47. Frederik gibt auf

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Veröffentlicht am 07.06.2019

CHARLOTTE
Es ist der 22.12..

Frederik hat ab heute Urlaub und muss erst im neuen Jahr wieder arbeiten.

Ich freue mich sehr darauf. Frederik wird dieses Jahr Weihnachten bei uns sein. Wir werden zu Hause sein.
Letztes Jahr waren wir in Hamburg, doch zu Hause ist es am schönsten.

Meine Eltern kommen am 25.12. zu uns.
Heilig Abend möchten wir als Familie verbringen.
Am 26.12. haben Helga und Kurt eingeladen.

Silas hat sich bereit erklärt einen Tannenbaum für uns zu besorgen. Er kommt gerade damit an. Der Baum sieht riesig aus. Er hebt ihn aus dem Auto raus.
Frederik:"Der ist ja groß."
Silas:"Für euer Wohnzimmer passt das schon."
Frederik zuckt mit den Augen. "Wenn du das sagst. Und wie kriegen wir den nach oben?"
Silas schaut sich um. "Ich trage ihn euch hoch."
Frederik:"Alleine?"
Silas:"Ja. Du wirst mir wohl kaum helfen können."
Frederiks Mimik verändert sich. Er sieht traurig aus. Ich weiß, wie gerne er da mit helfen würde und wie enttäuschend es für ihn ist, dass er es nicht kann.

Silas trägt den Baum ins Haus bis zur Treppe. Er geht eine Stufe hoch, schwankt, stoppt und geht wieder runter.
Er schaut verlegen. "Ich glaube, so wird das nichts." und schaut zu mir. "Packst du mal mit an?"
Ich:"Ja." und greife nach dem Baum.
Mir war gar nicht bewusst, dass ein Baum so schwer sein kann. Mit viel Kraft und Stöhnen von Silas aus tragen wir ihn nach oben. Endlich oben angekommen atmen wir beide erstmal laut.
Silas:"Nächstes Jahr bekommt ihr einen Kleineren."
Ich grinse.
Silas:"Dann mal weiter. Hier soll er bestimmt nicht stehen bleiben."
Wir stehen noch im Flur. Wir tragen den Baum ins Wohnzimmer, wo der Ständer dafür schon steht.
Silas hebt ihn darein und drückt es fest. "Das müsste halten."
Frederik kommt um die Ecke gefahren. Er ist mit dem Lift hochgekommen.
Silas und ich lachen. Wir sind froh, dass der Baum steht.
Silas:"Was sagst du?"
Frederik sieht betrübt aus. "Sieht gut aus."
Silas:"Was für eine Begeisterung. Du musst es nicht übertreiben."
Frederik:"Wirklich. Sieht gut aus."
Silas:"Ich weiß. Kommt ja auch von mir." und grinst. "Jetzt muss ich aber los. Inka wartet." und geht zur Tür.
Ich:"Schönen Tag noch und Danke."
Silas:"Bitte, bitte. Bis bald" und geht.

Ich schaue zum Baum und dann zu Frederik. Er sieht immer noch betrübt aus.
Ich:"Was ist mit dir?"
Frederik:"Nichts. Alles ok."
Ich:"Das glaube ich dir nicht. Was ist los?"
Frederik sagt genervt:"Nichts." und schaut zum Baum. "Lass uns den Baum schmücken."

Er fährt zum Tisch, wo ich die Kugeln usw. schon hingelegt habe. Gemeinsam fangen wir an den Baum zu schmücken.

Und dann sehe ich es: Frederik steht. Ich lächel ihn an.
Er schaut zu mir. "Ich kann doch schon was."
Ich:"Du kannst schon sehr viel."
Frederik sagt leise:"Nur nicht laufen."

Frederik fänkt an zu schwanken. Er hält sich am Baum fest, welcher daraufhin umkippt. Frederik liegt unterm Baum.
Sofort gehe ich dahin und hebe den Baum hoch und Frederik robbt sich daraus. Danach lege ich den Baum wieder hin und widme mich meinem Mann.
An seiner Mimik kann ich erkennen, dass er Schmerzen hat.
Ich:"Wo hast du Schmerzen?"
Frederik:"Nirgendwo."
Ich schaue ihn ernst an.
Frederik:"Lass mich in Ruhe." Er schaut sich um. Sein Rollstuhl ist ein paar Meter von ihm entfernt. Er flucht:"Dieses blöde Teil." und robbt dahin. Er versucht sich darein zu heben, was ihm nicht gelingt.
Er flucht:"Jetzt geh schon, du blödes Ding. Ich will jetzt da rein."
Ich helfe ihm und hebe ihn mit rein.
Frederik schaut mich sauer an. "Ich kann das alleine."
Ich:"Ich weiß."
Frederik:"Dann hör endlich auf mir zu helfen."
Wütend fährt er davon.

Was ist nur mit ihm los? Warum reagiert er so? Ich kann mir vorstellen, dass die Situation für ihn schwer ist. Ich möchte ihm doch nur helfen.

Nach ein paar Minuten gehe ich nach Frederik schauen. In mir ist ein komisches Gefühl.
Ich öffne die Schlafzimmertür. Frederik liegt im Bett. Schnell schaut er zur Seite und ich sehe noch, wie er sich durchs Gesicht wischt. Hat Frederik etwa geweint?
Ich gehe auf ihn zu.
Frederik:"Geh weg! Ich will alleine sein."
Ich:"Warum?"
Frederik wird lauter:"Weil ich das will. Respektier es doch einfach."
Frederik weist mich ab. Das tut mir weh.
Ich:"Ok. Wenn was ist, ich bin im Wohnzimmer." und gehe.

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