Veröffentlicht am 29.04.2019
CHARLOTTE:
Heute vor einem Jahr nahm das Unheil seinen Lauf. Frederik hatte den Herzinfarkt.
Ein Jahr, welches schwer war. Ein Jahr, wo ich über meine Grenzen gegangen bin und irgendwann einsehen musste, dass das nicht mehr geht. Ein Jahr, wo ich all das Geplante von Frederik und mir über Bord geschmissen habe. Ich wollte nur auf max. einer halben Stelle arbeiten - heute arbeite ich auf einer 3/4-Stelle. Emma sollte erst mit ihrem 1.Geburtstag oder kurz darauf zur Tagesmutter. Wir hatten uns bewusst für die Tagesmutter entschieden - Emma geht seitdem die 10 Monate ist sie Vollzeit in die Krippe.
Ich wollte per Fernuni Psychologie studieren - das mache ich auch.
Ich bin seit einem Jahr mit Emma alleine.
Ein Jahr, wo ich viele Ängste ausgestanden habe. Wie oft habe ich daran gedacht, dass Frederik stirbt - sehr oft. Wie oft habe ich mir gewünscht, dass er aufwacht - nach 6 Monaten tat er es auch.
Seit 5 Monaten ist Frederik in Hamburg in der Reha. 5 Monate, wo wir uns nur einmal im Monat sehen. Und jedes Mal wenn wir uns sehen kann er mehr wie das mal zuvor.
Seit ein paar Tagen kann er ein paar Schritte mit einem Roullator gehen.
Frederik kämpft, das merke ich. Doch niemand kann uns sagen, wie lange der Kampf noch sein wird.
Die Reha spricht immer wieder mal die Entlassung an und ambulante Reha. Frederik kann vieles und könnte die Therapien ambulant laufen lassen.
Doch wie soll das zu Hause gehen? Wir wohnen im Obergeschoss. Er kann keine Treppenstufen steigen. Die Reha sagt, dass er einen Treppenlift bekommen kann.
Wie soll er alleine zur Toilette gehen oder Duschen? Bei uns ist nichts behindertengerecht. Die Reha sagt, dass die Toilette behindertengerecht gemacht werden kann und beim Duschen bräuchte er Hilfe, welcher ein Pflegedienst leisten könnte. Ein Duschstuhl steht ihm auch zu. Will Frederik das überhaupt? Immer Hilfe beim Duschen haben? In der Reha kann er es schon alleine. Da ist alles behindertengerecht. Wäre das nicht ein Rückschritt für ihn?
Ich möchte Frederik gerne wieder zu Hause haben. Gerade auch wegen Emma. Dann würde sich die Bindung zwischen den beiden auch stärken. Ich frage mich, ob Emma wohl wahrnimmt, dass Frederik ihr Papa ist? Wenn wir zusammen sind und sie sich weh tut, dann will sie nur zu mir. Bei Papa auf dem Schoß sitzen und mit Rollstuhl fahren, da lacht sie. Emma schaut aber viel danach wo ich bin. Und wenn sie mich nicht sehen kann, dann ruft sie nach mir.
Emma kann jetzt >>Mama-<< sagen. Das freut mich sehr. Ich merke aber auch, wie es Frederik verletzt, denn >>Papa<< sagt sie noch nicht.
Emma ist 19 Monate. Sie hat 1 Jahr ohne Papa gelebt. Ich weiß, dass so etwas wieder aufzuholen ist. Mit dem aktuellen Modell, dass sie ihren Papa nur einmal im Monat sieht, nicht. Für sie wäre es sehr gut wenn Frederik zu Hause wäre.
Ich hätte ihn auch gerne hier. Ich vermisse ihn. Ich frage mich, ob ich die Pflege welche er braucht ihm geben kann ohne dabei Emma zu vernachlässigen oder mich aus den Augen zu verlieren. Ich zweifel das an. Ein Pflegedienst ist eine Möglichkeit. Nur habe ich dann immer fremde Leute mit im Haus. Ich weiß nicht, ob ich das will. Und so schwer mir das auch fällt, zurzeit ist Frederik in der Klinik besser aufgehoben.
Frederik möchte gerne nach Hause. Er möchte aber niemanden zur Last fallen. Er hatte schon die Idee in ein Pflegeheim zu gehen. Das möchte ich nicht. Dann soll er lieber zu Hause sein mit Pflegedienst. Frederik möchte noch Vieles erlernen und glaubt, dass er das in der Klinik schneller kann. Er vermisst uns sehr.
Aus Krankenkassensicht ist die stationäre Reha zu teuer. Ambulante Reha und Pflegedienst ist günstiger. Leider sieht die Krankenkasse nicht den Aspekt, was das für die Angehörigen für ein Mehraufwand ist.
Die Reha wird von der Krankenkasse unter Druck gesetzt. 6 Monate stationäre Reha sollen reichen. Die Reha sieht die Fortschritte und würde eine weitere Zeit Vorort befürworten.
Erstmal wird Frederik da bleiben.
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
