58. Aus Liebe wird Leben

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Veröffentlicht am 05.07.2019

CHARLOTTE
Es ist Ende Februar.

Seit fast 2 Monaten geht Emma in den Kindergarten und das auch gerne. Wenn es nach ihr geht, kann dieser auch länger als bis 17 Uhr gehen. Sie bleibt nur selten so lange. Meistens wird sie zwischen 15-16 Uhr abgeholt.  Inzwischen kommt sie ohne Geschrei mit nach Hause. Am Anfang schrie sie immer, wenn sie abgeholt wurde. Ich fühlte mich echt mies, weil mein Kind lieber im Kindergarten bleiben möchte als zu Hause. Carina hat mir erklärt, dass das völlig normal ist und mit der Zeit abschwächen wird. Und so ist es auch gekommen, jetzt wo der Kindergarten Routine geworden ist.

Seit gestern bin ich im Notarztdienst eingeteilt. Es ist was anderes, als in der Klinik. Ich mag diesen Wechsel zwischen Klinik und Rettungsstelle. Im Rettungsdienst gibt es auch mmer was Neues, nie wissen was kommt und mit den Materialien die im Wagen sind muss ich arbeiten. Ich habe zwar Sanitäter zur Hilfe dabei; Ärztin bin aber nur ich. Alles läuft über mich. Ich kann nicht mal eben jemanden anfunken, der dann kommt. Ich muss alleine agieren. Da kommt auch viel Adrealin mit hoch, doch ich mag es auch.

Heute morgen waren es eher leichte Einsätze, wie der Schwächeanfall einer älteren Dame, Sturz eines Kindes und leichter Auffahrunfall.

Doch mit diesem Einsatz sollte es vorbei sein mit leicht.
Einsatz lautet: Kind ertrinkt.
Mit Blaulicht und Sirene fahren Franco und ich dahin. Wir kommen zeitgleich mit Jaqueline und Michael an.
Wir rennen zur Tür, welche offen steht. Wir gehen rein. Es gibt mehrere mögliche Wege. Wie ich das hasse, wenn es keine Person gibt, die einen einweist. Wie sollen wir so den Patienten finden?
Ich rufe:"Wo sind Sie?", doch es reagiert keiner. "Wir teilen uns auf. Ihr oben, wir unten."
Michael und Jaqui rennen hoch und Franco und ich schauen uns im Erdgeschoss um. Immer wieder rufen wir; eine Reaktion kommt nicht. Nachdem wir im Erdgeschoss keinen finden gehen wir in den Keller. Und dort finden wir endlich das Schwimmbad.
Ein Mann taucht die ganze Zeit wieder ab.
Ich werfe meine Utensilien zur Seite und springe ins Wasser. Dadurch bemerkt der Mann mich.
Mann:"Mein Sohn ist da unten. Er kommt nicht mehr hoch."
Ich:"Warum kommt er nicht hoch?"
Mann verzweifelt:"Er sitzt fest." Danach geht er wieder runter und zieht am Kind.
Ich atme Luft ein, gehe zum Kind runter und beatme ihn. Ich weiß, dass er schon mehrere Minuten ohne Sauerstoff sein wird, doch umso länger das bleibt, desto schlimmer ist es.
Zeitgleich versuche ich heraus zu finden, wo und wie das Kind festsitzt und sehe, dass es an ein Loch rangesaugt wird. Ich ziehe mit dem Mann am Kind, doch wir können es nicht lösen.
Ich halte den Mann oben fest. "Wo stellt man die Pumpe ab?"
Er schaut mich fragend an.
Ich:"Wo wird die Pumpe abgestellt?"
Er zeigt zu einer Tür. "Da im Raum."
Ich gehe wieder runter und beatme das Kind.
Michael:"Kommen Sie raus. Pumpe abstellen."
Mann:"Mein Kind." und schaut zum Kind.
Michael sagt ernst:"Die Pumpe muss aus!"

Der Mann steigt aus dem Schwimmbecken raus. Michael und Franco stützen ihn, weil er sich kaum auf den Beinen halten kann. Sie gehen mit ihm in den Raum.
Michael:"Welcher Schalter ist es?"
Mann:"Ich glaube der" und dreht daran.
Michael ruft zu Jaqui und Jaqui zu mir:"Ist die Pumpe aus?"
Ich rufe:"Nein."
Michael:"Das war der falsche Schalter. Denken Sie nach, welcher ist es?"
Der Mann dreht und drückt an anderen Schaltern. Und dann ist die Pumpe aus.

Der Junge löst sich und ich nehme ihn mit hoch. Jaqui zieht ihn aus dem Wasser und fängt sofort mit der Reanimation an. Franco kommt dazu gerannt und unterstützt. Ich steige auch schnell aus dem Wasser und helfe.
Ich lege einen Zugang, intubiere das Kind und lege einen zweiten Zugang.

Der Mann ist vor dem Raum zusammengebrochen. Michael kümmert sich um ihn.

Minutenlang reanimieren wir das Kind. Selbst der Defibrilator schafft es nicht, dass sein Herz wieder schlägt.
Doch dann passiert es. Das Herz schlägt wieder. Ich atme erleichtert auf. Jetzt muss der Junge auf dem schnellsten Wege ins Krankenhaus.
Ich:"RTH anfordern."
Franco funkt und sagt dann:"RTH kommt. POL sperrt Straße, dann kann er Vorort landen."
Ich atme erneut erleichtert auf. "Besser geht es nicht" und rufe zu Michael. "Wie ist die Lage bei dir?"
Michael:"Patient wach, geschwächt. Zweiter RTW unterwegs?"
Ich schaue zu Franco.
Franco:"Ja. Unterwegs."

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt