168. Das neue Leben II

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Veröffentlicht am 01.03.2024

OLIVER
Es ist der 05.05. um 11 Uhr. Ich stehe auf dem Gang der Intensivstation. In der Übergabe habe ich erfahren, dass Frederik in sich gekehrt ist. Psychische Hilfe wurde ihm angeboten. Er hat das abgelehnt.

Praktikantin Freya kommt aus einem Zimmer raus. Sie sieht mich und kommt zu mir.
Freya: "Gutentag. Ich möchte mich nochmal für gestern entschuldigen. Ich wusste nicht, dass die Dame nicht zu ihrem Partner sollte und auch nicht, dass sie selbst Ärztin in dieser Klinik ist."
Ich: "Woher auch. Sie wird es ihnen nicht gesagt haben."
Freya: "Nein. Ich habe mir vorgenommen Patienten die ich bringe jetzt auf der Station beim Personal anzumelden. Ich hoffe damit so eine Situation zu verhindern."
Ich: "Das klingt sehr gut."

Sie schaut mich neugierig an.
Ich: "Kann ich noch was für sie tun?"
Freya: "Was ist eigentlich mit dem Freund von ihrer Kollegin? Von anderen habe ich mitgehört, dass er auch Arzt ist und nicht mehr als dieser arbeiten darf. Stimmt das?"
Ich: "Sie scheinen sehr aufmerksam zu sein. Es stimmt, leider. Er hatte zum zweiten Mal einen Herzinfarkt und hat diesmal einen Defibrillator eingesetzt bekommen. Damit ist die Arbeit in einer Klinik nicht mehr möglich."
Freya: "Das ist bestimmt nicht leicht für ihn und für seine Familie. Gerade jetzt wo er Vater geworden ist."
Ich nicke.
Freya: "Wie geht es denn mit ihm weiter?"
Ich: "Erstmal soweit genesen, dass er zur Reha kann. Vorher natürlich noch auf Normalstation. In der Reha wird er lernen mit dem Defibrillator umzugehen und es wird geschaut, was er beruflich machen kann."
Freya: "Wie lange dauert sowas?"
Ich: "Das kann vorher nicht gesagt werden. Wobei 6 Wochen und mehr normal sind."
Freya: "Und danach macht er eine neue Ausbildung?"
Ich: "Im besten Fall und er muss es auch wollen."
Freya: "Ich kann mir vorstellen, dass das für ihn schwierig ist. Es ist eine große Umstellung."
Ich: "Ja das ist es. Jetzt hab ich viel erzählt, erzählen Sie mir bitte was über sich. Bis jetzt weiß ich nur, dass sie Praktikantin sind und sehe sie Patienten hin und her schieben."
Freya lächelt. "Ich bin Freya und seit dem 2. als Praktikantin in der Klinik tätig. Ich schiebe zwar Patienten hin und her, aber durfte auch schon mal einen Zugang legen und Blutdruck messen."
Ich: "Ok. Und was lernst du? Ich hoffe, es ist ok, wenn ich du sage."
Freya: "Das ist ok. Ich studiere Medizin im 5. Semester. Es ist mein erstes Praktikum im Studium."
Ich: "Dann wirst du Ärztin."
Freya: "Das ist mein Ziel."
Oliver: "Du bist interessiert und aufmerksam. Das finde ich sehr gut. Nur finde ich es nicht gut, dass du Hilfsarbeiten machst. Du solltest bei einem Arzt mitlaufen und helfen."
Freya: "Das kommt vermutlich mit der Zeit noch. In der Uni wurde uns gesagt, dass es immer mehr wird und anfangs mit kleinen Aufgaben anfängt."
Ich: "Das stimmt, wobei motivierte Praktikanten unterstützt werden sollten."
Freya lächelt.
Ich: "Hast du denn schon eine Fachrichtung worauf du dich spezialisieren möchtest?"
Freya: "Ich schwanke noch, wobei mich die Anästhesie sehr interessiert und die Chirurgie."
Ich: "Das finde ich sehr gut. Ich bin Anästhesist."
Freya: "Ok."
Ich: "Ich werde mich mal erkundigen, ob du bei mir mitlaufen kannst. Keine Sorge, das heißt zwar mitlaufen, wobei du da auch Aufgaben übernehmen darfst. Den OP siehst du dann auch von innen. Das kann nur zum Vorteil sein. Und wenn ich nicht da bin kannst du immer noch Hilfsarbeiten machen oder du läufst bei anderen Kollegen mit."
Freya: "Das wäre super."
Ich: "Ich kläre das und du hörst dann davon."
Freya: "Ok."
Ich: "Bis bald." und möchte zu Frederiks Zimmer gehen.

Freya: "Einen Moment noch bitte."
Ich drehe mich zu ihr um.
Freya: "Vielleicht wäre es für den Patienten mit dem Defibrillator eine Möglichkeit in der Uni zu lehren. So viel ich weiß werden in Köln zurzeit Dozenten für den Bereich Medizin gesucht. Das wäre vielleicht was für ihn."
Ich: "Das wäre perfekt für ihn. Theorie lehren. Das ist die Lösung. Wieso hast du das nicht gleich gesagt?"
Freya: "Du wolltest was über mich wissen."
Ich: "Stimmt. Beim nächsten Mal sagst du trotzdem erst sowas."
Freya: "Das mach ich. Soll ich mich mal erkundigen für welche medizinischen Bereiche genau Dozenten gesucht werden und auch die Bezahlung?"
Ich: "Danke, dass du das machen würdest, aber ein bisschen möchte ich, dass der Patient noch selbst macht. Wenn das nicht klappt komm ich auf dich zurück."
Freya: "Gerne."
Ich: "Du bist super. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du bald keine Hilfsarbeiten mehr machen wirst.", drehe mich um und gehe zu Frederik ins Zimmer.

