Veröffentlicht am 28.05.2019
CHARLOTTE:
Es ist der 25.10..
2 Tage nach Oskars Beerdigung.
Ich habe das Gefühl, dass es langsam ruhiger wird.
Seit 6 Tagen bin ich wieder zu Hause.
Ich war 11,5 Wochen im Krankenhaus. Eine lange Zeit.
Eine Zeit, wo ich Emma nur wenig sah. Ich bin so froh darüber, dass Emma mir das scheinbar nicht nachträgt. Sie hat mich zu Hause so aufgenommmen, als wäre ich nicht weg gewesen.
Ich freue mich darüber wieder zu Hause zu sein, bei meiner Familie.
Frederik hat noch Sonderurlaub. Nach dem Tot von Oskar stehen ihm 2 Wochen zu. Somit kann er noch bis zum 30.10. zu Hause bleiben.
Auch wenn der Anlass des Sonderurlaubes traurig ist. Für uns als Familie ist das viel wert.
Ich muss 12 Wochen zu Hause bleiben. Mutterschutz.
Ich kenne das noch von Emma.
Heute ist Tessas 7.Geburtstag. Tessa freut sich sehr darauf.
Um 15 Uhr sollen wir zu ihr kommen.
Kurz vorher holen Frederik und ich Emma aus der Krippe ab.
Erstmals bin ich nach fast 13 Wochen wieder mit dabei. Es fühlt sich schön an wieder dort zu sein.
Der Alltag kommt zurück.
Natürlich haben die anderen Eltern mitbekommen, dass Emma in den letzten Wochen von Merrit abgeholt wurde.
Ihre Erzieher kennen den wahren Grund und wissen auch, dass Oskar gestorben ist.
Aufgrund, dass im Sommer neue Kinder in die Gruppe gekommen sind, kenne ich diese noch nicht.
Wir kommen in die Gruppe. Emma läuft uns lachend entgegen. Ich hocke mich hin und umarme sie.
Emma:"Meine Mama." und drückt mich. Danach geht sie zu Frederik und setzt sich auf seinen Schoß.
Drei Mütter, zwei Erzieher und mehrere Kinder sind im Raum. Die Mütter sitzen da und haben sich bis gerade noch unterhalten. Jetzt gerade sind sie still. Ich habe mich immer schon gefragt, warum der Gruppenraum als Unterhaltungsraum genutzt wird. Ich bin froh, wenn ich Emma abhole und danach Zeit mit ihr verbringen kann.
Mama 1:"Hallo. Sie sind sie die Eltern von Emma?" und schaut Frederik und mich von oben nach unten an.
Ich schaue die Frau an, welche ich nicht kenne. Ihr Kind muss neu in die Gruppe gekommen sein.
Ich:"Ja."
Mama 1:"Ok. Ich dachte, dass die Mutter die Frau wäre, die Emma sonst immer abgeholt hat."
Ich:"Das ist Merrit."
Mama 2:"Und wer ist Merrit?".
Auch diese Frau kenne ich nicht.
Ich:"Merrit war unsere Haushaltshilfe."
Mama 2:"War? Haben Sie jetzt eine Neue?"
Ich:"Nein."
Mama 1:"Und wer holt Emma jetzt immer ab? Oder bleibt sie wieder wie früher bis zum Schluss oder wird zu spät abgeholt?"
Ich schaue sie irritiert an. Woher weiß Sie das?
Ich:"Emma wird schon abgeholt und um alles andere brauchen sie sich keine Gedanken zu machen."
Mams 1:"Doch, insofern sie unsere Erzieher zu sehr beanspruchen und deshalb unsere Kinder vernachlässigt werden."
Ich muss kurz grinsen. "Ich glaube, dass sich die Erzieher gut um alle Kinder kümmern und keinesfalls ein Kind vernachlässigt wird."
Mama 3:"Das sagen Sie. War es nicht ihre Tochter, die vor ein paar Wochen verschwunden war und wegen der die Polizei kommen musste und weswegen der Kita angezeigt wurde?"
Auch diese Mutter kenne ich nicht.
Ich schaue zu den Erziehern, welche das Gespräch folgen.
Erzieherin 1:"Ich denke, dass das ein Fall ist, der nur die Familie Engel und die Kita betrifft. Wir haben das intern geklärt."
Mama 3:"Die Anzeige ist noch da."
Erzieherin 1:"Aufgrund Öffentlichen Interesses wurde sie gestellt und nicht, weil die Eltern das wollten."
Die drei Mütter schauen uns verwerflich an.
Mama 1:"Warum braucht Emma eigentlich einen Krippenplatz? Ihr Vater ist doch zu Hause."
Frederik:"Wie kommen Sie denn darauf? Ich gehe arbeiten."
Mama 1:"Bei den Behinderten Werkstätten? Da kann man auch Elternzeit nehmen."
Frederik:"Ich bin Arzt."
Mama 1 rollt mit den Augen. "Im Rollstuhl?"
Frederik:"Ja." und schaut zu mir. "Komm lass uns gehen. Tessa wartet."
Emma:"Tessa Burtag. Juhu." und lacht.
Ich:"Bis morgen."
Wir gehen.
DU LIEST GERADE
Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
