich würde gerade im Mutterschutz sein.

Die Tür öffnet sich. Schwester Selvia schaut mich an. "Ich wusste gar nicht, dass du da bist."
Ich:"Noch nicht offiziell. Ich habe nur schon mal mit Miriam ein Fall besprochen. Ich geh mich jetzt umziehen."
Selvia:"Ok."

Mit schnellen Schritten gehe ich zur Umkleide, ziehe mich um und dann in die Notaufnahme, wo es viel zu tun gibt.

Deshalb verpasse ich die Teamsitzung. Das macht nichts, denn viele Kollegen berichten mir im Anschluss daran, dass Miriam schwanger ist.

Als ich um 20 Uhr zuhause bin und ins Wohnzimmer gehe, sitzt Frederik am Esstisch. Auf dem Tisch steht sein Laptop und er schaut dahin. Er hatte heute frei.
Ich:"Hallo."
Frederik schaut zu mir. "Hallo."
Ich gehe zu ihm und gebe ihn einen Kuss. "Wie war dein Tag?" und setze mich ihm gegenüber auf einen Stuhl.
Frederik:"Bestimmt nicht so spannend wie deiner. Miriam ist schwanger."
Ich:"Woher weißt du das denn?"
Frederik:"Das spricht sich schneller rum als man denkt." und zeigt auf sein Handy.
Ich:"Ok. Ich versteh. Und wie war es hier?"
Sein Blick wird betrübter. "Nicht so toll. Ich habe beim Schulamt angerufen. Der Fall wird weiter geprüft und wie lange das dauern wird konnte mir nicht gesagt werden."
Ich:"Also bist du genauso weit wie gestern."
Frederik:"Mmh. Nur mit dem Unterschied, dass ich im Internet rechechiert habe. Es ist tatsächlich schon öfter eine Aufnahme an bestimmten Schulen abgelehnt worden, weil Kind zu auffällig, zu jung oder sonst was. Das Schulamt wird da sehr kreativ."
Ich:"Und was ist mit den Kindern passiert?"
Frederik:"Förderschule, Schulen in anderen Stadtteilen und sogar Internat", stockt, "Es kann doch nicht sein, dass Emma dann mehrere Stunden pro Strecke fahren muss um zur Schule zu gehen. Keiner ihrer Freunde wird da sein."
Ich:"Das kann es auch nicht."
Frederik:"Laut Schulamt schon, denn am Telefon wurde mit gesagt, wenn sie zum Gymnasium "An der Ecke" gehen würde, wäre eine Aufnahme problemlos möglich. Begründen warum das geht wollte sie mir nicht und dass sie 2 Stunden pro Strecke fährt, tat sie damit ab mit, dass würde in dem Fall ersetzt."
Ich atme tief durch.
Frederik:"Ich kann das so nicht stehen lassen. Ich werde morgen Ariane anrufen und bitten zu helfen."
- Ariane Paulus:Rechtsanwältin -
Ich:"Das ist eine gute Idee."
Wir reden noch eine Weile bis wir schlafen gehen.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt