98. Zurück zum Alltag

699 27 2
                                        

Veröffentlicht am 06.02.2020

FREDERIK
Vor vier Tagen wurde Charlotte beerdigt.

Es ist Montag.
Emma war eine Woche zu Hause. Heute soll sie wieder zur Schule.
Und auch ich möchte zehn Tage nach Charlottes Tot wieder arbeiten.
Ich möchte Alltag herstellen mit Schule und Hort für Emma und Arbeit für mich. Meine Eltern, Silas, Inka, Catharina, Lucy und viele mehr haben ihre Hilfe angeboten und möchten mich in der Betreuung von Emma unterstützen.

Noch immer schläft meine Tochter bei mir im Bett. Jeden Abend geht sie von sich aus da hin. Ich lasse es zu. Immerhin schläft sie wieder alleine ein und wenn sie nachts schlecht träumt bin ich sofort da. Das ist schon entspannt, wobei ich mich frage, wie lange das so anhalten wird. Wann wird sie wieder durchschlafen? Ich finde es nicht schlimm sie bei mir im Bett zu haben. Wenn ihr meine Nähe gut tut, dann gebe ich ihr die.

Um 6:30 Uhr wacht sie alleine auf. Sie kuschelt sich an mich.
Ich streichel über ihren Rücken. "Wir müssen aufstehen. Frühstück wartet."
Emma:"Ok.", steht auf und geht in die Küche. Ich folge ihr und wir frühstücken zusammen. Als wir beide fertig sind sagt Emma:"Ich gehe ins Wohnzimmer. Spielen."
Ich schaue auf die Uhr und sehe, dass es schon 7:10 Uhr ist. "Es ist schon spät. Zieh dich an und dann geht es zur Schule."
Emma:"Zur Schule?"
Ich:"Ja." und fange an den Tisch abzuräumen.
Emma:"Da geh ich nicht hin!" und rennt in ihr Zimmer.

Ich folge ihr und gehe rein. Sie liegt bäuchlings auf ihrem Bett und drückt ihr Gesicht ins Kissen. Ich gehe zum Bett und setze mich auf die Bettkante.
Ich:"Du kannst nicht noch länger zu Hause bleiben. Du verpasst zu viel und deine Freunde möchten mit dir spielen."
Sie dreht ihren Kopf zur Wand. "Ich habe keine Freunde."
Ich:"Das stimmt nicht. Ich sage Oskar."
Emma:"Mmh."
Ich:"Und ich muss arbeiten. Also aufstehen und anziehen."
Emma:"Weil du arbeiten musst, muss ich zur Schule."
Ich:"Nein. Du musst zur Schule, weil das Pflicht ist und ich glaube, dass es dir gut tun wird. Emma Maus, wir müssen unseren Alltag wieder haben und da hört Schule mit zu."
Emma:"Ich will das nicht."
Ich:"Was willst du denn?"
Emma:"Zuhause bleiben."
Ich:"Und dann?"
Emma:"Spiele ich hier. Ich kann auch zuhause lernen."
Ich:"Das geht nicht. Du kannst nicht alleine zuhause bleiben."
Emma:"Doch."
Ich:"Nein. Und jetzt ziehst du dich an." und stehe auf. "Mama hätte nicht gewollt, dass wir nichts mehr machen. Das Leben geht weiter." und verlasse ihr Zimmer.

Ich gehe in die Küche und räume schnell den Tisch ab. Danach ziehe ich mich um. Als ich aus mein Zimmer rauskomme sehe ich, wie Emma gerade ihre Schuhe anzieht. Sie hat sich angezogen. Ihre Schultasche steht neben ihr. Sie zieht sich auch ihre Jacke an.
Emma:"Ich bin fertig.", nimmt ihre Schultasche und stellt sich an die Wohnungstür.
Ich lächel und ziehe mir schnell Schuhe und Jacke an, schließe die Wohnungstür auf und verlasse mit Kind die Wohnung.
Wir steigen ins Auto ein und fahren zur Schule. Während der Fahrt hören wir das Hörspiel von der >>Eiskönigin<<. Wir sprechen nicht miteinander.

Bei der Schule parke ich. Wir steigen aus. Ich möchte Emma rein begleiten um mit ihrer Klassenlehrerin, Frau Fuh, zu sprechen.
Vor dem Schultor sagt Emma:"Du darfst nicht weitergehen. Ab hier gehen Kinder alleine." und zeigt auf das Schild am Schultor, welches darauf hinweist, dass die Kinder ab da an bitte alleine gehen sollen.
Ich:"Ich möchte noch mit Frau Fuh sprechen."
Emma:"Das will ich nicht."
Ich:"Ok. Dann rufe ich sie gleich an."
Emma setzt den Blick auf, der mir zeigt, dass sie das auch nicht will.
Die Schulglocke läutet. Emma geht durchs Tor.
Ich:"Tschüß Maus."
Emma dreht sich nicht um und geht zur Schultür und rein.

Ich gehe ins Auto und setze mich rein. Wie gern hätte ich sie nochmal umarmt und ihr ein Küsschen gegeben.
Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, weil mein Handy klingelt. Ich sehe, dass Catharina anruft.
Ich:"Hallo Cati."
Cati:"Hallo. Alles ok bei dir?"
Ich:"Ja."
Cati:"Ich frag nur, weil du seit 15 Minuten in der Klinik sein solltest."
Ich erschrecke. "Oh nein. Ja, natürlich sollte ich das. Ich steh noch bei der Schule. Ich komm gleich."
Cati:"Fahr vorsichtig. Ich bleib so lange bis du da bist."
Ich:"Danke." und lege auf.
Es ist schon nach 8 Uhr. Da komme ich am ersten Arbeitstag nach Charlottes Tot zu spät. Das macht keinen guten Eindruck auf mich. Ich muss das besser hinbekommen.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt