Veröffentlicht am 24.08.2021
FREDERIK
Es ist 5 Uhr. Tabea schaut zum Fernseher. In sehe, dass sie in Gedanken ist.
Ich:"Denkst du auch nach?"
Tabea schaut zu mir und nickt.
Ich:"Ich überlege die ganze Zeit was richtig ist.", stocke, "ich weiß es aber nicht."
Tabea:"Ich auch nicht."
Ich:"Du hast mich vorhin gefragt, warum uns kein Glück gegönnt wird? Damals als das mit Oskar war, da haben wir gesagt, dass jedem das zugemutet wird, was er schafft. Wir werden das zusammen schaffen."
Tabea:"Wenn du meinst."
Ich:"Wir müssen positiv denken. Wir dürfen nicht aufgeben. Immerhin ist da auch noch Emma."
Tabea:"Ja, gerade weil sie da ist sollten wir vorausschauend denken. Sie hat bereits ein Geschwisterchen verloren. Sie hat bereits Wochen, Monate mit ängstlichen Eltern zusammengelebt, die danach traurig waren. Sollte ihr das alles nochmal zugemutet werden?"
Ich:"Sie ist älter geworden und wird es verstehen. Zudem ist sie im Internat und somit kaum da."
Tabea sagt leise:"Schlimm genug."
Ich:"Wie meinst du das?"
Sie schaut zur Seite.
Ich:"Wie meinst du, dass es schlimm genug ist."
Tabea schaut langsam wieder zu mir. "Ich finde es halt nicht gut, dass sie im Internat ist, soweit weg von uns. Hast du dich jemals gefragt, wie sie sich dabei fühlt?"
Ich:"Sie wollte ins Internat. Hinter meinem Rücken hat sie sich da angemeldet."
Tabea:"Das stimmt, aber hast du sie mal gefragt, wie es ihr jetzt geht? Sie ist immerhin schon eine Weile im Internat und die Situation zuhause hat sich verändert. Ist dir nicht aufgefallen, wie oft sie inzwischen am Wochenende zu uns kommen möchte?"
Ich:"Schon."
Tabea:"Das hat doch Gründe, sonst würde sie das Wochenende im Internat verbringen."
Ich:"Sie ist gerne bei uns und das finde ich gut. Du nicht?"
Tabea:"Doch ich finde es sehr gut. Nur frag ich mich, ob sie wirklich im Internat bleiben möchte."
Ich:"Sie ist da gut aufgehoben und in den nächsten Wochen wird es uns erleichtern."
Tabea:"Erleichtern?"
Ich:"Eine Sorge weniger. Sie ist gut aufgehoben."
Tabea schüttelt ihren Kopf. "Hörst du dich gerade sprechen? Du findest es gut, dass deine Tochter nicht zuhause ist. Normalerweise freuen sich Eltern darüber ihr Kind zu sehen und du freust dich, weil sie weg ist."
Ich:"So ist es nicht. Ich freu mich auch wenn sie da ist nur zurzeit ist es besser so. Du bist schwanger, wir bekommen ein krankes Kind, dann noch eines und dann arbeite ich Vollzeit, finanziere uns beide, weil du zuhause bist. Da ist es für Emma gut, wenn sie versorgt ist."
Tabea:"Du hast sie wegen dem Geld nicht bei dir, weil du Angst hast sie nicht finanzieren zu können?"
Ich sage schnell:"Nein."
Tabea:"So klingt das. Du musst auch nicht alleine für uns sorgen. Ich werde Elterngeld bekommen und im übrigen wer sagt denn, dass ich zuhause bleibe und nicht du?"
Ich:"Das steht außer Frage."
Tabea:"Nein."
Ich:"Wie willst du denn eine 4-köpfige Familie ernähren?"
Tabea:"Indem ich arbeite. Du bist zuhause bei den Kindern. Und wie kommst du auf 4? Wir sind 6."
Ich:"Lisa finanziert sich selbst und Emma weitestgehend auch."
Tabea:"Weil sie es muss. Will sie das überhaupt?"
Sehe ich wirklich nicht wie es meiner Tochter geht?
Ich merke, dass mein Herz schneller wird.
Tabea:"Alles ok bei dir?"
Ich nicke.
Tabea:"Ich glaub dir nicht."
Ich:"Mach dir keine Sorgen um mich. Mir geht es gut."
Tabea:"Wenn nicht, dann rede mit mir, bitte."
Ich:"Es ist alles ok. Ich glaube, ich muss mal mit Emma reden."
Tabea nickt.
Ich höre mein Herz pochen.
Ich:"Ich muss mal zur Toilette. Bis gleich."
Tabea:"Bis gleich."
TABEA
Frederik verlässt das Zimmer. Ich fühle mich schlecht. Wie konnte ich ihm vorwerfen nicht zu sehen wie es Emma geht? Wie kann er bestimmen, dass ich zuhause bleibe? Wieso glaubt er uns nicht finanzieren zu können? Ich verstehe das nicht. Ich muss mit ihm darüber reden. Allerdings nicht jetzt.
15 Minuten ist er bereits weg und in mir kommt ein komisches Gefühl auf.
Ich stehe auf und gehe auf den Flur. Ich gehe zur Toilette und sehe, dass die Tür zu ist. Ich klopfe an. "Hallo. Ist da jemand?"
Es antwortet keiner.
Ich:"Frederik. Bist du da drin?"
Wieder antwortet keiner.
Ich klopfe kräftiger gegen die Tür.
Scheinbar war es etwas laut, denn Dr. Saskia Smolka und Dr. Miriam Dietz kommen zu mir.
