9. Catharina-beste Cousine

1.5K 49 0
                                        

Veröffentlicht am 20.03.2019

CHARLOTTE:
Seit 4 Wochen ist Frederik weg und ich alleine. Ich versuche mich abzulenken indem ich so viel wie möglich arbeite. Ich übernehme Schichten, bin kaum zu Hause-eigentlich nur zum Duschen und mal ein paar Stunden schlafen. Ich esse zwischen den OPs-insofern ich die Zeit dazu habe.
Mein Rhythmus ist komplett durcheinander durch die ganze Arbeit. Das war früher auch so und funktionierte.

Ich träume von Frederik. Wie er mich anlächelt, mich in den Arm nimmt, mir einen Kuss gibt, usw.. Ich merke dann, wie weit er weg ist. Uns trennen 1000 an Kilometer, Stunden, ein Ozean und ohne Flugzeug geht gar nichts.

Morgen sind wir 1 Jahr zusammen und er ist soweit weg wie noch nie zuvor.

Wir schreiben uns und skypen regelmäßig. Ihn da zu sehen, dann so nah, aber doch so fern.

Frederik geht es gut. Er wurde in Boston gut aufgenommen, arbeitet gerne und vor allem auch viel. Sein Chef schätzt seine Arbeit sehr.
Wenn Frederik nicht arbeitet erkundet er Boston. Ihm fehlt aber seine Heimat; das sagt er immer wieder. Er war noch nie ohne seine Eltern so lange in einem fremden Land - mal abgesehen von einer Klassenfahrt von 7 Tagen. Er ist dort zum ersten Mal ganz auf sich alleine gestellt und das fällt ihm schon schwer; auch wenn er es ganz gut hinbekommt.
Frederik sagt immer wieder, wie sehr er mich vermisst. Er liebt mich; das merke ich.
Ich habe schon überlegt zu ihm zu fliegen, aber mein Dienstplan lässt das nicht zu.

Heute sind wir 1 Jahr zusammen. 1 Jahr in dem viel passiert ist. 1 Jahr, wo sich mein Leben verändert hat.
Die Geiselnahme - inzwischen kann ich darüber reden und die Täter sind auch zu Haftstrafen verurteilt worden.
Frederik - meine große Liebe. Dank ihm weiß ich, was wahre Liebe ist. Diese unglaublichen schönen Gefühle. Ich bin ihm so dankbar dafür.
Und trotzdem ist er gerade so weit weg.

Ich habe Tagschicht. Natürlich wissen die meisten in der Klinik, dass heute vor einem Jahr die Geiselnahme war und viel mehr, dass heute der Jahrestag von Frederik und mir ist.
Wie immer werde ich herzlich begrüßt.
Da kommt Catharina auf mich zu.

CATHARINA:
Charlotte ist da. Ich umarme sie zur Begrüßung.
Ich:"Hi. Hast du heute Abend schon was vor?"
Charlotte:"Ich. Ähm."
Ich:"Also nein. Dann treffen wir uns nach der Schicht bei mir. Mein Mann hat gekocht und Lucy und Lennox freuen sich auch sehr, wenn du da bist."
Bevor Charlotte was sagen kann geht mein Pieper und ich rufe ihr noch zu:"Bis später."

CHARLOTTE:
Na super. Ich wollte mich verkriechen, einfach ein Film schauen und früh schlafen gehen. Und jetzt muss ich zu Catharina.

Die Schicht verläuft recht ruhig. Ausnahmsweise mal keinen Herzstillstand, keine Reanimation.

Die Schicht ist zu Ende und ich fahre zu Catharina. Absagen kann ich ihr nicht. Sie meint es doch nur gut und weiß genau, dass ich sonst grübelnd alleine zu Hause sitzen würde.

Ich klingel und mein 13-jähriges Patenkind Lucy öffnet die Tür.
Lucy:"Charlotte. Endlich bist du da. Ich freue mich so."
Sie fällt mir um die Arme.

Lucy - sie ist 13. Auch wenn ich das gar nicht möchte, aber sie erinnert mich an Lisa.
Lisa - sie ist inzwischen 12 und seit 7 Jahren verschwunden.
Lucy und Lisa haben sich immer gut verstanden und schön miteinander gespielt.
Es ist für alle noch unerklärlich warum Romeo mit Lisa abgehauen ist. Ich verstehe es doch selber nicht und das als ehemalige Freundin von Romeo, mit dem ich 7 Jahre zusammen war.
Lucy war zwar erst 6, aber sie erinnert sich noch gut an Lisa und fragt manchmal auch nach ihr.
Catharina war 23 und hat Lucy nach 8 Semestern bekommen. Sie hat wie ich dann 1 Jahr pausiert und danach weiter studiert. Catharina und ich sind uns so ähnlich. Und wie selbstverständlich fragte sie mich, ob ich Lucys Patentante werde. Mit großer Freude habe die Aufgabe übernommen. Und wie selbstverständlich wurde sie auch die Patentante von Lisa.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt