Veröffentlicht am 26.03.2019
CHARLOTTE:
Frederik und ich sind seit 30 Monaten zusammen.
Seit 7 Monaten besuchen den Vorbereitungskurs für ein Pflegekind.
Zurzeit sind wir dabei den Dachboden auszubauen. Wir brauchen Platz, denn wenn wir ein Pflegekind aufnehmen möchten braucht es ein eigenes Zimmer. Wir haben zwar das Gästezimmer und das soll auch das Kinderzimmer werden, aber wo sollen dann Michel, Lara und Fritz oder meine Eltern hin wenn sie zu Besuch sind. Wohnzimmer ist keine Option und wir wollen unser Schlafzimmer nicht mehr für den Besuch hergeben.
Zum Glück gibt es das Dachgeschoss und meine Schwiegereltern wollen es schon lange ausbauen. Nur haben ihre Kinder keine Zeit dazu oder eher keine Lust.
Im Dachgeschoss sollen 3 Zimmer und ein Bad entstehen. Ein Zimmer möchte Helga zur Lagerung ihrer Sachen nutzen und zwei Zimmer sollen Gästezimmer werden.
Das Badezimmer ist schon fertig. Es wurde von einer Firma gemacht und ist richtig gut geworden. Frederik und ich weichen ab und zu schon dahin aus. Bsp. wenn einer von uns im anderen Bad ist oder Michel mit Familie zu Besuch ist.
Seit 6 Monaten wohne ich ganz bei Frederik. Seine Mutter Helga ist immer noch sehr fürsorglich. Eigentlich hatte ich sie ganz gut "erzogen", in Form von, dass Frederik und ich unseren Haushalt selber machen.
Seitdem aber Handwerker da sind und sie die Bauarbeiten überwacht, meint sie doch wieder bei uns putzen zu müssen. Mich stört das, weil sie das auch noch ihren Freundinnen erzählt und es so wirkt, als wenn ich nicht putzen würde. Denn Frederik ist ein Mann und muss nicht putzen, meint sie.
Ich komme von der Frühschicht nach Hause. Es liegen 10 anstrengende Arbeitsstunden hinter mir. Es gab so viel zu tun, so dass ich keine Pause hatte und auch noch länger arbeiten musste.
Jetzt bin ich zu Hause und möchte mich nur noch aufs Sofa legen und chillen.
Ich mache die Haustür auf und schaue die Treppe hinauf und sehe, dass die Wohnungstür auf steht. Super, dann sind die jetzt auch noch auf dem Dachboden am Arbeiten. Hoffentlich bohren sie nicht wieder bis in die Nacht. Das haben sie die letzten Tage gemacht und ich kann dabei nicht schlafen. Und mit nur max. 4 Stunden Schlaf pro Nacht und das mehrere Nächte am Stück, da wird meine Laune schlecht.
Ich gehe die Treppe hoch und in die Wohnung rein. Kein Bohren, wie schön. Ich schaue mich um und sehe niemanden, aber ich höre was. Ich gehe ins Wohnzimmer und dann in die Küche. Und da sehe ich wie Helga gerade den Backofen putzt.
Helga hat mich bemerkt. "Hallo Charlotte. Ich hab mir gedacht, ich putze mal euren Backofen. Der war auch ganz schmutzig."
Ich:"Warum putzt du unseren Backofen?"
Helga:"Weil er schmutzig ist."
Ich:"Und das hast du durch die Scheibe gesehen?"
Helga:"Nein. Aber als ich rein geschaut habe, habe ich es gesehen."
Ich:"Warum schaust du in unseren Backofen?"
Helga:"Um ihn zu putzen. Ich habe heute meine Küche geputzt und dann habe ich mir gedacht, dass ich eure auch gleich putzen kann. Ihr kommt doch nicht dazu."
Ich:"Das ist total lieb von dir, dass du an uns denkst und uns helfen möchtest. Aber Frederik und ich machen unseren Haushalt selber. Das bedeutet, dass wir unsere Küche selber putzen. Und da gehört auch der Backofen mit zu."
Helga:"Ja ich weiß, dass du das alles auch kannst. Ich helfe doch nur."
Ich:"Ich brauche aber keine Hilfe."
Helga putzt in Ruhe weiter. Ich muss mich zusammen reißen um nicht laut zu werden.
Ich:"Helga. So geht das nicht. Wir müssen reden."
Helga:"So fertig." Sie steht auf, kippt den Eimer im Spülbecken aus und putzt die Spüle.
Ich:"Helga, bitte! Wir müssen reden."
Helga nimmt den Eimer und Wischer und steht vor mir.
Helga:"Worüber?"
Ich:"Über das!" Ich zeige auf den Eimer.
Helga:"Charlotte. Ich helfe doch nur."
Ich:"Du würdest mir helfen, wenn du nicht mehr bei uns putzt. Wir schaffen das selber."
Helga:"Ihr habt doch gar keine Zeit dazu. So viel wie ihr beide arbeitet. Du arbeitest ja auch viel und dann noch der ganze Haushalt. Da helfe ich euch. Dann bekommt ihr das auch hin."
Da kommt das andere Thema:meine Arbeit. Wenn es nach Helga geht würde ich nur max. 5 Stunden am Tag arbeiten. Weniger oder gar nicht wäre noch besser. Schließlich machen Inka und Lara das -die beiden Traumschwiegertöchter. Ich bin aber nicht Inka und Lara. Ich mag meinen Job; ich gehe gerne arbeiten.
Ich:"Wir bekommen das auch so hin."
Helga:"Das sehe ich. Der Sand stapelt sich im Flur. Selbst im Bad ist Sand."
Ich:"Der Sand im Flur kommt von den Bauarbeiten und da diese Leute mit Schuhe ins Bad gehen ist er da auch."
Helga rollt mit den Augen.
Ich:"Ich möchte dich auch nicht angreifen Helga. Du bist wirklich nett und deine Hilfsbereitschaft enorm. Wenn wir Hilfe brauchen, dann kommen wir auf dich zu. Gib uns doch bitte die Möglichkeit eigenständig zu sein."
Helga schaut mich beleidigend an. Patzig sagt sie:"Ich will doch nur helfen."
Ich:"Das weiß ich. Das finde ich auch toll, aber gib uns die Möglichkeit selbst Erfahrungen zu sammeln."
Helga rollt wieder mit den Augen. "Ja mach ich."
Sie geht wortlos an mir lang und zur Tür.
Helga ruft:"Ich mache die Wohnungstür gleich zu. Ich habe gerade meine Hände voll."
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Das verlorene Kind
FanfictionDr. Charlotte Engel ist 32 Jahre, Ärztin und arbeitet in der Klinik am Südring. Sie ist eine gute, beliebte Ärztin. Von ihren Kollegen wird sie sehr geschätzt, u.a. für ihre einfühlsame Art, wie auch ihrer Hilfsbereitschaft. Sie versucht jeden Fall...
