Veröffentlicht am 20.01.2020
FREDERIK
Seit dem 30.5. ist Klara verschwunden. Ich mach mir Vorwürfe. Ich hätte aufpassen müssen. Ich habe im Affekt reagiert und bin zu Emma gelaufen. Ich dachte, sie hat den Ast in sich stecken. Ich dachte, sie sei schwer verletzt. Verletzt war sie, aber nicht schwer. Ich habe nicht damit gerechnet, dass jemand das ausnutzt und Klara aus den Wagen nimmt. Ich habe das überhaupt nicht mitbekommen. Ich frage mich, wer so etwas macht? Und dann muss Klara mit dem Auto weggefahren sein und niemand weiß wohin. Es wird noch immer nach ihr gesucht. Aber sind wir ehrlich: Sie ist seit fast einen Monat weg und könnte überall sein. Wer weiß, ob sie überhaupt noch in Deutschland ist? Zeitung, Internet, Fernseh, überall wurde von ihr berichtet, ohne Erfolg. Wieso habe ich es nur nicht mitbekommen, dass sie aus den Wagen genommen wird? Ich habe niemanden im Wald gesehen. Ich fühle mich hilflos. Seit der Entführung bin ich krank geschrieben, welche morgen endet, passend zu Emmas 5.Geburtstag.
Emma, sie fragt nach Klara, wobei es weniger geworden ist wie am Anfang. Sie sagt, dass die Polizei Klara finden wird, denn diese hat auch Lisa gefunden. Sie ist da optimistisch und das finde ich toll. Sie spornt uns an nicht aufzugeben. Sie gibt mir Kraft.
Charlotte, sie wirkt gefasst. Im Inneren nimmt es sie mehr mit als sie zugibt, das merke ich. Sie macht es zum zweiten Mal mit und weiß, dass ein Kind gefunden werden kann. Sie macht mir keine Vorwürfe, gibt mir keine Schuld und sagt, dass sie genauso gehandelt hätte wie ich.
CHARLOTTE
Morgen ist Emmas 5.Geburtstag. Sie freut sich sehr darauf. Meine Stimmung ist getrübt. Mir fehlt Klara. Seit vier Wochen ist sie weg und es tut weh, nicht zu wissen, wo sie ist.
Emma, sie ist mein Halt und Frederik, wobei ich merke, dass er sich Vorwürfe macht. Ich mache ihm diese nicht, weil ich genauso reagiert hätte wie er.
Emma ist in der Kita.
Ich hole die Post rein und bringe sie in die Küche. Es ist ein Brief von der Elterngeldstelle dabei. Ich öffne und lese ihn. Was ich da lese macht mich fassungslos.
Frederik, welcher mit im Raum ist, sieht das.
Frederik:"Was ist los?"
Ich:"Die Elterngeldstelle fordert das Elterngeld für Juni zurück und zahlt ab sofort nicht mehr. Desweiteren bin ich seit Juni nicht mehr krankenversichert und hätte arbeiten müssen."
Frederik:"Warum das?"
Ich:"Weil die Elterngeldstelle erfahren hat, dass Klara zurzeit nicht bei uns lebt und somit kein Anspruch auf Elternzeit und Elterngeld besteht."
Frederik fasst sich mit einer Hand an den Kopf. "Die haben nichts zu tun außer uns das Leben noch schwerer zu machen als es eh schon ist."
Ich zucke mit den Schultern.
Frederik:"Dürfen die das überhaupt rückwirkend einfordern?"
Ich:"Keine Ahnung."
Frederik:"Und wie stellen die sich das vor? Du arbeitest ab sofort wieder und wie soll es rückwirkend mit den Juni laufen?"
Ich:"Wenn ich versichert sein möchte muss ich arbeiten, ansonsten fehle ich unentschuldigt bei der Arbeit, was ein Kündigungsgrund ist."
Frederik:"Franz wird dich so schnell nicht kündigen."
Ich:"Das hat mit Franz nichts zu tun. Fakt ist, dass ich seit einen Monat hätte arbeiten müssen und es nicht tu."
Frederik:"Du wusstest das doch gar nicht und niemand kann von einer Mutter erwarten, dass sie unmittelbar nach der Entführung ihres Babys zur Arbeit geht."
Ich:"Nein. Dann hätte ich mich aber krank schreiben lassen müssen. Hab ich aber nicht."
Frederik:"So geht es aber doch auch nicht. Ich rufe mal Ariane an und frage wie die rechtliche Lage da ist."
Ich:"Ok."
Er nimmt den Brief und ruft Ariane an.
-- Ariane: Rechtsanwältin Ariane Paulus --
Nach ein paar Minuten ist das Gespräch beendet. Sein Blick sieht nicht gut aus. "Die Elterngeldstelle steht im Recht. Wo kein Baby ist, da gibt es kein Geld. Das gilt übrigens auch fürs Kindergeld. Allerdings darf dir die Elterngeldstelle das nicht erst einen Monat später mitteilen, sondern hätte es sofort machen müssen. Gültigkeit dafür, dass sie nicht mehr zahlen müssen, gilt erst ab dem Tag, wo es schriftlich bei dir eingegangen ist, und das ist heute. Das bedeutet, dass du vom 30.6.-2.7. zurück zahlen musst. Ariane versucht, dass du das aus Kulanz nicht brauchst und noch bis 2.7. über Elterngeld läufst, da man auch einen Vorlauf zum planen braucht."
Ich:"Und wenn das nicht klappt muss ich ab morgen arbeiten?"
Frederik nickt. "Und Franz kann dagegen nichts machen, weil deine Elternzeit von anderer Stelle aufgehoben worden ist."
Ich:"Na super. Emma wird 5 und ich arbeite."
Frederik:"Vielleicht schafft Ariane es bis zum 2. rauszuzögern."
Ich:"Macht das einen Unterschied?"
Frederik:"Du wärst morgen zu Hause."
Ich:"Stimmt."
Es fühlt sich trotzdem komisch an.
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
