135. Aus Kind wird Jugendliche

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Veröffentlicht am 11.10.2020

FREDERIK
Es ist Anfang September. Letztes Wochenende war Emma zu Besuch. Sie ist mit der Bahn von Berlin nach Köln gefahren. Sie wollte alleine fahren, doch ich bestand darauf, dass sie es nur begleitend machen darf. Irgendwo muss ich doch noch Grenzen setzen. Schließlich ist sie erst 8. Leider war unsere gemeinsame Zeit sehr kurz. Ein Wochenende vergeht viel zu schnell. Ich freue mich schon auf die Herbstferien, wo sie länger in Erfstadt sein wird.

Silas und Inka sind dieses Wochenende weg und meine Nichte Tessa (13) wurde bei meinen Eltern einquartiert. Sie ist in der Pubertät und wo früher noch die große Freude war, dass sie bei Oma und Opa schlafen darf ist inzwischen ein >>das will ich nicht<<, >>Ich kann schon alleine zuhause bleiben<< geworden. Aber da gibt es keine andere Möglichkeit. Sie ist nun da und ich kann ab und zu mithören wie sie meckert.

TABEA
Es ist 22:15 Uhr als ich zuhause ankomme. Da bei Helga und Kurt noch Licht leuchtet und ich weiß, dass Tessa da ist, gehe ich erst kurz dort hin.

Ich bin auf dem Weg in deren Wohnzimmer und höre sie reden.
Tessa:"Oh man Oma. Es ist Wochenende. Da darf ich immer länger Fernseh schauen."
Helga:"Das glaub ich nicht."
Tessa:"Das ist aber so. Zuhause habe ich sogar einen eigenen Fernseher in meinem Zimmer."
Helga:"Ich weiß und du weißt auch, dass ich das viel zu früh finde. Du bist 13 Jahre und es ist nach 22 Uhr. Da gehörst du ins Bett."
Tessa:"Nein. Opa sag doch auch mal was dazu?"
Kurt:"Oma hat Recht. Es ist spät und morgen ist ein neuer Tag."
Helga:"Morgen wollen wir im Garten arbeiten. Da kannst du uns bei helfen."
Tessa:"Oh nee."

Ich öffne die Tür und sehe, wie Tessa im Sessel sitzt und Helga und Kurt auf dem vorderen Teil des Sofas sitzen. Sie sehen so aus, als wollen sie aufstehen. Bei Tessa sieht das ganz anders aus.
Tessa entdeckt mich als Erstes. "Tabea, meine Rettung. Es ist Freitagabend und ich möchte noch Fernseh schauen. Bitte gib mir Recht, dass das möglich ist. Ich habe morgen keine Schule."
Helga:"Auch wenn man keine Schule hat gehört man zu einer bestimmten Uhrzeit ins Bett. Also steh jetzt auf und mach dich bettfertig."
Hilfesuchend schaut Tessa mich an.
Ich:"Ich finde auch, dass du ins Bett gehen solltest."
Tessa steht auf. "Oh man. Erwachsene sind so anstrengend. Und selber bleibt ihr bestimmt noch wach."
Helga:"Nein. Wir gehen auch ins Bett."
Tessa:"Bestimmt. Und Tabea und Frederik bestimmt auch, aber wohl kaum um da zu schlafen."
Helgas Blick wirkt fragend.
Tessa:"Boah Oma. Die machen da manchmal auch andere Sachen."
Helga schaut mich an.
Ich:"Meinst du nicht, dass Oma und Opa das auch manchmal machen?"
Tessas Blick wird starr. "Bitte nicht. Die sind wirklich zu alt dafür und bevor ihr weiter darüber redet, dass möchte ich nicht hören. Gute Nacht." und rennt aus dem Wohnzimmer ins Badezimmer, wo sie die Tür hinter sich zuknallt.
Kurt:"Bis das Bad wieder frei ist kann ich noch Sportschau schauen."
Helgas ernster Blick hält ihn davon ab.
Ich:"Ich geh hoch. Ich wünsche euch eine angenehme Nacht."
Helga:"Euch auch und Danke für deine Hilfe. Ohne Dich wären wir immer noch am reden mit ihr hier."
Ich:"Das mach ich doch gerne", lächel und gehe hoch.

Oben ziehe ich meine Schuhe und Jacke aus und gehe dann ins Wohnzimmer, wo Frederik Fernseh schaut.
Ich:"Hallo."
Frederik:"Hi" und schaut weiter zum Fernseh. "Ich bin gleich voll und ganz für dich da.".
Ich gehe zu ihm und setze mich neben ihn aufs Sofa.
Frederik:"Mist. Daneben und verloren." Er dreht sich zu mir. "Hallo mein Schatz." und gibt mir einen Kuss.
Ich:"Hallo." und werfe einen Blick auf den Fernseher. "Wenn dein Vater wüsste, dass du das schaust, wäre er hier und wenn Tessa das wüsste auch."
Frederik schaut mich fragend an.
Ich:"Tessa ist im Bad und soll dann ins Bett. Wenn es nach ihr geht möchte sie noch Fernseh schauen."
Frederik:"Hoffentlich kommt die heute noch wieder aus dem Bad raus. Heute nachmittag wollte sie nur kurz zu ihrer Freundin. Vorher war sie eine Stunde im Bad um sich zu schminken und die Haare zu stylen."
Ich:"Sie möchte gut aussehen."
Frederik:"Sie sieht immer gut aus. Übermäßiges Make-up finde ich völlig übertrieben, besonders bei Kindern."
Ich grinse. "Tessa ist kein Kind mehr. Sie ist eine Jugendliche. Die probiert sich aus."
Frederik:"Oh ja und Inka und Silas lassen das durchgehen. Da würde ich durchgreifen."
Ich schaue ihn fragend an.
Frederik:"Warum muss ein Kind mit 10cm dicker Schminke im Gesicht zur Schule? Die Haare stehen nur noch, weil das Haarspray sie hält. Der Rock wird immer kürzer. Und diese aufmüpfige Art, das würde sie sich bei mir nicht erlauben.", stockt, "Nur gut, dass das nicht mein Kind ist. Emma erziehe ich anders."
Ich lache.
Frederik:"Das ist nicht lustig."
Ich:"Wie du das sagst schon. Sie probiert sich aus und glaub mir, das geht vorüber. Ich war damals auch nicht anders."
Frederik:"Echt?"
Ich:"Ja echt. Glaub mir, das hört zum Erwachsen werden dazu und du siehst an mir, dass es nicht so geblieben ist."
Frederik:"Zum Glück. Sonst wären wir vermutlich nicht zusammen gekommen."
Ich zucke mit den Schulter.
Frederik:"Und wenn ich zurück denke, bei Lucy ist es auch besser geworden, wobei es lange gedauert hat."
Ich:"Und inzwischen ist sie erwachsen und Mutter einer fast 3-jährigen Tochter. Den Weg wird Tessa auch finden."
Frederik:"Hoffentlich."
Ich:"Ganz bestimmt und ich gehe jetzt ins Bett, denn morgen steht Gartenarbeit an."
Frederik sagt ironisch:"Wie sehr ich mich darauf freue."

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt