152. Reden mit Miriam

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Veröffentlicht am 13.05.2021

TABEA
Es ist Ende März.
Ich bin in der 25.SSW.

Es ist fast 12 Uhr als ich in den Aufenthaltsraum komme. Ich sehe, dass nur Dr. Miriam Dietz darin sitzt. Sie hat eine Tasse vor sich stehen und liest Zeitung.
Ich gehe rein. "Hallo."
Sie antwortet nicht. Sie schaut mich nicht mal an.
Ich gehe zur Küchenzeile, nehme mir ein Glas und gieße Wasser ein.

Wie konnte es nur soweit kommen? Miriam war die engste Vertraute für mich in der Klinik und jetzt schaut sie mich garnicht mehr an. Sie wechselt kein Wort mit mir. Das schmerzt in meiner Seele, weil ich sie mag. Wie gerne würde ich mit ihr über alles mögliche sprechen. Auch über meine Schwangerschaft, aber ich kann verstehen, dass ihr das Thema schwer fällt. Daher kann ich das Thema ausklammern. Wie sehr haben wir schon Fälle zusammen analysiert. Die Zusammenarbeit hat immer gut geklappt und jetzt fühle ich mich alleine. Auch außerhalb der Klinik haben wir Zeit miteinander verbracht. Seit 2,5 Monaten ist das anders.

Ich frage mich, wie sie sich fühlt.

Ich nehme meinen Mut zusammen, gehe zur Tür und mache diese zu.
Miriam schaut daraufhin zu mir.
Miriam:"Warum machst du die Tür zu?"
Ich setze mich ihr gegenüber, mit meinem Glas, an den Tisch.
Ihr Blick folgt mir. "Bekomme ich heute noch eine Antwort darauf?"
Ich:"Ja, bekommst du." und atme tief durch, "Ich möchte mir dir reden. Ich finde das aktuelle Verhältnis zwischen uns nicht gut."
Miriam:"Das hast du zu verschulden."
Ich:"Weil ich schwanger bin? Das kann ich jetzt nicht mehr ändern."
Miriam:"Nein, das brauchst du auch nicht, denn unsere Freundschaft ist vorbei. Du hast sie zerstört."
Ich:"Womit habe ich sie denn zerstört?"
Miriam:"Indem du mich angelogen hast."
Ich:"Ich habe dich nicht angelogen."
Sie unterbricht mich. "Wie nennst du es denn? Du hast mir gesagt, dass du keine Kinder willst und warst in einem Jahr gleich zweimal schwanger. Wenn man keine Kinder will passiert einem das nicht zweimal."
Ich:"Ich habe das wirklich nicht geplant."
Miriam:"Das glaub ich dir nicht. Du hast von Anfang an einen Kinderwunsch gehabt und um mir Mitleid zu geben hast du anderes behauptet. Das ist so ärmlich." und steht auf und geht mit ihrer Tasse zur Küchenzeile.

Ich folge ihr mit meinem Blick:"Ich kann verstehen, dass es für dich schwer ist mit anzusehen, dass Frauen um dich herum schwanger werden. Für mich war es das auch, als ich erfahren habe, dass du schwanger warst. Vielleicht konnte ich mich damit besser abfinden, weil ich kein Kind wollte. Nur wie willst du es in Zukunft machen? Ich werde nicht die einzige Schwangere bleiben?"
Miriam:"Das nicht, wobei du die Einzige bist, die mich angelogen hat."
Ich stehe auf und lehne mich an den Tisch, um sie besser sehen zu können. "Ich kann dir nur nochmal sagen, dass das keine Absicht war. Ich kann es auch nicht mehr ändern. Ich kann dir nur sagen, dass ich mir wünschen würde wieder mehr Kontakt zu dir zu haben. Du bist mir wichtig."
Miriam hebt die Augenbrauen an. "Wer's glaubt. Wen belügst du eigentlich noch alle?"
Ich:"Keinen."

Die Tür öffnet sich. Frederik, Dr. Oliver Dreyer und Dr. Saskia Smolka kommen rein. Ich schaue kurz dort hin und dann wieder zu Miriam.

Miriam:"Jetzt kannst du denen erzählen wie Böse ich bin, weil ich nicht auf dich eingegangen bin." und geht Richtung Tür.
Ich stelle mich hin und schau zu ihr. "Du bist nicht böse."
Miriam dreht sich um und schaut zu mir. "Nur nicht einsichtig oder wie?"
Ich:"Das sagst du gerade selbst von dir. Ich möchte einfach nur mit dir reden."
Miriam:"Und weil ich das nicht will mögen mich die Kollegen nicht mehr. Weißt du eigentlich wie sich das anfühlt? Wohl nicht. Ist auch egal. Hauptsache dir geht es gut." dreht sich zur Tür und geht.

Mir fehlen kurz die Worte. Sie fühlt sich alleine.

Frederik kommt zu mir. "Das Gespräch ist nicht so gut gelaufen."
Ich:"Nein." und lehne mich an den Tisch. "Sie fühlt sich allein."
Frederik:"Und du fühlst dich jetzt schuldig daran?"
Ich zucke mit den Schultern.
Oliver:"Die wird von uns nicht ausgeschlossen. Das macht sie selbst."
Ich:"Weil sie mit der Situation nicht umgehen kann."
Oliver:"Kann sein, nur was soll die Alternative sein? Sollen keine Schwangere mehr hier arbeiten?"
Ich:"Sie weiß, dass das nicht geht."
Oliver:"So wie sie zurzeit mit dir umgeht ist unterste Schublade. Das hat nichts mehr mit Kollegialität zu tun."
Ich stelle mich hin. "Du weißt genau, dass sie kollegial ist."
Oliver:"Auf einer Seite ja, allerdings hört Anpassen mit dazu. Wie wäre es wohl gewesen wenn Viola noch da wäre, auch schwanger. Wie wäre es dann geworden? Wollte sie die auch meiden?"
Ich zucke mit den Schultern.

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