Veröffentlicht am 01.10.2019
CHARLOTTE
Das Wochenende ist vorbei. Morgen geht Emma nach fast 2 Wochen wieder zur Kita.
Nächstes Wochenende zieht Lisa zu Catharina. Die Entscheidung ist gefallen und auch wenn ich sie lieber bei mir hätte, für sie ist es besser. Sie fühlt sich da wohler. Die Tür bei mir steht jederzeit für sie offen.
Es ist 4 Uhr morgens als Emma schreit. :"Mama, Papa. Mama, Papa." Frederik und ich hören es übers Babyphon.
Ich stehe sofort auf und gehe mit schnellen Schritten zu ihr.
Ich öffne die Zimmertür und gehe hinein. Emma sitzt im Bett und schreit.
Ich:"Pss Emma. Mama ist da." und setze mich auf die Bettkante.
Ich:"Mama ist da."
Emma hört auf zu schreien und starrt mich an.
Ich:"Hast du schlecht geträumt?"
Emma nickt.
Ich nehme sie in den Arm. "Ich bin jetzt da." und streichel ihr über den Rücken.
Emma lehnt sich an mich und kurze Zeit später merke ich, dass sie schläft. Ich lege sie ins Bett.
Ich beobachte wie ruhig sie da liegt und schläft. Gerne würde ich wissen, was sie geträumt hat. Erfahren werde ich es wohl nicht. Ich weiß auch gar nicht, ob sie ganz wach war.
Ich streiche ihr durch die Haare. Viel zu selten hatte ich diesen Moment in letzter Zeit.
Ich genieße es.
Da höre ich Geräusche. Es hört sich an wie dumpfe Schläge. Emma ist das nicht und Frederik wird schon wieder schlafen und Klara kann so welche Geräusche noch nicht so laut machen. Zumal sind diese gerade unter mir.
Ich stehe auf und verlasse Emmas Zimmer. Ich horche und gehe dem Geräusch entgegen. Ich merke, dass es aus Lisas Zimmer kommt. Leise öffne ich ihre Tür einen kleinen Spalt und was ich dann sehe, erschreckt mich. Lisa kniet vor ihrem Bett und haut immer wieder mit ihrem Kopf aufs Bett.
Ich öffne die Tür weiter. Lisa merkt es, hört sofort auf und schaut erschrocken zu mir.
Ich:"Was machst du da?"
Lisa sagt gereizt:"Das kann ich dich auch fragen. Es ist mitten in der Nacht."
Ich:"Emma hatte einen Alptraum. Und was machst du?"
Lisa:"Nichts.", setzt sich aufs Bett und deckt sich mit ihrer Decke zu.
Ich:"Nach nichts sah das nicht aus. Warum haust du mit dem Kopf aufs Bett?"
Lisa:"Das ist doch egal."
Ich gehe zu ihr und setze mich auf die Bettkante.
Ich:"Egal ist das nicht."
Lisa:"Doch. Und du gehst jetzt."
Ich merke, dass ich nicht zu ihr durchkomme. "Du weißt, dass du mit mir über alles reden kannst."
Lisa:"Mmh."
Ich:"Möchtest du was gegen die Kopfschmerzen haben?"
Sue schaut mich fragend an.
Ich:"Es tut doch weh mit seinem Kopf aufs Bett zu hauen."
Lisa schüttelt den Kopf. "Ich will jetzt schlafen."
Ich:"Ok. Wenn was ist kannst du jederzeit zu mir kommen."
Lisa:"Mmh.", legt sich hin und zieht ihre Bettdecke über sich.
Ich streiche über ihre Bettdecke. "Schlaf gut."
Lisa sagt nichts mehr.
Ich stehe auf und verlasse ihr Zimmer.
Ich bin fassungslos über das was ich gesehen habe und das Lisa nicht spricht. Kann sie nicht darüber sprechen oder möchte sie es nicht? Bin ich vielleicht die falsche Person zum sprechen?
Leise gehe ich wieder ins Schlafzimmer. Klara öffnet gerade ihre Augen und fängt an zu quengeln. Frederik öffnet die Augen.
Ich:"Schlaf weiter. Ich kümmer mich." und nehme Klara aus ihren Bett und mit in die Küche, wo ich ihr eine Flasche mache, welche ich ihr auf dem Sofa gebe.
Dabei schläft Klara ein. Ich lege sie neben mir, so dass sie zwischen Sofakante und mir liegt. Ich schließe meine Augen und versuche zu schlafen. Es gelingt mir nicht.
Ich stehe wieder auf. Ich rolle eine Decke und lege sie neben Klara.
Ich hole meinen Laptop aus dem Schrank, stelle ihn auf den Esstisch, stelle ihn an und recherchiere nach Lisas Verhalten. Ich lese, dass es selbstverletztendes Verhalten ist welches aufgrund von Überforderung und Ängsten gemacht wird und auch bei Depression. Es ist gefährlich, weil die Betroffenen darüber ihre Reize ausüben und Druck ablassen. Es gibt den Betroffenen kurzzeitige Erleichterung. Allerdings kann es soweit gehen, dass Betroffene bis zum Äußersten gehen und es zum Suizid kommen.
Ich erschrecke. Ich möchte nicht, dass Lisa sich umbringt.
Ich glaube ihr zwar, dass das vor ein paar Wochen kein Suizidversuch war, aber ein Zweifel bleibt wenn ich das lese. Wollte sie sich da vielleicht doch umbringen? Sie hätte genug Zeit gehabt es zu machen bevor sie entdeckt worden ist und bis die Polizei dazu kam. Deshalb glaube ich nicht, dass sie es da tun wollte. Hätte ich vielleicht da schon darauf bestehen müssen, dass sie psychologische Hilfe bekommt? Der Psychiater hat keine Gefahr gesehen und ich auch nicht. Aber ich war in dem Moment nicht da. Trotzdem glaube ich das was sie sagt.
Doch was jetzt ist, das geht zu weit. Sie fühlt sich bei mir nicht wohl. Sie möchte zu Catharina. Eigentlich will sie Erfstadt verlassen. Sie vermisst Antje und Luis. Von Catharina weiß ich, dass sie Alpträume von ihrer Misshandlung von ihrem Papa hat. Allein wenn ich daran denke, ist das schon viel. Wie soll sie damit umgehen?
Ich weiß, dass ich was tun muss. Ich kann nicht zulassen, dass es ihr weiter so schlecht geht.
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