FREDERIK
Mit einem Lächeln im Gesicht betritt Oliver das Zimmer.
Oliver: "Bevor du fragst, warum ich so gute Laune habe. Es ist wegen dir."
Ich: "Wegen mir?"
Oliver: "Ja. Ich haben einen Job für dich."
Ich: "Was soll das sein?"
Oliver: "Dozent an der Uni Köln."
Ich: "Ich soll an der Uni lehren?"
Oliver: "Ja. Denk doch mal an Anna."
Ich schaue ihn irritiert an, weil Anna mich verletzt hat.
Oliver: "Nicht an das was sie dir angetan hat. Sondern an das was du ihr beigebracht hast. Wie du ihr zum Beispiel das Knie beigebracht hast."
Ich: "Mit viel Zeit."
Oliver: "Es war ein Abend. Und die Zeit hast du in der Uni auch, wenn nicht sogar mehr, um da vielen angehenden Medizinern was beizubringen. Du kannst gut mit Menschen, bis einfühlsam, hast Geduld und vor allem kannst das was du theoretisch lehrst mit Praktischem erklären. Wer kann das sonst schon? Die meisten Dozenten können nur Theorie. Du bist perfekt für den Job."
Irgendwo hat er schon Recht. Es wäre eine Option.
Oliver: "Zudem wäre es auch in Köln. Wegtechnisch nicht anders wie jetzt. Was sagst du dazu?"
Oliver ist euphorisch.
Ich: "Es klingt gut und ist eine Option."
Oliver: "Eine gute Option, finde ich."
Ich: "Mmh."
Oliver: "Hey. Du darfst dem Alten nachtrauern, aber solltest auch Neues sehen."
Ich: "Wie kommst du überhaupt darauf, dass ich in der Uni arbeiten soll?"
Oliver: "Da hat mich jemand drauf hingewiesen."
Ich schaue ihn fragend an.
Oliver: "Freya. Sie ist Medizinstudentin im 5. Semester und macht gerade ihr 1. Praktikum hier in der Klinik."
Ich: "Und du redest mit ihr über mich?"
Oliver: "Eher umgekehrt. Tabea hat sie ausgetrickst. Normalerweise sollte sie noch garnicht gestern zu dir. Da hat sie Freya als Fahrerin ausgenutzt. Heute egal, da Freya jetzt weiß, was sie nicht darf. Sie ist motiviert, interessiert und aufmerksam. Sie schnappt viel auf und fragt nach. Das finde ich klasse. Und darüber kamen wir ins Gespräch und sie erzählte mir, dass an der Uni Dozenten im Bereich Medizin gesucht werden."
Ich: "Sie scheint es dir angetan zu haben, wenn du so positiv von ihr sprichst."
Oliver: "Ja. Wenn sie so bleibt wird sie eine sehr gute Ärztin und ich werde ihr dabei helfen."
Ich: "Wie willst du das machen?"
Oliver: "Indem sie bei mir mitläuft. Für Hilfsarbeiten ist sie zu gut. Sie muss was sehen und mehr machen."
Ich: "Und dich dadurch entlasten."
Oliver: "Erstmal ist es Mehrarbeit für mich. Schließlich möchte ich ihr was beibringen."
Ich: "Und am Ende kann sie für dich arbeiten."
Oliver: "Soweit wird es vermutlich nicht kommen. Dafür ist sie noch nicht fortgeschritten genug. Aber wenn sie ein bisschen was machen könnte, das wäre toll."
Ich: "Und Professor Filou hat dem zugestimmt?"
Oliver: "Mit dem spreche ich noch. Was sollte er dagegen haben? Motivierte Praktikantin, motivierter Arzt, besseres kann er nicht haben."
Ich: "Ich glaube nicht, dass er was dagegen haben wird. Ich sehe es wie du, es ist für beide lehrreich."
Oliver: "Genau und lehrreich kannst du auch werden. Überleg dir das mit der Uni. Ich kann mir vorstellen, das passt."
Ich: "Ich überlege es mir."
Oliver: "Und meldest dich dann bei der Uni."
Ich: "Du lässt nicht locker oder?"
Oliver: "Niemals. Ich muss jetzt zum Professor um Freya was beibringen zu dürfen."
Ich lächel.
Oliver verlässt das Zimmer.

Dozent an der Uni Köln. Medizin lehren statt auszuüben. Wobei übe ich es dann nicht auch aus? Nur anders als in der echten Praxis. Es klingt gut. Ich werde mich im Internet mal einlesen und schauen, was die Uni sucht und bietet. Ich glaube, dann werde ich dort hin mal Kontakt aufnehmen. Schließlich habe ich nichts zu verlieren. Es ist besser als zu Hause sein und nichts tun. Allerdings kann ich das erst machen wenn ich auf der Normalstation liege und einen Laptop habe.

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