Saskia:"Tabea, was machst du hier?"
Ich:"Ich suche Frederik. Er wollte zur Toilette und ist schon über 15 Minuten weg."
Saskia:"Vielleicht ist er an die frische Luft gegangen."
Ich:"Nein, das glaub ich nicht. Ich hatte eher das Gefühl, dass es ihm nicht gut geht."
Saskia:"Hat er das gesagt?"
Ich:"Nein, aber du weißt selbst, dass er es nicht sagen würde."
Saskia: "Das habt ihr gemeinsam." und grinst.
Ich grinse auch leicht.
Miriam:"Was ist denn mit der Tür?"
Ich:"Sie ist verschlossen."
Miriam:"Darf ich?" und kommt dahin.
Saskia und ich gehen ein paar Schritte zurück.
Miriam klopft und rüttelt an der Tür. Immer wieder fragt sie, ob da jemand drin ist. Niemand antwortet ihr. Sie wühlt in ihrer Kitteltasche herum und holt ein 50ct Stück heraus.
Miriam:"Jemand Einwende wenn ich damit die Tür öffne?"
Saskia und ich schütteln den Kopf.
Sie öffnet damit die Tür und versucht sie aufzumachen.
Miriam:"Da liegt jemand."
Saskia geht zu ihr. Gemeinsam bekommen sie die Tür auf.
Und ich sehe wer da liegt. Es ist Frederik. Ich renne dort hin und will helfen.
Saskia und Miriam ziehen ihm aus dem Raum raus.
Ich hocke mich neben Frederik. "Frederik. Mach die Augen auf."
Miriam und Saskia untersuchen ihn.
Miriam schüttelt den Kopf und fängt an zu reanimieren. Saskia greift mich und zieht mich von ihm weg.
Erstarrt bleibe ich an der Wand stehen und sehe, wie Krankenschwestern, Pfleger und Ärzte von anderen Stationen dazu kommen. Sie reanimieren Frederik.
Schwester Nancy kommt zu mir. "Komm wir gehen in dein Zimmer."
Ich sage laut:"Nein!"
Sie fasst mich und will mich wegziehen.
Ich reiße mich los. "Ich will das nicht " und renne zu Frederik. Ich hocke mich zu ihm. "Mach die Augen auf. Frederik mach die Augen auf."
Ich werde von ihm weggezerrt. Ich versuche mich kurz zu wehren, doch es klappt nicht. Meine Kräfte gehen zu Ende und ich sacke zusammen.
Saskia hockt neben mir. "Es wird sich um ihn gekümmert und ich kümmer mich jetzt um dich."
Ich schüttel meinen Kopf. "Ich bleib ruhig, versprochen. Kümmer dich um ihn, bitte."
Saskia:"Es sind genug Ärzte für ihn da. Kannst du aufstehen?"
Ich nicke. Sie hilft mir hoch. Ich setze mich in den Rollstuhl und werde in mein Zimmer geschoben. Ich lege mich ins Bett.
Saskia misst meinen Puls. "Er ist zu schnell, was in der Situation verständlich ist."
Ich:"Ich habe gemerkt, dass es ihm nicht gut geht und habe ihn gehen lassen."
Saskia:"Du kannst ihn nicht festhalten und ich glaube nicht, dass er wusste, dass es so ernst ist "
Ich zucke mit meinen Schultern.
Saskia:"Wie geht es dir?"
Ich:"Das ist gerade egal."
Saskia:"Nein ist es nicht. Hast du Schmerzen?"
Ich schüttel meinen Kopf.
Saskia:"Zuckt es?"
Ich:"Nein." und schau in Saskias Gesicht. "Wird er es überleben?"
Saskia:"Ich hoffe."
Ich merke, dass ihr die Stimme weg bleibt.
Ich schaue zum Fenster und sehe die Sterne leuchten. Ich wünsche mir, dass er es schafft.
Nach einer Weile schaue ich zu Saskia und sehe, dass sie auch dahin schaut.
Da öffnet sich die Tür und Miriam kommt herein. Sie sieht geschafft aus.
Ich:"Und?"
Miriam nickt. "Er ist jetzt im OP. Ihm wird ein Defibrillator eingesetzt."
Ich:"Wird er es schaffen?"
Sie kommt näher zu mir und bleibt plötzlich stehen. "Er wird kämpfen. Sein Herz schlug wieder und ich denke, das ist ein gutes Zeichen."
Ich:"Hoffentlich. Ich will nicht ohne ihn sein." und lege meine Hände auf meinen Bauch.
Miriam:"Er würde euch niemals alleine lassen.", dreht sich um und verlässt das Zimmer.
Saskia:"Er kämpft und du kämpfst auch für euch."
Ich:"Mmh. Nur was ist das Richtige?"
Saskia:"Es gibt kein richtig oder falsch. Egal wie es wird, ihr werdet den Weg gehen."
Ich nicke leicht.
Saskia:"Du solltest versuchen zu schlafen."
Ich:"Ich kann nicht schlafen während Freddy um sein Leben kämpft."
Saskia:"Das versteh ich. Versuch Kraft zu tanken."
Ich nicke.
Saskia:"Kann ich dich alleine lassen?"
Ich:"Ja."
Saskia:"Wenn was ist klingelst du."
Ich:"Das mach ich", stocke, "Danke."
Saskia:"Ich bin für dich da. Egal was passiert", geht zur Tür und verlässt das Zimmer.
Ich schaue wieder zum Fenster. Die Sterne sind weg. Es wird hell.
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
