139. Der neue Kollege IV

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Veröffentlicht am 15.10.2020

FREDERIK
Es ist Wochenende und Tabea und ich haben frei. Ich, weil es nach Dienstplan so ist, und Tabea, wegen ihrem Fuß. Sie soll ihren Fuß hochlegen und da achte ich sehr  drauf.

Ich wache um 6 Uhr auf. Ich drehe mich zur Seite. Tabea liegt nicht da. Ich stehe auf um nachzuschauen, wo sie ist.

Im Flur höre ich den Fernseher und gehe deshalb ins Wohnzimmer. Tabea liegt auf dem Sofa. Ihre Augen sind geschlossen. Sie schläft.
Ich gehe langsam dort hin, nehme die Fernbedienung und stelle den Fernseher aus.
Ich nehme eine Decke vom Sessel und möchte damit Tabea zudecken.

Plötzlich schreckt sie auf und setzt sich erstarrt hin. Erschrocken schaut sie mich an.
Ich:"Gutenmorgen."
Tabea:"Was hattest du vor?"
Ich:"Ich wollte dich zudecken."
Sie atmet durch. "Achso."
Ich:"Ich wollt dich nicht erschrecken."

Tabea setzt sich auf die Sofakante.
Ich setze mich neben ihr."Du scheinst heute Nacht hier hin gegangen zu sein. Konntest du nicht schlafen?"
Sie schüttelt den Kopf und schaut zum Boden.
Ich:"Warum nicht?"
Sie steht ruckartig auf. "Ich muss zur Toilette" und geht.

Weicht sie mir aus? Warum macht sie das? Hab ich was falsch gemacht?

TABEA
Er wollte mich nur zudecken, doch ich dachte, er will was anderes.
Ich bin ins Wohnzimmer gegangen um Abstand zu bekommen. Er berührt mich und ich sehe Bilder von Milan. Ich will das nicht.
Ich kann ihm nicht sagen was los ist. Selbst wenn er mir glaubt. Prof. Filou tut es nicht.
Die Situation wird dadurch nicht besser. Es ist wie damals. Niemand konnte mir helfen.

Nachdem ich zur Toilette war gehe ich wieder ins Wohnzimmer. Frederik sitzt noch auf dem Sofa. Er schaut mich fragend und hilfesuchend an.
Frederik:"Möchtest du reden?"
Er merkt, das was nicht stimmt.
Ich schüttel meinen Kopf.
Er steht auf und kommt zu mir. "Du weißt, du kannst mit mir über alles sprechen.", stockt, "Kann es sein, dass du überarbeitet bist?"
Ich:"Nein."
Frederik:"Das haben Viele mal. Das muss dir nicht unangenehm sein. Dir kann geholfen werden."
Ich gehe einen Schritt zurück. "Ich bin nicht überarbeitet. Ich brauch auch keine Hilfe."
Frederik:"Und wieso bist du dann gleich zweimal binnen zwei Tagen gestürzt?"
Ich:"Das waren Unfälle."
Frederik:"Die Reinigungskraft sagt, dass der Lappen sichtbar lag."
Ich:"Ja kann sein. Ist doch jetzt auch egal."
Frederik:"Das finde ich nicht. Du hast dich dabei verletzt."
Ich ziehe meine Augenbrauen kurz hoch.
Frederik:"Siehst du nicht mehr gut?"
Ich:"Was? Ich glaube, jetzt reicht's. Ich sehe gut, ich bin nicht überarbeitet. Ich bin gestürzt, ich habe mich dabei verletzt. Das hätte jeden passieren können. Unterstellst du jedem, dass er dann schlecht sieht oder überarbeitet ist?"
Frederik:"Nein."
Ich:"Und warum dann mir?"
Frederik:"Weil ich mir Sorgen um dich mache."
Ich:"Das brauchst du nicht. Ich kann schon alleine für mich sorgen." und gehe zur Tür.
Frederik:"Was hast du vor?"
Ich:"Ich gehe duschen oder brauch ich dafür jetzt deine Erlaubnis?"
Frederik:"Natürlich nicht."

FREDERIK
Sie verlässt den Raum. Sie möchte nicht reden. Ich muss es so hinnehmen. Vielleicht übertreibe ich auch. Es waren Unfälle. Es hätte mir genauso passieren können. Ich wäre sauer gewesen wenn mir jemand dann Überarbeitung unterstellt hätte. Genau das hab ich gerade bei Tabea gemacht. Ich sollte damit aufhören, um ihr mehr Freiheiten zu geben.

Ich ziehe mich um und decke den Tisch fürs Frühstück.

Tabea kommt vom Duschen zurück. Wortlos setzt sie sich zu mir an den Tisch.
Tabea und ich:"Ich."
Wir lachen kurz.
Ich:"Es tut mir Leid, dass ich dich so angegriffen habe. Ich werde mich zurück nehmen."
Tabea:"Das fände ich gut. Es tut mir Leid, dass ich dich so angefahren habe. Aber ich mag Unterstellungen garnicht."
Ich:"Ich weiß. Ich mag das auch nicht. Kannst du mir verzeihen?"
Sie lächelt und nickt.

Das verlorene KindGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt